Fernsehtipp: Verdaddeln wir unser Leben?

Zwischendrin ein kurzer, ganz unweihnachtlicher Programmtipp: Die Panoramaredaktion hat sich dem Thema Smartphone gewidmet, unter anderem berichtet sie von einem Schulprojekt, in dem Schüler(innen) einer 6.Klasse Vor- & Nachteile des Smartphonegebrauchs an Schulen untersucht hat, und von dem Journalisten Johannes Edelhoff, der 60 Tage im Selbstversuch intensiv Handyspiele getestet hat, um mehr über Belohnungssysteme, Pay-to-Win-Prinzipien und anderen Mechanismen zu erfahren. Eine sehr interessante Sendung mit vielen unterschiedlichen Aspekten und Infos.

Hier geht`s zur Sendung:

Panorama „Verdaddeln wir unser Leben“

Buchtipps für junge Wissenschaftler

Lucy und Stephen Hawking

Wie bereits erwähnt, ist es bei meinem Großen nicht immer ganz leicht, die Lektüre zu finden, die vor seinen Augen Gnade findet. Zum Glück bin ich irgendwann auf die Kinderbücher „Die unglaubliche Reise ins Universum“ und „Der geheime Schlüssel zum Universum“ gestoßen, die Stephen Hawking zusammen mit seiner Tochter Lucy geschrieben hat. Genial verbinden sie Abenteuergeschichten mit Sachwissen auf dem aktuellen Stand der Planetenforschung. So finden sich in den Kapiteln immer wieder Fotografien und Bilder aus dem Weltall, sowie Fakten und Wissenswertes rund um die Raumfahrt. Wären die Geschichten nicht gut geschrieben, würde das allein mein Kind sicher nicht begeistern können. Aber hier stimmt das Gesamtpaket. Für alle, die auf unterhaltsame Weise mehr über unser Universum erfahren möchten.

Altersempfehlung: Ab 10 Jahre

Der geheime Schlüssel zum Universum (Band 1)

ISBN: 978-3-570-21953-9  cbt Verlag

Die unglaubliche Reise ins Universum (Band 2)

ISBN: 978-3-570-22254-6  cbt Verlag

Die Vorstadtkrokodile

VorstadtkrokodileObwohl die „Vorstadtkrokodile“ bereits Ende der 70er geschrieben wurden und das Buch schon in meiner Kindheit erfolgreich war, habe ich es jetzt erst kennengelernt, als ich es meinen Jungs vorgelesen habe. Und nach den ersten Seiten dachte ich ehrlich gesagt nicht, dass es ihnen gefallen würde. So wie uns viele der Vorabendserien unserer Kindheit inzwischen fast wie in slow motion erscheinen, beginnt auch dieser Roman äußerst entschleunigt und hat erst mal mit dem Leben der meisten Kinder heute wenig gemein. Die Krokodiler, wie sich die Kinderbande selbst nennt, leben in einer Siedlung im Ruhrpott in eher einfachen Verhältnissen. Die Eltern der Kinder arbeiten Schicht oder sind von Arbeitslosigkeit bedroht und müssen zusehen, dass das Geld bis zum Ende des Monats reicht. Statt also in den Verein oder zum Musikunterricht zu gehen, verbringen die Kinder ihre Nachmittage im nahe gelegenen Wäldchen und in der alten Ziegelfabrik. In der Nachbarschaft wohnt auch Kurt, der im Rollstuhl sitzt. Als es zu einer Einbruchsserie in der Siedlung kommt, macht er eine wichtige Beobachtung. Obwohl sich die Krokodiler anfangs dagegen sträuben, Kurt in ihre Bande aufzunehmen, gehen sie schließlich gemeinsam auf Einbrecherjagd. Max von Gruen hat dieses Buch für seinen körperbehinderten Sohn geschrieben, der ebenso wie die Romanfigur Kurt zwar körperlich benachteiligt ist, dafür aber sehr clever und aufgeweckt. Er wollte mit Vorurteilen aufräumen und zeigen, dass auch ein behindertes Kind dazugehören kann, wenn die Gesellschaft offen ist und bereit, neue Wege zu gehen. So entstand dieser Roman als wichtiges Werk zum Thema Inklusion, lange bevor dieser Begriff in aller Munde war. Ich musste das Buch dann tatsächlich in einem Rutsch auf einer langen Fahrt vorlesen und sowohl mein 3.- als auch  mein 8.- Klässler waren total begeistert. Und ich bin froh, dass ich diesen Klassiker endlich kennengelernt habe.

