Mama, chill`doch mal!

Der Satz, den mein großer Sohn gerade am häufigsten verwendet, wenn er mit mir spricht, ist: „ Mama, chill`doch mal.“ Dabei fand ich mich bislang gar nicht so unentspannt. Meist spielt sich vor meinem Unentspanntsein folgende Szene ab:

Ich: „Leg` jetzt bitte mal das Handy weg.“

Er: „Ja.“

Also, nicht so ein Ja, wo das A genervt in die Länge gezogen wird, nein, eher so ein Militärisches, wo der Vokal durch Schließen des Mundes unterbrochen wird, bevor er anfangen kann zu schwingen. Also nur, damit ihr euch diese „Ja.“ wirklich vorstellen könnt. Keine Regung.

Drei Minuten später.

Ich: „ Du, könntest Du jetzt bitte das Handy weglegen.“ Nachdrücklicher Ton.

Er: „ Ja.“ Kurz. Knapp. Absolut neutral.

Nichts passiert. Mein Blutdruck steigt. Ungesund. Drei Minuten lang. Dann schlägt sie zu, die Unentspanntheit.

Ich: „ Du, ich sag` das doch nicht zum Spaß. Du legst das jetzt weg oder ich nehme es an mich. Für immer!“ ( oder so ähnlich )

„Ach, Mama, chill` doch mal.“

Ganz ruhig. Ganz souverän. Das Kind erhebt sich langsam und bedacht, um das Handy im Flur an die Ladestation anzudocken.

Letztens saßen wir gemeinsam am Frühstückstisch, ich hatte eine miserable Nacht hinter mir, fühlte mich völlig zerstört und hielt mich an meiner Kaffeetasse fest. Da strahlte mich mein Kind an und sagte: „Mama, Du bist heute total entspannt!“ Der Leidensdruck muss groß sein. Das gibt mir natürlich zu denken, mein Kind blüht auf, wenn ich am Ende bin. Ich denke jetzt über eine Lösung nach. Kiffen? Alkohol? Gar harte Drogen? Ich bin natürlich nicht bereit, absichtlich desaströse Zustände herbeizuführen, damit es meinem Kind gut geht, aber gegen die ein oder andere etwas ausschweifendere Feier gibt es nichts zu sagen. Ich könnte aber auch sein Smartphone vernichten. Es oder mich. Ich schwanke noch.

 

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Der Spagat oder warum Kind und Karriere manchmal doch nicht so leicht ist

Kind und KarriereGenerell finde ich, dass (Klein-)kinder und Arbeiten einfach nicht zusammenpassen. Und das sage ich, obwohl ich einen Job habe, der mir Spaß macht und ich schon immer mein eigenes Geld verdient habe. Klar, manchmal ist Arbeiten wesentlich entspannter als ein Tag im Kreise der Lieben, aber die anstehenden Aufgaben werden ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Dass ich dieser Worte fähig sein könnte, hätte ich als Jungmutter nicht glauben können, fiel es mir doch sehr schwer, mich mit dieser neuen Rolle zu identifizieren. Der Beruf war immens wichtig, um mich als normale Frau ohne „Handicap“ zu fühlen. Hausfrau und Mutter? Ich doch nicht. Das änderte sich spätestens mit Kind Nummer 2. Zwei Kinder in Kindergarten, Schule, zu Freunden und Hobbies zu bringen, erfordert schon recht aufwendige logistische Planungen, das Führen des Haushalts und diverse freie Projekte hätten mir zum Zeitvertreib völlig gereicht. Aber so einfach ist es ja nicht. Weiterlesen