Und dann auch noch Fastenzeit!

Als mich mein jüngerer Sohn Anfang Februar ganz beiläufig fragte, wann dieses Jahr Fasching sei, war ich beinahe euphorisch ob meiner Unwissenheit. Es hatte ja keinerlei Relevanz für mich, wir sind keine Karnevalisten und die Ferien waren gestrichen worden, also keine Urlaubsplanung (haha!) und sowieso überall nur Corona. Dennoch war mir klar, dass seine Nachfrage gerade darauf abzielte, auf diese wohlverdienten, von den Hochverrätern Söder, Piazolo und Co. kaltschnäuzig abgeschafften Ferien und das Wissen um ihren Zeitspanne. Und diese würde finster werden. Ich sparte es mir, im Kalender nachzusehen. Kaum eine Woche später erreichte mich dann ein Foto von meiner lieben Freundin Couca aus Köln mit ihren Mädels, prachtvoll verkleidet und mit einem Kölle alaaf von zuhause. Weiberfastnacht – es war also soweit. Ich konnte es nicht mehr leugnen, müsste aber ja auch nichts sagen, wenn ich nicht erneut gefragt würde. Beschloss ich. Es half nichts. Nachrichten, Tageszeitung, obwohl Fasching ja quasi kaum stattfand, drang die Berichterstattung zu ihm hindurch. Um die mageren Zeitungsblätter zu füllen, riefen die Nürnberger Nachrichten gar zum Einsenden von Bildern alter Straßenumzüge auf. Hätten sie es doch gelassen. Das Kind wies uns im Lauf der gestrichenen Ferienwoche mehrmals täglich und nachdrücklich darauf hin, wie unfair es sei, dass er jetzt Homeschooling hätte, wo doch eigentlich Ferien wären. Wie wahr, det Janze sollte ja ursprünglich auch dazu dienen, im Präsenzunterricht Versäumtes nachzuholen (im Karneval käme jetzt der Tusch für den Gag). Zum Glück stieß diese Maßnahme ja auch bei vielen Lehrer*innen auf wenig Gegenliebe und so fiel das Arbeitspensum doch human aus.

Und kaum war also von jetzt auf gleich Faschingsdienstag, wies mich ein Radiobeitrag auf die bevorstehende Fastenzeit hin. So ein Tempo ist man ja gar nicht mehr gewohnt. Verzicht im Verzicht quasi, ganz ohne Party und Völlerei zuvor. Hm, wie selbstkasteiend, dachte ich, aber irgendwie tat das ja auch immer ganz gut mit dem freiwilligen Verzicht. Innerhalb weniger Minuten hatten sich alle Familienmitglieder fürs Fasten ausgesprochen. Mein Veggie Sohn und ich probieren es dieses Jahr mal vegan. Noch vor drei Jahren habe ich gesagt, dass mir alles zu kompliziert und teuer ist, um so für die Familie zu kochen, aber ganz ehrlich, es gibt inzwischen für fast ALLES bezahlbaren Ersatz. Ich begann also sofort zu recherchieren, wie sich Ei ersetzen ließe und buk umgehend meine ersten veganen Muffins mit Apfelmus anstatt mit Ei. Wer`s mag kann auch Banane nehmen, in Wasser angesetzte, schlabberige Chia- oder Leinsamen, Johannisbrotmehl, Seidentofu und vieles mehr. Sprich – ich erweitere gerade meinen Horizont und das ist in diesen Zeiten etwas ganz Unerwartetes und Wertvolles für mich. Statt Einschränkung, Einschränkung, Einschränkung, Horizont, Horizont, Horizont. Endlich kann ich mal wieder über etwas anderes fachsimpeln als Corona. Auf das mitleidvolle „Und, wie läuft`s bei Euch so?“, erzähle ich jetzt, wie locker und luftig meine Muffins ganz ohne Ei werden anstatt von den Schrecken des Homeschoolings. Und auf das „Ich halte das langsam nicht mehr aus.“, entgegne ich glücklich „Du, seitdem ich vegan leben, habe ich viel mehr Energie. Das würde Dir auch guttun.“ Und auf „Noch ein Zoommeeting und ich kotze auf den Bildschirm.“, erwidere ich „Du solltest wirklich Deine Ernährung umstellen, ich kann dir ein paar Tipps geben.“ Wenn das keinen Schneeballeffekt verursacht… Naja, wir sind in Woche 1, vielleicht kühlt sich meine Begeisterung noch ab. Gestern habe ich im Supermarkt ein Nogger Choc in der Kühltruhe gesehen und mit Schrecken begriffen, dass auch das Tabu ist, obwohl jetzt die Sonne scheint und der Frühling naht. Dafür weiß ich jetzt schon ganz genau, wann Ostern ist, nämlich am 04.04.21. Der Tag der Lockerungen, unsere ganz persönliche Rückkehr zur Normalität, ganz unabhängig von sämtlichen Regierungsbeschlüssen. Und das auch noch mit fixem Datum! Unglaublich. Darauf freue ich mich. So richtig.

