Von Mutter zu Mutter- oder warum ich mit einem Meerschweinchen rede

Wir haben eigentlich zwei Meerschweinchen. Eines gehört meinem Sohn, das andere meinem Mann. Ich habe mit diesen Meerschweinchen nichts zu tun. Ich muss sie nicht füttern und auch den Stall nicht sauber machen. Soweit zumindest die Theorie. Mein Mann hatte sich bereitwillig vom Züchter davon überzeugen lassen, dass es toll sei, ein Pärchen zu nehmen, damit das Kind die Freuden von Geburt und Aufzucht erleben könne, er würde den Nachwuchs auch (ganz uneigennützig) wieder zu sich nehmen. Das Weibchen wurde tatsächlich nach kurzer Zeit schwanger und ich sah ihren Bauch wachsen und fühlte mich ihr zunehmend verbunden. In den letzten Tagen der Schwangerschaft, an denen man denkt, der Bauch könne jetzt einfach nicht noch größer werden, lag sie meist auf der Seite und wartete – und ich mit ihr. Ich sprach ihr gut zu, auch, nachdem sie ihre Jungen fast geräuschlos zur Welt gebracht hatte und sie bestmöglich versorgte. Inzwischen hat sie zum zweiten Mal geworfen, wie das bei Tieren wohl heißt, denn der Züchter hatte vorsichtshalber nicht erwähnt, dass sich Meerschweinchen bereits 12-24 Stunden nach der Geburt erneut paaren. Was für ein Stress. Und das mit dem Kastrationsthema war im Vorfeld ein eher Unbeliebtes bei meinem Mann. Jetzt liegt unsere Meerschweinmutter meist direkt unterhalb der Wassertränke, um zu trinken, während sie ihren Nachwuchs stillt. Quasi oben rein unten wieder raus, wer jemals gestillt hat, weiß um diesen unermesslichen Durst. Die vier Kleinen klettern munter auf ihrer Mutter herum, als sei sie ein Bettvorleger oder kuscheln sich alle gleichzeitig dicht an sie heran und sie lässt es geduldig geschehen. Nur manchmal ist es ihr zu viel und sie versucht, ein paar Minuten für sich zu haben. Ich verstehe sie. Das ist reine Müttersolidarität zwischen uns. Und mit dem Kinderkriegen ist jetzt übrigens auch Schluß. Er kann nicht mehr. Ich werde mich sicher noch mit ihr unterhalten, wenn unsere Kinder längst aus dem Haus sind. So eine Schwangerschaft verbindet.

Meerschweinmutter

Mehr als 40 – und bald endlich mehr Zeit!

Mehr als 40_Couca

Ich bin jetzt 44 und über mein Alter nachzudenken habe ich, ehrlich gesagt, überhaupt keine Zeit.

Ich habe eigentlich so gut wie gar keine Zeit, mich mit mir selber zu beschäftigen. Mit zwei kleinen Kindern, 30 Stunden Woche-Arbeitszeit, Mitglied im Elternrat in der KiTa und allen anderen alltäglichen Verpflichtungen, fühlt sich mein Leben gerade an als wäre ich ununterbrochen in Hetze. Vor allem hetze ich meine Kinder sehr viel, was mir eigentlich schrecklich leid tut, aber morgens müssen wir rechtzeitig in die KiTa, nachmittags zu manch anderem Termin und abends hab ich dann einfach keine Geduld mehr, wenn das mit dem „ins Bett gehen“ ewig dauert, weil ich dann endlich irgendwann mal meine Ruhe haben und auf der Couch sitzen will. Ich telefoniere auch so gut wie gar nicht mehr. Was habe ich früher stundenlang mit Freundinnen telefoniert! Aber wenn die Kinder abends endlich im Bett sind, hab ich eigentlich keine Lust und Kraft mehr, irgendwas zu machen und eben auch nicht mehr groß zu reden. Ich berede ein paar Dinge mit meinem Mann, bevor der auf der Couch einschläft und ich einfach da sitze, fernsehe und auf die Zeit hoffe, wenn ich mal wieder mehr Zeit habe – vor allem für mich allein. Ich vermisse das alleine sein!

