Digital natives

Bei uns an der Grundschule kursiert gerade die Idee, ab der 1.Klasse Programmieren als Wahlfach anzubieten. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass meine Kinder solchen Errungenschaften der Digitalisierung im Kindesalter gerade noch entkommen sind und sich das große Kind erst jetzt in der 7.Klasse mit Programmieren beschäftigt, was ich übrigens total gut finde. Er wird sicherlich mehr von dem verstehen, wie ein Rechner arbeitet, als ich das bis heute tue. In den nächsten Jahren wird sich wohl noch einiges zum Thema „Medienbildung“ tun und ob das immer so sinnvoll sein wird, wage ich zu bezweifeln. Das beliebte Totschlagargument gegen Kritiker der Digitalisierung in der Schule ist, dass man mit dem digitalen Fortschritt mithalten müsse. Bullshit, sage ich dazu. Ich finde, wir sollten unseren Kindern wenigstens in Kindergarten und Grundschule das Leben im Hier und Jetzt ermöglichen und sie sinnlich sein lassen, damit sie dem digitalen Leben später auch etwas entgegen zu setzen haben. Riechen, Fühlen, Spüren, Erleben, miteinander live und in Farbe spielen und streiten. Draußen sein und toben. Bei sich sein. Ein Schutzraum. Wer Kinder an digitalen Geräten erlebt, weiß, wie blind sie sich innerhalb kürzester Zeit damit zurechtfinden. Man muss sie nicht als Kleinkinder heranführen, sie werden uns auch im Alter von zehn Jahren innerhalb kürzester Zeit überholen. Ihnen technische Kompetenz zu vermitteln, sollte also die geringste Sorge sein. Wichtig dagegen ist, ihnen beizubringen, wie man sich gegen Datenklau schützt, wozu Daten genutzt werden, was Bildrechte sind, dass es auch andere Suchmaschinen als Google gibt oder Alternativen zu What`s app. Themen also, die eine gewisse Reife voraussetzen. Ihnen aber beizubringen, dass es auch schön ist, offline zu sein, sich zu unterhalten, ohne gleichzeitig am Smartphone zu tippen, sich auch mal zu langweilen oder einfach den Moment im Hier und Jetzt zu genießen ohne ihn online zu teilen oder festzuhalten, diese Erfahrungen zu vermitteln, sollte stattgefunden haben, bevor das Smartphone den Alltag der digital natives bestimmt. Vielleicht ist nicht die Nutzung, sondern viel mehr die Nichtnutzung digitaler Medien der wichtigste Bildungsauftrag dieser Zeit. Denn irgendwann kommt bei wohl jedem Kind der Tag, an dem die digitale Welt einen großen Anteil an seinem Leben haben wird und darauf sollte es gut vorbereitet sein.

Kleine Auszeiten

Es gibt sie tatsächlich wieder in meinem Leben – Momente der Langweile. Naja, das wäre vielleicht zu viel gesagt, aber Momente, in denen mich niemand braucht, in denen ich da sitze und denke, jetzt ist tatsächlich Raum, etwas nur für mich zu tun. Aber was? Fast habe ich es verlernt, etwas ohne Sinn und Zweck und Nutzen zu tun, etwas, das mir einfach gut tut und Spaß macht. Ich weiß, davon träumt ihr Eltern von kleinen Kindern und behauptet vielleicht, ihr wüsstet genau, was ihr tun würdet. Vermutlich einfach schlafen. Aber manchmal verlernt man bei aller Fürsorge um andere, gut für sich selbst zu sorgen. Ich habe mich dafür entschieden, wieder zu tanzen. Da bekomme ich den Kopf am Besten frei, Tanzen macht mich glücklich. Es ist fantastisch, dass mein 43-jähriger Körper noch quasi ungebremste Energie hat und mir wenige Grenzen aufzeigt. Als ich davon erzählte, meinte eine kinderlose Bekannte, man müsse doch immer etwas für sich tun, auch wenn die Kinder klein sind. Wie Recht du hast und wie weit dieses Statement oft vom echten Leben entfernt ist. Vom Leben mit Überstunden, schlaflosen Nächten, Elternabenden, Kinderkrankheiten, Laternenumzügen und Weihnachtsfeiern. In dem man aus irgendeinem Grund mindestens jede zweite Woche beim Training fehlt und es dann einfach entnervt sein lässt. Meine Kinder sind jetzt 7 und 12, alt genug, mir einmal die Woche eine Auszeit zu gönnen. Nur für mich. Wunderbar. Ich könnte natürlich auch Wäschewaschen – aber das wäre doch wirklich schade, oder?

