Jugendlohn statt Taschengeld – ein Schweizer Modell

Als ich mich am Wochenende mit Freunden traf, die in der Schweiz leben, erzählten sie mir vom Jugendlohn, der dort ganz üblich zu sein scheint. Sobald die Kinder zwölf Jahre alt werden, wird dieses Modell in vielen Familien eingeführt. Dabei versuchen die Eltern gemeinsam mit dem Kind möglichst realistisch abzuschätzen, welchen Betrag es durchschnittlich im Monat benötigt, um Kleidung, Kosten für den öffentlichen Verkehr, Kosmetik und Hobby finanzieren zu können und sich auch selbständig darum kümmern zu können (und müssen). Ein Vertrag hilft dabei, ganz klar zu definieren, welche Kosten das Kind trägt und welche die Eltern. Wohnen, Essen, Versicherungen oder Familienferien sind beispielsweise davon ausgeschlossen. Wichtig ist natürlich, dass die Kosten den Verhältnissen der Familie angepasst sind und dass die Eltern auch konsequent bleiben, wenn sich das Kind einmal verkalkuliert und ihm nicht dann doch Geld zustecken. So fördert der Jugendlohn Selbstverantwortung und Selbständigkeit und hilft, ständige Konflikte ums Geld zu vermeiden. Und er ist ein gute Möglichkeit für die Jugendlichen, den Umgang mit Geld zu üben und bei Volljährigkeit nicht gleich in die Schuldenfalle zu tappen, weil die Kosten für das WG Zimmer, Handy, Internet und Lifestyle höher sind, als gedacht. Mir gefällt dieses Konzept sehr gut, denn beim Taschengeld haben wir oft das Problem, das nicht wirklich klar ist, für was es genau gedacht ist und für was dann doch die Eltern zuständig sind. Meine E-Mail Adresse habe ich gerne angegeben, um die Arbeitsblätter zur Berechnung des Lohns und den Arbeitsvertrag herunterladen zu können, denn Jugendlohn ist ein Verein, der weiterhin an der Verbesserung und Weiterentwicklung des Modells forscht und deshalb gerne per E-Mail nach Erfahrungen fragen möchte. Aber das will ein Händler ja auch, wenn ich etwas bei ihm im Internet kaufe. Die Schweizer sind ja bekannt für ihr glückliches Händchen mit Geld. Vielleicht nimmt es genau hier seinen Anfang.

 

 

Das Lieferkettengesetz – ein mehr als wichtiger Schritt gegen die Gleichgültigkeit

Lieferkettengesetz-Motiv_Allgemein_quer_sRGBDer Glaube an das Gute in dieser Welt und in der Politik im Speziellen wird einem ja häufig schwer gemacht. Dass sich Hubertus Heil, SPD, Minister für Arbeit und Soziales, und Entwicklungsminister Gerd Müller, CSU, dafür einsetzen, ein Lieferkettengesetz für die Wirtschaft durchzusetzen, ist da ein echter Lichtblick. Dies wäre ein so wichtiges Zeichen, dass es uns nicht egal ist, dass wir auf Kosten anderer leben, sondern Verantwortung dafür übernehmen, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in aller Welt, die für uns und unseren Wohlstand schuften, zu verbessern und internationalen Standards anzupassen.

In dem Gesetz geht es darum, dass Unternehmen Risiken analysieren und wirksame Maßnahmen ergreifen müssen, damit es bei der gesamten Produktion nicht zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung kommt. Es kann dann beispielsweise nicht mehr billigend in Kauf genommen werden, dass immer noch Kinder auf Kakaoplantagen arbeiten oder durch die Textilindustrie Flüsse und Seen vergiftet werden. Dass Menschen aufgrund des Anbaus von Rohstoffen, die wir benötigen, sich keine Nahrung mehr leisten können oder der Wassermangel zunimmt. Außerdem soll es Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen die Möglichkeit geben, vor deutschen Gerichten Schadensersatzzahlungen bei Verstößen einzuklagen, wie es beispielsweise nicht möglich war, als die Textilfabrik Ali Enterprises 2012 in Pakistan abbrannte und 258 Arbeiterinnen ums Leben kamen.