„Vorstadtkrokodile“ von Max von Gruen

cbj-Verlag, ISBN 978-3-570-21665-1

mehr unter: Die Vorstadtkrokodile

Vom Leid mit dem Schreiben

Wieso habe ich eigentlich Kinder bekommen, die niemals freiwillig malen würden und Schreiben als Zumutung empfinden? Also, bitte nicht falsch verstehen, ich möchte sie um nichts in der Welt eintauschen, sie sind zwei bezaubernde Geschöpfe mit wunderbaren Fähigkeiten und Neigungen, aber eben nicht mit diesen. Und trotzdem fällt es mir ziemlich schwer, Verständnis für diese beiden Würmer zu haben, wenn sie sich mal wieder um das Schreiben einzelner Buchstaben und Sätze winden, abtauchen und auftauchen, zwischendurch in die Luft gehen und so die Bewältigung ihrer Aufgaben auf Stunden oder gar Tage ausdehnen, die bei konzentriertem Angehen vermutlich zehn Minuten in Anspruch nähme. Bei mir. Bei manch anderer/m. Für sie ist es die reine Zumutung. Ein Affront.

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Höhepunkt im Schulleben – das Referat. An der Montessori Schule eine hochgelobte Sache, schon Erstklässler halten dort freiwillig Referate und diese machen die Kinder selbstbewusst im Vortrag und geübt in der Recherche. So die Lehrerinnen. Soweit die Theorie. Was so ein Referat für mich bedeutet, kommt dabei völlig zu kurz. Es ist die Hölle. (M)ein Kind soll aus der Fülle von nicht begrenzten Informationen(Lesen!!! – kommt gleich nach Schreiben) die wichtigsten (!!!!!!) Punkte ( bei naturwissenschaftlichem Anspruch auf Präzision) aufs Papier (!!!!!!!!!!!!!) bringen, ein Plakat (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) gestalten (meine Kinder verwenden im Allgemeinen Bleistifte, Farben werden an dieser Stelle sehr überschätzt). Supergau. Und das über Wochen.

Ich hatte von diesen Anstrengungen nicht die leiseste Ahnung, ich, die ich bei Schwungübungen mein Bestes gab, die ich Religion in der Grundschule geliebt habe, weil ich Hefte mit zahllosen Bildern füllen durfte. Mein kleiner Sohn hasst Religion genau aus diesem Grund. Wer nicht gern malt, ist natürlich auch beim Schreiben nicht so locker und so kommt eins zum anderen. Und oft sind es leider die Jungs, die mit dem Schreiben auf Kriegsfuß stehen. Unterrichtet werden sie an den Grundschulen allerdings überwiegend von Frauen, die vielleicht genauso gerne gemalt haben wie ich und denen dieses Ringen mit dem Stift vermutlich ebenso fremd ist. Vielleicht bräuchte es für die kleinen Schreibverweigerer einen ganz anderen Unterricht, von jemandem, der es auch ganz furchtbar fand, zu schreiben und einen ganz anderen Zugang zu diesem Thema hat. Schreibhasserklassen sozusagen, wo nach einer Zeile schreiben fünf Minuten Fußball gespielt werden darf. Oder so. Naja, wird wohl eh nichts in nächster Zukunft, fürchte ich. Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als zu wachsen. Weit in den Himmel hinauf. Und vielleicht stehe ich eines Tages drüber und sage: „Schatz, du machst ein Referat, das ist ja wunderbar!“, und bekomme einen (Schein-)heiligenschein. Bis dahin – tief durchatmen, immer und immer wieder.

