Vom Arbeiten und Mama (*) sein

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einer Freundin, die gerade eine Fortbildung besucht hatte. Eigentlich war sie von dem neuen Input total begeistert, war aber gleichzeitig frustriert, weil die anderen Kolleg(inn)en im Gegensatz zu ihr voll arbeiteten und andauernd solche Fortbildungen besuchten und sie sich deshalb irgendwie außen vor fühlte mit ihrer reduzierten Berufstätigkeit. Ich konnte sie absolut verstehen. Arbeiten und Kinder, das ist einfach mit ambivalenten Gefühlen verbunden. Arbeiten ohne schlechtes Gewissen ist quasi unmöglich und so kommen vor allem wir uns traditionell zuständig fühlenden Frauen immer wieder in das Dilemma, zu meinen, weder den Kindern gerecht werden zu können, noch unserer Arbeit. Ich bin selbständig und in Phasen, in denen ich sehr viel arbeite, fühle ich mich meistens auch sehr wohl mit meiner Arbeit, bis mein Kleiner ziemlich bald seinen Anteil fordert: „Mama, wann bringst Du mich mal wieder in die Schule?“ und „Mama, Du bist gar nicht mehr zu Hause!“ Herzschmerz. Bin ich dann wieder mehr zu Hause, genieße ich zwar die Zeit mit meiner Familie, es stellt sich aber auch schnell dieses „Ich bin außen vor“- Gefühl dem Job gegenüber ein. Ist ja auch alles irgendwie nicht mehr so wichtig wie früher. Manchmal. Und trotzdem will ich meinen kinderlosen Kolleginnen in Nichts nachstehen. Obwohl sie sich Tag und Nacht theoretisch mit nichts anderem beschäftigen könnten als mit der Arbeit, während auf mich nach dem Job Essen kochen, Gute Nacht-Geschichte vorlesen und Chaos beseitigen auf dem Programm stehen. Ich fürchte, dieser Konflikt gehört zu uns arbeitenden Müttern (*), denn alle Argumente pro Arbeit neben dem finanziellen Aspekt ( „Ich bin ja viel zufriedener und ausgeglichener, als wäre ich nur zu Hause!“ ) und Argumente pro Zuhause bleiben ( „Es ist so toll, mehr Zeit für mein Kind zu haben und keinen Schritt zu verpassen.“), greifen eben auch nur in Zeiten, in denen alles rund läuft. Ansonsten haben wir eben manchmal Herzschmerzen und die sind für Argumente absolut unempfänglich. Da hilft es eben manchmal nur, sein Herz auszuschütten und zu wissen, dass einen vermutlich Millionen von Frauen auf dieser Welt total gut verstehen. 

(*es gibt natürlich auch Väter, die ähnlich empfinden, oder? Schreibt mir gerne!)

 

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Die „Ist doch nicht so schlimm“-Falle

Letze Woche bin ich wieder voll reingetappt in die „Ist doch nicht so schlimm!“-Falle. Mein kleiner Sohn kam tief frustriert vom Sport nach Hause, weil etwas so gar nicht geklappt hatte. Jammernd berichtete er, warum die Übung so überhaupt nicht funktionieren könne und was daran alles falsch und blöd und irgendwie sei. Da schnappte sie zu. Ich sagte: „Ist ja nicht so schlimm, du kannst ja noch üben und irgendwann schaffst du es dann.“ Die Tür zu seinen übersprudelnden Worten schloss sich im Bruchteil einer Sekunde und seine Trauer schlug in maßlose Wut um, weil ich einfach nichts verstand. Es ging nicht um irgendwann, es ging um jetzt, um seinen Frust und seine Trauer, diese einfach zulassen zu dürfen und mit ihr angenommen zu werden. Wir Erwachsenen haben ja oft dieses Bedürfnis, alle Sorgen und Probleme wegzuquatschen. Dabei geht es weder um Dramatisieren („Ach, mein armes Kind, der Trainer hat doch keine Ahnung!“) noch um Wegdiskutieren. Einfach dasein und zuhören. Das wäre es schon gewesen. Eigentlich ganz einfach, oder etwa nicht?

