Das Volksbegehren und wie es weitergeht

BlütenWie ihr sicher alle mitbekommen habt, war das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt in Bayern ein voller Erfolg. Mit 18,4 Prozent der Stimmen wurde die erforderte Quote von 10% weit übertroffen. Ermutigt durch den hohen Zuspruch in der Bevölkerung soll die Initiative jetzt vielleicht auch deutschlandweit durchgeführt werden. Ein klares Statement der Bürgerinnen und Bürger. Wer sich aktiv für mehr Pflanzen- und Artenvielfalt auf Äckern einsetzen möchte, kann das über das Portal Bluehwiese-kaufen tun. Stefan Greif, ein junger Landwirt aus dem oberfränkischen Pinzberg, hatte die Idee, Landwirte und Verbraucher zusammen zu bringen und hat ein Portal entwickelt, auf dem man durch einen Spendenbeitrag Pate einer Blühwiese werden kann und damit dem Landwirt einen finanziellen Ausgleich für die Nichtbewirtschaftung der Fläche leistet. Stefan Greif möchte damit kein Geld verdienen, sondern die Idee des Artenschutzes unterstützen. Eine gute Sache, finde ich. Sollte sich das Portal in Bayern bewähren, möchte auch er sein Projekt deutschlandweit anbieten.

Volksbegehren Artenvielfalt (Bayern)

volksbegehren-artenvielfalt.pngSo, auch unsere Stimme ist jetzt gefragt, damit 1 Million zusammen kommen. Eine große Initiative setzt sich dafür ein, dass Bayerische Naturschutzgesetz zu verändern. Es geht um den Erhalt der Artenvielfalt, beispielsweise durch einen Biotopverbund, mehr Blühwiesen und weniger Pestizide, aber auch um Naturschutz als Teil der schulischen Bildung. Wer Genaueres lesen möchte, findet Infos hier:

Volksbegehren Artenvielfalt

Macht mit!

Die Sache mit dem Plastik 2

PlastikDas EU-Parlament möchte Einwegplastikprodukte ab 2021 verbieten. Das ist eine notwendige und gute Maßnahme. Und wird dennoch nicht viel an der grundsätzlichen Problematik ändern. Denn die Verwendung von Plastik hat viel mit der Art und Weise zu tun, wie wir heute leben. Wie ihr vielleicht gelesen habt, versuchen wir ja seit einiger Zeit, bewusst mit Plastik umzugehen und es, wo für uns möglich, zu vermeiden. (Die Sache mit dem Plastik) Dabei sind wir schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass man besonders viel Plastik reduzieren kann, wenn man vieles frisch und selbst zubereitet und ganz gezielt einkaufen geht. Den Pizzateig selber machen, anstatt den Fertigen in der Verpackung kaufen, das Gemüse frisch und lose vom Markt besorgen, anstatt verpackt im Discounter, Getreide ins Glas abfüllen, anstatt es in Plastik verpackt zu kaufen. Diese Maßnahmen verlangen einen zeitlichen Mehraufwand und eine gute Planung. Der Marktstand ist vielleicht nur einmal wöchentlich vor Ort, der Pizzateig benötigt eine gute Stunde Vorbereitungszeit und zum Unverpacktladen habe ich eventuell einen längeren Weg zurückzulegen. Alles Erfordernisse, die meist nicht zu unserem Alltag passen, in dem wir kurz noch nach der Arbeit am Supermarkt halten, um irgendwas Schnelles zum Abendessen zu zaubern und froh sind, überhaupt alles halbwegs hinzubekommen. Außerdem haben wir uns daran gewöhnt, dass immer alles verfügbar ist. Kaffee gibt es nicht nur zu Hause beim Frühstück und dann wieder am Arbeitsplatz, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit, es wird unterwegs gegessen oder wir lassen uns das Essen liefern, in jeder Geschmacksrichtung und zu fast jeder Tageszeit, natürlich auch in Plastik verpackt. Auch an diesem Punkt lässt sich nur etwas ändern, wenn wir uns die Problematik bewusst machen und uns wieder mehr Zeit nehmen und nicht zuletzt die Erkenntnis gewinnen: Nicht alles, was möglich ist, macht auch Sinn. Und vieles ist mit Sicherheit nicht umweltfreundlich. Industrie und Handel hätten natürlich schon längst Möglichkeiten, auf recycelbare oder abbaubare Verpackungen umzustellen, aber ohne den Druck der Verbraucher oder der Politik tut sich da natürlich nur wenig. Dann wäre da noch das Thema Mobilität. Wir reisen viel, ob beruflich oder privat, und kaufen Kosmetika in Kleinstmengen, die wir im Handgepäck mitführen dürfen. Wir wohnen auf Zeit an verschiedenen Orten und richten uns immer wieder neu ein. Wer kauft heute noch die Wohnzimmereinrichtung nach der Hochzeit und behält sie bis in den Ruhestand? Die Überflutung unserer Welt mit Plastik geht einher mit unserer Art zu leben, schnell, flexibel, effizient und möglichst einfach. Nachhaltig zu leben ist im Jahr 2018 aber nicht mehr einfach, es erfordert große Bemühungen und ein echtes Umdenken. Deshalb braucht es weit mehr, als bestimmte Produkte zu verbieten. Wir müssen schlichtweg unser Leben ändern.

