Zarte Blüten

„Willst Du mich denn gar nicht schön machen? Kein kleines bisschen?“, fragt mich resigniert mein Balkon. Ich sehe ihn an und erinnere mich, dass ich dies immer im Frühjahr getan hatte und dass es mir gefallen hatte. Aber der Winter war so lange und ich habe fast vergessen, was mir Freude macht. „Doch, ich will!“, weiß ich auf einmal, schwinge mich auf mein Fahrrad und kaufe Blumen.

Fahrradkorb mit Blumen

Ich wünsche Euch schöne warme, wohlige Frühlingstage!

Eure Ella

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Osterspaziergang

DSC_0248Ich erinnere mich wirklich nicht an viele Dinge aus meiner Kindheit, aber der Spaziergang mit der Familie am Ostersonntag im Park mit Ostereiersuche gehört zu den Erlebnissen , die ich nie vergessen habe. Wenn das Wetter einigermaßen gut war, haben wir diesen Spaziergang immer gemacht und tun dies auch heute noch in den seltenen Fällen, dass sich die Familie an Ostern mal zusammenfindet. Und welcher Spaß, sich an die lustigen Vorfälle zu erinnern, wie etwa das im Erdloch verschwundene Ei, dass nicht mehr aufzufinden war oder wie mein Vater ein Loch in seiner Hosentasche nutzte, um die Eier ungesehen durch das Hosenbein ins Gras kullern zu lassen.

Eine Tradition, die ich für meine Kinder mit viel Freude fortführe. Und wie erstaunt waren wir im letzten Jahr als die Kinder plötzlich haufenweise Häschen und Eier fanden, die nicht von uns versteckt wurden. Da war doch tatsächlich ein spendabler Osterhase in unserem Park unterwegs, der unsere Kinder glücklich machte!

Euch allen schöne Ostertage und vielleicht viel Spaß bei Eurem Osterspaziergang!

 

ELTERNSTOLZ.DE

Elternstolz KampagneSeit einigen Wochen grinsen mir Eltern von Litfaßsäulen und Plakatwänden entgegen, die stolz auf ihre Kinder sind, weil sie sich für eine Ausbildung entschieden haben. Es ist erst mal nichts Verkehrtes daran und sicher sogar notwendig, für Ausbildungsberufe zu werben in Zeiten, in denen mehr als 40% aller Jugendlichen eines Jahrgangs in Deutschland das Abitur machen. Was mir daran aufstößt, ist, dass es in erster Linie mal wieder um die Eltern und nicht um die Kinder geht. Ein Symptom unserer Zeit, in der sich Eltern dazu berufen fühlen, das Optimum aus ihren Kindern herauszuholen (um ihnen für später optimale Chancen zu ermöglichen, sich im Kampf gegen den sozialen Abstieg zu behaupten).  Während in den 50ern klar war, dass die Eltern bei der Berufswahl ohne große Diskussionen den Ton angaben, hatte unsere Generation viele Freiheiten, den eigenen Weg einzuschlagen. Heute scheinen die Möglichkeiten derart unbegrenzt, dass ein wenig Entscheidungshilfe die Wahl erleichtern mag, aber das Problem ist eigentlich ein ganz anderes: Viele Eltern haben kein Vertrauen, kein Zutrauen mehr in ihre Kinder. Während bei uns die Grundschulzeit meist beiläufig von statten ging, sorgen sich heute Eltern schon lange vor der Einschulung um den schulischen Erfolg ihrer Kinder. Anstatt dem Kind erst mal zuzutrauen, dass es seine Hausaufgaben alleine bewältigen wird und das Thema Schule an sie abzugeben, wird kontrolliert und korrigiert. Die Kinder lernen von Anfang an, wenn sich Mama oder Papa nicht jeden Tag mit mir hinsetzten und mir helfen, schaffe ich es nicht. Ich kann nichts ohne sie. Da wird ein Teufelskreis aus Entmutigung und Bestätigung des Systems kreiert. Natürlich muss ich es als Elternteil auch aushalten, wenn die Hausaufgabe meinen Ansprüchen nicht genügt. Aber um das zu beurteilen, gibt es ja eigentlichen den/die Lehrer(in). Ich spreche nicht von Kindern, die tatsächlich Förderbedarf haben. Ich sprechen von jenen, die jahrelang in die Schule gebracht werden, weil man ihnen nicht zutraut, den Schulweg alleine bewältigen zu können. Ich spreche von jenen, die ab der 2.Klasse mit Nachhilfe auf das richtige Übertrittszeugnis ( <2,33) getrimmt werden, um dann kreuzunglücklich im Gymnasium zu landen. Und die von klein auf zusätzliche Kurse besuchen, um optimal aufs Berufsleben vorbereitet zu werden. Ihre Eltern spricht diese Kampagne an – ihr habt alles richtig gemacht, Projekt Optimierung erfolgreich abgeschlossen, auch wenn es dann mit dem Studium doch nicht geklappt hat. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde eine Berufsausbildung eine wunderbare Sache, wenn sich das Kind dafür interessiert. Ich würde mir nur wünschen, dass es mehr jungen Menschen erst mal schnurzpiepegel ist, ob ihre Eltern stolz auf ihre Berufswahl sind oder nicht. Denn das sollte nicht die Motivation sein.

