Mehr als 40 – mit großer Dankbarkeit

Ihr schreibt, wie sich Euer Leben mit mehr als 40 anfühlt. Hier kommt der dritte Beitrag:

Mehr als 40_die dritte

Ich bin erst mit Mitte 30 sehr unerwartet Mutter geworden und damals irgendwie (gefühlt) „stehen geblieben“. Ich bin mit meinem Körper und Aussehen im Großen und Ganzen zufrieden und vor allem sehr dankbar. Vielleicht rührt diese Dankbarkeit auch daher, dass ich mit 19 Jahren einen Bandscheibenvorfall hatte und im Jahr darauf aufgrund einer neurologischen Erkrankung einige Wochen im Rollstuhl saß. Alles was danach kam, war besser als das von Cortison aufgeschwemmte Ich, das nicht mehr richtig laufen konnte. Daher stehe ich den kleinen Ärgernissen des Älterwerdens recht gelassen gegenüber. Vermutlich steuere ich mit meinen 48 Jahren auch auf die Wechseljahre zu, die ich bei Freundinnen als sehr gravierenden Einschnitt mit allen möglichen Beschwerden miterlebt habe. Noch spüre ich davon wenig. Meine Mutter war in meinem Alter bereits tot und auch diese Erfahrung hat mich sicherlich sehr geprägt. Auch habe ich mich nie über mein Aussehen definiert, weil das bei uns in der Familie klar zu meinen Ungunsten verteilt war. Ich war zudem bisher in einem Bereich tätig, wo eine gewisse körperliche Fitness und Schnelligkeit zwar von Vorteil ist, aber keineswegs Voraussetzung. Im Moment verändert sich das, da ich seit kurzem nicht mehr direkt mit sogenannten „erziehungsschwierigen“ Kindern arbeite, sondern in der Erwachsenenbildung. Ich bin gespannt, was das mit mir macht, kann aber jetzt schon sagen, dass mir die Kinder fehlen. Gleichzeitig bin ich sehr froh und dankbar, einen festen und unbefristeten Job zu haben, der mir ein gesichertes Einkommen ermöglicht und mir meistens Spaß macht. Das geht in meinem Alter längst nicht allen Frauen so. Außerdem macht sich mein Pubertier mit Riesenschritten auf in die Selbstständigkeit. Dadurch ist plötzlich wieder mehr Zeit frei und die möchte ich für mich nutzen. Ich weiß, dass mir das durchaus schwerfallen wird, da die letzten Jahre sehr vollgestopft waren mit Familie und Arbeit. Deshalb freue ich mich auf den neuen Abschnitt, habe aber auch ein bisschen Respekt davor. Musik und Sport machen, mit Erde und Holz arbeiten, lesen – Ideen habe ich viele, bisher hapert es noch mit der Umsetzung.

(Kathrin, 48)

Kleine Auszeiten

Es gibt sie tatsächlich wieder in meinem Leben – Momente der Langweile. Naja, das wäre vielleicht zu viel gesagt, aber Momente, in denen mich niemand braucht, in denen ich da sitze und denke, jetzt ist tatsächlich Raum, etwas nur für mich zu tun. Aber was? Fast habe ich es verlernt, etwas ohne Sinn und Zweck und Nutzen zu tun, etwas, das mir einfach gut tut und Spaß macht. Ich weiß, davon träumt ihr Eltern von kleinen Kindern und behauptet vielleicht, ihr wüsstet genau, was ihr tun würdet. Vermutlich einfach schlafen. Aber manchmal verlernt man bei aller Fürsorge um andere, gut für sich selbst zu sorgen. Ich habe mich dafür entschieden, wieder zu tanzen. Da bekomme ich den Kopf am Besten frei, Tanzen macht mich glücklich. Es ist fantastisch, dass mein 43-jähriger Körper noch quasi ungebremste Energie hat und mir wenige Grenzen aufzeigt. Als ich davon erzählte, meinte eine kinderlose Bekannte, man müsse doch immer etwas für sich tun, auch wenn die Kinder klein sind. Wie Recht du hast und wie weit dieses Statement oft vom echten Leben entfernt ist. Vom Leben mit Überstunden, schlaflosen Nächten, Elternabenden, Kinderkrankheiten, Laternenumzügen und Weihnachtsfeiern. In dem man aus irgendeinem Grund mindestens jede zweite Woche beim Training fehlt und es dann einfach entnervt sein lässt. Meine Kinder sind jetzt 7 und 12, alt genug, mir einmal die Woche eine Auszeit zu gönnen. Nur für mich. Wunderbar. Ich könnte natürlich auch Wäschewaschen – aber das wäre doch wirklich schade, oder?

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Freitagabend

BriefmarkeEs gibt sie noch, die Kinder, die Briefmarken sammeln, im Jahr 2014. Ich hätte das nicht gedacht. Bei meinem Kind beschränkte sich die Sammelleidenschaft allerdings auf das Aufbewahren der großväterlichen Briefmarken auf abgerissenen Briefumschlägen in einer unauffälligen Ecke des Schrankes. Ja, bis zu dem Tag, als ein Freund mit derselbigen Sammelleidenschaft zu Besuch kam. Die Zwei spielten ruhig und friedlich, was mir vielleicht zu denken hätte geben können. Denn es bot sich mir ein Bild des Grauens, als ich meinen Schreibtisch verließ, um ein gewisses Örtchen aufzusuchen. Die gesamte Kollektion von Briefmarken war zwecks optimierten Briefumschlagablöseprozesses in der gefüllten Badewanne versenkt worden, wo sie jetzt zu Tausenden vereinzelt herumschwammen und vor der erneuten Anhaftung am Badewannenrand bewahrt werden mussten. Dieser Freitagabend lief anders als geplant. In stiller Trautheit fischten wir mehrere Stunden lang Briefmarken aus dem Wasser und legten sie zum Trocknen auf Zellstoff aus. Da sage mal einer, die Kinder säßen nur vor dem Computer.