Viele Beispiele und Zusammenhänge sind auf dieser Seite anschaulich aufbereitet: Fallbeispiele

Was wir nie hätten zulassen dürfen und es aber über Jahrzehnte getan haben, können wir jetzt vielleicht ein Stück weit korrigieren. Natürlich werden Produkte dadurch teurer werden und vielleicht geht es dann endlich in Richtung weniger kaufen , dafür aber hochwertiger. Und vielleicht fliegt dann ein T-Shirt für 4,99€ nicht mehr um die halbe Welt, wie ihr neben vielen anderen Infos mehr in dieser beeindruckenden Wissenssendung von Quarks sehen könnt.

Quarks: Der Kleiderwahnsinn und wie wir ihm entkommen können

Ich hoffe wirklich sehr, dass das Lieferkettengesetz verabschiedet wird, ohne vorher noch weichgespült zu werden. Wer dergleichen Meinung ist und die Petition für das Gesetz unterschreiben möchte, findet den Link hier: Petition zum Lieferkettengesetz

Covid-19 und die Sache mit der Toleranz

Im Gegensatz zu vielen Menschen, die Corona nicht mehr als ernstzunehmende Gefahr ansehen und ihr Leben wieder ziemlich frei genießen, beschäftigt mich dieses Virus jeden Tag aufs Neue. Jedes Mal dann nämlich, wenn ich wieder in mich hineinhöre, um zu überprüfen, dass da auch wirklich nichts kratzt oder läuft und ich gesund bin. Ich muss nämlich jeden Arbeitstag wieder die Entscheidung treffen, ob ich es verantworten kann, anderen Menschen sehr nahe zu kommen. Ich bin hauptberuflich selbständige Visagistin und mit dem Schutz ist es da so eine Sache. Zumindest die Person, die ich schminke, trägt keinen Mundschutz. Natürlich versuche ich alles zu tun, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Ich sitze bevorzugt am geöffneten Fenster, desinfiziere und wasche mir die Hände ständig, reinige alle Arbeitsmaterialen penibel. Was das hilft, wenn man sich den ganzen Tag wiederholt so nahe ist, sei dahingestellt. Wenn ich arbeite, bin ich immer wieder mit unterschiedlichen Teams zusammen, das heißt, der Personenkreis, mit dem ich beruflich zusammentreffe, ist relativ groß.

Warum ich das alles erzähle? All das sind die Gründe, warum ich im Privatleben immer noch größere Menschenmengen und Innenräume vermeide, weil ich das Risiko einer Infektion, aber auch nur den möglichen Kontakt zu einer infizierten Person, so gering wie möglich halten möchte. Denn Quarantäne bedeutet für mich auch, dass ich kein Geld mehr verdienen kann. Ich kann auf kein Homeoffice ausweichen. Eine Bekannte gab mir den scheinbar wohl gemeinten Tipp, ich müsse mich ja bei einem Verdacht nicht testen lassen. Im Ernst? Das ist für mich absolut unverantwortlich, wissentlich das Risiko einzugehen, das Virus in ein Studio, eine Firma oder gar ein Krankenhaus einzuschleppen, nur um weiter arbeiten gehen zu können. Mit dem Risiko, dass jemand wegen meinem Fehlverhalten sterben könnte.

Es gibt ja viel Wissen und Unwissen, Theorien und Verschwörungstheorien rund um Corona und auch ich habe keine Ahnung, was es wirklich mit diesem Virus auf sich hat. Es scheint aber, nach allem, was man von bislang aufgetretenen Ausbrüchen weiß, etwas an der Verbreitung durch Aerosole dran zu sein. Verbreitet wurde Corona beim Feiern in Innenräumen, bei Gottesdiensten und Chorgesang. Deshalb treffe ich mich mit Freunden und Familie noch immer am liebsten im Freien, im Augenblick geht das ja wunderbar, wie ich es im Herbst und Winter handhaben werde, muss ich dann neu entscheiden, wenn es soweit ist.

Jeder darf selbst entscheiden, wie er mit den Verhaltensmaßnahmen umgehen möchte und ich habe wirklich Verständnis dafür, wenn Arbeitnehmer, die mit den immer gleichen Kollegen auf Abstand in einem Büro sitzen oder teilweise sogar noch immer im Homeoffice arbeiten, diese großzügig auslegen und die Zeit, in der es wenig bekannte Neuinfektionen gibt, dazu nutzen, sich mit Freuden zu treffen und auch drinnen zu feiern und das Leben zu genießen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass ich mich nicht jedes Mal erklären muss und mir Unverständnis begegnet, dass ich mich nicht locker mache. Das kann ich leider nicht, denn bei allen Reihentests, die gemacht werden, sei es bei Sportlern, in Altenheimen oder Kindergärten, gibt es leider immer wieder Infizierte, die keinerlei Symptome hatten. Und solange das so ist, kann ich nicht so tun, als würde mich das alles nichts angehen. Und dafür wünsche ich mir einfach mehr Toleranz und Offenheit.