#SPORT IST TEIL DER LÖSUNG UND NICHT DES PROBLEMS IN DER CORONAPANDEMIE

14 bayerische Großvereine haben sich zusammengetan und ein Positionspapier erarbeitet, in dem unter anderem ein Stufenplan zur schrittweisen Öffnung der Vereine vorgeschlagen wird. Außerdem startete die Fußballabteilung des Post SV Nürnberg eine Petition, die diese Forderungen unterstützt:

https://www.openpetition.de/petition/online/sport-ist-teil-der-loesung-und-nicht-des-problems-in-der-coronapandemie

Die Petition spricht mir aus dem Herzen, denn so sehr ich mir wünsche, dass meine Kinder bald wieder in die Schule gehen dürfen, der Vereinssport scheint mir im Augenblick nicht minder wichtig, denn er bringt wieder etwas Freude und Leichtigkeit ins Leben bewegungsfreudiger Kinder. Das Erste, was Ärztinnen und Ärzte bei depressiven Verstimmungen empfehlen, ist Sport, denn mit Hilfe der ausgeschütteten Glückshormone kann man gar nicht anders, als wieder besser gelaunt zu sein. Und dann noch gemeinsam mit Gleichgesinnten draußen, das macht wesentlich mehr Spaß als jedes Youtube Video der Welt, zu dem Kind sich vielleicht erst gar nicht aufraffen kann. Womöglich sorgt darüberhinaus die sehnsüchtig erwartete Frühlingssonne schließlich noch für eine bessere Vitamin D Produktion, die ebenfalls die Psyche positiv beeinflußt. Das wäre doch wirklich wünschenswert, oder? Also, ich habe unterschrieben und ich hoffe, die Petition wirkt. Denn das Wort „Sportverein“ habe ich bislang in den Öffnungsdebatten schwer vermisst.

Die mit dem Bauch tanzen – Filmtipp

Es gibt ja nun wirklich nichts zu lachen, der Lockdown geht aller Voraussicht nach in die Verlängerung und wir schrammen alle mehr oder weniger knapp an den Abgründen der Seele entlang. Deshalb unbedingt notwendig: positiver Spirit – das Einzige, was hilft, um den widrigen Umständen mit Humor und Leichtigkeit zu begegnen und sie schachmatt zu setzen. Und der springt bei dieser Doku über eine Bauchtanzgruppe nicht mehr ganz junger Frauen in der Eifel sofort über.

Also: sofort gemütlich machen, hinsetzten und gucken!

https://www.ardmediathek.de/ard/video/wdr/die-mit-dem-bauch-tanzen/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTA5ZGVkNGM4LTFhMzQtNDk5MC1iZjY4LTViM2UyNDMwMGM5Ng/

Alles Liebe, haltet durch!

Ella

#NichtMeineLager

Zuhause auf meinem bequemen Sofa im warmen Zimmer dreht sich alles um die Einschränkungen, die wir durch Corona hinnehmen müssen. Was sie mit uns machen, wie wir damit umgehen. An den Grenzen zur EU toben ganz andere Kämpfe und ich hadere immer wieder damit, sie so wort- und tatenlos hinzunehmen. Geht Euch das auch So? Ich finde, die europäische Flüchtlingspolitik ist eine Schande. Ihre Abschreckungsstrategie verursacht immer neue Auswüchse der Unmenschlichkeit. Nach den unhaltbaren Zuständen in Moria und anderen Lagern, wurden die Schrecken im Grenzgebiet zu Kroatien publik. Ohne jegliche staatliche Unterstützung hausen Flüchtlinge in Wäldern und leerstehenden Gebäuden, immer in der Angst vor kroatischen Grenzsoldaten, die die Flüchtlinge misshandeln und illegale „Pushbacks“ durchführen, also Rückführungen aus dem Gebiet der EU zurück nach Bosnien-Herzegowina. Dabei hätten auch sie ein Recht dazu, Asyl zu beantragen, genau wie all die anderen, die man Jahre lang darben lässt und ihnen das letzte nimmt, was sie noch hatten: Hoffnung. Es geht nicht darum, jeden Flüchtling bei uns oder in der EU aufzunehmen, es geht darum, Menschen mit Respekt zu behandeln und ihnen in ihrer Notlage zu helfen, bis ihr Recht auf Asyl so gut und schnell wie möglich geklärt ist- ohne Hinhaltetaktik und Wegsehen.

Vielleicht würde mancher/m Entscheider/in ein Perspektivwechsel auf die Sprünge helfen. Maja Lunde beschreibt in ihrem Roman „Die Geschichte des Wassers“, wie die Einwohner Südeuropas nach einer Dürre im Jahre 2041 versuchen, in die Länder Skandinaviens zu fliehen, da Trinkwassermangel herrscht und Brände viele Städte und Landstriche verwüstet haben. Auf einmal sehen „wir“ uns in Flüchtlingslagern wieder, in denen die Vorräte knapp werden, Vermisste gesucht werden und es zu Aufständen kommt. Es mag jedem selbst überlassen sein, für wie real er solch eine Möglichkeit aufgrund des Klimawandels sehen mag (Franken gehört übrigens zu den Gebieten, die schon sehr zeitnah unter immer mehr Dürre leiden werden), dass die Flüchtlingsströme aber nicht aufhören werden, sollte inzwischen jedermann/frau klar sein. Wir alle sind darauf angewiesen, in der Not eine Hand gereicht zu bekommen und nicht nach all den Strapazen und erlittenen Traumata wie Dreck behandelt zu werden.