Abwarten und Tee trinken

Tasse Tee trinken-01Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, denen weder Schwiegereltern noch Eltern in die Erziehung reinreden. Dennoch hat mir mein Vater einst einen „goldenen“ Tipp gegeben: manchmal einfach ein bisschen abzuwarten. Das klingt vielleicht etwas simpel, doch versetzen wir uns in eine dieser Situationen, die wir alle kennen: das Kind soll seine Spielsachen wegräumen und sagt ganz klar nein, weil es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Die erregte Mutter möchte es aber sofort, weil doch gleich der Besuch kommt und es noch aussieht wie Sau. So, nun einfach weitermachen und der Eklat ist vorprogrammiert. Das Kind wehrt sich mit jedem „Räum` jetzt auf!“ vehementer, ( „Ich räume überhaupt nie mehr auf!!!“) und am Ende schreien beide, die Mutter räumt auf, das Kind weint und man öffnet süßlich lächelnd dem Besuch die Tür, obwohl man eigentlich lieber mitweinen und noch mal auf Start gehen würde. Jetzt aber der Trick mit dem Warten. Gleiche Situation. Mutter: „Kannst Du bitte Deine Spielsachen aufräumen, wir bekommen gleich Besuch.“ Kind: „Nein, ich kann jetzt nicht.“ Die Mutter geht nicht darauf ein, widmet sich letzten Vorbereitungen, kämmt sich vielleicht die Haare oder raucht noch heimlich eine Zigarette auf dem Balkon und was geschieht? Nach etwa 10 Minuten erscheint das Kind und verkündet, es habe zu Ende gespielt und würde jetzt aufräumen. Kein Scherz – habe ich so ähnlich erlebt. Kinder hassen Stress und sie hassen es, den Rhythmus anderer übergestülpt zu bekommen. Mögen wir ja auch nicht, sofort irgendwas machen zu sollen, wenn wir gerade unsere Lieblingsserie gucken. Jaja, ich weiß, es geht manchmal nicht anders, aber manchmal eben doch und dann ist alles viel einfacher. Manchmal muss man allerdings etwas länger warten, beispielsweise bei Geschmacksirritationen. Ich habe festgestellt, wenn ich Sachen, die meinem kleinen Kind aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund nicht gefallen, einfach ein paar Monate im Schrank liegen lasse, kann es sein, dass es sie irgendwann entdeckt und total dufte findet. Ehrlich – einfach abgewartet, Geld gespart. Und sogar so manche nervenaufreibende Entwicklungsphase lässt sich bisweilen aussitzen, wie mir einst der Vater von vier Kindern erzählte, dessen Jüngstes sich während seiner Pubertät bitterlich beschwerte, dass der Vater sich kein bisschen provozieren ließe. Aber dieser wusste ja schon, irgendwann ist es wieder vorbei. Wieso also aufregen? Tja und im Erwachsenenleben ist das große Abwarten sowieso eine wunderbare Sache. Bei Terminen, die ich schon Wochen vorher bekomme, beginne ich nicht mehr hektisch die Kinderbetreuung bis ins Letzte zu organisieren und eventuelle Engpässe zu lösen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Termin verschiebt oder ins Wasser fällt, liegt bei mindestens 25%. Also schone ich Ressourcen und freue mich, wenn sich meine Probleme von alleine lösen. Danke, Papa!

Erster Schultag

Liebevoll berühre ich pünktlich um 6.30h die Schulter meines Sohnes und fordere ihn sanft auf, aufzustehen. Leichte Regung. Einige Minuten später wiederhole ich bei dem sich nicht Rührenden meine Aufforderung mit etwas energischerem Streicheln des Oberarmes. Es folgen mehrfache Wiederholungen ohne sichtbares Ergebnis und mein Ton wird verzweifelter und das Tätscheln geht in ein leichtes Rütteln über. „Ach jetzt komm`, steh halt bitte auf!“, rufe ich verzweifelt. Geht das jetzt wieder los? Jeden Morgen? Schließlich der letzte Versuch. Den fiesen Wecker direkt ans Ohr halten. Es wirkt. Der erste Schultag. Mein Kind sitzt schweigend neben mir am Tisch und isst sein Müsli. Der erste von vielen Morgen, an denen wir viel zu früh aufstehen und uns anschweigen werden. Wehmut schwängert die Luft. Ach, wie schön der Sommer war!

Babyjahre

BabyjahreNormalerweise habe ich altersgemäß nicht mehr so oft mit werdenden Eltern zu tun, aber vor einigen Tagen unterhielt ich mich dann doch einmal mit einer jungen Frau im fünften Monat, die mich fragte, was denn so wirklich wichtig sei, wenn man ein Kind bekomme. Das Erste, was mir einfiel, war eine gute Hebamme. Denn die kennt sich wirklich aus und kann bei Problemen sofort unterstützen und vor allem Ängste nehmen. Das Zweite, was mir damals gut getan hat, war, Finger von Ratgebern wie „Oh je, ich wachse“ zu lassen, in denen steht, was mein Kind gerade alles können sollte und statt dessen nur dann in einem Ratgeber meines Vertrauens nachzuschlagen, wenn ich gerade irgendwie überfordert war mit dem Verhalten meines Kindes. Dann war mein Nachschlagewerk der Klassiker „Babyjahre“ von Remo H. Largo. Denn in diesem Buch geht es nicht darum, was mein Kind wann können sollte, sondern es erklärt das Verhalten und die Bedürfnisse von Babies in all ihrer Vielfalt, um sie besser zu verstehen und darauf reagieren zu können. In diesem Moment weiß man: „Ich bin nicht allein!“ – und das hilft in schwierigen Phasen oft schon viel. Tja, und als Drittes der Tipp für alle Lagen des Lebens: Weniger ist mehr, auch bei der Erstausstattung. Steht sonst nur so viel rum. Viel Glück, liebe Aline.

„Babyjahre“ von Remo Largo, Piper, ISBN 978-3-492-25762-6

Und wer auch schon aus den „Babyjahren“ heraus ist, kann sich den Artikel der Zeit-Redakteurin Alard von Kittlitz über Remo Largos neues Buch „Das passende Leben“ durchlesen, das ist dann wieder eher was für die Meedchen (und Jungs) von gestern.

http://www.zeit.de/2017/32/babyjahre-remo-largo-buch-gebrauchsanweisung-kinderarzt

„Das passende Leben“ von Remo Largo, S.Fischer, ISBN-13:9783103972740

Sisyphus

Sisyphus,

beschreibendes Substantiv, maskulin oder feminin (kommt etwas häufiger vor)

Worttrennung:  Si|sy|phus

Bedeutung:  Elternteil mit einem oder meist mehreren Kindern, der versucht in den von Kindern bespielten Zimmern (also der ganzen Wohnung) Ordnung zu schaffen. Während der/die Sisyphus Spielsachen, Malpapier, Stifte oder andere zum Spielen zu verwendende Gegenstände (= alle nicht verschraubten oder in verschließbaren Schränken aufbewahrten Objekte mit einem Gewicht unter 4 kg) in einem Zimmer ordentlich verstaut, werden alle anderen Räume verwüstet.

Wird häufig verwendet im Zusammenhang mit ↗Sisyphusarbeit: Aufgabe, die nie vollendet werden kann.