Lesenswert

Buch-Tipps für Erwachsene:

Traumsammler von Khaled Hosseini

Schon die ersten beiden Romane von Khaled Hosseini habe ich verschlungen und vor allem „Drachenläufer“ ist eines meiner Lieblingsbücher.

In seinem dritten Buch „Traumsammler“ wird noch deutlicher, was man aus den ersten beiden Büchern schon weiß: Der Autor ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. Auch dieser Roman handelt wieder von seiner Heimat Afghanistan und vor allem von Menschen, die mit dem Land verbunden sind. Diesmal erzählt er uns in einzelnen oft tragischen, teils amüsanten, aber immer höchst spannenden Geschichten von außergewöhnlichen Schicksalen aus verschiedenen Teilen der Erde, die alle irgendwie zusammenhängen.

Das Besondere an seiner Erzählweise ist, dass er auf seltsame Art objektiv bleibt und oft schreckliche und grausame Begebenheiten ohne Pathos und Gefühlsduselei schildert, man als Leser aber trotzdem in seinen Bann gezogen wird. Und obwohl zumindest ich mich mit den Figuren nicht direkt identifizieren kann, weil sie und ihre Schicksale meist zu ungewöhnlich sind, fiebert man doch mit ihnen mit, lacht über die Dinge, die ihnen geschehen und weint für sie.

So war mir dieses Buch schließlich auch viel zu schnell zu Ende; ich hätte gerne noch mehr mit den Menschen erlebt, sie weiter in ihrem Leben begleitet.   Also, erzähl uns mehr, Khaled! Ich freue mich schon auf deinen nächsten Roman.

Fischerverlage, ISBN: 978-3-10-032910-3

Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann

Ich hatte mehrmals von dem Buch Die Vermessung der Welt gehört, aber die Inhaltsangabe hat mich immer abgeschreckt. Ein Buch über Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß! Gut die mögen Genies ihrer Zeit gewesen sein, aber wen interessiert das heute schon und wie aufregend kann Mathematik und Physik in einem Roman schon sein!!!

Nachdem mir der Titel neulich als Taschenbuchausgabe wieder in die Hände fiel, habe ich ihn mangels interessanterer Alternativen dann doch mal gekauft.

Und wer hätte gedacht, dass ein Buch über zwei Wissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert so amüsant geschrieben und mit so großer Leichtigkeit zu lesen sein könnte.

Hat echt Spaß gemacht und lohnt sich!

rororo, ISBN 978-3-499-24100-0

Abschalten- die Business Class macht Ferien von Martin Suter

„Abschalten- die Business Class macht Ferien“ sind kurze Episoden aus dem Leben des erfolgreichen Geschäftsmannes, der Ferien machen soll. Das gelingt ihm meist eher schlecht als recht und er wird mit all seinen Marotten, vorgetäuschten Burn Outs und anderen Täuschungsmanövern vorgeführt. Die Texte sind kurzweilig, böse und gemein und genau das Richtige für einen spontanen Urlaubstrip. Herrlich herzerfrischend! Und wer ein Vorstellungsgespräch oder einen wichtigen Termin mit einem Vorgesetzten plant und seine Belange ganz gelassen vertreten möchte, sollte es sich als Vorbereitung zu Gemüte ziehen.

Diogenes, ISBN978-3-257-30009-3

Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells

vom-ende-der-einsamkeit-9783257069587Das Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es erzählt davon, welch unterschiedliche Strategien drei Geschwister, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, entwickeln, um mit diesem tragischen Verlust fertig zu werden. Die drei Kinder im Alter zwischen etwa 10 und 14 Jahren kommen nach dem schweren Schicksalsschlag in ein Internat und werden mit ihren Gefühlen fast völlig allein gelassen. Wirklich aufgearbeitet wird der Verlust eigentlich nie und so reichen seine Folgen weit in das Leben der inzwischen Erwachsenen hinein. Sehr lesenswert!

Diogenes Verlag,  ISBN-13: 9783257069587

Buch-Tipps für Kinder:

Wo bist Du, Willi Wiberg? von Gunilla Bergström

Wo bist du, Willi WibergObwohl Gunilla Bergström Alfons Aberg, oder wie er bei uns heißt, Willi Wiberg, bereits 1972 erschaffen hat, habe ich ihn erst in jüngster Zeit entdeckt und bin froh darüber, dass seine Existenz nicht gänzlich an mir vorbei gegangen ist. Willi ist nämlich wunderbar. Willi lebt mit seinem Vater in einer Wohnung in der Stadt und durchlebt da vieles, was ein kleines Kind eben so durchleben muss. Und das sind nicht immer die großen Abenteuer, sondern Situationen des Alltages, denen er sich stellen muss – mit all seinen Enttäuschungen, dem Ringen um Fassung, der Wut, der Freude und dem Trotz. All die Dramen des Alltags, in denen wir uns wieder finden, vom “Nicht ins Bett gehen wollen”, über das “Nicht fertig werden” oder “Alles sofort wollen”. Das könnte auch der Stoff für diese schrecklichen Kinderbücher mit pädagogischem Mehrwert sein, aber darum geht es Gunilla Bergström nicht. Sie zeigt den Zauber und die Magie dieser Situationen mit ihren klaren und reduzierten Illustrationen. Besonders gut gefällt mir das fast schon philosophische „Wo bist Du, Willi Wiberg?“, in dem sich Willi die Frage stellt, wo er zu Ende ist. Ist er auch die Luft, die er ausatmet oder ein Teil der Gedanken seines Freundes? Ein wunderbar kluges Buch und ein Gedankenspiel, das nicht nur Willi Spaß macht.

