Von Hunden und Kindern

Die Corona Pandemie bringt ja bekanntlich zahlreiche Begleiterscheinungen mit sich. Eine davon ist die neu entdeckte Liebe des Menschen zum Haustier- allen voran zu Katze und Hund. Ein ergebener Begleiter, der Struktur gibt und sich allzeit bereit durchkuscheln lässt, wenn Frauchen oder Herrchen bedürftig sind. Auch wir unterscheiden uns in dieser Hinsicht nicht von unseren Mitmenschen und verspüren seit einiger Zeit den Wunsch nach der Gesellschaft eines Hundes. Unseren Vermieter interessiert das leider wenig. Nach seinem kaltschnäuzigen Nein suchten wir Trost und fanden zumindest einen bezaubernden Pflegehund, mit dem wir nun ab und an spazieren gehen dürfen. Und wir sehen quasi als Ersatzdroge und in der leisen Hoffnung auf Veränderung der Zustände einmal wöchentlich die Serie „Hunde verstehen!“ im WDR.

( https://www.ardmediathek.de/wdr/sendung/hunde-verstehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9odW5kZXZlcnN0ZWhlbg/)

Wir lernen erstaunlich viel dabei. Und zwar nicht nur über Hunde. Dass es Schnittmengen bei der Erziehung verhaltensauffälliger Hunde und Kinder gibt, bemerkten meine große Schwester und ich bereits, als sie noch Pädagogik studierte und ich einen Hund hatte. Und so sieht sich der erfahrene Hund-Mensch-Coach Andreas Ohligschläger auch erstmal Herrchen und Frauchen an ( warum verniedlicht man die eigentlich so?), um herauszufinden, was mit den Vierbeinern schiefläuft. Eine häufige Ursache: das liebe Tier bekommt viel zu viel Aufmerksamkeit. Anstatt dass sich der Hund nach seinen Erziehungsberechtigten richtet, drehen die sich um ihn. Das kommt Euch bekannt vor? Also mir auch. Denn seitdem ich mich wieder um meine eigene innere Balance kümmere ( Yogaqueen Mady Morrison sei Dank www.youtube.com/watch?v=qFgwrTc1e1I) und die Verantwortung für das Homeschooling an mein Kind abgegeben habe, läuft es bei uns zuhause wieder weitaus relaxter.

Beim letzten „Fall“ musste auch jenes Kind über beide Ohren grinsen. Ein Hund weigerte sich mitzulaufen und legte den Rückwärtsgang ein, wenn nicht beide Besitzer mit zum Spaziergang kamen. Der Coach deckte schnell auf, dass Herrchen und Frauchen dieses Verhalten geradezu gefördert hatten, weil sie dem Hund immer dann besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt hatten, wenn er sich querstellte ( Ach, deshalb – Herrn und Frau wäre das nicht passiert). Das kam uns doch ein wenig bekannt vor mit dem Eigensinn und dem Raum, der er einnehmen kann. Aber wie man weiß, ist ja Erkenntnis der erste Schritt zur Besserung. Als mich mein Sohn am nächsten Tag mal wieder davon überzeugen wollte, dass sein Vergnügen vor der Arbeit käme, gab ich zu Bedenken, dass ich nun doch wirklich schon sehr oft nachgegeben hätte und fände, er wäre jetzt auch mal an der Reihe. Das Kind war erstaunlich einsichtig und ging widerspruchslos seiner Arbeit nach. Tja, wir haben zwar noch immer keinen Hund, aber zuhause läuft es jetzt super.