Von Mutter zu Mutter- oder warum ich mit einem Meerschweinchen rede

Wir haben eigentlich zwei Meerschweinchen. Eines gehört meinem Sohn, das andere meinem Mann. Ich habe mit diesen Meerschweinchen nichts zu tun. Ich muss sie nicht füttern und auch den Stall nicht sauber machen. Soweit zumindest die Theorie. Mein Mann hatte sich bereitwillig vom Züchter davon überzeugen lassen, dass es toll sei, ein Pärchen zu nehmen, damit das Kind die Freuden von Geburt und Aufzucht erleben könne, er würde den Nachwuchs auch (ganz uneigennützig) wieder zu sich nehmen. Das Weibchen wurde tatsächlich nach kurzer Zeit schwanger und ich sah ihren Bauch wachsen und fühlte mich ihr zunehmend verbunden. In den letzten Tagen der Schwangerschaft, an denen man denkt, der Bauch könne jetzt einfach nicht noch größer werden, lag sie meist auf der Seite und wartete – und ich mit ihr. Ich sprach ihr gut zu, auch, nachdem sie ihre Jungen fast geräuschlos zur Welt gebracht hatte und sie bestmöglich versorgte. Inzwischen hat sie zum zweiten Mal geworfen, wie das bei Tieren wohl heißt, denn der Züchter hatte vorsichtshalber nicht erwähnt, dass sich Meerschweinchen bereits 12-24 Stunden nach der Geburt erneut paaren. Was für ein Stress. Und das mit dem Kastrationsthema war im Vorfeld ein eher Unbeliebtes bei meinem Mann. Jetzt liegt unsere Meerschweinmutter meist direkt unterhalb der Wassertränke, um zu trinken, während sie ihren Nachwuchs stillt. Quasi oben rein unten wieder raus, wer jemals gestillt hat, weiß um diesen unermesslichen Durst. Die vier Kleinen klettern munter auf ihrer Mutter herum, als sei sie ein Bettvorleger oder kuscheln sich alle gleichzeitig dicht an sie heran und sie lässt es geduldig geschehen. Nur manchmal ist es ihr zu viel und sie versucht, ein paar Minuten für sich zu haben. Ich verstehe sie. Das ist reine Müttersolidarität zwischen uns. Und mit dem Kinderkriegen ist jetzt übrigens auch Schluß. Er kann nicht mehr. Ich werde mich sicher noch mit ihr unterhalten, wenn unsere Kinder längst aus dem Haus sind. So eine Schwangerschaft verbindet.

Meerschweinmutter

Mehr als 40 – und das Verblühen

Wie mein Mann anmerkte, kamen in den bisherigen Beiträgen die Partner gar nicht vor. Das liegt vermutlich daran, dass die Mitte des Lebens bei den meisten nicht gerade von Honeymoonstimmung geprägt ist und man sich mit vielen Alltagsproblemen rund um Kinder und Beruf herumärgern muss. Da wird die 50+ vermutlich wieder entspannter und zweisamer 😉  Und, liebe Männer, wir sind auch auf eure Beiträge und das, was Euch bewegt, gespannt. Also, nur Mut!

Viel Spaß beim Lesen weiterhin,

Eure Ella

Mehr als 40_die vierte

Am stärksten haben sich meine Augen verändert. Wenn ich in den Spiegel sehe, entdecke ich darin inzwischen meine Großmutter, die mir mit ihren wimpernlosen, kleinen, runden Äuglein entgegen blickt. Das liegt zum einen am Schwinden klarer Konturen in meinem Gesicht, zum anderen natürlich an der immer stärker werdenden Brille. Ein interessantes Phänomen sind auch die Kissenabdrucke, die für Stunden Zeugnis meiner unruhigen Nächte ablegen, bevor sich mein Gesicht gegen Mittag endlich wieder entknittert. Das ist wohl die Sache mit dem Kollagen. Wenn ich in einer anderen Branche arbeiten würde, wäre ich, was mein Äußeres angeht, vermutlich entspannter. Da ich aber Visagistin bin und andauernd von jungen, schönen und hippen Menschen umgeben bin, ist es nicht einfach, älter zu werden. Ich fühle mich ständig der leisen Bedrohung ausgesetzt, aussortiert zu werden. Was davon wirklich real ist, sei dahingestellt. Bei meinen Kindern versuche ich, das Thema Aussehen möglichst nicht so zu thematisieren, damit es nicht den Stellenwert bekommt, den es für mich immer hatte. Ich hoffe, sie wachsen zu selbstbewussteren Erwachsenen heran. Jenseits des Arbeitslebens geht es mir mit meinen 43 Jahren gut. Ich bin gesund und stark und genieße es, wieder mehr Freiräume zu haben. Ich lese viel. Frauen sind mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Ich genieße den Austausch und die Freundschaften. Da ist viel gute Energie. Ich bin immer noch eine Getriebene mit vielen Ideen und Impulsen, die sich wenig Stillstand gönnt, versuche aber, dem Moment mehr Raum zu geben und zu genießen, was ich habe.

