Wie war das mit der Entschleunigung?

Als unsere Minister*innen und die ermattete Kanzlerin Anfang Mai tagten und jegliche Beschlüsse zu Lockerungen der Corona Maßnahmen vertagten, machte ich mir wirklich Sorgen, dass es in Deutschland bald zu einer Revolte kommen würde – nicht nur von Querdenkern, sondern auch von vielen anderen, die inzwischen ein ernsthaftes Problem mit den Entschlüssen der Politik hatten. Doch dann ging alles schnell. Kaum eine Woche später begannen einige Ministerpräsidenten, sich gegenseitig im Lockern zu überbieten und auf wundersame Weise purzelten die Inzidenzwerte, als gäbe es da einen Kausalzusammenhang. Bayreuth und gar Tirschenreuth inzwischen bei 0,0 und auch das geplagte Nürnberg endlich unter 40. Dazu eine freudige Überraschung nach der anderen. Was? Keine Testpflicht mehr beim Einkaufen? Einfach in einen Laden reingehen ohne Click and Meet? Ins Cafè und in den Biergarten mit bis zu zehn Personen aus unterschiedlichen Haushalten? Der Wahnsinn. Bis ich mir dieser wiedergewonnen Möglichkeiten bewusst geworden war, dauerte es ein Weilchen. Aber dann kam es endlich bei mir an. Ich würde mich wieder verabreden, Kino, Freibad, Cafe und startete eine Dating Offensive. Die Ernüchterung stellte sich binnen weniger Stunden ein. Auf einmal hatte niemand mehr Zeit, eben diese mit mir zu verbringen. Du, sorry, meine Wochenenden sind bis zu den Sommerferien verplant. Ich treffe mich gleich mit einer Freundin. Oh, du, schade, wir bekommen Besuch. Klar, muss man ja alles nachholen, all die aufgeschobenen Treffen, Aktivitäten und Hobbies. Und zu viel Zeit sollte man sich dabei ja auch nicht lassen, schließlich wissen wir nicht, wie umtriebig sich die Deltavariante bei uns zeigen wird. Also schnell leben, als gäbe es kein Morgen. Was waren das für Zeiten, als unsere Kontaktfamilie quasi exklusiv für uns verfügbar war. Klar, sie hatte ja ebenfalls kaum ein Alternativprogramm zu uns. Kurz angerufen, zusammen ein Käffchen mit Abstand im Freien, eine kleine Wanderung oder ein gemeinsames Abendessen. Hach, wie unkompliziert. Jetzt konkurrieren wir wieder mit einer Schar von Freund*innen aus Nah und Fern, Nachbar*innen und der lieben Verwandtschaft. Irgendwie doof. Aber dann hat mich die Welle doch noch mitgerissen und überrascht durfte ich gestern feststellen, dass ich an fünf aufeinander folgenden Abenden verabredet war. Also es ist einfach so passiert. Zwei davon habe ich bereits bewältigt und ich sage Euch, ich fühle mich völlig fertig. Ist man ja nicht mehr gewöhnt, so ein ausschweifendes Leben. Das mit dem Entschleunigen ist auf jeden Fall wieder Schnee von gestern. Aber ist ja auch endlich Sommer.

Ein ganz besonderer Tag

Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich. Meine Kinder gehen das erste Mal seit mehr als sechs Monaten wieder in die Schule. Während es dem einen graust, weil er sich so gut im Ausnahmezustand eingerichtet hat, freut sich der andere. Seine Schule beginnt heute sogar ganz smooth mit einem Eingewöhnungstag, der erst um 9.45h beginnt. Es war also fast so etwas wie ausschlafen möglich, so lässt es sich leben. Ich freue mich, dass sie wieder unter Ihresgleichen kommen, dass es endlich wieder ein Alternativprogramm zu Computer und Handy gibt und ich freue mich, endlich wieder Zeit für mich allein zu haben. Eindeutig ein Feiertag!

Fast-forward

Als ich 2005 Mutter wurde, hätte ich mir nie vorstellen können, in welchem Ausmaß sich unser Leben in den nächsten fünfzehn Jahren verändern würde. Die Entwicklung dahingehend, dass unser Leben so massiv von den digitalen Medien bestimmt sein würde, war für mich noch ganz weit weg und ein Stillstand des bisherigen Lebens, wie wir ihn durch Corona erleben, sowieso jenseits aller Vorstellungskraft. Aber auch die unmittelbaren Auswirkungen, die der Klimawandel auf unser Leben haben würde, schienen mir irgendwo in fernerer Zukunft zu liegen. Und jetzt haben all diese Entwicklungen unser Leben und vor allem das unserer Kinder bereits mit voller Wucht getroffen.