Klar, manchmal denke ich schon, vielleicht würde mir das alles etwas leichter von der Hand gehen, wenn ich noch jünger wäre. Vielleicht wären meine Ansprüche an meine Erziehungsweise nicht so hoch (und ich über mein Ungenügen nicht so oft enttäuscht), weil ich mir darüber in jüngeren Jahren gar nicht so viele Gedanken gemacht hätte. Obwohl ich schon einiges erlebt und eine gescheiterte Ehe hinter mir habe, fühle ich jetzt zum ersten Mal im Leben an meine Grenzen gebracht.

Aber auch das sollte man wohl mal erleben, hilft es einem doch, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen.

In manchen Bereichen bringt das Älter werden durchaus Vorteile mit sich. Bei der Arbeit wird mir immer bewusster, wo genau meine Stärken liegen. Und finanziell bin ich soweit, dass ich zwar immer noch nicht wirklich sparen kann, aber dass mein Konto endlich ein dauerhaftes Plus aufweist – was über Jahrzehnte nicht der Fall war.

Außerdem werde ich eigentlich immer jünger geschätzt, was sicherlich auch an der natürlichen Fettunterpolsterung meiner Falten liegt, die ich mir in den letzten Jahren wieder zugelegt habe und die vom Hals aufwärts durchaus als positiv zu bewerten ist.

Und auch für die Zukunft bin ich sehr positiv gestimmt, denn ein erster und entscheidender Schritt für mehr Zeit ist getan: Ich habe jetzt eine Putzfrau!

Kinder, is dat herrlisch!

 

(Couca, 44)

Babyjahre

BabyjahreNormalerweise habe ich altersgemäß nicht mehr so oft mit werdenden Eltern zu tun, aber vor einigen Tagen unterhielt ich mich dann doch einmal mit einer jungen Frau im fünften Monat, die mich fragte, was denn so wirklich wichtig sei, wenn man ein Kind bekomme. Das Erste, was mir einfiel, war eine gute Hebamme. Denn die kennt sich wirklich aus und kann bei Problemen sofort unterstützen und vor allem Ängste nehmen. Das Zweite, was mir damals gut getan hat, war, Finger von Ratgebern wie „Oh je, ich wachse“ zu lassen, in denen steht, was mein Kind gerade alles können sollte und statt dessen nur dann in einem Ratgeber meines Vertrauens nachzuschlagen, wenn ich gerade irgendwie überfordert war mit dem Verhalten meines Kindes. Dann war mein Nachschlagewerk der Klassiker „Babyjahre“ von Remo H. Largo. Denn in diesem Buch geht es nicht darum, was mein Kind wann können sollte, sondern es erklärt das Verhalten und die Bedürfnisse von Babies in all ihrer Vielfalt, um sie besser zu verstehen und darauf reagieren zu können. In diesem Moment weiß man: „Ich bin nicht allein!“ – und das hilft in schwierigen Phasen oft schon viel. Tja, und als Drittes der Tipp für alle Lagen des Lebens: Weniger ist mehr, auch bei der Erstausstattung. Steht sonst nur so viel rum. Viel Glück, liebe Aline.

„Babyjahre“ von Remo Largo, Piper, ISBN 978-3-492-25762-6

Und wer auch schon aus den „Babyjahren“ heraus ist, kann sich den Artikel der Zeit-Redakteurin Alard von Kittlitz über Remo Largos neues Buch „Das passende Leben“ durchlesen, das ist dann wieder eher was für die Meedchen (und Jungs) von gestern.

http://www.zeit.de/2017/32/babyjahre-remo-largo-buch-gebrauchsanweisung-kinderarzt

