Einen Mehrwert für andere kreieren 

Gastbeitrag von meiner Schwester Petra

Genau das war meine und unsere Motivation, als wir im Podcast Frei Raus – Abenteuer fürs Leben von Christo Foerster, über unsere Geschichte gesprochen haben. Wir wollten anderen Menschen Mut machen, die gerade mit einer Krankheit oder mit ihren ganz eigenen Themen und Problemen kämpfen, immer weiter an sich selbst zu glauben und nicht aufzugeben. Für uns ging es auch darum, den Hörern und Hörerinnen mit auf den Weg zu geben, dass Zeit im Leben das Wichtigste ist, was man hat und es sich lohnt, die Zeit so zu gestalten, dass man selbst glücklich und zufrieden ist. Wir erzählen natürlich auch von meiner Long Covid Erkrankung, unseren Weg mit der Krankheit und unserer Reise, die wir seit Oktober 2025 mit unserem Hund Rudi machen. Daraus ist der Podcast „Mit dem Van durch Europa oder warum wir Träume brauchen, wenn es uns dreckig geht“ entstanden. Wir waren auf unserer Reise nach Norden bei Christo in seinem Studio in Hamburg, um den Podcast aufzunehmen und es war für uns eine aufregende, wunderschöne und gleichzeitig ganz neue Erfahrung, haben wir beide doch noch nie einen Podcast aufgenommen. 

Wir haben bisher sehr viel positives Feedback bekommen, natürlich erstmal von Freunden und Familie, aber da waren auch einige Menschen dabei, die wir nicht kannten und die sich nach dem Podcast bei uns gemeldet und sich für die Folge bedankt haben. Eine Email war beispielsweise von jemandem, der selbst an ME/CFS erkrankt ist und sehr berührt und gleichzeitig inspiriert von der Podcastfolge war. Er hat uns geschrieben, dass er sich jetzt auch überlegt, ob er sich einen Camper zulegt, um trotz seiner Erkrankung draußen sein zu können. Es tut natürlich gut zu hören und auch zu lesen, dass wir mit dem Podcast einige Menschen inspiriert, vielleicht auch ermutigt haben – genau deshalb haben wir überhaupt den Schritt gewagt, den Podcast aufzunehmen. 

Wenn du Neugierig geworden bist, kannst du hier den Podcast hören: 

Im Laufe unserer Reise, die uns bisher durch Frankreich, Spanien, Portugal und jetzt durch Dänemark, Schweden und Norwegen geführt hat, habe ich mich als systemischer Coach selbstständig gemacht. Ich begleite Menschen (im Online Setting), die sich Unterstützung bei persönlichen und/oder beruflichen Themen wünschen. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung ist mir bewusst, wie wertvoll es ist, in Krisen und schwierigen Lebenssituationen eine Wegbegleitung an der Seite zu haben. Ich beziehe neben systemischen Ansätzen auf Wunsch auch Embodiment (ein körperorientierter Ansatz) mit ein, um wirklich nachhaltige Veränderungsprozesse mit meinen Klienten und Klientinnen bewirken und gestalten zu können. 

Wenn du mehr über mich und meine Arbeit wissen möchtest, schau doch gerne auf meiner Website https://www.petrakampermann.de vorbei. Hier findest du alle Informationen und kannst im Blog mehr zu meiner Arbeit lesen. Ich freue mich, wenn du vorbei schaust! 

Zeit

(Ein Gastbeitrag von Petra)

Ich sitze bei nur wenigen Grad Celsius über Null in unserem Garten im dicken Nebel eingehüllt und frühstücke. Warum ich das erzähle? Weil ich noch letztes Jahr um die Zeit sicher nicht auf die Idee gekommen wäre, mich unter der Woche am Vormittag in Ruhe draußen zum Frühstücken hinzusetzen- nicht, weil das nicht schon damals schön gewesen wäre, sondern weil ich schlichtweg keine Zeit gehabt hätte. Um diese Zeit (10h morgens) wäre ich mit meinem Hund auf dem Heimweg von meinem Pferd gewesen, in großer Eile, um noch kurz unter die Dusche zu springen und dann in die Arbeit zu düsen, um nicht zu spät zu kommen.