„Wunder“ – der Film

Wunder Filmplakat

Das Buch habe ich euch im letzten Jahr vorgestellt (mehr Infos zum Inhalt unter Wunder), jetzt ist die Verfilmung in den Kinos zu sehen und ich finde, sie ist gelungen. Der Film bleibt dicht an der Vorlage und die Charaktere sind super gecastet. Die Chance also für alle Lesemuffel, die Geschichte von Auggie doch noch zu erleben. Liebe Eltern, packt die Taschentücher ein. Ich habe bei noch keinem Film in meinem Leben so viel Kloß im Hals gehabt. Es geht eben um die großen Themen im Leben, um Ängste, Zutrauen, Wahrnehmung, Liebe, Enttäuschung, Freundschaft und Werte. Und das mit Julia Roberts und Owen Wilson, wer hätte die nicht gerne als Eltern gehabt, was soll ich da noch sagen. Also vielleicht, dass ich keine Freundin amerikanischer Filme bin und dieser spielt in New York und das ist nicht das einzig amerikanische an ihm. Ach egal. Guckt einfach selbst!

Von Heidi Klum und #MeToo

Heidi

Ich gebe es zu: ich sehe gerne „Germanys next Topmodel“. Allerdings sicherlich nicht wegen „uns Heidis“ quietschiger Gute-Laune Fassade oder Thomas Dackelblick, nein, es sind die Mädchen, die Walks, die Shootings, die Neugier und das Mitfiebern. Hätte ich eine Tochter, würde ich mir das Einschalten allerdings verkneifen, denn die Botschaft, die Übermutter Heidi jungen Mädchen beibringt, ist einfach unter aller Kanone (um es halbwegs nett zu formulieren): „Mach Dich nackig, sonst fliegst du raus.“ Oder „Wer nein sagt, hat verloren.“ Die Mädchen lernen, ich muss etwas machen, was ich eigentlich nicht möchte. Der blanke Hohn in #me too Zeiten, in denen unter dem Hashtag mehr als ausführlich beschrieben wird und wurde, wohin es führt, wenn man nicht in der Lage ist, sich klar abzugrenzen und deutlich NEIN zu sagen. Wörtlich hören wir solche Aussagen natürlich nicht von Heidi Klum, aber mit der Argumentation, ein Topmodel müsse sowieso in ihrer Karriere irgendwann blank ziehen, hat sie keinerlei Verständnis, wenn sich die jungen Nachwuchsmodels zieren, die Hüllen fallen zu lassen. Und so werden die Shootings von Staffel zu Staffel freizügiger. Dabei wäre es unter professionellen Gesichtspunkten völlig ausreichend, die Mädchen in Bademode posieren zu lassen, anstatt in Spitzenbodies oder oben ohne, das Nötigste mit den Händen bedeckend. Letzteres dient ausschließlich dem Erzielen hoher Einschaltquoten. Sollten die Models nämlich später einmal für ein Wäschelabel arbeiten wollen, sähen keine Millionen Zuschauer beim Posen zu. Und ich kenne viele Models, die in ihre Karriere keine Nacktaufnahmen gemacht haben und trotzdem hervorragend arbeiten. Schade, dass #me too völlig an Heidi Klum vorbeigegangen zu sein scheint oder sie aber nicht in der Lage ist, Zusammenhänge zwischen möglichen Übergriffen und Grenzüberschreitungen und Botschaften in ihrer Sendung  zu ziehen. In einer Gesellschaft, wo von Mädchen immer noch erwartet wird, schön zu sein und zu gefallen, ist es um so wichtiger, Ihnen zu vermitteln, dass es nicht nur okay, sondern mehr noch absolut wichtig ist, NEIN zu sagen. Diese Verantwortung hätte Heidi Klum, an der sich so viele Teenager orientieren- und die ja selber Mutter zweier Töchter ist. Meine Kinder hatten das Glück, in der 1.&2.Klasse in ihrer Schule an den sogenannten „Mutmachstunden“ teilzunehmen, eine Adaption von Achtung Grenze des Kinderschutzbundes. In den Stunden werden die Kinder spielerisch angeleitet, Gefühle wahrzunehmen und zu erkennen, NEIN zu sagen, gegebenenfalls Hilfe zu holen und zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden. Solche Angebote sind toll und es bleibt zu hoffen, dass die Kinder diese Botschaften nachhaltig mit ins Erwachsenenleben nehmen können. Heil durch die Pubertät zu kommen, ist aber wieder eine ganz andere Sache. Mal davon abgesehen, dass es per se nicht sinnvoll ist, Modelmaße als Schönheitsideal zu propagieren, gäbe es doch einige Möglichkeiten, dieses Format zu verbessern. Wie großartig wäre es, wenn Heidi realistischere Jobs kreieren würde, die ihre Schützlinge nicht in solche Nöte brächte. Wenn sie die Entscheidungen ihrer Schützlinge respektieren würde und damit deren Persönlichkeit, die sie ja immer wieder einfordert, stärken würde. Fantastisch. Ob man so Quote machen kann, weiß ich nicht. Aber man kann sicher besser in den Spiegel schauen.