Die Organisation Seebrücke nimmt am Samstag, den 6.Februar von 10-20 Uhr Sachspenden im Z-Bau in Nürnberg entgegen, um sie nach Bosnien-Herzegowina zu bringen. Gesucht werden warme Winterklamotten für Männer in Größe M, Schuhe, Schlafsäcke, Hygieneartikel, Handys samt Ladegeräten (die eigenen werden von den Grenzbeamten oft zerstört) und Powerbanks, Schlafsäcke, Zelte und Taschenlampen. Vielleicht mögt ihr ja mithelfen.

Wenn auch ihr ein Problem mit der europäischen Flüchtlingspolitik habt, könnt ihr euch an einer Unterschriftenaktion von Proasyl beteiligen gegen weitere unmenschliche Haft- und Flüchtlingslager an den Außengrenzen der EU. #NichtMeineLager ist der Hashtag in den sozialen Medien.

Und noch ein Jugendbuchtipp zu dem Thema europäische Flüchtlingspolitik:

„Endland“ von Martin Schäuble, ein spannendes Buch ab ca.14 Jahren über die Freundschaft zweier junger Grenzsoldaten zwischen nationalistischen Strömungen und europäischer Abschottungspolitik. Ein sehr aktuelles Buch, das Überzeugungen in Frage stellt.

Die Besprechung überlasse ich an dieser Stelle dem Deustchlandfunk:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/martin-schaeuble-endland-deutschland-macht-dicht.1270.de.html?dram:article_id=392721

Martin Schäuble: „Endland“ ISBN 978-3-446-25702-3

Maja Lunde: „ Die Geschichte des Wassers“ ISBN 978-3-442-71831-3

Vom Leben erzählen

Auf dem Foto seht ihr die Bücher, die ich für meine Kinder beschreibe, damit sie später mal nachlesen können, wie das so war mit ihnen, mit uns, mit mir. Anlass, damit anzufangen, war, dass ich von den „Memory Books“ gelesen hatte, Erinnerungsbüchern, die an Aids erkrankte Eltern in Uganda für ihre Kinder aufschrieben, um ihnen etwas nach ihrem Tod hinterlassen zu können. Da auch meine Mutter frühzeitig verstarb und ich sie vieles von dem nicht mehr fragen konnte, was mich interessiert hätte, wollte ich dem bei meinen eigenen Kindern vorbeugen.

Als ich jetzt im Stern von den Hörbüchern las, die unheilbar Erkrankte für ihre Kinder aufnehmen dürfen, war ich wirklich berührt. In vier Tagen wird, von einer Stiftung finanziert, ein professionelles Hörbuch aufgenommen, das mit Lieblingsmusik und verschiedensten Kapiteln aus dem Leben vor und nach der Krankheit gestaltet wird. Die Erkrankten bereiten sich gründlich vor, um das zu sagen, was sie ihren Liebsten mit auf den Weg geben wollen und was von ihnen in Erinnerung bleiben soll. Ich stelle es mir gerade für die eigenen Kinder so wertvoll vor, wenn sie die Stimme ihrer Mama hören können, wann immer sie traurig sind und Trost suchen. Die an sie denkt, auch wenn sie schon lange nicht mehr da ist.

Wenn ihr Lust habt, lest den Artikel im Stern nach:

https://www.stern.de/plus/gesellschaft/letzte-worte-auf-ton-9547372.html

Oder erkundigt Euch auf der Homepage: https://familienhoerbuch.com/aktuelles/

Was uns Coronamaßnahmen über Klimaschutz lehren

Obwohl wir als Familie coronabedingt 2020 wesentlich weniger Einnahmen hatten als die Jahre zuvor, sind wir im vergangenen Jahr erstaunlich gut über die Runden gekommen. Das lag natürlich daran, dass wir auch wesentlich weniger Ausgaben hatten. Der Sommerurlaub war kürzer und wir verbrachten ihn in der schönen Uckermark. Das sparte Spritkosten und auch teure Fährverbindungen waren dorthin nicht nötig. Wir hatten trotzdem eine tolle Zeit. Auch viele andere kleine und große Ausflüge fielen flach oder beschränkten sich auf die nähere Umgebung. Nicht unbedingt notwendige Anschaffungen wurden zurückgestellt und beim Kauf von Klamotten waren wir eher zurückhaltend. Ist ja alles nicht so wichtig, wenn man den Großteil der Zeit zuhause verbringt. Und so ging es den meisten.

