Weltkultur statt Leitkultur

Juli liest

Über Wut, Aktion statt Resignation und die Geburt eines Hashtags

Wir schreiben das Jahr 2017 und der letzte Weltkrieg ist seit über siebzig Jahren vorbei.

Und doch scheint es, als hätte die Welt nichts aus alledem gelernt. Als wären sie nicht schlauer geworden durch die Ereignisse der Vergangenheit, entscheidet sich die Mehrheit der Amerikaner für Trump, die Mehrheit der Briten für den Brexit, immerhin 33,9 % der Franzosen für Le Pen, unfassbare 49,7 % der Österreicher für Norbert Hofer und immer mehr Deutsche für die AfD: Im Superwahljahr 2017 sind sie in alle drei neu gewählten Landtage eingezogen und sitzen in insgesamt dreizehn Parlamenten. Jeder Sitz einer zuviel.

128391493577113648-1 Thomas de Maizière: „Wir sind nicht Burka“

Und was macht die sogenannte Mitte dagegen? Nichts – oder zumindest nichts, das wirken würde. Stattdessen ist die rechte Rhetorik der CSU-Politiker von der der AfD nicht mehr zu unterscheiden und vor drei Wochen fühlte…

Ursprünglichen Post anzeigen 983 weitere Wörter

An alle Mütter…

Muttertag

….ein kleiner Blumengruß für durchwachte Nächte und durchgetaktete Tage, für verpasste Konzerte und durchgestandene Kinderkrankheiten, für das Durchhalten und immer wieder Neuversuchen, für das Allesinfragestellen und all die großen und kleinen Sorgen. Und einfach, weil es toll ist, Mama zu sein.

Eure Ella.

Alter Sack neuer Trend

Mode ist ja ein schnelllebiges Geschäft.
Modemarken sind wirtschaftliche Großkonzerne und tun alles um sich schnell weiterzuentwickeln, kostensparend zu produzieren und Verkaufszahlen zu steigern.
Ein Trend jagt den nächsten. Kollektionen  gibt es nicht mehr nur 2 mal im Jahr – nein die trendigen Labels müssen quasi täglich neue Outfits herausbringen um erfolgreich zu bleiben. Diese Wirtschaftskonzerne lassen sich immer neue Ideen einfallen, um nicht ins Abseits zu geraten und um immer mehr Umsatz zu generieren. Kooperationen mit verschiedenen Designern, teure Werbung, möglichst frische neue Ideen, die noch keiner hat! Innovativ muss man sein!
Umso erstaunlicher beobachte ich im Moment einen Trend:
Die Wiederauferstehung der Rucksäcke mit dem Fuchs.
Als ich vor einigen Monaten jemanden mit einem Fjällräven Kanken Rucksack sah, dachte ich noch „Ach guck mal, da hat einer seinen alten Rucksack rausgekramt, dass der so viele Jahre überlebt hat!“
Mittlerweile sind die wieder unglaublich im Trend und sie sehen original genau so aus, wie in meiner Schulzeit vor 30 Jahren! Nur ein paar neue Farben gibt es davon.
Da soll noch mal einer sagen, man bräuchte immer neue Ideen, um erfolgreich zu bleiben. Wie hat die Marke es wohl geschafft, ein völlig in Vergessenheit geratenes Produkt, ohne es zu verändern zu einem Wahnsinnstrend zu machen?!