Für Nürnberger: hier gibt es tolle Kurse mit entspannten Menschen und guter Energie

http://www.das-studio3.de/

Aufklärung für Anfänger Teil 2

Das Schöne daran, Gedanken in die Welt zu streuen, ist, andere Gedanken wieder zurück zu bekommen. So auch in diesem Fall geschehen. Jetzt weiß ich, dass das mit der Aufklärung total einfach ist, denn es gibt die Sendung „Du bist kein Werwolf“, die jeden Sonntag um 20.10h und 20.35h auf KiKa läuft. Damit das Ganze nicht mit dem Tatort kollidiert, gibt es natürlich alle Folgen und Einzelteile auch online. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Christine Henning und Ralph Caspers, wohl bekannt aus der „Sendung mit der Maus“ plaudern locker flockig über Vorhaut, Samenerguss und Schamlippen ohne auch nur ein bisschen rot zu werden. Herrlich. Es geht natürlich nicht nur um Anatomie, sondern auch um Beziehungen, Selbstversuche und andere Themen, die Teenager bewegen. Ob die Kids so eine Folge allerdings mit ihren Eltern zusammen anschauen wollen, wage ich zu bezweifeln.

Mehr infos unter: http://www.wdr.de/tv/werwolf/index.php5

Französisch mal anders.

Schüler(innen) der 6.Klassen am Gymnasium lernen ja bereits die zweite Fremdsprache und insofern sie sich nicht für Latein entschieden haben, bekommen sie es meist mit Französisch zu tun. Da das reine Vokabel lernen nicht immer höchste Freude bereitet, habe ich etwas auf Youtube gestöbert und meinem Kind französischen Hip Hop präsentiert- und der ist teilweise echt richtig gut. Zum Glück sind die Sprachkenntnisse ja noch nicht so gut, dass sie die klassischen Gangsta Texte verstehen und auch so manches Video ist definitiv nicht für die Altersgruppe geeignet. Aber zum Anhören sind die Songs definitiv richtig cool und verpassen der Sprache ein cooles Image, also beste Voraussetzung, sich ein bisschen reinzuhängen. Anbei der Lieblingssong meines Kindes und ein paar andere Songs, die wir mögen.

  • Stromae – Formidable
  • Sexion d`Assaut – Avant quèlle parte / Désolè
  • Maitre Gims-  Est-que tu m`aimes?

We like!

Mama Taxi – ohne mich!