Buchtipp: „Herkunft“ von Saša Stanišić

Ich bin gespannt, wie sich die Literatur durch Corona verändern wird. Ob es stets einen Bruch in „vor“ und „nach“ geben wird, insbesondere bei Biographien. Die neue Stunde Null sozusagen. In diesem Bewusstsein genieße ich die coronafreie Lesezeit mit den Neuerscheinungen des vergangenen Jahres.

Herkunft_von Sasa Stanisic„Herkunft“ von Saša Stanišić ist eines dieser Bücher, ausgezeichnet mit dem deutschen Buchpreis und das wirklich mehr als verdient. Stanišić ist ein Sprachkünstler, der zauberhaft mit einer Sprache jongliert, die ihm erst im Alter von zwölf Jahren zu eigen wurde, als er mit seinen Eltern vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland floh. Und der es irgendwann wagte, in dieser Sprache zu schreiben, weil ihn sein Deutschlehrer dazu ermutigte. „Herkunft“ ist eine fiktionale Biographie, in der er sich auf die Reise in eine Zeit begibt, die seiner geliebten Großmutter, die zunehmend an Demenz erkrankt, allmählich entgleitet. Spielerisch springt der Autor durch die Zeiten, erzählt von seiner Jugend in Heidelberg, als er es kaum wagte, jemanden mit nach Hause zu nehmen, weil die Familie in so bescheidenen Verhältnissen lebte, er erzählt von einem Jugoslawien, in dem alle ziemlich friedlich zusammenlebten, bis das der aufpeitschende Nationalismus unmöglich machte, er erzählt von seinem Vater, der ihn als Kind vor dem Angriff einer Poskok, einer Hornotter, rettete, von der Heimat seiner Großeltern, der Landschaft und den Menschen. Manches ist wahr, manches ist erfunden und ein wenig phantastisch im besten Sinne. So erwartet den Leser ein ganz besonderes Ende der Geschichte oder auch zwei?

„Herkunft“ ist ein sehr besonderes Buch, voller Humor, Liebe und Freude am Leben und der Sprache. Wie es Thomas Hummitzsch vom Rolling Stone formulierte: „Sasa Stanisic ist ein Poet und Revolutionär, der seine eigentliche Heimat in der Sprache gefunden hat.“ Treffender lässt sich das nicht sagen.

Wer mehr darüber erfahren möchte: Buchbesprechung SWR2

„Herkunft“ von Saša Stanišić

ISBN: 978-3-630-87473-9   Verlag: Luchterhand

Jetzt ist aber auch mal gut.

Ich habe heute Nacht von Ebay Kleinanzeigen geträumt – ganz im Ernst. Es klingelte und eine Frau mit drei kleinen Kindern saß auf einmal bei mir im Flur. Ich entschuldigte mich, denn ich wusste gar nicht mehr, was ich ihr verkauft hatte. Hektisch verließ ich die Wohnung und ging in meine andere Wohnung im dritten Stock auf der gegenüberliegenden Seite der Straße (die ich in Wirklichkeit gar nicht habe) und sah mich hektisch um – nichts. Ich ging zurück und sagte, ich habe nichts und sie erwiderte, dann nähme sie auch die Puppenmöbel. Ich entschuldigte mich, die hätte ich inzwischen schon verkauft, nur ein Schaukelstuhl sei noch da. Wieder verließ ich die Wohnung, schwer grübelnd, was ich dieser armen Frau jetzt bieten konnte. Ich fand noch einen Einkaufsgutschein über 6,-€, den ich mitnahm. Als ich ihn ihr übergeben wollte, stellte ich fest, dass er bereits abgelaufen war. Die Situation war nicht zu lösen. Wie konnte es dazu kommen?