Die Headline: Trump schlägt Bonus für bewaffnete Lehrer vor

highly trained, gun adept teacher

Als ich  Trumps`s Reaktion auf den Amoklauf in Parkland im Radio hörte, hatte ich sofort dieses Bild vor Augen. Was für eine absurde Vorstellung, dass sich die Vertrauensperson der Schüler(innen) mal schnell als Superhero ins Gefecht stürzen soll, wenn es mal eben nötig wird. Als wäre das Leben ein Actionfilm. Und das, wo sich Überlebende und Eltern von bei Amokläufen getöteten Kindern im Weißen Haus bei Trump nachdrücklich und unter Tränen für strengere Waffengesetze eingesetzt hatten. Es ist wirklich traurig.

Kleine Menschenwesen

MädchenIch finde es unheimlich spannend, wie unterschiedlich Kinder so ticken. Dass das eigene Kind mit dem einen Freund immer raufen muss und mit dem anderen über Stunden hinweg ruhig und harmonisch spielen kann. Wie sich ein neuer Freund verhält, wenn er das erste Mal zu uns nach Hause kommt. Wie Kinder Konflikte untereinander lösen oder mit dem Kopf durch die Wand gehen. WIE unterschiedlich Kinder aber tatsächlich in den kleinsten Dingen sind, begriff ich tatsächlich erst so richtig, als ich das erste Mal Erstklässler beim „Fußgängerdiplom“ begleitete. Zu diesem Zweck üben die Kinder in den Wochen vorher mit ihren Lehrer(inne)n, eine festgelegte Strecke mit Ampeln, Zebrastreifen und Einfahrten sicher abzugehen und dabei auf mögliche Gefahren zu achten und sich entsprechend zu verhalten. Am Tag der Prüfung laufen dann einige Eltern als Prüfer in gebührendem Abstand hinter den Kindern her und notieren auf einem Zettel, ob sie das Gelernte gut umgesetzt haben. So also auch ich. Mein erster Prüfling lief so schnell los, dass ich Mühe hatte, mitzuhalten. Getrieben von einer zuversichtlichen Energie, meisterte er seine Aufgaben souverän. Außer Atem (also ich), aber zufrieden erreichten wir das Ziel. Das zweite Kind wagte kaum, mich bei unserer Begrüßung anzusehen. Die Aufgabe schien mühsam, in zaghaften Schritten tastete es sich voran und schaute bei der grünen Ampel so lange nach, ob auch tatsächlich kein Auto käme, dass diese wieder auf Rot sprang, kaum hatte er endlich die Straße betreten. Ich wollte ihm am liebsten die Last des Lebens von seinen Schultern nehmen und ihm einen großen Gasluftballon in die Hand drücken, damit er nur einmal das Gefühl von Schwerelosigkeit erfahre. Ach. Eine lange Zeit später kamen wir wieder am Startpunkt an, wo mich ein Mädchen als dritter Prüfling erwartete. Sie fing sogleich an, sich mit mir zu unterhalten und ich musste sie darauf aufmerksam machen, dass dies nicht so gedacht sei und sie selbständig vorausgehen solle. Wo es denn lang gehe, fragte sie. Hast du denn nicht mit den anderen Kindern geübt? Doch, aber ich weiß den Weg nicht mehr so genau. Sie schlenderte von rechts nach links, betrachtete ein Blümchen am Wegesrand, drehte sich immer mal wieder zu mir um, um mich mit großen fragenden Augen anzusehen, ob wir uns denn noch in der richtigen Galaxie befänden. Tippel hier, Tippel dort, feengleich kaum den Boden berührend und nur rein physisch anwesend. Unglaublich großartig, wie unterschiedlich so ein kleines Menschenwesen durch die Welt geht, wie unterschiedlich es seine Umgebung wahrnehmen mag, wie es sich in diesem Kosmos empfindet. Und ich dachte, Gehen sei einfach Gehen. Nein, es haben sich mir kleine Menschenreiche gezeigt, von denen ich zuvor nichts geahnt hatte. Und es lohnt ein Blick auf die kleinen Dinge, während wir nach dem Großen streben, der richtigen Schule, dem richtigen Instrument, der richtigen Sportart und dem richtigen Beruf. Ob wir dabei wirklich immer unsere Kinder SEHEN?