Und jetzt, jetzt habe ich Zeit, jede Menge davon und viel mehr, als mir manchmal lieb ist. Ich bin seit Ende März zuhause aufgrund von Long Covid und musste auf schmerzhafte Art lernen, mich von all den Hobbies, vom Beruf, von sämtlichen Freizeit Aktivitäten, aber auch von allen Leistungsansprüchen an mich selbst zu verabschieden. In die Pause gezwungen.

Kein Sport mehr, kein Job mehr, keine langen Spaziergänge mit Hund und Pferd – nichts mehr war da von meinem „alten“ Leben. Die letzten Monate waren geprägt von viel Trauer, viel Schmerz über meine Situation, die mich hilflos gemacht hat, weil sehr lange Zeit keine Hilfe in Sicht war. Die vergangene Zeit war auch geprägt von immer wieder viel Hoffnung, um dann in ein tiefes Loch der Verzweiflung zu fallen, weil ich wieder Rückschritte gemacht und somit wieder ans Sofa oder Bett gefesselt war. Ärzte, Krankenhäuser, spezielle Ambulanzen konnten nicht helfen und somit war ich sehr lange mit der Erkrankung alleine und musste lernen, wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein – im Haushalt, in der Tierversorgung, in allen Lebensbereichen – ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen und tiefe Dankbarkeit zu empfinden – den Menschen gegenüber, die mich in den letzten Monaten so intensiv begleitet haben und immer an ein Gesund werden geglaubt haben, auch wenn ich selbst immer wieder so verzweifelt war, dass Suizid sehr verlockend erschien.

Aber mein wundervoller Partner und meine Tiere erinnerten mich immer wieder daran, dass es sich lohnt zu kämpfen und nicht aufzugeben, weshalb ich heute in meinem Garten sitze, eine Tasse Tee vor mir und die Kraft habe, wieder zu schreiben. Ich kann mit ganz viel Stolz sagen, dass es langsam in Minischritten aufwärts geht – dank einer wunderbaren Unterstützung, die mich seit zwei Monaten begleitet. Jemand, der sauer darüber war, dass sich so wenig mit den Menschen beschäftigt wird, die von Long Covid betroffen sind und sich deshalb darauf spezialisiert hat, erkrankte Menschen zu begleiten. *

Auch dafür bin ich unendlich dankbar – es ist Tag für Tag Arbeit, die ich leisten muss, damit es Stück für Stück besser wird, aber ich weiß, dass es sich am Ende lohnen wird. Ich halte mich fest an Visionen – wie es ist, das erste Mal mit meinem Freund zum Tanzkurs zu gehen oder mit Hund und Pferd wieder einen schönen langen Spaziergang zu machen. Es liegt noch ein langer Weg vor mir, aber ich habe ja jede Menge Zeit… und ich bin dankbar für all die kleinen Dinge und Momente in meinem Leben, die wieder möglich sind.

Nehmt Euch Zeit- für Euch selbst, für Eure Liebsten, für all die Dinge, die ihr tun möchtet – denn ihr wisst nie, wie lange ihr gesund seid – schätzt das Leben und seid dankbar für alles Große und Kleine, was Euch tagtäglich begegnet.

(* http://www.longcovid-ganzheitlich.de – Leider ist nur ein kleiner Leitfaden kostenlos, ansonsten muss die ganzheitliche Begleitung privat bezahlt werden. Ich wollte die Homepage trotzdem verlinken, da die Kassenleistungen und Hilfen bei Long Covid trotz der Kampagne des Bundesgesundheitsministers noch immer vollkommen unzureichend sind und Betroffene meist froh sind, andere Wege zu finden.)