Digital natives

Bei uns an der Grundschule kursiert gerade die Idee, ab der 1.Klasse Programmieren als Wahlfach anzubieten. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass meine Kinder solchen Errungenschaften der Digitalisierung im Kindesalter gerade noch entkommen sind und sich das große Kind erst jetzt in der 7.Klasse mit Programmieren beschäftigt, was ich übrigens total gut finde. Er wird sicherlich mehr von dem verstehen, wie ein Rechner arbeitet, als ich das bis heute tue. In den nächsten Jahren wird sich wohl noch einiges zum Thema „Medienbildung“ tun und ob das immer so sinnvoll sein wird, wage ich zu bezweifeln. Das beliebte Totschlagargument gegen Kritiker der Digitalisierung in der Schule ist, dass man mit dem digitalen Fortschritt mithalten müsse. Bullshit, sage ich dazu. Ich finde, wir sollten unseren Kindern wenigstens in Kindergarten und Grundschule das Leben im Hier und Jetzt ermöglichen und sie sinnlich sein lassen, damit sie dem digitalen Leben später auch etwas entgegen zu setzen haben. Riechen, Fühlen, Spüren, Erleben, miteinander live und in Farbe spielen und streiten. Draußen sein und toben. Bei sich sein. Ein Schutzraum. Wer Kinder an digitalen Geräten erlebt, weiß, wie blind sie sich innerhalb kürzester Zeit damit zurechtfinden. Man muss sie nicht als Kleinkinder heranführen, sie werden uns auch im Alter von zehn Jahren innerhalb kürzester Zeit überholen. Ihnen technische Kompetenz zu vermitteln, sollte also die geringste Sorge sein. Wichtig dagegen ist, ihnen beizubringen, wie man sich gegen Datenklau schützt, wozu Daten genutzt werden, was Bildrechte sind, dass es auch andere Suchmaschinen als Google gibt oder Alternativen zu What`s app. Themen also, die eine gewisse Reife voraussetzen. Ihnen aber beizubringen, dass es auch schön ist, offline zu sein, sich zu unterhalten, ohne gleichzeitig am Smartphone zu tippen, sich auch mal zu langweilen oder einfach den Moment im Hier und Jetzt zu genießen ohne ihn online zu teilen oder festzuhalten, diese Erfahrungen zu vermitteln, sollte stattgefunden haben, bevor das Smartphone den Alltag der digital natives bestimmt. Vielleicht ist nicht die Nutzung, sondern viel mehr die Nichtnutzung digitaler Medien der wichtigste Bildungsauftrag dieser Zeit. Denn irgendwann kommt bei wohl jedem Kind der Tag, an dem die digitale Welt einen großen Anteil an seinem Leben haben wird und darauf sollte es gut vorbereitet sein.

Kleine Auszeiten

Es gibt sie tatsächlich wieder in meinem Leben – Momente der Langweile. Naja, das wäre vielleicht zu viel gesagt, aber Momente, in denen mich niemand braucht, in denen ich da sitze und denke, jetzt ist tatsächlich Raum, etwas nur für mich zu tun. Aber was? Fast habe ich es verlernt, etwas ohne Sinn und Zweck und Nutzen zu tun, etwas, das mir einfach gut tut und Spaß macht. Ich weiß, davon träumt ihr Eltern von kleinen Kindern und behauptet vielleicht, ihr wüsstet genau, was ihr tun würdet. Vermutlich einfach schlafen. Aber manchmal verlernt man bei aller Fürsorge um andere, gut für sich selbst zu sorgen. Ich habe mich dafür entschieden, wieder zu tanzen. Da bekomme ich den Kopf am Besten frei, Tanzen macht mich glücklich. Es ist fantastisch, dass mein 43-jähriger Körper noch quasi ungebremste Energie hat und mir wenige Grenzen aufzeigt. Als ich davon erzählte, meinte eine kinderlose Bekannte, man müsse doch immer etwas für sich tun, auch wenn die Kinder klein sind. Wie Recht du hast und wie weit dieses Statement oft vom echten Leben entfernt ist. Vom Leben mit Überstunden, schlaflosen Nächten, Elternabenden, Kinderkrankheiten, Laternenumzügen und Weihnachtsfeiern. In dem man aus irgendeinem Grund mindestens jede zweite Woche beim Training fehlt und es dann einfach entnervt sein lässt. Meine Kinder sind jetzt 7 und 12, alt genug, mir einmal die Woche eine Auszeit zu gönnen. Nur für mich. Wunderbar. Ich könnte natürlich auch Wäschewaschen – aber das wäre doch wirklich schade, oder?

Für Nürnberger: hier gibt es tolle Kurse mit entspannten Menschen und guter Energie

http://www.das-studio3.de/

Aufklärung für Anfänger Teil 2

Das Schöne daran, Gedanken in die Welt zu streuen, ist, andere Gedanken wieder zurück zu bekommen. So auch in diesem Fall geschehen. Jetzt weiß ich, dass das mit der Aufklärung total einfach ist, denn es gibt die Sendung „Du bist kein Werwolf“, die jeden Sonntag um 20.10h und 20.35h auf KiKa läuft. Damit das Ganze nicht mit dem Tatort kollidiert, gibt es natürlich alle Folgen und Einzelteile auch online. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Christine Henning und Ralph Caspers, wohl bekannt aus der „Sendung mit der Maus“ plaudern locker flockig über Vorhaut, Samenerguss und Schamlippen ohne auch nur ein bisschen rot zu werden. Herrlich. Es geht natürlich nicht nur um Anatomie, sondern auch um Beziehungen, Selbstversuche und andere Themen, die Teenager bewegen. Ob die Kids so eine Folge allerdings mit ihren Eltern zusammen anschauen wollen, wage ich zu bezweifeln.

Mehr infos unter: http://www.wdr.de/tv/werwolf/index.php5