Von Mutter zu Mutter- oder warum ich mit einem Meerschweinchen rede

Wir haben eigentlich zwei Meerschweinchen. Eines gehört meinem Sohn, das andere meinem Mann. Ich habe mit diesen Meerschweinchen nichts zu tun. Ich muss sie nicht füttern und auch den Stall nicht sauber machen. Soweit zumindest die Theorie. Mein Mann hatte sich bereitwillig vom Züchter davon überzeugen lassen, dass es toll sei, ein Pärchen zu nehmen, damit das Kind die Freuden von Geburt und Aufzucht erleben könne, er würde den Nachwuchs auch (ganz uneigennützig) wieder zu sich nehmen. Das Weibchen wurde tatsächlich nach kurzer Zeit schwanger und ich sah ihren Bauch wachsen und fühlte mich ihr zunehmend verbunden. In den letzten Tagen der Schwangerschaft, an denen man denkt, der Bauch könne jetzt einfach nicht noch größer werden, lag sie meist auf der Seite und wartete – und ich mit ihr. Ich sprach ihr gut zu, auch, nachdem sie ihre Jungen fast geräuschlos zur Welt gebracht hatte und sie bestmöglich versorgte. Inzwischen hat sie zum zweiten Mal geworfen, wie das bei Tieren wohl heißt, denn der Züchter hatte vorsichtshalber nicht erwähnt, dass sich Meerschweinchen bereits 12-24 Stunden nach der Geburt erneut paaren. Was für ein Stress. Und das mit dem Kastrationsthema war im Vorfeld ein eher Unbeliebtes bei meinem Mann. Jetzt liegt unsere Meerschweinmutter meist direkt unterhalb der Wassertränke, um zu trinken, während sie ihren Nachwuchs stillt. Quasi oben rein unten wieder raus, wer jemals gestillt hat, weiß um diesen unermesslichen Durst. Die vier Kleinen klettern munter auf ihrer Mutter herum, als sei sie ein Bettvorleger oder kuscheln sich alle gleichzeitig dicht an sie heran und sie lässt es geduldig geschehen. Nur manchmal ist es ihr zu viel und sie versucht, ein paar Minuten für sich zu haben. Ich verstehe sie. Das ist reine Müttersolidarität zwischen uns. Und mit dem Kinderkriegen ist jetzt übrigens auch Schluß. Er kann nicht mehr. Ich werde mich sicher noch mit ihr unterhalten, wenn unsere Kinder längst aus dem Haus sind. So eine Schwangerschaft verbindet.

Meerschweinmutter

Das Meerschwein oder die dunkle Seite in mir

MeerschweinVor einigen Jahren gewährten wir zwei Meerschweinchen bei uns Asyl, ursprünglich für einen Zeitraum von sechs Monaten. Als nach Ablauf dieser Frist kein Wert mehr auf ihre Rückgabe gelegt wurde, bekamen sie dauerhaftes Bleiberecht, wenn gleich auch keines unserer Familienmitglieder sich jemals ein Meerschwein gewünscht hatte. Aber die scheuen Tierchen passten sich nach und nach an ihre neue Lebenssituation an und bewiesen im Lauf der Zeit eine stoische Gelassenheit gegenüber herunterfallenden Gegenständen, durchs Zimmer tobenden Kindern und anderen Lärmbelästigungen und entwickelten eine gewisse Possierlichkeit, wenn sie sich nebeneinander mit den Vorderpfoten auf die Balustrade ihrer Käfigschale stellten, um uns Mitbewohner um Futter anzuquieken. (Einen Käfig brauchen sie nämlich nicht, da sie niemals ihre Schale verlassen, es sei denn, wir tragen sie in den Garten, da bleibt ihnen dann nichts anderes übrig.) Ich fand sie irgendwann echt okay und manchmal sogar gerade zu niedlich. Je mehr Erfolg sie jedoch mit ihrer Masche hatten und umso leckerer die Dreingaben zu ihrer Befriedung wurden, desto aufdringlicher wurde das Gemieke und fand seinen Höhepunkt der Dreistigkeit – und damit das Ende meiner Sanftmut – an meinem letzten freien Wochenende, an dem sie mich morgens um halb sieben weckten, weil ein Kind im Bett zuckte und sie die Aussicht auf ein erwachendes Wesen derart stimulierte, dass sie sofort begannen, Rabatz zu machen. Puls auf 180, erneutes Einschlafen ausgeschlossen. Sonntag gleiches Spiel. Und ich habe wirklich bescheidene Vorstellungen vom Ausschlafen. Seither betrachte ich sie mit anderen Augen. Sonntag früh um halb sieben ist bei mir definitiv Schluss mit lustig, nachdem meine Kinder endlich so groß sind, dass sie mich nicht mehr um diese oder ähnliche Uhrzeiten wecken. Keine Angst, liebe Tierfreunde und Tierfreundinnen, sie werden eines natürlichen Todes sterben, versprochen. Aber man darf sich ja wohl so seine Gedanken machen.