Die gute alte Quelle

Meine Quelle.jpgVor einiger Zeit kam ich mit ein paar jungen Leuten am alten Quellegelände in Fürth vorbei. Irgendwann fragte jemand „Was ist eigentlich die Quelle?“. Die Quelle, tja, wie soll ich sagen, eines der Versandhäuser meiner Kindheit, bei der wir regelmäßig unsere Kleidung bestellt haben. Deren Kataloge ich neugierig gewälzt habe und aus dessen Modellen Kleiderpuppen entstanden sind. Später arbeitete ich viele Jahre als Freelancer bei eben diesen Fotoshootings, die sich dann in dem Katalog wiederfanden. Und dann kam 2009 die Insolvenz und nicht mal zehn Jahre später ist sie für die Youngster kein Begriff mehr. Schon verrückt, wie sich das Kaufverhalten inzwischen verändert hat. Für sie kaum mehr vorstellbar, dass man ausschließlich in Geschäften eingekauft hat oder eben in diesen zweimal im Jahr erschienenen mehrere hundert Seiten dicken Hauptkatalogen gewälzt hat, um sein persönliches „It-Piece“ zu finden. Kein Zalando, kein Dawanda, kein Amazon. Was hat dieser Wandel gebracht? Natürlich, ich kann besser genau das finden, was auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Deshalb sind aber auch meine Ansprüche gestiegen. Auch die Verführung, mehr zu kaufen, ist größer geworden, zum einen, weil es durch die globale Konkurrenz im Netz viel mehr Produkte mit ansprechenden Designs gibt, aber auch weil immer ausgeklügelteres Targeting im Internet dafür sorgt, dass mir genau das angeboten wird, was mir gefällt. Die ursprünglich zwei Modesaisons im Jahr sind zu zwei Haupt- und zwei Prècollections geworden mit andauernden Sale Aktionen, um den Kaufanreiz weiter zu erhöhen. Das macht manchmal ganz schön müde. Natürlich bestelle auch ich online, vor allem, wenn ich etwas ganz Bestimmtes brauche. Ich gehe aber auch immer noch gerne in Geschäfte, weil ich nach wie vor finde, dass ein noch so gut fotografiertes Bild weder die Haptik eines Stoffes ersetzen kann, noch zeigt, wie die Klamotte an mir aussieht mit meinen individuellen Maßen und Problemzönchen. Das mag ziemlich old school sein, aber es gibt ja noch das ein oder andere Argument, dass auch für Youngster von Interesse sein dürfte. Zum Beispiel, dass wir nicht alles machen müssen, nur weil wir es können. Weil es den CO2 Ausstoß wieder reduziert, wenn wir nicht andauernd Pakete um die halbe Welt jagen. Weil der Einzelhändler keine Daten sammelt, wenn wir eine Hose anprobieren. Und weil es eigentlich ganz schön ist, wenn wir auch weiterhin durch die Stadt bummeln können und auch dort ein bisschen Vielfalt finden. Die Quelle hat seinerzeit den Wandel ins Internetzeitalter verschlafen, obwohl die Strukturen für den Versandhandel längst geschaffen waren. Und so werden sich bald immer weniger Menschen an die gute alte Quelle erinnern. In Memoriam.

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Ella denkt nach: Weihnachten und so

Weihnachten2017_meedchenwargesternEs wurde dann doch noch irgendwie weihnachtlich mit rekordverdächtigen drei Weihnachtsmarktbesuchen, drei Weihnachtsfeiern inklusive reichlich Frieren und Glühwein Trinken, einmal reichlichem Schneefall, einem Adventskonzert und einem Adventsgottesdienst. Wow, so eine Adventszeit hatte ich vermutlich noch nie. Das Schönste daran war, dass wir auch als Familie etwas Zeit gefunden haben, zusammen zu sein und es irgendwie allen ganz gut geht miteinander. Ist ja nicht immer so. Das persönliche Umfeld wird umso wichtiger, je schwieriger die äußeren Umstände sind. Noch nie wurde ich bei Erstbegegnungen mit Menschen mit so vielen Stammtischparolen konfrontiert wie in den letzten Monaten. Wo man sich sonst über das Wetter oder den letzten Restaurantbesuch unterhalten hat, geht es jetzt um Muslime, Trump oder den Nahen Osten. Auf einmal sehe ich mich mit Worten ringen, um Plattitüden etwas entgegenzusetzen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden, um zu entkräften, was man für falsch hält. Damit möchte ich mich im neuen Jahr mehr auseinander setzen, damit nicht nur „die“ ihre Argumente vorne auf der Zunge tragen, sondern auch ich. Ich möchte mehr Argumente parat haben, wenn es um diese armselige deutsche und europäische Flüchtlingspolitik geht, für die ich mich zutiefst schäme. Die Geflüchtete zu Tausenden unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern in Griechenland einpfercht, wo sie nichts tun können, als monatelang darauf zuwarten, wie es weitergeht. Die Bündnisse mit zweifelhaftesten Bündnispartnern eingeht. Die asylsuchenden Schülern potentielle Ausbildungen nicht genehmigt und denen, die sich integrieren wollen und deren Unterstützern, einen Stein nach dem anderen in den Weg legt. Die Politik hat sich von den Rechten in immer populistischere Positionen drängen lassen, anstatt Kante zu zeigen. Rechtes Gedankengut ist wieder salonfähig geworden. So jetzt denkt ihr, was ist denn das, ein bisschen Weihnachtsharmonie und dann zum Gegenschlag ausholen? Ja. Leben ist doch Beides. Ich freue mich auf die kleine Weihnachtspause und den Rückzug aus dem Trubel dieses Lebens. Aber dann geht`s doch wieder weiter, oder? Mit neuer Energie auf sie mit Gebrüll! Und dazu hilft es auch, die Lungen bei andächtig weihnachtlichem Gesang zu weiten.