Nüchtern betrachtet war 2020 ein Jahr, das uns gezeigt hat, wie das Leben aussehen könnte, wenn wir es mit dem Klimaschutz wirklich ernst nehmen und wir das Ruder noch herumreißen wollen. Ohne eine klare Entscheidung für den Verzicht geht es nämlich nicht. Fernreisen sollten wieder etwas Besonderes sein, dem man einige Jahre entgegenfiebert und nicht ein Punkt auf der To-Do-Liste. Zu Fuß die Umgebung erwandern statt Städtereisen mit dem Flugzeug in völlig überlaufene Metropolen. Anstelle des Jahres Australien oder Neuseeland nach dem Abitur könnte das gute alte Interrail quer durch Europa wieder zum (Entschuldigung!) heißen Scheiß werden. Shoppen darf keine Freizeitbeschäftigung mehr sein, sondern die Anschaffung notwendiger Dinge und Extras mit Augenmaß. Reparieren statt Neuanschaffen und endlich wieder die Paketflut durch das Onlineshopping reduzieren, sobald die Geschäfte wieder geöffnet haben. Dass die Wirtschaft auf diese Weise nicht so weiter wachsen kann wie bisher ist auch klar, aber ständiges Wachstum und Klimaschutz passen nun mal nicht zusammen.

Ich bin jedenfalls gerne bereit, meinen Konsum auch nach Corona (falls es das gibt) einzuschränken und auf Dinge zu verzichten, Hauptsache, ich kann wieder unbekümmert und maßlos mit meinen Freund*innen und der Familie zusammen sein. Das ist übrigens auch weitaus klimaneutraler als das Streamen von Netflix Serien oder Fitnessvideos allein im stillen Kämmerlein. Diese Errungenschaft der Technik ist nämlich ein echter Energiefresser. Wenn ich also endlich wieder in mein Studio zum Tanzen gehen kann, spare ich Strom, vorausgesetzt natürlich ich fahre mit dem Fahrrad dorthin. Tja, habe ich gesagt, dass Klimaschutz mit Verzicht einhergehen muss? Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Kindermund: eine Frage des Charakters

Fragt der kleine Erik seine Mutter:

“ Was ist ein schlechter Charakter?“

Die Mutter erklärt:

„Wenn jemand nicht teilt, niemandem hilft, nur an sich denkt… (und vieles mehr).“
„Und was ist ein guter Charakter?“

Die Mutter zählt wieder auf:

„Wenn jemand mit anderen teilt, anderen Menschen hilft, auch an andere denkt…usw.“

Der kleine Erik denkt eine Weile nach. Dann sagt er:

“ Also, ich glaube, ich bin so ein mittlerer Charakter.“

Buchtipp: „Train Kids“

von Dirk Reinhardt

In den Nachrichten können wir gerade Bilder von einem gewaltigen Flüchtlingsstrom aus Honduras sehen, von Menschen, die in die USA wollen, getrieben von Armut, befeuert von der Hoffnung, Joe Biden würde mehr Verständnis für ihr Schicksal haben als sein Vorgänger.

Wie passend das Buch, das wir in den Weihnachtsferien gelesen haben und  in dem es genau um dieses Thema geht. Der etwa elfjährige Angel, Hauptperson Miguel (14), Jaz, die eigentlich ein Mädchen ist, Emilio und Fernando (16), die aus verschiedenen Ländern Südamerikas (unter anderem Honduras) stammen, lernen sich zufällig an der Südgrenze zu Mexico kennen und beschließen, die 2500 Kilometer lange, gefährliche Reise durch das Land gemeinsam durchzustehen. Fernando, der Älteste, hat es schon einige Male versucht und wertvolle Erfahrungen sammeln können, wo man auf der Strecke Verbündete bezahlen muss, an welchen Stellen man von den Güterzügen abspringen muss, um Polizeikontrollen zu entgehen und wo es hilft, sich von der Kälte mit dem Schnüffeln von Klebstoff abzulenken. Ständig prahlt er mit unglaublichen, oft brutalen Geschichten, bei denen die Jüngeren nie so genau wissen, ob sie wirklich stimmen können.

Bald stellt sich heraus, dass sie ohne Fernando verloren wären, denn es dauert nicht lange, bis die ersten Gefahren auf sie lauern – korrupte Polizeibeamte, Banditen, Drogen- und Menschenhändler und nicht zuletzt unzählige Unfälle beim Auf- und Abspringen auf die Züge oder durch herabhängende Äste, Hitze und Kälte und vieles mehr. Und dennoch nehmen sie die gefährliche Reise auf sich. Sie fliehen vor der Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat, vor der Armut oder weil sie ihren Müttern nachreisen, die sie schon vor vielen Jahren nachholen wollten und es nie geschafft haben, als Illegale in den USA genug Geld zu verdienen. Im Lauf der Reise erfahren wir immer mehr von den Jugendlichen, sie kommen sich näher und knüpfen ein enges Band durch alles, was sie zusammen erleben. Dass die Wirklichkeit kein bisschen besser ist als die fantastischen Geschichten Fernandos, ist eine bittere Erkenntnis auf ihrem Weg.