Es fällt mir inzwischen wirklich mehr als schwer, ruhig zu bleiben, wenn jemand beiläufig fallen lässt, es wäre ja nicht schlecht, wenn bei uns durch den Klimawandel der Sommer etwas wärmer würde. Ein Mensch, der so etwas äußert, kann schon lange nicht mehr durch einen deutschen Wald gewandert sein oder er muss bei der Wahl seines Ausflugsziels viel Glück gehabt haben. Denn dort herrscht inzwischen vielerorts Kahlschlag- sei es, weil die Fichten bereits vom Borkenkäfer befallen sind oder dem vorgebeugt werden soll, sei es, weil die ausgetrockneten Buchen bei stärkerem Wind einfach in der Mitte auseinanderbrechen oder, weil der Wald zugunsten vermeintlich resistenterer Sorten umgebaut wird. Die sogenannte Naherholung tut manchmal im Herzen weh. Den Wald, wie wir ihn kennen, wird es schon bald nicht mehr geben. Und dieser Anblick hat in mir mehr bewegt als alle Fridays for Future Demos der letzten Jahre.

Auch diese Bewegung ist in weiten Teilen Corona zum Opfer gefallen, dabei ist es so notwendig, sich weiter für den Klimaschutz einzusetzen. Aber wieso sollte es den Jugendlichen anders gehen als uns Erwachsenen. Corona macht müde und sich online zu treffen, ersetzt eben kein persönliches Gespräch, das gemeinsame Entwickeln von Ideen und den Austausch von Energie. Ich empfinde ein tiefes Bedauern, welchen Herausforderungen sich die heranwachsende Generation und damit auch meine Kinder stellen müssen und wie alleine gelassen sie damit sind. Denn unserer Generation und den Vorangegangen scheint nicht wirklich daran gelegen, etwas zu verändern. Zu groß ist die Angst vor dem Verlust, Teilen wird schnell als Enteignung abgewehrt, Verzicht als Bevormundung und Einbüßen von Freiheit und Individualität aufgefasst. Wie zuletzt mal wieder die Äußerungen Anton Hofreiters ( und der darauf folgende Shitstorm) zeigte, dass Einfamilienhäuser unter ökologischen Aspekten nicht sinnvoll seien. Anstatt darüber nachzudenken, ob in seinen Aussagen nicht auch Wahres enthalten sein könnte, entfachte sich ein Sturm der Entrüstung. Gegen Flächenfraß sind ja viele, aber nicht, wenn Maßnahmen die eigene Entfaltung einschränken.

Meine ganze Hoffnung ruht auf unseren Kindern, die in eine ganz andere Welt hineinwachsen und für die es viel selbstverständlicher zu sein scheint, global zu denken und nicht nur an die eigenen Sicherheit. Weil eben nichts mehr sicher ist. Und weil sie gar keine andere Wahl haben, als für ihre Welt zu kämpfen. Für die es normal ist, zu „sharen“, anstatt zu besitzen, ob Auto, Sofa oder Bohrmaschine. Die sich schon früh in der Schule mit Müllvermeidung und Ökologie beschäftigen. Vielleicht schaffen sie es, die Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Leben durchzusetzen, bevor wir die Erde endgültig an die Wand fahren.

Seitdem ich angefangen habe, diesen Beitrag zu schreiben, ist einiges passiert, dass mich wieder etwas hoffnungsvoller stimmt. Joe Biden hat zum Online-Klimagipfel zusammengetrommelt und sich zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens bekannt. Die CDU/CSU hat sich im Ränkespiel um den Kanzlerposten so demontiert, dass eine grüne Bundeskanzlerin auf einmal keine wirre Zukunftsvision mehr zu sein scheint. Ob im Falle des Falles am Ende der Koalitionsverhandlungen mit welcher Partei auch immer allzu viel Klimaschutz übrigbleiben würde, darf bezweifelt werden, aber erstmal wage ich wieder ein kleines bisschen Hoffnung, dass unsere Kinder doch noch etwas Unterstützung von Seiten der Politik erfahren könnten. Ohne klare Gesetze und Vorschriften zugunsten des Klimaschutzes wird es nicht gehen. Das mit der Freiwilligkeit und der menschlichen Vernunft funktioniert ja bekanntermaßen eher mangelhaft.