 

Der Last Minute Buchtipp:

 

mit Rechten reden„Mit Rechten reden“ – Ein Leitfaden

heißt ein Buch, das sich damit auseinandersetzt, wie man den Argumenten der Rechten ( und Linken) begegnen kann, ohne sofort gegen die Wand zu fahren.“

Von Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn

ISBN: 978-3-608-96181-2 Verlag: Klett – Cotta

Das System Amazon

Dass bei so manchem Internet Riesen nicht immer alles arbeitsrechtlich und moralisch ganz korrekt läuft, ist nichts Neues. Wie weit diese unsauberen Methoden aber tatsächlich gehen und dass das so möglich ist, ist dann doch erschreckend. Höchste Zeit, gegenzusteuern und dieses Verhalten nicht durch gedankenloses Shoppen zu unterstützen. Eine beeindruckende Reportage aus der Reihe „Die Story“ im Ersten.

Hier geht`s zur ARD Mediathek:

Die Milch macht`s.

Unsere Familie verbraucht viel Milch. Wir essen viel Müsli und lieben Milchkaffee. So war ich die letzten Jahre sehr unglücklich über das Anhäufen von Unmassen an Tetra Paks. Um stattdessen einen größeren Vorrat an Frischmilch in Glasflaschen zu kaufen, ist unser Kühlschrank zu klein. Den regelmäßigen Kauf von nur wenigen Flaschen konnte ich leider auch nicht gewährleisten, da ich zu unregelmäßig einkaufen gehe. Um so begeisterter war ich, als ich bei einer Freundin einen zwei Liter Kanister Milch im Kühlschrank entdeckte und sie mir berichtete, dass sie einmal die Woche eine Lieferung an die Haustür bekäme, wo die alten gegen neue Kanister ausgetauscht werden und sie einmal monatlich eine Rechnung bekäme. Die Lösung! So beziehen wir jetzt seit einigen Wochen unsere Milch direkt vom Erzeuger und das klappt reibungslos. Die Kanister sind so geformt, dass sie auch in die Tür des Kühlschranks passen. Für den Kunden superbequem, für anbietende Milchhöfe lohnend, da kein Geld für den Handel auf der Strecke bleibt. Und gut für die Umwelt, besonders, wenn sich mehrere Nachbarn bei der Bestellung zusammentun. Es gibt bestimmt auch einen Hof bei euch in der Gegend.

Für Nürnberg und Umgebung zum Beispiel von:

https://milch-ziegenhof-staehr.de/biohof-staehr-produkte-bestellung/

Internetportale und ihre kleinen Häkchen

Letztes Jahr übernachtete ich beruflich in einem wunderschönen kleinen Hotel, wie ich es gerne „Schriftstellerhotel“ nenne. Eine Gründerzeitvilla mit hohen Decken und dunklen Böden, bei deren Betreten man sich sogleich irgendwie hochherrschaftlich fühlt. Der Frühstücksraum war so liebevoll mit unzähligen selbstgemachten Marmeladen, Müslisorten und anderen Leckereien in Gläsern und Schüsselchen dekoriert, dass mir das Herz aufging. Leider erzählte uns der Hausherr, dass Ende des Jahres Schluss sei mit ihrem Familienbetrieb. Sie könnten dem Preisdruck nicht mehr standhalten, den die unzähligen Buchungsportale erzeugen und an die sie 10% oder mehr des Übernachtungspreises abführen müssten – viel Geld für einen kleinen Betrieb. Verärgert erzählte er, wie manche Gäste, die bereits auf der Türschwelle des Hotels stünden, die Übernachtung noch schnell online buchten, ohne darüber nachzudenken, dass dieser eine Klick das Hotel einen Teil ihrer Einnahmen kostet. Verbraucherparadies Internet. Mit den gleichen Problemen sieht sich die Gastronomie konfrontiert, die sich Lieferdiensten wie beispielsweise lieferando oder eGourmery anschließen. Zwar können die Betriebe mehr Umsatz generieren, indem sie einen größeren Kundenkreis erschließen, andererseits müssen sie noch enger kalkulieren, da sie einen Teil des Umsatzes an den Lieferdienst abgeben müssen. Viel Luft zum Geldverdienen bleibt da nicht. Beispiele ließen sich an dieser Stelle unbegrenzt fortsetzen, die „Großen“ verdienen eigentlich immer auf Kosten der „Kleinen“, sei es ein Liefergigant wie „Amazon“, der von seinen Händlern Provision verlangt oder der Landwirt, der dem Discounter besondere Konditionen einräumen muss, damit wir billig einkaufen können. Darüber sollten wir uns bewusst sein, wenn wir beim nächsten „Schnäppchen“ zuschlagen und vielleicht ab und an einfach den direkten Weg suchen.