Ihr wisst wahrscheinlich inzwischen, dass ich nicht gerne zu viel verrate von den Büchern, die ich vorstelle, ich möchte nur Lust zum Lesen machen. „Train Kids“ ist ein sehr spannendes, aber eben auch realistisches Buch, weshalb es an einigen Stellen auch wirklich grausam ist. Deshalb würde ich die Lektüre ab 13 Jahren empfehlen, auch wenn ich sie durchaus für zumutbar halte. Wir lesen schließlich nur darüber und sind nicht teil dieser gefährlichen Reise. Ich habe aber beim Vorlesen zugegebenermaßen ein paar Stellen ausgespart… “Train Kids“ ist eine tolle Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, über Hoffnung und Träume und darüber, wie traumatische Erfahrungen Menschen verändern. Und sie sensibilisiert für Menschen, die unter so viel schwierigeren Bedingungen aufwachsen müssen als wir.

Dirk Reinhardt schreibt im Nachwort von seinen Recherchen und den Menschen, die er kennengelernt hat. 300000 Menschen passieren pro Jahr die Südgrenze Mexicos, um in die USA zu gelangen, die wenigsten schaffen es und versuchen es doch immer wieder.

„Train Kids“ von Dirk Reinhardt, Carlsen, ISBN 978-3-551-31614-1

Schulstart mit ???

Fast hätte nur noch ein „Tschakka, wir schaffen das!“ unter der Mail der Schulleiterin gefehlt. Sie seien gut vorbereitet, schreibt sie, das Programm der nächsten Wochen scheint ambitioniert. Dass noch 37 Endgeräte für Schüler*innen ohne fehlen, ist da nur ein unschönes, fasst zu vernachlässigendes Detail. Wir Eltern wollen so gerne daran glauben, dass diesmal alles besser läuft. Und dennoch bleibt ein ungutes Bauchgefühl. Bitte keine Wiederholung des Dezembers. Immerhin wird jetzt betont, die Teilnahme am Distanzunterricht sei verpflichtend, sie soll sogar per Rückmeldung bei der Lehrkraft überprüft werden. Welch simple, doch bestechend wirksame Idee (auf die „man“ zugegebenermaßen schon vor ein paar Monaten hätte kommen können, aber Schwamm drüber). Die sich selbst überlassenen älteren Schüler*innen ( insbesondere männlicher Natur) freuen sich jedenfalls wieder auf unbegrenztes Wlan, um weiter an ihrer Gamerkarriere feilen zu können. Die Argumente sind auf ihrer Seite. „ Du, wir haben gleich nochmal Onlineunterricht.“ und „Ich muss gleich nochmal was auf Mebis nachgucken.“. Wir Eltern stehen dem Ganzen hilflos gegenüber, wollen wir nicht den ganzen Tag neben dem Rechner der Zöglinge wachen. Oder wir sind schlichtweg gar nicht zuhause oder kennen uns null damit aus, wie wir das Wlan geräteabhängig und wirksam einschränken können. Naja, was soll`s, jeder hat so seinen ganz persönlichen Horror vorm Homeschooling. Ich versuche mich trotzdem im positiven Denken – und atme. Immer wieder ganz tief ein und aus. Bis in den Bauch – für das gute Gefühl. Vielleicht wird es diesmal ja ganz anders. Kann ja sein. Ich drücke Euch (und uns) allen die Daumen!

Buchtipp für eine bessere Welt 2021

Bevor sich Corona wieder in den Vordergrund drängte, gab es viele Menschen, die für die Black Lives Matter Bewegung auf die Straße gingen. Vermutlich erhoben noch nie so viele People of Colour auch in Deutschland ihre Stimmen, um von Diskriminierung und Alltagsrassismus zu berichten. Auch von dem, der uns „Weißen“ gar nicht bewusst ist. Alice Hasters hat darüber ein unbequemes Buch geschrieben. „Was weiße Menschen über Rassismus nicht hören wollen“ ruft bei Menschen, die nicht der Grupppe der BIPOC ( Black, Indigenous and People/Person of Colour) angehören, leicht die Reaktion hervor, das sei doch alles gar nicht so schlimm. Aber bitte, jetzt mal ganz ehrlich, dass können wir Weißhäute nun wirklich nicht beurteilen.

Dass es für BIPOC ätzend sein muss, wenn sie auf die Fragen, woher sie kommen, nicht einfach antworten können: „Aus Nürnberg!“, sondern jedes Mal die Wurzeln ihrer Familie erklären sollen, ist mir als Bewohnerin einer bunten Großstadt schon lange klar geworden. Viele Menschen haben dafür leider noch gar kein Bewusstsein, was sicherlich auch ein Grund dafür ist, dass es selbst für die Kinder und Kindeskinder von Migrant*innen noch immer so schwer ist, sich als gleichberechtigte Mitglieder dieser Gesellschaft zu fühlen. Wer andauernd auf sein Anders aussehen reduziert wird, wird sich nie zugehörig fühlen können. Und umso notwendiger die Lektüre dieses Buches.