Interimsgemeinschaft.

Vielleicht habt ihr euch gewundert, dass ich solange nichts habe von mir hören lassen. Meine letzten Wochen und Monate waren so turbulent, dass mir schlichtweg die Energie fehlte, meine Gedanken zu bündeln und in Texte zu transformieren. Dabei habe ich einiges zu erzählen.

Unsere Wohnung wurde umgebaut, so richtig mit zwei Wanddurchbrüchen und allem drum und dran und wir haben 5 Wochen lang bei meiner Stiefoma unter dem Dach gewohnt. An dieser Stelle kam meist von Freunden ein „Oh Gott, ihr Armen!“, aber ich muss sagen, das Ganze hat erstaunlich gut geklappt. Na gut, die erste Nacht im Ehebett der Großeltern war schon etwas skurril, und das Bett der Kinder unter dem Dach bei 36 Grad führte zum Zelten im Garten, aber diese Erfahrung haben diesen Sommer auch andere Städter in Dachwohnungen gemacht. Ansonsten lief diese kleine Gemeinschaft wie geschmiert. Wenn wir morgens das Haus verließen, schlief „Uroma“ noch und das so fest, dass sie uns nicht hörte. Sie kochte mittags, wenn wir noch unterwegs waren, ich kochte abends, wenn sie sich nur ein Brot schmierte und wenn es passte, aßen wir zusammen und wenn nicht, dann nicht.

Dass alles so gut klappte, lag vor allem daran, dass meine Stiefoma eine äußerst großzügige, tolerante und interessierte Frau ist trotz ihres hohen Alters. Sie äußerte in den ersten Tagen ein paar Dinge, die ihr wichtig waren, über alles andere sah sie liebevoll hinweg. Ihre Schwerhörigkeit war dabei sicher von Vorteil. Wir haben natürlich auch keine gemeinsame Geschichte und keine Altlasten, die einem unvoreingenommenen Zusammensein hätten im Wege stehen können und haben uns von Beginn an gut verstanden. Wir zogen ein, als die Fußball EM noch im Gange war und sie genoss das Leben, das mit uns einzog, in vollen Zügen. Wenn die Jungs, die mit den Kroaten mitfieberten, über die Sofalehne sprangen und tanzten und zwischendrin in den Garten sausten, um dort selbst ein bisschen zu kicken. Sie freuten sich gemeinsam mit Mateusz Przybylko, als er Europameister im Hochsprung wurde und sie bewunderten die bezaubernde Natur der Mazuren und des Isartals. Vor allem mein Kleiner hat mit Sicherheit noch nie so viel Fernsehen in seinem Leben gesehen und noch nie so laut gehört, aber es war gut so. „Uroma“ genoss es, wenn er sich unauffällig hinter ihr aufs Sofa schob, um unbemerkt Fernsehen zu gucken und sie ihn irgendwann entdeckte. Da sich ihre Interessengebiete oft überschnitten, konnten sie ihre Eindrücke über das Weltgeschehen teilen.

Sie hat mich aber auch manchmal verwöhnt und ich sagte, es sei bei ihr wie im Hotel. Wenn es mal wieder spät bei mir wurde, übernahm sie mit den Worten, sie habe doch Zeit, den Abwasch der Familie und wusch auch Handtücher und Bettwäsche. Ich traue mich kaum zu sagen, dass sie Anfang Neunzig ist. Aber sie hat es gerne gemacht. Und auch als mein Kleiner überraschend krank wurde, mein Mann und ich arbeiten mussten und alle Freunde, Oma und Opa im Urlaub waren, war sie nach anfänglichen Bedenken wegen der Sommergrippe da. Ist doch selbstverständlich, bekamen wir oft zu hören. Mein Mann im Gegenzug reparierte in den ersten Tagen so einiges, was in die Jahre gekommen war, vom Wasserhahn bis zum Garagentor. Also, im Großen und Ganzen wirklich eine Win-Win Situation, wenn auch eine anstrengende, weil ja nur ein Provisorium.