Heute ist Sonntag. Vielleicht unternehmt ihr noch einen kleinen Ausflug ins Grüne. Die Natur beginnt gerade wieder zu explodieren und dringt mit ihrer Kraft und Schönheit geradewegs in unsere Herzen. Braucht es mehr Worte? Gesagt ist eigentlich schon lange alles.

Lockdownnebenwirkung

Ich bin gerade ziemlich müde von all den coronabedingten Einschränkungen des Lebens. Die Sieben-Tage-Inzidenz heute in Nürnberg über 200, der Präsenzunterricht meiner Kinder in weiter Ferne und draußen graues verregnetes Wetter. Und was macht das mit mir in letzter Zeit? Ich träume vom Meer. Immer wieder. Zum Glück ist mein Unterbewusstsein nicht ganz so vernunftorientiert wie der Rest von mir, sonst wüsste es, dass die Sache gerade kompliziert ist. Ich hoffe, ihr habt auch schöne Träume oder andere kleine Fluchten aus dem GrauinGrau. Durchhalten…

Frohe Ostern (im Ernst?)

Die Umstände sind deprimierend, dennoch freue ich mich auf Ostern. Nicht, dass wir auf Malle am Strand lägen. Nein, nicht mal ein paar bescheidene Tage auf einem Campingplatz in der Fränkischen sind uns vergönnt. Aber am Sonntag feiern wir das Ende unserer Fastenzeit. Ich werde genussvoll in ein Stück Käse beißen und dem Anlass entsprechend ein ganzes Frühstücksei vertilgen. Bis vor zwei Wochen war alles fein mit meinem temporären Veganertum. Ich backte mir freudig einen Kuchen, wenn ich Appetit darauf verspürte und verzichtete frohen Mutes auf den Käse auf der Pizza. Bis ich dem nichtveganen Teil der Familie eines Tages erst ein Rührei und dann Käsespätzle zubereitete. Da war sie mit einem Mal geweckt, die Gier, und lässt sich seitdem nur noch unter Aufbietung all meiner Kräfte im Schacht halten. Ich musste mir eingestehen, dass der Weg zur Heiligen noch sehr weit und steinig ist.

Naja, zumindest geht der Plan mit dem coronaunabhängigen Highlight auf. Zum Glück, denn alles andere sieht gerade wirklich trostlos aus. Der Frust steigt allerorten und es fällt wirklich schwer, noch Verständnis dafür zu haben, dass die Regierung ein Jahr nach Beginn der Pandemie noch immer dieselben teils hilflosen, teils willkürlichen Maßnahmen ergreift wie zu Zeiten ihres Ausbruchs. Und das trotz zahlreicher Versprechen, dass Öffnungen wieder möglich würden, wenn erst mehr geimpft, getestet und die AHA Regeln umgesetzt würden.

Als wir vor einigen Wochen das Schreiben von der Schule mit der Einverständniserklärung für die Testung bekamen und klar war, dass diese freiwillig ist, musste ich erstmal lachen. Testen macht zweifellos nur dann Sinn, wenn es alle tun und nicht etwa 10% einer Klasse. Darauf könnte „man“ aber auch kommen, bevor man sowas einführt. Klassenleiter*innen können sicherlich ein Lied davon singen, wie zuverlässig sie Schreiben an Eltern zurückbekommen, vor allem an Schulen, an denen die meisten nicht einmal zum Elternabend erscheinen. Schwamm drüber, wurde ja jetzt nachgebessert. Astrazeneca, der nächste Running gag. Wer des Galgenhumors mächtig ist, hat gerade so einiges zu lachen. Alle anderen schon lange nichts mehr.