Umfassend bearbeitet Alice Hasters Themen wie Alltag, Schule, Familie und Beziehungen. Sie weist darauf hin, wie unwürdig es ist, wenn einem Fremde ins Haar fassen und fragen, ob man es auch waschen kann. Sie macht darauf aufmerksam, dass auch Stereotype rassistisch sind, denn es haben eben genauso wenig alle Schwarzen „Rhythmus im Blut“ wie Weiße, weder können alle Schwarzen gut singen, noch sind sie Weltklassesprinter. Sie sind wie alle Menschen Individuen. Sie berichtet von dem Stereotype threat, der Angst davor, aufgrund eines negativen Stereotyps beurteilt zu werden und diese Vorurteile womöglich zu bestätigen, der dazu führt, das eigene Verhalten ständig zu hinterfragen.

Interessant fand ich auch Hasters Auseinandersetzung mit den Lehrplänen, bei denen der Kolonialismus, wie ich ja auch schon festgestellt habe (Buchtipp: Alle, außer mir), nur kurz gestreift wird, obwohl er für das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen so weitreichende Folgen hatte. Sie klärt darüber auf, dass bereits Kant ein Rassist war, nur dass dieser Teil seiner Schriften eher unbekannt ist. Sie erzählt von ihrem Austausch in den USA, wo sie als hellhäutige Schwarze privilegierter zu sein schien, als ihre dunkelhäutigeren Mitschüler*innen. Hasters nimmt zu verschiedensten Situationen gründlich und schonungslos Stellung. Und ja, vieles will man tatsächlich nicht hören. Aber es tut Not, um sich nicht aus Unwissenheit rassistisch zu verhalten, denn vieles davon ist uns Weißen nicht bewusst.

hanserblau ISBN 978-3-446-26426-0

Frohe Weihnachten!

Manchmal geht man irrtümlich davon aus, dass die Welt bleibt, wie sie ist. So wie mit meiner Freundin, die eigentlich immer zuhause war, wenn ich sie spontan besuchen wollte, weil sie nur Teilzeit arbeitete. Als wir das letzte Mal in ihrem Garten saßen und plauderten, war ich mir sicher, dass ich das schon bald wieder tun würde und danach wieder und wieder. Das ist inzwischen Jahre her und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass diese Zeit vorbei ist. In unserem Fall lag es einfach daran, dass sie irgendwann Vollzeit gearbeitet hat und geschäftlich viel unterwegs war, manchmal gibt es weitaus tragischere Gründe, warum sich Dinge ändern.

Corona hat uns sehr unsanft vor Augen geführt, dass zu keiner Zeit etwas bleiben muss, wie es ist und wir keine Garantie auf Beständigkeit in unserem Leben haben. Deshalb sollten wir die schönen Momente stets feiern und uns in Dankbarkeit bewusst sein, dass sie endlich sind. Gleichzeitig haben die Einschränkungen uns klar gemacht, was wir im Leben wirklich brauchen, um glücklich zu sein. Schüler*innen möchten wieder in die Schule, Arbeitnehmer*innen im Home Office wieder zurück an den Arbeitsplatz.

Wir brauchen andere Menschen – mehr als alles andere. Kolleg*innen, Freunde, Familie. Daran ändern weder Fortschritt noch Digitalisierung etwas. Deshalb schmerzt es, genau überlegen zu müssen, wen wir treffen können und wen besser nicht. Auch an diesem Weihnachtsfest.

Ich wünsche Euch von Herzen, dass ihr einen guten Weg findet, Euch fern trotzdem nah sein zu können. Und ich freue mich auf ein neues Jahr, das zumindest eine leise Hoffnung darauf zulässt, dass ein „mehr“ irgendwann wieder möglich sein wird.

Haltet durch & bleibt gesund!

Eure Ella

P.S.: Ein tolles Last minute Überraschungsgeschenk lässt sich vielleicht bei https://www.sofaconcerts.org/de/ buchen. Ein kleines Konzert oder eine musikalische Videobotschaft. Oder wer einfach so Künstler*innen unterstützen möchte, kann das hier https://www.initiative-musik.de/spende/ tun.

Übrigens: Angeblich gab es die letzten 100 Jahre nur sechsmal weiße Weihnachten. Vielleicht muss man da ein bisschen nachhelfen…wäre doch gelacht!

Ein schöner Zeitvertreib

Die Kulturschaffenden hat der erneute Lockdown besonders hart getroffen. Und dennoch oder gerade deswegen finden sie viele neue Wege, sich auszudrücken, denn das ist nun mal ein Grundbedürfnis eines/r Künstlers/in. So lohnt es sich, an einem der vielen freien vor uns liegenden Abenden mal durch die ein oder andere Seite der Theater zu surfen.

Als Nürnbergerin darf natürlich unser Staatstheater nicht fehlen. Unter https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/ gibt es sehr abwechslungsreiche, kurzweilige Beiträge. Von Interviews mit Goyo Monteros Ensemble über die Produktion „Peter und der Wolf“ (meet the artist https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/meet-the-artist-oscar-alonso-in-ueber-den-wolf) über die Lesung „Kleiner Scherz“ von Anton Tschechow ( https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/weihnachtslesung-ein-scherz ), das musikalische Hörspiel für Kinder „Jonas kleine Oma“(https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/jonas-kleine-oma) oder das Einweihen in Bühnengeheimnisse („Wie man auf der Bühne kotzt“ (https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/wenn-mal-wieder-alles-zum-kotzen-ist), es ist wirklich für jede/n etwas dabei.