Wie so viele, habe ich in den letzten Monaten ausgemistet und versucht, zu Geld zu machen, was sich noch zu Geld machen ließ. Auf Ebay Kleinanzeigen. Im Idealfall lässt sich dort so ein Kauf innerhalb weniger Stunden zur Zufriedenheit beider Seiten abwickeln. Manchmal treibt das Ganze aber merkwürdige Blüten.

Ich stelle beispielsweise einen Artikel für 5,-€ rein, jemand antwortete:

 „Hallo, 3 eu ich kann bezahlen und morgen abholen. LG“

Ich versuche zu handeln und antworte, wie ich es auf dem Souk in Marrakesch gelernt habe:

„Für 4,-€ können Sie es haben.“

Antwort:

„Wo wohnen Sie?“

Ich schreibe meine Adresse und höre nie wieder etwas.

Gedanken des Misstrauens machen sich breit. Wollte die Frau etwa nur ausspionieren, wo ich wohne, weil sie denkt, wer einen Regenschutz für Schulränzen verkauft, bei dem ist noch mehr zu holen? Wird die Dame namens Nathalie etwa eines Tages bei mir einbrechen? Oder heißt sie in Wirklichkeit gar nicht so?

Das passiert öfter, der Deal ist klar und kommt trotzdem nie zustande. Während Kaufinteressenten scheinbar immer davon ausgehen, die Ware zum halben Preis zu bekommen, verschwindet das Interesse meist ganz schnell, wenn man darüber anderer Meinung ist. Manche Sachen will aber auch einfach kein Mensch haben, andere alle und man ärgert sich, dass man keinen höheren Preis gemacht hat.

Eine weitere sensible Phase des Geschäfts neben der Bekanntgabe der Adresse – die Bezahlung. Vorauskasse, PayPal, kann ich meinem Bieter trauen oder hat er oder sie Übles im Sinn? Alles, was ich jemals gelesen habe über die kriminelle Energie meiner Mitmenschen, bahnt sich den Weg aus dem Sumpf der Erinnerungen. Und welch Erleichterung, wenn es mal wieder geklappt hat und redliche Bürger brav ihren Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind, während ich die Ware sachgerecht verpackt zustelle.

Ob der Vertrauensvorschuss gelingt, hat nicht wenig mit dem Schriftwechsel zu tun.

„Hei gips den stuhl den noch“

konkurriert mit:

„Hallo, ich interessiere mich für den Stuhl. Ist er noch zu haben? Und könnte man morgen zum Abholen kommen? Mit freundlichen Grüßen ,***“

Also, Menschen, die Kenntnis über die korrekte Anrede, Höflichkeitsformeln und gelungene Konversation haben, genießen da durchaus Vorteile. Das mag sich nach Diskriminierung anhören, vielleicht ist es aber auch nur menschlich. Ich meine, ich möchte nicht wissen, wie ungelenk meine Anfrage in einer Sprache klänge, bei der ich nur über rudimentäre Kenntnisse verfügte. Auf jeden Fall würde ich es mit einer extra Portion Bitte und Danke versuchen, das geht vermutlich immer. Natürlich versuche ich, dem Schriftbild nicht allzu viel Bedeutung beizumessen, wirklich.

Also, was ich sagen will, ein Verkauf bei Ebay Kleinanzeigen ist immer ein Überraschungspaket. Und scheinbar täte es mir gut, mal ein Weilchen zu pausieren. Weil meine Träume – ganz ehrlich, sind wirklich Privatsache und da möchte ich weder Anna, noch J.T, Familie Buddel oder Vera und Tobi treffen.

Einen guten Start in die Woche wünscht Ella!

#BlackLivesMatter

BlackLivesMatter

Als vor einigen Tagen auf Instagram die Farbe Schwarz unzählige Male gepostet wurde, wunderte ich mich anfangs noch, schnell war aber klar,  für was sie stand – ein Symbol für Black Lives Matter. Die Bewegung  entstand 2013 in den USA als Reaktion auf die willkürliche Ermordung des schwarzen 17-jährigen Schülers Trayvon Martin durch einen Wachmann, der in einem zweifelhaften Urteil wegen Notwehrs freigesprochen wurde. Seitdem setzt sich Black Lives Matter gegen Polizeigewalt an Schwarzen, Rassismus und Racial Profiling ein. Nach dem Mord an George Floyd ist daraus eine weltweite Protestbewegung entstanden und auch in Deutschland bekennen sich viele zu ihrer Haltung.

