Die Callcenter Mitarbeiterin

Als ich heute morgen in einer alten Taz geblättert habe, stieß ich auf den Begriff „Rauhnächte“, der mich sofort neugierig machte. Ich befragte das Worldwideweb und fand ein paar interessante Rituale und Bräuche. Als Rauhnächte bezeichnet man die 12 Nächte, die um Mitternacht (oder wie einer meiner Söhne sagen würde um „Null“) am 24.12. beginnen und um dieselbe Zeit am 05.01. enden. Vielleicht wusstet ihr das schon- mir war das neu. Diese Zeit dient der inneren Einkehr und der Selbstreflexion, jedem Tag ist eine andere Aufgabe zugeschrieben. Es gibt Räucherrituale und vieles mehr, es ist die Zeit des Ordnens und Aufräumens im Innen und Außen. Ich möchte jetzt nicht das gesamte Themenfeld abhandeln, ich fand es nur witzig, dass ich vieles von dem getan habe, was dort aufgeführt ist. Wahrscheinlich der dunklen Jahreszeit geschuldet. Manches allerdings schon etwas vor der Zeit. Beispielsweise habe ich begonnen, alte Accounts, die ich nicht mehr benötige, löschen zu lassen. Weniger Accounts bedeuten weniger Passwörter. Weniger macht mich glücklich. Allerdings ist der Umgang von Unternehmen mit dem Löschen ihrer Kundendaten sehr unterschiedlich, wie ich feststellen musste. Während manche direkt einen Menüpunkt anbieten, um das unkompliziert zu erledigen, muss man andere anschreiben. Besonders nett war das Gespräch mit der Callcenter Mitarbeiterin eines Mobilfunkunternehmens. Da mein großer Sohn inzwischen volljährig ist und wir den Vertrag auf ihn überschrieben haben, benötigte ich meinen Zugang nicht mehr. Ich rief den Kundenservice an:

Ich: „Ich würde gerne meinen Kundenaccount löschen lassen.“ Ich erklärte kurz den Sachverhalt.

Sie: „Aber Sie müssen ihn nicht löschen lassen, es passiert ja nichts damit.“

Ich: „Ja, aber ich brauche ihn ja nicht mehr. Ich möchte ihn gerne löschen. Simplify your life.“

Sie: „Oh, die App habe ich mir auch mal runtergeladen.“ Denkt kurz nach. „Aber eigentlich braucht man dazu gar keine App.“ Sie sucht in ihrem Computer nach Handlungsanweisungen, mit denen sie mir meine Bitte erfüllen kann.

„Da muss ich jetzt doch mal die Fachabteilung anrufen. Sie sind die Erste, die das möchte.“

Als sie sich wieder meldet, ist alles erledigt und wir verabschieden uns mit fast feierlichen Worten. Ich bin mir sicher, sie hat sich während der Rauhnächte auch von ein wenig Ballast getrennt.

Ich wünsche Euch einen guten Start ins Arbeits- und Schulleben!

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