Trotzdem hat mich diese Erfahrung noch einmal mehr davon überzeugt, dass „Wohnen für Hilfe“-Projekte eine tolle Sache sein können. Dabei zahlen die neuen Bewohner weniger Miete gegen Unterstützung der Senioren. Ich denke, wenn ein guter Draht vorhanden ist, ist diese Wohnform eine tolle Chance, sich gegenseitig zu helfen. Mit Wohnraum, den man sich sonst nicht leisten könnte, und mit Teilnahme am Leben und kleinen Erleichterungen im Alltag auf der anderen Seite. Ein Kennenlernen lohnt sich allemal. Wir sind jetzt wieder zu Hause und das fühlt sich sehr gut an, aber unsere kleine Interimsgemeinschaft war eine gute und nachhaltige Erfahrung, die ich nicht missen wollte.

Infos über solche Wohnprojekte gibt es inzwischen reichlich. Hier ein kleiner Eindruck:

Wohnen für Hilfe

Weniger Plastik – ein Zwischenbericht

Unverpacktwaren

Seit wir beschlossen haben, Plastik zu vermeiden ( Die Sache mit dem Plastik), hat sich einiges getan. Im Supermarkt kaufe ich nur noch Obst und Gemüse, das nicht in Plastik verpackt ist, d.h. ab und an müssen wir auf etwas verzichten, wenn ich nicht von Supermarkt zu Supermarkt rennen möchte. Der erste Besuch des Unverpacktladens in Nürnberg hat mehr Klarheit gebracht. Wir sammeln jetzt Einmachgläser und leere Putzmittelbehälter, weil es dort auch Reinigungsmittel als Refill gibt. Tupperdosen und Co. dienen als Transportbehälter. Sie werden im Laden einfach kurz abgewogen und das Gewicht am Ende wieder abgezogen. Das Gute neben dem Plastiksparen ist, dass ich von allem auch kleine Mengen kaufen kann. So gibt es neben Nudeln, Reis oder Linsen auch Gewürze, Kaffee, Müsli und sogar Süßigkeiten wie Gummibärchen ohne Tüte. Außerdem findet man eine große Auswahl an Körper- & Haarseifen. Also, einfach mal ansehen. Ziel ist erstmal, auf maximal einen gelben Sack pro Woche für uns vier zu reduzieren. Das sollte zu schaffen sein. Und ist immer noch ganz schön viel.

Die Sache mit dem Plastik

PlastikDer Stern stellte im April das Umweltschutzprojekt Banda Sea der Biologin Mareike Huhn vor. Sie und ihre Mitstreiter versuchen mit ihrer Arbeit unermüdlich, der Bevölkerung auf den indonesischen Inseln den verantwortungsvollen Umgang mit Müll zu vermitteln. Denn dort landet, wie an vielen anderen Orten dieser Welt, alles im Meer. Kot, Plastik, Ölkanister, Flaschen. Eine Müllabfuhr gibt es auf den meisten Inseln nicht. Für die Einheimischen ein gewohntes Bild. Die Folgen für die Umwelt sind dramatisch. Viele Tiere verhungern, weil ihnen ihr mit Plastik gefüllter Magen ein Sättigungsgefühl vermittelt. Als ich meinem kleinen Sohn von dem jungen verendeten Pottwal vorlas, der mit 29 Kilogramm Plastik in Magen und Darm an die Küste gespült worden war, war klar, dass auch wir endlich etwas an unserem Umgang mit Plastik ändern müssen. Nichts Neues und trotzdem gar nicht so einfach. Am leichtesten ist das Vermeiden von Plastik sicherlich bei Obst und Gemüse. Mehr Wochenmarkt, weniger Discounter. Auch bei Nudeln, Reis und Getreide kann ich meist zu Kartonagen statt Plastik greifen. Frischwaren und Kosmetik sind extrem schwierig. Da bleibt meist nur das Selbermachen und frisch Zubereiten. Zum Glück gibt es ja inzwischen schon ziemlich viele Unverpackt-Läden in Deutschland, die das Plastik vermeiden deutlich einfacher machen. Ob es auch in Deiner Nähe einen gibt, kannst Du hier rausbekommen: Verpackungsfreie Supermärkte

Wer mehr über das Projekt Banda Sea erfahren und es eventuell mit einer Spende unterstützen möchte, kommt hier zu: Banda Sea

 

In Nürnberg gibt es jetzt Zero Hero in der Oberen Kanalstr. 11a. ZeroHero

Mo. bis Fr. 10:00 – 19:00 Uhr +  Sa. 10:00 – 16:00 Uhr

In Köln zum Beispiel Tante Olga in der Berrenrather Str.406 Tante Olga

Di. bis Fr. 10:00 – 19:00 Uhr     Mo + Sa. 10:00 – 15:00 Uhr

Mal sehen, wie wir das so hinbekommen werden im Alltag mit wenig Zeit und vielen Aufgaben. Wir sind jedenfalls wild entschlossen.