Eine meiner Freundinnen fragte mich neulich, warum ich dann alles so hinnähme, wenn ich mit vielem nicht einverstanden sei. Meine schlichte Antwort lautete:“ Weil ich immer noch daran glaube, dass unsere Regierung versucht, es richtig zu machen.“ Auch, wenn sie dabei viele Fehler macht. Das ist vermutlich der größte Unterschied zwischen Verschwörungstheoretikern und Kritikern. Die einen vermuten etwas Großes, Böses hinter den Maßnahmen, die anderen kritisieren (berechtigterweise) eine gewisse Unfähigkeit des Führungspersonals. Zum Glück darf man das inzwischen offener äußern, ohne direkt in eine Schublade gesteckt zu werden. Ich befürchte jedenfalls, dass wir langsam Wege einschlagen müssen, bestmöglich mit dem Virus und seinen zahlreichen noch auf uns zukommenden Mutanten zu leben. Und wenn irgendetwas dran sein sollte, dass Abstand halten, Maske tragen, Hände desinfizieren, Impfen und Testen helfen, dann sollte man auch Dinge wieder ermöglichen, bei denen diese Hygienemaßnahmen umgesetzt werden können.

Damit es auch wieder andere Highlights im Leben gibt als ein Frühstücksei… 

In diesem Sinne, lasst Euch nicht unterkriegen!

Eure Ella

#SPORT IST TEIL DER LÖSUNG UND NICHT DES PROBLEMS IN DER CORONAPANDEMIE

14 bayerische Großvereine haben sich zusammengetan und ein Positionspapier erarbeitet, in dem unter anderem ein Stufenplan zur schrittweisen Öffnung der Vereine vorgeschlagen wird. Außerdem startete die Fußballabteilung des Post SV Nürnberg eine Petition, die diese Forderungen unterstützt:

https://www.openpetition.de/petition/online/sport-ist-teil-der-loesung-und-nicht-des-problems-in-der-coronapandemie

Die Petition spricht mir aus dem Herzen, denn so sehr ich mir wünsche, dass meine Kinder bald wieder in die Schule gehen dürfen, der Vereinssport scheint mir im Augenblick nicht minder wichtig, denn er bringt wieder etwas Freude und Leichtigkeit ins Leben bewegungsfreudiger Kinder. Das Erste, was Ärztinnen und Ärzte bei depressiven Verstimmungen empfehlen, ist Sport, denn mit Hilfe der ausgeschütteten Glückshormone kann man gar nicht anders, als wieder besser gelaunt zu sein. Und dann noch gemeinsam mit Gleichgesinnten draußen, das macht wesentlich mehr Spaß als jedes Youtube Video der Welt, zu dem Kind sich vielleicht erst gar nicht aufraffen kann. Womöglich sorgt darüberhinaus die sehnsüchtig erwartete Frühlingssonne schließlich noch für eine bessere Vitamin D Produktion, die ebenfalls die Psyche positiv beeinflußt. Das wäre doch wirklich wünschenswert, oder? Also, ich habe unterschrieben und ich hoffe, die Petition wirkt. Denn das Wort „Sportverein“ habe ich bislang in den Öffnungsdebatten schwer vermisst.

Frohe Weihnachten!

Manchmal geht man irrtümlich davon aus, dass die Welt bleibt, wie sie ist. So wie mit meiner Freundin, die eigentlich immer zuhause war, wenn ich sie spontan besuchen wollte, weil sie nur Teilzeit arbeitete. Als wir das letzte Mal in ihrem Garten saßen und plauderten, war ich mir sicher, dass ich das schon bald wieder tun würde und danach wieder und wieder. Das ist inzwischen Jahre her und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass diese Zeit vorbei ist. In unserem Fall lag es einfach daran, dass sie irgendwann Vollzeit gearbeitet hat und geschäftlich viel unterwegs war, manchmal gibt es weitaus tragischere Gründe, warum sich Dinge ändern.

Corona hat uns sehr unsanft vor Augen geführt, dass zu keiner Zeit etwas bleiben muss, wie es ist und wir keine Garantie auf Beständigkeit in unserem Leben haben. Deshalb sollten wir die schönen Momente stets feiern und uns in Dankbarkeit bewusst sein, dass sie endlich sind. Gleichzeitig haben die Einschränkungen uns klar gemacht, was wir im Leben wirklich brauchen, um glücklich zu sein. Schüler*innen möchten wieder in die Schule, Arbeitnehmer*innen im Home Office wieder zurück an den Arbeitsplatz.

Wir brauchen andere Menschen – mehr als alles andere. Kolleg*innen, Freunde, Familie. Daran ändern weder Fortschritt noch Digitalisierung etwas. Deshalb schmerzt es, genau überlegen zu müssen, wen wir treffen können und wen besser nicht. Auch an diesem Weihnachtsfest.