Besonders gut gefallen hat mir auch Vera Mohrs Song „Fest der Liebe“:

https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/songs-poetry-online-special-3-juni-ausgabe

Auch das https://www.residenztheater.de/ in München bietet tolle Formate. Vom „Tagebuch eines geschlossenen Theaters“, über „Resi liest“ https://www.residenztheater.de/resi-liest, in der die Bücher «DIE SOMMER» VON Ronya Othmann und «ANNETTE, EIN HELDINNENEPOS» von Anne Weber von Ensemblemitgliedern gelesen werden. Die Zoomangebote sind leider bereits ausverkauft, wenn ich das richtig gesehen habe.

Wem das alles nicht langt und wer sich nach echter Bühnenluft sehnt, der kann per Stream beispielsweise am 17.12.20 bei der Vorstellung „Einfach das Ende der Welt“ des Schauspiels Zürich dabei sein. https://www.schauspielhaus.ch/de/kalender/2378/einfach-das-ende-der-welt/19572 Denn die Schweizer dürfen (momentan) noch vor 50 Zuschauer*innen spielen.

Ich wünsche Euch viel Spaß bei ein bisschen Kultur in Coronazeiten!

Traurige Berühmtheit

Die meisten Menschen kennen Nürnberg ja aufgrund seines Christkindlesmarkt (war einmal), der Bratwürstchen (Drei im Weckla) oder seiner Vergangenheit als Nazihochburg (zum Glück schon lange her). Oder aber von der Verkündung der Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit in den Nachrichten. Vergesst das alles. Wir sind jetzt Corona Hotspot. Was die Nürnberger anders machen als beispielsweise die Bayreuther mit ihren erfreulich niedrigen Fallzahlen, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich weiß jedenfalls nichts von heimlichen Raves in alten Bunkern oder finsteren Wäldern, aber ich bin da ja auch altersmäßig irgendwie raus.

Meine Strategie zu steigenden Fallzahlen: ich versuche das Thema, wo es mir möglich ist, auszublenden. Und stelle fest – es tut mir gut. Das erste Mal in meinem Leben kann ich Menschen verstehen, die ganz bewusst keine Nachrichten sehen. Nach monatelanger Informationsüberflutung glaube ich zu wissen, was es im Umgang mit Covid 19 zu beachten gibt. Dafür brauche ich kein tägliches Update, keine aktualisierten Todesfälle, Infektionszahlen und Inzidenzwerte. Wirklich wichtige Neuigkeiten erfahre ich sowieso, ich lebe schließlich nicht auf dem Mond. Es hilft mir jedenfalls, nicht zu viel über das Ganze nachdenken, das schlägt mir nämlich schon ein wenig auf den Magen, von der gebeutelten Psyche mal ganz abgesehen.

Beispielsweise, dass die geltenden Corona Maßnahmen zugunsten des Konsums getroffen wurden, ist zwar unter wirtschaftlichen Aspekten durchaus verständlich (irgendeiner muss ja das Geld ranschaffen) und es freut mich vor allem für die kleinen Einzelhändler, aber auch ein Zeichen unserer (krankenden) Zeit. Konsum vor Kultur. Klar, es gibt Menschen, die Shoppen glücklich macht. Dieses Gefühl ist leider meist nicht sonderlich nachhaltig, sondern beschert nur ein kurzes High. Und man darf in Nürnberg ja auch nur noch mit triftigem Grund & zielgerichtet Weihnachtseinkäufe tätigen. Also nichts da, Bummeln und Glühwein. Das wäre ja auch schon wieder viel zu kommunikativ. Und davon können die Menschen ja nicht genug bekommen und schlagen dann gleich wieder über die Stränge (Knecht Markus, wo ist die Rute?). Ich kenne so einige Museen, die sich freuen würden, wenn über einen Tag verteilt so viele Besucher kämen, wie mir in 10 Minuten im Shoppingcenter über den Weg laufen. Das verstehe ich zum Beispiel nicht. Zum Glück sind sie ja wenigstens mit den Bibliotheken in Bayern wieder zurückgerudert. Das hat ja auch keiner verstanden, warum die wieder schließen sollten.

Und wo sind eigentlich die Auswertungen über Ansteckungswege? Muss man den Kindern und Jugendlichen wirklich die Möglichkeit nehmen, mit ihren Vereinen draußen Sport zu machen – unter Einhaltung von Abstandsregeln und mit Hygienekonzept? Das ist wirklich nicht gut, wenn ein testosterongesteuertes Pubertier kein Ventil für seine unbändige Energie hat. Wenn ich Bundeskanzlerin wäre, würde ich versuchen, von wenigstens 1000 der inzwischen über 1 Millionen Genesenen herauszufinden, wo sie sich angesteckt haben könnten, um zur Abwechslung auch mal Situationen ausschließen oder vernachlässigen zu können. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich in einem Restaurant mit neuer superteurer Luftfilteranlage und Hygienekonzept anzustecken? Könnte es für seine Bemühungen vielleicht eine Ausnahmegenehmigung bekommen? Ja, das Problem mit den Ausnahmen, dann wird alles so furchtbar kompliziert. Aber bei unserem Steuersystem stört das ja auch niemanden wirklich, zumindest wurde es nie nach Merzscher Bierdeckelart abgeändert (Ob er den Vorschlag nochmal als neuer CDU-Chef einbringen wird?). Vielleicht könnte man dann ein paar Maßnahmen besser nachvollziehen und frohen Herzens mittragen.