Ich unterstütze jede Art von Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt und der Mord an George Floyd ist einfach unmenschlich und so etwas darf nie wieder geschehen. Trotzdem hat die Begeisterung für diese Bewegung für mich in Deutschland einen kleinen Beigeschmack. Es scheint viel einfacher und vielleicht auch „hipper“ zu sein, gegen Rassismus in den USA aufzustehen, als gegen Rassismus im eigenen Land, wo die AFD inzwischen in manchen Bundesländern zweitstärkste Partei ist. Auch bei uns gibt es verstärkte Kontrollen von Personen mit Migrationshintergrund durch die Polizei. Auch bei uns gibt es Diskriminierung von Menschen, die nicht typisch deutsch aussehen oder einen fremdländischen Namen haben, im Alltag bei der Wohnungssuche, bei der Suche nach einem neuen Job oder in der Schule. Es gibt eine breite Ablehnung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, es gibt Gewalttaten gegen Muslime und gegen Juden, wie die schrecklichen Anschläge von Hanau und Halle. Etwa 20000 Delikte mit rechtsextremistischem Hintergrund pro Jahr gibt es in Deutschland, viele davon Hetze im Netz und Propaganda, aber auch rund 1000 versuchte oder vollzogene Gewalttaten. Die Reaktionen darauf sind oft verhalten. Und Schweigen ist auch immer ein Stück weit Zustimmung, wenn sie ihre Ursache vielleicht auch manchmal nur in der Bequemlichkeit hat.

Es wäre schön, wenn „Black lives matter!“ auch hier für Menschen aller Hautfarben, Glaubensrichtungen und jeglicher sexueller Orientierung gelten würde, ganz nach Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

Pubertier, die nächste

Das Pubertier beschwert sich, ich würde es I-M-M-E-R beschuldigen, wenn es Streit mit dem kleinen Bruder gibt. Als ich beim nächsten Mal sage:

„Jungs, hört bitte auf!“,

beschwert es sich:

„Jetzt hast Du es zwar anders gesagt, aber Du hast sowieso gedacht, dass ich es war!“

Es gibt Zeiten, in denen man alles nur falsch machen kann.

 

Warum ein teurer Drucker weniger kosten kann

Bei den Mengen an Papier, die wir in den letzten Wochen fürs Homeschooling verbraucht haben, wird einem wirklich schwindelig. Ich mache ja normalerweise keine Produktwerbung, aber ich habe mich inzwischen schon so oft gefreut, dass ich mich vor knapp zwei Jahren von einem Verkäufer habe überzeugen lassen, einen neuen Drucker für rund 400,- € mit Garantieverlängerung (Epson ET-4750) zu kaufen, anstatt geplante 150,- € auszugeben, das ich das nicht für mich behalten möchte. Und ich habe mich natürlich schon gefragt, als ich nach Hause kam, ob die Kaufentscheidung richtig war. Wir hatten vorher diverse Canon Pixma Modelle, weil uns gute Fotoqualität wichtig war. Der Nachteil: die winzigen Kartuschen waren ständig leer und wir mussten spätestens alle zwei Monate neue kaufen. Beim neuen Drucker dagegen waren große Tintenbehälter zum Nachfüllen dabei, ich musste in den zwei Jahren noch kein einziges Mal Tinte nachkaufen, sondern habe immer noch Vorräte zuhause. Was das an Einsparung von Geld, aber auch an Verpackung bedeutet, liegt auf der Hand. Die hohen Kosten haben sich jedenfalls schnell amortisiert und die Druckqualität ist auch gut. Falls es euer Drucker also nicht mehr lange tun sollte, überlegt Euch, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und Euch gut beraten zu lassen. Es könnte sich lohnen.

Homeschooling und (k)ein Ende in Sicht

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ausgiebig über Dinge jammern, die sie nicht ändern können. Umso mehr freue ich mich, dass nächste Woche zumindest eines meiner Kinder wieder in die Schule gehen kann. Homeschooling ist so ziemlich die größte Herausforderung in meinem Leben mit Kindern, der ich mich jemals stellen musste. Ich habe in den letzten Wochen ein verdammt dickes Fell gebraucht und bin noch nie so viel angemotzt und angeschrien worden. Das werde ich wirklich nicht vermissen. Mir ist klar, dass es noch dauern wird, bis man wieder von einem normalen Schulalltag reden kann, aber ich feiere jede Stunde, die dort stattfinden wird, ohne mich. Manche Eltern haben es auch einfach sein gelassen mit dem Homeschooling und dafür in Harmonie mit ihren Kindern gelebt – sicher auch eine Möglichkeit. Ich freue mich jedenfalls für jede Familie, in der das Ganze gut klappt – bei uns definitiv nicht!

