Filmtipp: Welcome to Sodom

Welcome to SodomWas passiert eigentlich mit unseren Handys, Tablets und alten Computern, wenn wir sie durch immer neuere Modelle ersetzen? Viele davon landen in „Sodom“, einer Müllhalde für Elektroschrott aus der ganzen Welt in Ghana. Etwa 250000 Tonnen landen dort Jahr für Jahr. Seinen Namen hat die Deponie wegen der pechschwarzen Rauchschwaden bekommen, die durch das Herausschmelzen des Kupfers aus dem Plastik entstehen und permanent die Luft vergiften. Der Dokumentarfilm von Florian Weigensamer und Christian Krönes zeigt vor allem die Menschen, die in Sodom leben und arbeiten und erzählt davon, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen. In Nürnberg wird „Welcome to Sodom“ ab 2.8.18 im Casablanca zu sehen sein. Unbedingt anschauen!

Ab 6 Jahren

Mehr Infos unter: Heutejournal:“Welcome to Sodom“

Mama, chill`doch mal!

Der Satz, den mein großer Sohn gerade am häufigsten verwendet, wenn er mit mir spricht, ist: „ Mama, chill`doch mal.“ Dabei fand ich mich bislang gar nicht so unentspannt. Meist spielt sich vor meinem Unentspanntsein folgende Szene ab:

Ich: „Leg` jetzt bitte mal das Handy weg.“

Er: „Ja.“

Also, nicht so ein Ja, wo das A genervt in die Länge gezogen wird, nein, eher so ein Militärisches, wo der Vokal durch Schließen des Mundes unterbrochen wird, bevor er anfangen kann zu schwingen. Also nur, damit ihr euch diese „Ja.“ wirklich vorstellen könnt. Keine Regung.

Drei Minuten später.

Ich: „ Du, könntest Du jetzt bitte das Handy weglegen.“ Nachdrücklicher Ton.

Er: „ Ja.“ Kurz. Knapp. Absolut neutral.

Nichts passiert. Mein Blutdruck steigt. Ungesund. Drei Minuten lang. Dann schlägt sie zu, die Unentspanntheit.

Ich: „ Du, ich sag` das doch nicht zum Spaß. Du legst das jetzt weg oder ich nehme es an mich. Für immer!“ ( oder so ähnlich )

„Ach, Mama, chill` doch mal.“

Ganz ruhig. Ganz souverän. Das Kind erhebt sich langsam und bedacht, um das Handy im Flur an die Ladestation anzudocken.

Letztens saßen wir gemeinsam am Frühstückstisch, ich hatte eine miserable Nacht hinter mir, fühlte mich völlig zerstört und hielt mich an meiner Kaffeetasse fest. Da strahlte mich mein Kind an und sagte: „Mama, Du bist heute total entspannt!“ Der Leidensdruck muss groß sein. Das gibt mir natürlich zu denken, mein Kind blüht auf, wenn ich am Ende bin. Ich denke jetzt über eine Lösung nach. Kiffen? Alkohol? Gar harte Drogen? Ich bin natürlich nicht bereit, absichtlich desaströse Zustände herbeizuführen, damit es meinem Kind gut geht, aber gegen die ein oder andere etwas ausschweifendere Feier gibt es nichts zu sagen. Ich könnte aber auch sein Smartphone vernichten. Es oder mich. Ich schwanke noch.

 