Internetportale und ihre kleinen Häkchen

Letztes Jahr übernachtete ich beruflich in einem wunderschönen kleinen Hotel, wie ich es gerne „Schriftstellerhotel“ nenne. Eine Gründerzeitvilla mit hohen Decken und dunklen Böden, bei deren Betreten man sich sogleich irgendwie hochherrschaftlich fühlt. Der Frühstücksraum war so liebevoll mit unzähligen selbstgemachten Marmeladen, Müslisorten und anderen Leckereien in Gläsern und Schüsselchen dekoriert, dass mir das Herz aufging. Leider erzählte uns der Hausherr, dass Ende des Jahres Schluss sei mit ihrem Familienbetrieb. Sie könnten dem Preisdruck nicht mehr standhalten, den die unzähligen Buchungsportale erzeugen und an die sie 10% oder mehr des Übernachtungspreises abführen müssten – viel Geld für einen kleinen Betrieb. Verärgert erzählte er, wie manche Gäste, die bereits auf der Türschwelle des Hotels stünden, die Übernachtung noch schnell online buchten, ohne darüber nachzudenken, dass dieser eine Klick das Hotel einen Teil ihrer Einnahmen kostet. Verbraucherparadies Internet. Mit den gleichen Problemen sieht sich die Gastronomie konfrontiert, die sich Lieferdiensten wie beispielsweise lieferando oder eGourmery anschließen. Zwar können die Betriebe mehr Umsatz generieren, indem sie einen größeren Kundenkreis erschließen, andererseits müssen sie noch enger kalkulieren, da sie einen Teil des Umsatzes an den Lieferdienst abgeben müssen. Viel Luft zum Geldverdienen bleibt da nicht. Beispiele ließen sich an dieser Stelle unbegrenzt fortsetzen, die „Großen“ verdienen eigentlich immer auf Kosten der „Kleinen“, sei es ein Liefergigant wie „Amazon“, der von seinen Händlern Provision verlangt oder der Landwirt, der dem Discounter besondere Konditionen einräumen muss, damit wir billig einkaufen können. Darüber sollten wir uns bewusst sein, wenn wir beim nächsten „Schnäppchen“ zuschlagen und vielleicht ab und an einfach den direkten Weg suchen.

Buchtipp: Rabenfrauen

RabenfrauenWer über die Feiertage etwas jenseits von Süßkram verschlingen möchte, sollte sich schnell noch diesen Roman besorgen. Anja Jonuleit erzählt in „Rabenfrauen“ die Geschichte der Freundinnen Ruth und Christa, beginnend in den 50er Jahren. Als eine freichristliche Gemeinschaft unter dem Prediger Paul Schäfer ein Zeltlager in ihrem Heimatdorf veranstaltet, verliebt sich die 17jährige Christa in eines der Mitglieder. Während Ruth die Vorgänge in der Gemeinschaft bald zu hinterfragen beginnt, verliert sie Christa trotz wiederholter Bemühungen an die Sekte, die später traurige Berühmtheit unter dem Namen Colonia Dignidad erlangen wird. Angefangen mit dem scheinbar harmlosen Besuch des Jugendzeltlager bis hin zur völligen Unterordnung, Missbrauch und Folter in der Kolonie in Chile wird faszinierend beschrieben, wie es zu solch einer Abhängigkeit und Unterwerfung unter so einen charismatischen Menschen überhaupt kommen kann. Die Zeitstränge wechseln zwischen der Geschichte der jungen Frauen und dem fortgeschrittenen Alter, in dem sich Ruth noch immer fragt, ob sie wirklich alles ihr Mögliche getan hat. Wird sie doch auf einmal von einer ganz anderen Seite mit ihrer Vergangenheit konfrontiert….. ein spannendes Buch, das ich kaum zur Seite legen konnte.