Letzte Woche versuchte ich einen neuen Termin für den Instrumentalunterricht meines Kindes mit der Mutter des Mädchens zu vereinbaren, mit der er Unterricht hat. Ein völlig sinnloses Unterfangen, wie sich bald herausstellte, wohnt die Familie doch in einem Stadtteil von Nürnberg, der so schlecht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist, dass das Mädchen darauf angewiesen ist, von ihrer Mutter gefahren zu werden, die wiederum aber auch deren Bruder zu dessen Freizeitaktivitäten fahren muss und das zum ohnehin langen Unterricht am Gymnasium – kurzum, es war schlichtweg unmöglich, den Termin zu verlegen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich meine Eltern zu meiner Schulzeit jemals irgendwo extra mit dem Auto hingefahren hätten. Ob nun zum Sport, zum Instrumentalunterricht oder zu sonst einem Hobby, ich fuhr im Sommer mit dem Rad, im Winter mit dem Bus, wie vermutlich die Mehrzahl meiner Altersgenoss(inn)en in der Kleinstadt. Aus die Maus, das war einfach so. Vermutlich aus dieser Selbstverständlichkeit heraus war es mir von Anfang an wichtig, dass sich auch meine Kinder baldmöglichst autark von mir fortbewegen können. Klar, wir wohnen auch so, dass das geht. Kindergarten und Schule sind zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in etwa 20 Minuten zu erreichen und auch alle anderen Aktivitäten haben eine gute Bus oder U-Bahn Verbindung. Wo es geht, fahren wir Fahrrad, was zur Folge hatte, dass ich mit meinem kleinen Sohn immer wieder irrwitzige Diskussionen führen musste, wenn ich ihn direkt auf dem Rückweg vom Arbeiten mit dem Auto vom Kindergarten abholte. Er kann Autofahren einfach nicht leiden. Bei manchen Müttern scheint es allerdings fast so, als gäbe der Stress, den sie als chauffierende Wesen erfahren, ihrem Leben erst Sinn. Zwar nervt es sie vollends, ihre talentierten Kinder von Hobby A zu Hobby B zu fahren, sie tun aber auch rein gar nichts dazu, ihren Kindern diese Verantwortung abzugeben. Letztens erzählte mir eine Dreizehnjährige, sie könne an diesem Tag ihre Freundin nicht mehr besuchen, weil sie niemand fahren könne. Ich fragte nach, wieso sie nicht mit der U-Bahn fahre. Mit großen Kulleraugen erklärte sie mir, dass das auf keinen Fall gehe, da sie sich auf jeden Fall verfahren werde, das mache sie immer. Diese Begründung ließe ich vermutlich gelten, wohnten wir in München, Berlin oder Paris. Aber in Nürnberg gibt es genau 3(!) U-Bahnlinien. Das zauberte mir dann doch ein kleines Schmunzeln auf die Lippen und ich musste mich wundern, dass sie mit dieser Tour zuhause durchkam. Tja, jedem das Seine. Mir würde ein bisschen Landleben auch gut zu Gesicht stehen, aber für mich ist das nichts mit dem Chauffieren. Da warte ich lieber noch. Vielleicht klappt es ja, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Sie können mich dann gerne besuchen – natürlich auch mit dem Auto.

Untierchen

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Wimmelt es bei Euch zu Hause auch nur so vor ja,gleichs und nur nochs– diesen possierlichen Tierchen, denen die Unverwüstlichkeit einer Kakerlake eigen zu sein scheint? Die immer dann in Erscheinung treten, wenn ich mit einem Anliegen an meine Kinder herantrete. „Ja, gleich… ich muss nur noch….!“, kommen sie aus dem Kinderzimmer. Wie erschrak ich, als jüngst die beste Freundin meines Sohnes just das tat, was ich verlangte, kaum noch, dass ich den Satz ausgesprochen hatte. Eine Verhaltensweise, die jedoch, wie ich erfahren durfte, allein der Tatsache geschuldet war, dass es sich nicht um mein eigen Fleisch und Blut handelte und dass sich mein Sohn anderenorts genauso verhalte. Ein Trost? Ich weiß nicht. Lieber wäre mir ein probates Mittel, um diese kleinen Untierchen loszuwerden. Wo sie doch nicht mal vor meinem Schreibtisch haltmachen.

Vorfrühling

Wenn es bei uns an der Tür klingelt, finden für gewöhnlich zwei der folgenden Handlungsabläufe statt:

Der 1.Fall: Es passiert überhaupt nichts, da alle möglichen Türöffner geflissentlich bemüht sind, das störende Geräusch zu überhören, weil sie gerade hoch konzentriert Lego spielen oder sich nicht von der Arbeit am Computer lösen können.

Der 2.Fall: Mindestens ein Kind stürzt sich so, wie es gerade ist, tollkühn die Treppe hinunter, um den vermeintlichen Besuch oder den heimkommenden Elternteil freudig zu empfangen.

So geschehen an jenem Abend, als es gegen Acht Uhr klingelte. Mein achtjähriger Sohn, bereits im Schlafanzug, stürzte sich johlend die Treppe hinunter und schoss wenige Sekunden später wie ein geölter Blitz, seltsame Laute hervorstoßend und irgendwie komisch zuckend wieder an mir vorbei in die Wohnung zurück. Verwundert wartete ich auf die wundersame Person, die diese Reaktion ausgelöst hatte. Es war Mathilda, eine sehr nette Mitschülerin, die etwas bei uns abgeben sollte. Das kann ja heiter werden.Bild