Schatzsuche – das perfekte, coronakompatible Spiel für zwei Familien

Am Sonntag verabredeten wir uns mit Freunden zur Schatzsuche. An einem gemeinsamen Treffpunkt bekam jede Familie Ausdrucke eines in mehrere Etappen unterteilten Rundwanderweges, auf denen jede die Schätze einzeichnete, die sie dann auf dem Hinweg versteckte. Eine Familie ging nach links los, die andere nach rechts. In der Mitte der Strecke trafen wir uns (zwangsläufig, da es ja ein Rundwanderweg war) und übergaben unsere Schatzkarten (natürlich mit Sicherheitsabstand und desinfiziert!). Auf der zweite Hälfte der Strecke konnten so beide Familien Schätze suchen.

Dieser Ausflug war ein absolutes Highlight der vergangenen Wochen – zum einen, weil man sich zumindest mal kurz aus der Ferne sah, zum anderen, weil sowohl das Verstecken, als auch das Suchen so viel Spaß machte, dass es keinerlei Gemotze wegen der langen Wegstrecke gab. An diesem Abend fielen wir alle geschafft, aber zufrieden ins Bett. Eine gerade eher seltener Zustand.

Dringendst zur Nachahmung empfohlen!

 

Buchtipps für Groß und Klein

Während die Kreativität mancher Menschen zu Corona Zeiten ins Unermessliche zu sprießen scheint, lähmt mich die erzwungene Dauerfamiliengemeinschaft eher. Mir fehlen die Stunden, die ich sonst allein zuhause verbringe, damit mein Geist auf Wanderschaft gehen kann. Wenn ich schon sonst zu keinen weiteren Ergüssen in der Lage bin, möchte ich zumindest zwei Buchempfehlungen zum Besten geben.

Buchtipp für Kinder ab 6 Jahren:

„An der Arche um Acht“ von Ulrich Hub (Text) und Jörg Mühle (Illustration)

Auf der Arche nach acht

Dieses Buch haben wir vermutlich als einziges Buch über die Jahre hinweg mehrmals vorgelesen, jetzt mit zehn Jahren hat mein Sohn es noch einmal selber gelesen und fand es wieder einfach nur cool. Praktisch auch für Lesefaule, denn es hat eine größere Schrift und ist nicht so dick.

Eigentlich dürfen immer nur zwei Tiere einer Art die Arche betreten. Was macht man aber, wenn man zu dritt ist und keinen zurücklassen möchte? Klar, man schmuggelt einen der drei Pinguine im Koffer an Board und versucht, ihn irgendwie zu verstecken. Gar nicht so einfach. Und was Gott wohl dazu sagt? Mit viel Humor, Witz, Fragen über Gott, die Welt und die Freundschaft, begleiten wir die Pinguine auf ihrer besonderen Reise.

Dtv junior  ISBN 978-3-423-71392-4  Taschenbuch (Erstauflage 2009)

 

Buchtipp für Erwachsene:

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Der Gesang der Flusskrebse

Wer den Kopf mal so richtig coronafrei kriegen möchte, dem empfehle ich Delia Owens Geschichte über das so genannte Marschmädchen Kya, das in den 50er Jahren in den Sümpfen North Carolinas sich selbst überlassen aufwächst. Ich habe einige Seiten gebraucht, um so richtig abzutauchen, die USA in den 50er Jahren war so weit weg, dass ich die Strecke erstmal mental zurücklegen musste. Aber dann…Die plastischen Naturbeschreibungen beschwören Kyas Welt herauf, man gleitet mit ihr im Boot durch zugewachsene Wasserarme, lernt Vögel und Gezeiten dieser besonderen Landschaft kennen und bangt immer ein wenig mit, ob das alles auch gut gehen wird. Wir lernen Kya als Sechsjährige kennen und begleiten sie bis zu ihrem  Tod, kein Wunder also, dass „Der Gesang der Flusskrebse“ auch eine Liebesgeschichte ist. Man fühlt sich an Mark Twains Huckleberry Finn erinnert, was nicht nur an den Landschaftsbeschreibungen liegt, sondern auch an der Rassendiskriminierung und den Lebensumständen der Armen und Reichen. Und obwohl der Roman kein Krimi ist, geht es auch um die Aufklärung eines Verbrechens.

