Schlagwort: Apple

Kleines Menschlein

Seitdem ich mein neues Smartphone habe, geschehen seltsame Dinge. Ruft beispielsweise jemand von einer mir unbekannten Telefonnummer an, zeigt mir das Display an, es könne sich um diese oder jene Person handeln. Es ergänzt außerdem Informationen zu meinen Kontakten, von denen ich noch gar nicht wusste, dass ich sie habe. Ich vermute deshalb, es wohnt ein kleines Menschlein in meinem Telefon, das nichts besseres zu tun hat, als meine E-Mails durchzulesen. Oder ist es sein Kollege in der Wolke, ganz weit weg am Firmament? Völlig ahnungslos finde es aber bei allem praktischen Nutzen, nie mehr von fremden Anrufern überrascht werden zu können ( sofern ich zuvor schon auf irgendeine digitale Weise Kontakt hatte) und jederzeit alle Informationen meiner Kontaktpersonen zur Hand zu haben, ziemlich unverschämt, dass mich nicht mal jemand gefragt hat, ob ich so einen kleinen Auswerter bei mir haben möchte. Weil, geht ja niemand was an, mit wem ich wann und so, oder?

Betreff: Social Freezing

Sehr geehrte Damen und Herren Apple und Facebook,

Als ich jüngst im Radio davon hörte, dass Sie ihren Mitarbeiterinnen zukünftig bei der verspäteten Familienplanung unter die Arme greifen wollten, blieb mir schier die Luft weg. Ich mäßige hier im öffentlichen Raum meine Worte, damit sie meine Lippen nicht unflätig verlassen und dessen bin ich nach zwei Wochen der Verdauung im Stande. Lösen wir denn gesellschaftliche Probleme jetzt medizinisch? Und, wie haben Sie sich das gedacht? Sollen die Mütter dann nach ihrer Schwangerschaft mit 50 direkt in Rente gehen? Haben sie dann den größtmöglichen Output an Arbeitskraft generiert? Die Probleme arbeitender Mütter werden beim Egg Freezing ja nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Was das Thema Reproduktionsmedizin angeht, finde ich es schon lange unverantwortlich, dass so getan wird, als könne man sich mit Hilfe des medizinischen Fortschritts jederzeit fortpflanzen. Fakt ist, dass die Fruchtbarkeit ab 30 Jahren abnimmt und dass es oft ein langer Leidensweg ist, bis eine künstliche Befruchtung erfolgreich verläuft. Es gibt genug Paare, die darunter leiden, dass es mit einer Schwangerschaft nicht auf natürlichem Weg klappt. Aber daraus Programm machen? Der Vorstoß mag im Ansatz wohl gemeint sein, aber ich finde ihn schlichtweg eine Unverschämtheit. Was geht es meinen Arbeitgeber an, wie ich zum Thema Kinderkriegen stehe? Für manche Frauen in einer schwierigen privaten Situation mag das Angebot ein Segen sein und es sei ihnen gegönnt, die finanzielle Unterstützung für das Egg Freezing anzunehmen, aber die Herangehensweise an die Problematik der Unvereinbarkeit von Kindern und Karriere finde ich grundlegend falsch. Bitte überlegen Sie sich etwas anderes, um Frauen eine Karriere in ihren Konzernen zu ermöglichen. Vielleicht könnten Sie einige Mütter damit beauftragen, die hätten bestimmt ein paar Ideen dazu.

MfG, Ella