(Ella, 43)

Ich habe eben noch einen ganz interessanten Link gefunden – leider ist die Ausstellung schon vorbei. Trotzdem lesenswert: Stilvoll Älterwerden

Vom Geben und Nehmen

Vom Geben und NehmenDas Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, für den Notfall Lebensmittel für mindestens 14 Tage zu bevorraten. Das sind pro Erwachsenem alleine 28l Getränke, 5kg Nudeln, Reis, Kartoffeln und Co. sowie je 5kg Obst und Gemüse, natürlich am Besten eingekocht oder anders konserviert, also ein Grund, sofort aufs Land zu ziehen, um auch die notwendigen Lagerräume zur Verfügung zu haben. „Prepper“ sind die Sorte von Menschen, die Gefallen an diesem Horten und Hamstern empfinden und ihre Vorbereitung auf den Ernstfall bis zur Perfektion treiben. Und dann bin da ich. Nicht, dass diese ganze Vorbereiterei keinen Sinn machen könnte, aber es widerspricht meinem mir sehr eigenen Bedürfnis nach Weniger zutiefst. Ich hasse Vorräte und ich hasse Zuviel, denn wir haben keinen Platz und ich kämpfe um ihn. Jeden Tag aufs Neue. Jedes Glas, das kaputt geht (außer natürlich den Lieblingsgläsern) erfüllt mich mit Freude, jedes leer gegessene Marmeladenglas macht mich froh. Jede ausgelesene Zeitung betrachte ich verzückt. Ich liebe es, auszusortieren, zu verschenken und aufzubrauchen. Raum. Meine Versuche wären allerdings von wesentlich mehr Erfolg gekrönt, hätte ich nicht so einen geliebten Horter zu Hause, der immer wieder ranschafft. Ich brauche auf, er kauft nach. Ich gebe weg, er schafft ran. So geht der kleine Yin & Yang Tanz und doch ist kein Weg richtig oder falsch. Während er eher dem Staatsauftrag zugeneigt ist, glaube ich an den Minimalismus, jedem das seine. Aber so ist die Liebe, ein ewiges Geben und Nehmen….

Help is coming

In den letzten Wochen habe ich mich mit einigen Freunden und Bekannten unterhalten, die Eltern kleiner Kinder sind und so ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Der Druck, eine Familie ernähren zu müssen, kollidiert mit der Erwartung, sich ausreichend Zeit für die Kinder nehmen zu sollen (und eigentlich ja auch zu wollen). Der Elternteil, der überwiegend die Kinderfürsorge übernimmt, fühlt sich nicht wertgeschätzt; der Elternteil, der abends nach Hause kommt, überfordert, wenn er auch noch unmittelbar nach Betreten der Wohnung die Kinder übernehmen soll. Zwischen den Partnern werden nur noch Vorwürfe und Gereiztheiten ausgetauscht, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, und jeder fühlt sich unverstanden. Als wäre das allein nicht schon genug, gilt es manchmal auch noch pflegebedürftige Eltern zu versorgen. Dann geht einfach gar nichts mehr. Wenn ihr euch hier wieder findet, wird es höchste Zeit, nach Hilfe zu rufen. Oft fällt es gerade den Müttern schwer, ihre Kleinkinder in fremde Hände zu geben. Aber mal ehrlich: Die lieben Kleinen werden es mit höchster Wahrscheinlichkeit unbeschadet überstehen, wenn sie mal für ein, zwei Stündchen bei der Nachbarin, kinderlosen Freunden oder der entfernten Verwandten unterkommen und ihr dafür eine wohlverdiente Auszeit nehmen könnt. Gemeinsam oder alleine – seid nicht enttäuscht, wenn ihr euch beim ersten kinderlosen Date nicht viel zu sagen habt, dazu seid ihr vermutlich viel zu k.o., aber das kommt schon wieder. Eure Kinder haben nichts davon, wenn ihre eure eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellt. Spätestens, wenn ihr anfangt, Eure Beziehung in Frage zu stellen, müssen die Verhältnisse neu geordnet werden. Was bringt es, die „perfekte Mutter“ zu sein, wenn alles andere den Bach runtergeht. Kinder zu haben, ist eine der größten Herausforderungen für die Partnerschaft. Und das wichtigste „ Tool“, schwierige Zeiten zu überstehen, ist sicherlich, miteinander im Gespräch zu bleiben. Nie zuvor war man so viel mit seinen Kindern alleine wie heute. Früher gab es oft eine Großmutter oder Tante im Haus, mit der man Sorgen teilen konnte, die aber auch ganz ungefragt zwischendurch mal die Kinderbetreuung übernommen hat. Die Kinder waren unterschiedlichen Einflüssen und Erziehungsstilen ausgesetzt und sind damit meist gut zurecht gekommen. Wir können die Uhr nicht zurück drehen, uns aber ein Netzwerk schaffen, das ähnlich funktioniert und uns ( und anderen) gut tut. Oft funktioniert das mit Familien am Besten, die ähnliche Bedürftigkeiten haben. Da kann man am Wochenende vielleicht mal für einen Nachmittag die Kinder abwechselnd betreuen und hat somit ein bisschen Freizeit. Und auch enkellose Senior(inn)en freuen sich oftmals, wenn sie etwas junges Blut auf Trab hält. Redet, streut Eure Situation und es wird sich Hilfe finden. Dann müsst ihr sie nur noch mit offenen Armen empfangen.