„Das passende Leben“ von Remo Largo, S.Fischer, ISBN-13:9783103972740

Help is coming

In den letzten Wochen habe ich mich mit einigen Freunden und Bekannten unterhalten, die Eltern kleiner Kinder sind und so ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Der Druck, eine Familie ernähren zu müssen, kollidiert mit der Erwartung, sich ausreichend Zeit für die Kinder nehmen zu sollen (und eigentlich ja auch zu wollen). Der Elternteil, der überwiegend die Kinderfürsorge übernimmt, fühlt sich nicht wertgeschätzt; der Elternteil, der abends nach Hause kommt, überfordert, wenn er auch noch unmittelbar nach Betreten der Wohnung die Kinder übernehmen soll. Zwischen den Partnern werden nur noch Vorwürfe und Gereiztheiten ausgetauscht, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, und jeder fühlt sich unverstanden. Als wäre das allein nicht schon genug, gilt es manchmal auch noch pflegebedürftige Eltern zu versorgen. Dann geht einfach gar nichts mehr. Wenn ihr euch hier wieder findet, wird es höchste Zeit, nach Hilfe zu rufen. Oft fällt es gerade den Müttern schwer, ihre Kleinkinder in fremde Hände zu geben. Aber mal ehrlich: Die lieben Kleinen werden es mit höchster Wahrscheinlichkeit unbeschadet überstehen, wenn sie mal für ein, zwei Stündchen bei der Nachbarin, kinderlosen Freunden oder der entfernten Verwandten unterkommen und ihr dafür eine wohlverdiente Auszeit nehmen könnt. Gemeinsam oder alleine – seid nicht enttäuscht, wenn ihr euch beim ersten kinderlosen Date nicht viel zu sagen habt, dazu seid ihr vermutlich viel zu k.o., aber das kommt schon wieder. Eure Kinder haben nichts davon, wenn ihre eure eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellt. Spätestens, wenn ihr anfangt, Eure Beziehung in Frage zu stellen, müssen die Verhältnisse neu geordnet werden. Was bringt es, die „perfekte Mutter“ zu sein, wenn alles andere den Bach runtergeht. Kinder zu haben, ist eine der größten Herausforderungen für die Partnerschaft. Und das wichtigste „ Tool“, schwierige Zeiten zu überstehen, ist sicherlich, miteinander im Gespräch zu bleiben. Nie zuvor war man so viel mit seinen Kindern alleine wie heute. Früher gab es oft eine Großmutter oder Tante im Haus, mit der man Sorgen teilen konnte, die aber auch ganz ungefragt zwischendurch mal die Kinderbetreuung übernommen hat. Die Kinder waren unterschiedlichen Einflüssen und Erziehungsstilen ausgesetzt und sind damit meist gut zurecht gekommen. Wir können die Uhr nicht zurück drehen, uns aber ein Netzwerk schaffen, das ähnlich funktioniert und uns ( und anderen) gut tut. Oft funktioniert das mit Familien am Besten, die ähnliche Bedürftigkeiten haben. Da kann man am Wochenende vielleicht mal für einen Nachmittag die Kinder abwechselnd betreuen und hat somit ein bisschen Freizeit. Und auch enkellose Senior(inn)en freuen sich oftmals, wenn sie etwas junges Blut auf Trab hält. Redet, streut Eure Situation und es wird sich Hilfe finden. Dann müsst ihr sie nur noch mit offenen Armen empfangen.

Härtet Eure Kinder ab!

Und ich meine damit nicht, sie, wie wohl in seltenen Regionen Russlands üblich, direkt nach der Geburt ins Eismeer zu tauchen. Nein, härtet sie dahin gehend ab, dass nicht nur sie Bedürfnisse haben, sondern auch ihr, die Eltern! Schleppt sie auf jedes Fest mit, zu dem ihr eingeladen werdet, nehmt sie zum Shoppen mit und auf Festivals. Wir haben das nämlich irgendwie total vergeigt und dauernd Rücksicht genommen. Die Kinder bleiben lieber zu Hause? Gut, dann nehmen wir einen Babysitter- ist ja sowieso stressfreier. Und überhaupt, die Woche ist schon so voll, da kann ich ja die eine kleine Unternehmung für mich auch noch streichen. Und was kommt dabei raus? Wenn ich jetzt zu meinen Kindern sage: „Ich möchte heute Abend auf das Straßenfest, das ist bestimmt ganz nett!“, schauen mir rollende Augen aus langen Gesichtern entgegen, deren Mündern ein ächzendes Stöhnen und ein „Och, Mann!“ entfährt. Es folgt eine mindestens dreißigminütige Diskussion, in deren Verlauf ich alle Register der Überzeugungskunst ziehen muss und mir jegliche Lust vergeht. Im Anschluss verfluche ich mich, den Abend nicht gleich ohne Kinder geplant zu haben. Aber, Mensch, das geht auch ins Geld und außerdem kann man ja auch mal was zusammen machen. Wenn wir es dann nach großem Streit und Tränen geschafft haben, das Haus zu verlassen, wird es meistens eine gute Sache. Aber die Nerven, die mich das gekostet hat, hätte ich mir gerne gespart. Also, in diesem Sinne, ein schönes Wochenende und macht auf jeden Fall etwas, auf das ihr „Großen“ Bock habt.