Anja Jonuleit  „Rabenfrauen“

ISBN-13: 9783423261043   dtv Taschenbücher

Generation Smartphone

Wir sind die erste Generation von Eltern, deren Kindern mit dem Smartphone aufwachsen – zunächst mit unserem, spätestens in der 5.Klasse meist mit dem eigenen und das beeinflusst ihr Aufwachsen nachhaltig. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Eltern, uns eingenommen, von der neuen digitalen Welt und ihren Bedürfnissen einfach mitreißen lassen, ohne wirklich zu hinterfragen, ob wir da mitmachen wollen, fortwährend unter Druck gesetzt von den angeblichen Erfordernissen des digitalen Zeitalters. Es scheint normal zu sein, dass alle den ganzen Tag auf ihre Smartphones starren. Aber ist es richtig, nur weil es die Mehrheit tut? Dabei sind eigentlich sehr viele Eltern nicht glücklich damit, dass die digitalen Medien solch einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Kinder haben. Aber trotzdem machen die meisten mit, anstatt sich zusammen zu setzen und in aller Ruhe zu hinterfragen: Was wollen wir unseren Kindern mitgeben? Wie wollen wir leben? Welchen Nutzen und welchen Schaden bringt die Technik? Es fehlen uns in diesem Bereich die Vorbilder und wir müssen selber Standards setzen, die wir für richtig halten und die uns nicht von außen aufgedrängt werden. Wir brauchen mehr Entschlossenheit, Grenzen zu setzen und müssen diese auch selbst leben. Mädchen sind bekanntlich meist anfälliger für die sozialen Netzwerke, Jungen meist für Computerspiele. Einen unheimlichen Sog üben beide Bereiche aus, manche Kinder sind sicherlich stärker suchtgefährdet als andere, aber auf jeden Fall führt die intensive Beschäftigung mit dem Smartphone dazu, dass Kinder kaum mehr Langweile und Auszeiten haben, die dabei helfen, nachzudenken, sich zu spüren und Interessen zu entwickeln. Ich möchte aus einem Interview mit dem Hirnforscher und bekennenden Computerhasser Manfred Spitzer mit den Nürnberg Nachrichten vom 18.03.2017 zitieren. Auf die Frage, wie Eltern ihre Kinder an digitale Geräte heranführen sollten, antwortete er:

 Gar nicht. Man muss die Kinder stattdessen so lange es irgend geht davor schützen. Was wir alle immer vergessen: Digitale Geräte schaden der Gesundheit. Sie verursachen Haltungsschäden, Dickleibigkeit, einen hohen Blutdruck, Depressionen und Angstzustände. Außerdem erzeugen sie in einem hohen Ausmaß Sucht. Wie ich meine Kinder an ein Suchtmittel, das zudem deren Gehirnentwicklung beeinträchtigt, „heranführen“ kann, ist deshalb die falsche Frage. Wir sollten sie vielmehr nicht „anfixen“ (wie man das bei Drogen nennt)! Zudem sollten Eltern bedenken: Ich gebe doch nicht meiner 13-jährigen Tochter unbegrenzten Zugang zum größten Rotlichtbezirk und zum größten Tatort der Welt. Das tue ich aber, wenn ich ihr ein Smartphone schenke.“

Diese Ansicht mögen viele für radikal halten, aber er liefert mal ganz andere Argumente, als das ewige „Lisa, David und Marvin dürfen aber viel länger!“. Und das hilft mir, klarer bei dem zu werden, was ich für richtig halte.

Wer das ganze Interview lesen möchte, findet es auf: http://www.nordbayern.de/politik/digitale-medien-verleiten-zur-oberflachlichkeit-1.5890818

Aufklärung für Anfänger Teil 2

Das Schöne daran, Gedanken in die Welt zu streuen, ist, andere Gedanken wieder zurück zu bekommen. So auch in diesem Fall geschehen. Jetzt weiß ich, dass das mit der Aufklärung total einfach ist, denn es gibt die Sendung „Du bist kein Werwolf“, die jeden Sonntag um 20.10h und 20.35h auf KiKa läuft. Damit das Ganze nicht mit dem Tatort kollidiert, gibt es natürlich alle Folgen und Einzelteile auch online. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Christine Henning und Ralph Caspers, wohl bekannt aus der „Sendung mit der Maus“ plaudern locker flockig über Vorhaut, Samenerguss und Schamlippen ohne auch nur ein bisschen rot zu werden. Herrlich. Es geht natürlich nicht nur um Anatomie, sondern auch um Beziehungen, Selbstversuche und andere Themen, die Teenager bewegen. Ob die Kids so eine Folge allerdings mit ihren Eltern zusammen anschauen wollen, wage ich zu bezweifeln.

Mehr infos unter: http://www.wdr.de/tv/werwolf/index.php5