Mon(m)ster

Meine MonsterfamilyWie es ist, Kinder zu haben, weiß man tatsächlich erst, wenn man Kinder hat. Wenn ich kinderlosen Freunden erzähle, wie stressig es gerade mit einem meiner Kinder ist (gleichzeitig sind sie das Gott sei Dank nie), kommt meistens ein Verständnisloses: „Die sind doch so lieb.“ Ja, das stimmt, sie sind lieb und fantastisch, manchmal aber einfach auch wahre Monster. Es verhält sich aber auch nicht anders, wenn ich erzähle, dass ich total ausgeflippt bin, so, wie mich zuvor vermutlich nur mein Vater in der Blüte meiner Pubertät hat ausflippen sehen. Auch dann kommt meist ein: „Ach, so kannst Du doch gar nicht sein.“ Doch, ich kann und bin wahrlich nicht stolz darauf. Kinder können es aber eben auch, herausfordern, egozentrisch sein, Grenzen überschreiten. Ich erinnere mich mit Schaudern daran, wie ich mich etwa zwei Jahre lang jeden Morgen mit meinem kleinen Sohn über die Menge des eingefüllten Müslis streiten musste, über die Temperatur der Milch, ob sie geschäumt war oder nicht, bereits eingefüllt oder nicht oder darüber, ob sich das Müsli in der richtigen Schüssel befand. Jeden Morgen. Humor ist die beste Waffe im Umgang mit wunderlichen Verhaltensweisen, aber man ist nun mal leider nicht immer tiefenentspannt und ausgeglichen und so endet eben die ein oder andere Situation in einer Eruption von Eltern und /oder Kind. Manchmal mit fliegenden Gegenständen, manchmal ohne. Also bei uns. Vielleicht gibt es Eltern und Kinder, die alles im Griff haben. Mir sind sie jedenfalls nicht bekannt. Also, liebe kinderlose Freunde und Mitmenschen, ihr könnt alle Horrorgeschichten glauben, in Wirklichkeit sind sie noch viel schlimmer. Aber ehrlich, Kinder sind was Wunderbares.

Für alle Eltern, bei denen es gerade nicht so rund läuft

Also, wenn es daheim so richtig gut läuft, dann bin ich zufrieden. Mit mir. Mit meinem Mann. Unserem Erziehungsstil. Aber wehe, wenn nicht, dann stelle ich alles in Frage, aber auch wirklich alles. Dann finde ich, ich arbeite zu viel, ich beschäftige mich zu wenig mit den Kindern, ich erfülle ihnen zu viele Wünsche, unser Leben überfordert sie, wir verlangen zu wenig, wir vernachlässigen unsere Beziehung und wir müssen unbedingt jemanden fragen, der sich damit auskennt. Kurzum: wir haben es vermasselt.

Dann ist mal wieder die Zeit gekommen, sich mit anderen Eltern gleichaltriger Kinder auszutauschen. Und zwar so lange, bis das befreiende: „Du, bei uns ist das genauso!“ kommt. Denn dann weiß ich wieder– wir sind nicht allein! Was ungemein entspannt. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Praktisch natürlich, wenn es gleich ein paar supereinleuchtende Lösungsansätze gratis dazu gibt. Inzwischen haben wir schon so manches Tal durchwandert und wissen, dass sich einiges wieder ganz von alleine zurecht rückt und vieles nur so eine Phase ist. Und dass es danach wieder so richtig rund läuft. Bestimmt!!!!!

Wer gerade keine passenden Freunde oder Eltern zur Hand hat, findet andere Sichtweisen und Lösungsideen in dem Buch „Kinder fordern uns heraus“ von Rudolf Dreikurs.

ISBN-13: 978-3608945393

Absurdistan-warum Kinder von getrennten Eltern oft mehr von ihren Vätern haben

Und wieder ist eine Beziehung in unserem Freundeskreis zerbrochen. Das ist an und für sich schon sehr traurig. Aber was mich wirklich sprachlos macht, ist, dass das, was oft Mit-Ursache für ein Auseinanderleben ist, nach der Trennung oft kein Thema mehr ist. Wäre es aber vorher kein Thema gewesen, wären wohl viele dieser Beziehungen erst gar nicht auseinandergegangen. Ich spreche von der Zeit für die Kinder. Noch immer übernehmen in den meisten Beziehungen die Frauen die Hauptversorgung der Kinder, völlig egal, ob sie arbeiten oder nicht. Es geht dabei um all die täglich zu organisierenden Aufgaben, von der Verpflegung mit Essen, über Terminabsprachen mit Freunden, Arzttermine, Hausaufgabenbetreuung, und vieles mehr. Die Väter kommen dann mal eine Runde zum Toben vorbei, um sich dann wieder ihren Belangen zu widmen- wie selbstverständlich ermöglicht von den verantwortungsbewussten Frauen, die ja den Alltag sowieso besser im Griff zu haben scheinen. Weiterlesen