Für Kinder ab 4 Jahren

Oetinger, ISBN-13: 978-3-7891-7756-9

Buch Luis SepulvedaWie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden

von Luis Sepulveda

„Wie der Kater und die Maus trotzdem Freunde wurden“ ist eine hinreißende Bilderbuchgeschichte über die Freundschaft. Und sie ist so treffend und schön, dass sie Kinder und Erwachsene gerne noch einmal lesen und noch einmal und….Das Buch handelt von der Freundschaft von Max, dem jungen Menschen und Mix, dem Kater mit dem griechischen Profil. Und später natürlich auch noch von Mex, der mexikanischen Maus, die auf dem Bücherschrank lebt. Aus dem Zusammenleben der Freunde, von der Art und Weise, wie die Drei miteinander umgehen, gegenseitig ihre Bedürfnisse wahrnehmen und respektieren, lassen sich essentielle Grundlagen einer tiefen Freundschaft ableiten, wie “ Freunde sorgen immer dafür, dass der andere seine Freiheit hat.“ oder „Wahre Freunde teilen ihre Träume und Hoffnungen.“ Diese Sätze fassen aber lediglich das Erlebte zusammen und kommen nicht als mahnender Zeigefinger daher. Die Geschichte verleiht tiefen Bedürfnissen der Kinder eine Sprache, wo ihnen selber manchmal noch die richtigen Worte fehlen. Entsprechend groß ist die Identifikation mit den Protagonisten. Ja, so sollen auch unsere Freunde sein. Danke, Herr Sepulveda!

ab ca.6 Jahren

Fischerverlage, ISBN 978-3-596-85628-2 ab ca.6 Jahren

Was raschelt denn da? von Daniela Drescher

Viel zu entdecken für die ganz Kleinen gibt es in dem Bilderbuch „Was raschelt denn da?“ (ab 2 Jahren). Waldtiere und Elfen tummeln sich hier auf wunderschönen Bildern, begleitet von kurzen Texten, die die kleinen Zuhörer nicht ungeduldig werden lassen. Außerdem können die Kinder auf jeder Seite mehrere Türchen öffnen, hinter denen weitere Überraschungen warten. Geschenktipp mit „Leuchtende Augen – Garantie“!

Verlag Urachhaus, ISBN-13: 978-3-8251-7784-3

Frederico Oktopod und Tünne Tintenfisch von Adolf Himmel

FredericoEine wunderschöne Urlaubslektüre für Kinder ab ca. 6 Jahren ist das Buch „Frederico Oktopod und Tünne Tintenfisch“ von Adolf Himmel aus der Zeit Kinder- Edition. (Leider ist es meines Wissens nur noch aus zweiter Hand erhältlich, was aber heute bei den großen Buchversendern kein Problem mehr ist.)
Die Geschichte handelt von der ganz besonderen Freundschaft zwischen dem sechsjährigen Antonio und dem Tintenfisch Oktopod, die sich anfreunden, nachdem Antonio auf der Urlaubsinsel Benafim niemanden zum Spielen findet und sich mit Schnorchel und Taucherbrille aufmacht, das Meer zu erkunden. Es macht Spaß, zu lesen, wie sie die Probleme, die sich aus dieser ungewöhnlichen Konstellation ergeben, gemeinsam lösen und welche Abenteuer sie erleben. Das Buch duftet nach Sonne und Meer und bringt uns zum Schmunzeln. Spannung ist natürlich auch dabei. Also, alles was ein gutes Buch so braucht.

ISBN 3-938899-08-5

Brüder wie Freunde von Klaus Kordon

Dieses Jugendbuch erzählt von von der Beziehung zweier Brüder in der Berliner Nachkriegszeit. Über eine Passage mussten wir herzhaft lachen. Es geht um den Tod und die Frage nach dem Danach:

„Wo ist man eigentlich, wenn man tot ist?“ (fragt der kleine Bruder den Großen)

Diese Frage geht Frank schon lange im Kopf herum. Besonders abends, wenn er nicht einschlafen kann. Dann versucht er manchmal, sich vorzustellen, er wäre tot, wäre gar nicht da, und bekommt Angst davor.

„Unter der Erde. Und zwar ziemlich lange.“ Burkie grinst.

„Und das mit dem Himmel ist Quatsch?“ Frank ist enttäuscht. Er glaubt, dass sein Vater irgendwo über den Wolken ist und ihn sehen kann. Und er hofft, dass sein Vater mit ihm zufrieden ist, wenn er ihn sieht.

„Keine Ahnung. Vielleicht ja, vielleicht nein.“

„Und wenn es einen Himmel gibt, wie sieht er aus?“

Der Bruder antwortet nicht gleich, sieht nur zum Fenster hinaus. Es dämmert bereits, aber am Himmel ist kein Wölkchen zu sehen. „Es wird ein großes, blaues Haus sein, ein Haus ohne Türen“, sagt er schließlich.

„Jeder kann gehen, wann es ihm passt, und kommen, wann er will. Niemand darf einem anderen befehlen, und man verkehrt nur mit Menschen, die man mag. Wen man nicht mag, lässt man  links liegen.“

„Und trifft man seine toten Verwandten wieder?“ Frank starrt in den samtblauen Himmel hinein. „Den Vater oder den Großvater?“

„Na klar!“ Burkie macht ein ernstes Gesicht. „In rauen Mengen stehn sie da und warten auf dich: Vater, Großvater, Urgroßvater, Ururgroßvater- bis zurück zu den ersten Affen.“

Bei dieser Vorstellung haben mein Sohn und ich uns wirklich völlig beömmelt.

(Zitat aus „Brüder wie Freunde“ von Klaus Kordon, erschienen mit zwei weiteren Romanen von Klaus Kordon in einem Band unter ISSNB 978-3-407-79941-8)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s