Mutmachzeilen

Es gibt inzwischen leider viele Menschen, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen und Stimmung gegen Flüchtlinge machen. Und es gibt viele, die jetzt schon im Niedriglohnsektor beschäftigt sind und sich ernstzunehmende Sorgen wegen der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt machen. Es gibt Menschen, die sich von Berufs wegen oder ehrenamtlich so einsetzen, dass es gelingt, Flüchtlinge zu integrieren. Und es gibt viele Menschen, die sich eigentlich gerne für die Integration von Flüchtlingen engagieren würden, es aber nicht tun, weil sie sich nicht in der Lage sehen neben Job, Familie, Haushalt und Hobby genug Zeit für die ehrenamtliche Arbeit aufzubringen. Weil wir oft zwischen ganz oder gar nicht entscheiden. Dabei kann in diesem Fall „ein bisschen“ ganz viel bewirken. Denn für jemanden, der nichts hat, ist ein bisschen unter Umständen ganz schön viel. Es gibt inzwischen maßgeschneiderte Aushänge von Städten und Kommunen, in denen jemand für die Nachhilfe, für die Wohnungssuche oder für eine Familienpatenschaft gesucht wird. Wir können sogar zwischen Stadtteil, Geschlecht, Alter und Herkunftsland auswählen. Wieso also nicht einfach jemanden suchen, der zu den eigenen Bedürfnissen ganz gut passt und so möglichst einfach integriert werden kann. Jemanden, den wir einfach zum nächsten Ausflug in den Zoo mitnehmen können oder zu einer kleinen Wanderung. Ein Gespräch mit Deutschsprachigen hilft den Geflüchteten, die neu zu erlernende Sprache zu üben, da sie in den Unterkünften ja meist nur mit Landsleuten oder anderen Nationalitäten zusammen sind. Die Geflüchteten fangen hier bei Null an. Wir wissen, wie schwierig es oft schon für Schüler(innen) mit qualifizierendem Abschluss der Mittelschule ist, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Die Menschen, die zu uns kommen, waren manchmal nur wenige Jahre in der Schule und beherrschen unsere Sprache nicht- ganz klar also, wie fast aussichtslos es zunächst einmal ist, dass so jemand eine Chance auf unserem Arbeitsmarkt bekommt. Und so berechtigt auch die Ängste der Deutschen, die ebenfalls keine Qualifikation mitbringen. Damit Integration gelingen kann, ist es wichtig, dass wir alle, die dahinter stehen, Menschen in einer Notlage bei uns aufzunehmen, auch mithelfen. Unsere wichtigste Qualifikation ist unsere Sprache. Wir müssen nicht reich sein, nicht körperlich fit und nicht studiert. Wir haben so viel zu geben und können auf diese Weise aller Stimmungsmache und Propaganda rechter Parteien am Besten Einhalt bieten. Traut Euch. Es gibt viel Unterstützung sozialer Einrichtungen, die Eure Fragen beantworten und auch nach dem ersten Kennenlernen für Euch da sind.

https://www.iska-nuernberg.de/zab/be-stellen.html

Nye kartofler

Nye kartofler-01Auf der kleinen dänischen Insel Samsö gibt es eine wunderbare Gepflogenheit: vor gefühlt jedem zweiten Haus steht ein kleines Holzregal, in dem die Menschen alles, was Garten und Acker hergeben, für umgerechnet ein, zwei Euro zum Verkauf anbieten. Das können Kartoffeln und Äpfel sein, aber auch Blumen oder Eingemachtes. Manchmal verkaufen die Samsöer auch ihre alten Lampen, Geschirr und Bücher oder verschenken sie. Eine alte festgeschraubte Geldkassette regelt die Finanztransaktion, der Preis steht auf Kisten und Tüten. Man sollte also immer ein paar Münzen in der Tasche haben und sich den Einkauf von Obst und Gemüse im Supermarkt sparen. Wie gut würde mir das auch in Deutschland gefallen. Was klagen die Gartenbesitzer oft im Sommer über die kaum zu bewältigende Verwertung ihrer Ernte. Wieso nicht einfach für kleines Geld verkaufen? Den Gartenlosen wird es freuen – frisches Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger und dazu in aller Regel noch ungespritzt. Und die/der fleißige Gärtner(in) kann mal die Beine hochlegen, anstatt das zigste Marmeladenglas befüllen zu müssen oder zum zehnten Mal in Folge Zucchini zu essen. Auch den Tauschhandel könnten solche Regale vereinfachen. Ob in der Großstadt allerdings nicht die ein oder andere Kasse geknackt würde, möchte ich nicht ausschließen. Vielleicht habt ihr ja einen Garten und euch gefällt die Idee? Ich würde auf jeden Fall kaufen.