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Generation Smartphone

Wir sind die erste Generation von Eltern, deren Kindern mit dem Smartphone aufwachsen – zunächst mit unserem, spätestens in der 5.Klasse meist mit dem eigenen und das beeinflusst ihr Aufwachsen nachhaltig. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Eltern, uns eingenommen, von der neuen digitalen Welt und ihren Bedürfnissen einfach mitreißen lassen, ohne wirklich zu hinterfragen, ob wir da mitmachen wollen, fortwährend unter Druck gesetzt von den angeblichen Erfordernissen des digitalen Zeitalters. Es scheint normal zu sein, dass alle den ganzen Tag auf ihre Smartphones starren. Aber ist es richtig, nur weil es die Mehrheit tut? Dabei sind eigentlich sehr viele Eltern nicht glücklich damit, dass die digitalen Medien solch einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Kinder haben. Aber trotzdem machen die meisten mit, anstatt sich zusammen zu setzen und in aller Ruhe zu hinterfragen: Was wollen wir unseren Kindern mitgeben? Wie wollen wir leben? Welchen Nutzen und welchen Schaden bringt die Technik? Es fehlen uns in diesem Bereich die Vorbilder und wir müssen selber Standards setzen, die wir für richtig halten und die uns nicht von außen aufgedrängt werden. Wir brauchen mehr Entschlossenheit, Grenzen zu setzen und müssen diese auch selbst leben. Mädchen sind bekanntlich meist anfälliger für die sozialen Netzwerke, Jungen meist für Computerspiele. Einen unheimlichen Sog üben beide Bereiche aus, manche Kinder sind sicherlich stärker suchtgefährdet als andere, aber auf jeden Fall führt die intensive Beschäftigung mit dem Smartphone dazu, dass Kinder kaum mehr Langweile und Auszeiten haben, die dabei helfen, nachzudenken, sich zu spüren und Interessen zu entwickeln. Ich möchte aus einem Interview mit dem Hirnforscher und bekennenden Computerhasser Manfred Spitzer mit den Nürnberg Nachrichten vom 18.03.2017 zitieren. Auf die Frage, wie Eltern ihre Kinder an digitale Geräte heranführen sollten, antwortete er:

 Gar nicht. Man muss die Kinder stattdessen so lange es irgend geht davor schützen. Was wir alle immer vergessen: Digitale Geräte schaden der Gesundheit. Sie verursachen Haltungsschäden, Dickleibigkeit, einen hohen Blutdruck, Depressionen und Angstzustände. Außerdem erzeugen sie in einem hohen Ausmaß Sucht. Wie ich meine Kinder an ein Suchtmittel, das zudem deren Gehirnentwicklung beeinträchtigt, „heranführen“ kann, ist deshalb die falsche Frage. Wir sollten sie vielmehr nicht „anfixen“ (wie man das bei Drogen nennt)! Zudem sollten Eltern bedenken: Ich gebe doch nicht meiner 13-jährigen Tochter unbegrenzten Zugang zum größten Rotlichtbezirk und zum größten Tatort der Welt. Das tue ich aber, wenn ich ihr ein Smartphone schenke.“

Diese Ansicht mögen viele für radikal halten, aber er liefert mal ganz andere Argumente, als das ewige „Lisa, David und Marvin dürfen aber viel länger!“. Und das hilft mir, klarer bei dem zu werden, was ich für richtig halte.

Wer das ganze Interview lesen möchte, findet es auf: http://www.nordbayern.de/politik/digitale-medien-verleiten-zur-oberflachlichkeit-1.5890818

Kleines Menschlein

Seitdem ich mein neues Smartphone habe, geschehen seltsame Dinge. Ruft beispielsweise jemand von einer mir unbekannten Telefonnummer an, zeigt mir das Display an, es könne sich um diese oder jene Person handeln. Es ergänzt außerdem Informationen zu meinen Kontakten, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie habe. Ich vermute deshalb, es wohnt ein kleines Menschlein in meinem Telefon, das nichts besseres zu tun hat, als meine E-Mails durchzulesen. Oder ist es sein Kollege in der Wolke, ganz weit weg am Firmament? Völlig ahnungslos finde es aber bei allem praktischen Nutzen, nie mehr von fremden Anrufern überrascht werden zu können ( sofern ich zuvor schon auf irgendeine digitale Weise Kontakt hatte) und jederzeit alle Informationen meiner Kontaktpersonen zur Hand zu haben, ziemlich unverschämt, dass mich nicht mal jemand gefragt hat, ob ich so einen kleinen Auswerter bei mir haben möchte. Weil, geht ja niemand was an, mit wem ich wann und so, oder?