hanser Verlag ISBN 978-3-446-26419-9

Das homeschooling geht in die Verlängerung

Als vor zwei Wochen die Osterferien starteten, ahnte ich nicht, dass die Nachrichten, wie es mit der Schule (in Bayern) weitergehen würde, so frustrierend sein würden:

Es sei noch nicht sicher, ob alle Klassen bis Ende des Schuljahrs(!!!) wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren könnten, ließ der Kultusminister Michael Piazolo verlauten.

Meine Kinder besuchen weder eine Abschluss- noch eine Übergangsklasse, die bevorzugt beschult werden sollen. Allerdings sind sie keine Grundschüler mehr, was ihre Chancen vielleicht wiederum erhöht. Im worst case hieße es auf jeden Fall, dass sie jetzt fünf Monate (inklusive Ferien) keine Schule im klassischen Sinn mehr haben könnten. Was das bedeutet, wird mir spätestens morgen so richtig klar werden, wenn der Ferienschlendrian vorbei ist und ich sie wiederholt und mit Nachdruck zu Konzentration und Disziplin ermahnen muss, damit sie ihre Sachen erledigen.

Ich bin mir bewusst, dass wir privilegiert sind, weil wir in der Lage sind, unsere Kinder durch unsere elterliche Präsenz zu unterstützen (Arbeit gibt es gerade sowieso kaum für uns) und auch die technischen Möglichkeiten dazu haben. Wir haben keine fünf Kinder in einer 50 Quadratmeter kleinen Wohnung und sind deutsche Muttersprachler, was das home schooling deutlich erleichtert. Ich hoffe, auch das wurde in den Konzepten der Kultusministerien berücksichtigt, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf bevorzugt wieder in die Schulen dürfen, in kleinen Gruppen und mit Abstand.

In manchen Schulen gab es Abfragen bei den Eltern, was gut gelaufen ist und wo es Änderungsbedarf gibt. Eine gute Idee für den Austausch zwischen Schule und Zuhause, leider fand das nur vereinzelt statt. Schade. Mal sehen, was sich nach den Ferien in den Abläufen professionalisieren wird, ich hege da noch eine gewisse Hoffnung auf Besserung. Ich bin nun mal Optimistin und kann nicht anders.

Allen Eltern, die diese Herausforderung meistern müssen, wünsche ich auf jeden Fall weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen!

Bleibt gesund, Eure Ella

Happy easter, world!

Osterei_Erde

Das ist das ungewöhnlichste Ostern, das wir alle jemals gefeiert haben – viele wären jetzt im Urlaub, andere mit den Großeltern zusammen. So aber bleiben wir alle zu Hause, ob als Familie oder allein und tasten uns von Tag zu Tag vor, warten auf neue Informationen und darauf, wie es weitergehen soll. Im Umgang mit Corona reagieren wir sehr unterschiedlich, manche haben große Angst, andere scheinen die Krise eher auf die leichte Schulter zu nehmen. Das führt manchmal zu gegenseitigem Unverständnis. Wie man so eine Situation meistert, konnten wir eben nie üben. So schlecht scheinen wir es aber nicht zu tun, denn wir erleben tagtäglich viel Solidarität, Fürsorge und und Achtsamkeit unter den Menschen. Und die Welt rückt ein wenig näher, Corona verbindet aufgrund derselben Sorgen alle Menschen, wenn auch die Möglichkeiten, dem Virus zu begegnen, sehr unterschiedlich sind. Wir Deutschen als reiche Demokratie haben es da mal wieder gut erwischt.

Ostern ist für mich ein Symbol der Hoffnung, des Neuanfangs, dass wir nicht vergessen, was uns hat zusammenrücken lassen, und nicht dort weitermachen, wo wir aufgehört haben, wenn irgendwann hoffentlich wieder ein normales Leben möglich sein wird.

Ich wünsche Euch trotz aller Sorgen frohe Ostern und sende ein paar positive Gedanken in die Welt.

Eure Ella