Das frohe Herz ist bei den meisten hier sowieso dahin, alle paar Tage eine neue Quarantänemaßnahme bei irgendeinem Schulkind- allein daran merkt man die höheren Fallzahlen, auch ohne jeglichen Faktencheck. Dass der Wohnsitz von uns Markus jetzt ein Corona Hotspot ist, könnte einen ja fast mit Schadenfreude erfüllen, wäre die Lage nicht so ernst. Aber es bleibt natürlich zu befürchten, dass der Klassenprimus sein Ungenügend wieder ausmerzen(!) möchte und sich in nächster Zeit noch mal ordentlich ins Zeug legt. Vielleicht sollte er es statt mit der Rute mal mit ein paar schlüssigeren Maßnahmen versuchen, dann klappt es vielleicht auch mit den lieben Mitbürgern und Mitbürgerinnen etwas harmonischer. Ist ja Weihnachtszeit, gell.

Corona und der Präsenzunterricht

Wenn es nach mir geht, sollen meine Kinder jeden Tag ganz normal in die Schule gehen. Wie früher eben. Dann muss ich nicht am Homeschooling verzweifeln, es gibt klare Strukturen und ich habe auch mal ein bisschen Zeit für mich. Befragt man meine Kinder, sieht das ganz anders aus. Sie präferieren ganz klar das Wechselmodell und das mit einer äußert simplen, wie schlüssigen Argumentation:

„Was macht es für einen Sinn, die privaten Kontakte auf zwei Haushalte zu begrenzen, wenn im Klassenzimmer 27 ( das eine Kind ) beziehungsweise 32 Mitglieder (das andere Kind) verschiedener Haushalte auf engstem Raum zusammenkommen?“

Tja, wo sie Recht haben, haben sie Recht, ob es mir passt oder nicht.

Auf Anraten von Kinderärzten und Psychologen, aber auch um Kinder nicht weiter abzuhängen, halten die Minister gerade fast krampfhaft am Präsenzunterricht fest. Leider fehlen immer noch kreative und gut durchdachte Lösungen auf breiter Front. Zumindest an Schulen, an denen ein Großteil der Kinder zuhause gute Bedingungen hat, um online zu arbeiten, könnte man das Wechselmodell durchführen. Für die Kinder mit schlechten Bedingungen könnte man zusätzliche Räume anmieten oder ungenutzte Turnhallen umrüsten, um gut ausgestattete Arbeitsplätze einzurichten. Die Betreuung könnten Tutor*innen oder Student*innen übernehmen, die das im Vergleich mit so manchen Eltern bestimmt besser hinbekommen würden und sowieso gerade auf Jobsuche sind, weil sie nicht mehr in der Gastronomie jobben können. Vielleicht könnte man es einzelnen Schüler*innen auch ermöglichen, durchgängig am Präsenzunterricht teilzunehmen, wenn es zuhause schwierig ist. Oder wäre das dann wegen ungleicher Bedingungen für manche Eltern etwa ein Grund, vor Gericht zu ziehen? Ich weiß schon, ganz so einfach ist das alles nicht. An der Schule eines meiner Kinder wurde schon kurz nach Schulbeginn alles für den Unterricht in geteilten Gruppen vorbereitet, die Kinder sollten in einer Woche Montag, Mittwoch und Freitag Unterricht haben, in der anderen Dienstag und Donnerstag, ein Modell, das ich besser finde als den wöchentlichen Wechsel, weil die Schüler*innen nicht so ganz rauskommen und mehr Struktur gegeben ist. Das Versorgen mit Unterrichtsmaterialien für die Woche ohne Präsenzunterricht in den einzelnen Fächern sollte theoretisch recht einfach zu überschauen sein, die Lehrkräfte könnten direkt Arbeitsblätter und Aufgaben für die nächste Woche mit nach Hause geben. Naja, jetzt bleibt erstmal alles, wie es ist.

Wie gesagt, ich bin ja froh darüber. Sollten aber die Corona Maßnahmen weiter verschärft werden und mir meine gelegentlichen Spaziergänge an frischer Luft und mit Abstand, abwechselnd mit verschiedenen Freundinnen, auch noch genommen werden, weil man über Wochen nur noch zwei Menschen aus genau einem anderen Haushalt treffen dürfte, dann würde mir auch das Verständnis für das unterschiedliche Maß fehlen. Nächste Woche wissen wir mehr. Und bis dahin genieße ich noch jeden regulären Schultag.