Ich wünsche Euch von Herzen, dass ihr einen guten Weg findet, Euch fern trotzdem nah sein zu können. Und ich freue mich auf ein neues Jahr, das zumindest eine leise Hoffnung darauf zulässt, dass ein „mehr“ irgendwann wieder möglich sein wird.

Haltet durch & bleibt gesund!

Eure Ella

P.S.: Ein tolles Last minute Überraschungsgeschenk lässt sich vielleicht bei https://www.sofaconcerts.org/de/ buchen. Ein kleines Konzert oder eine musikalische Videobotschaft. Oder wer einfach so Künstler*innen unterstützen möchte, kann das hier https://www.initiative-musik.de/spende/ tun.

Übrigens: Angeblich gab es die letzten 100 Jahre nur sechsmal weiße Weihnachten. Vielleicht muss man da ein bisschen nachhelfen…wäre doch gelacht!

Ein schöner Zeitvertreib

Die Kulturschaffenden hat der erneute Lockdown besonders hart getroffen. Und dennoch oder gerade deswegen finden sie viele neue Wege, sich auszudrücken, denn das ist nun mal ein Grundbedürfnis eines/r Künstlers/in. So lohnt es sich, an einem der vielen freien vor uns liegenden Abenden mal durch die ein oder andere Seite der Theater zu surfen.

Als Nürnbergerin darf natürlich unser Staatstheater nicht fehlen. Unter https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/ gibt es sehr abwechslungsreiche, kurzweilige Beiträge. Von Interviews mit Goyo Monteros Ensemble über die Produktion „Peter und der Wolf“ (meet the artist https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/meet-the-artist-oscar-alonso-in-ueber-den-wolf) über die Lesung „Kleiner Scherz“ von Anton Tschechow ( https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/weihnachtslesung-ein-scherz ), das musikalische Hörspiel für Kinder „Jonas kleine Oma“(https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/jonas-kleine-oma) oder das Einweihen in Bühnengeheimnisse („Wie man auf der Bühne kotzt“ (https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/wenn-mal-wieder-alles-zum-kotzen-ist), es ist wirklich für jede/n etwas dabei.

Besonders gut gefallen hat mir auch Vera Mohrs Song „Fest der Liebe“:

https://fundus.staatstheater-nuernberg.de/detail/songs-poetry-online-special-3-juni-ausgabe

Auch das https://www.residenztheater.de/ in München bietet tolle Formate. Vom „Tagebuch eines geschlossenen Theaters“, über „Resi liest“ https://www.residenztheater.de/resi-liest, in der die Bücher «DIE SOMMER» VON Ronya Othmann und «ANNETTE, EIN HELDINNENEPOS» von Anne Weber von Ensemblemitgliedern gelesen werden. Die Zoomangebote sind leider bereits ausverkauft, wenn ich das richtig gesehen habe.

Wem das alles nicht langt und wer sich nach echter Bühnenluft sehnt, der kann per Stream beispielsweise am 17.12.20 bei der Vorstellung „Einfach das Ende der Welt“ des Schauspiels Zürich dabei sein. https://www.schauspielhaus.ch/de/kalender/2378/einfach-das-ende-der-welt/19572 Denn die Schweizer dürfen (momentan) noch vor 50 Zuschauer*innen spielen.

Ich wünsche Euch viel Spaß bei ein bisschen Kultur in Coronazeiten!

Traurige Berühmtheit

Die meisten Menschen kennen Nürnberg ja aufgrund seines Christkindlesmarkt (war einmal), der Bratwürstchen (Drei im Weckla) oder seiner Vergangenheit als Nazihochburg (zum Glück schon lange her). Oder aber von der Verkündung der Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit in den Nachrichten. Vergesst das alles. Wir sind jetzt Corona Hotspot. Was die Nürnberger anders machen als beispielsweise die Bayreuther mit ihren erfreulich niedrigen Fallzahlen, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich weiß jedenfalls nichts von heimlichen Raves in alten Bunkern oder finsteren Wäldern, aber ich bin da ja auch altersmäßig irgendwie raus.

Meine Strategie zu steigenden Fallzahlen: ich versuche das Thema, wo es mir möglich ist, auszublenden. Und stelle fest – es tut mir gut. Das erste Mal in meinem Leben kann ich Menschen verstehen, die ganz bewusst keine Nachrichten sehen. Nach monatelanger Informationsüberflutung glaube ich zu wissen, was es im Umgang mit Covid 19 zu beachten gibt. Dafür brauche ich kein tägliches Update, keine aktualisierten Todesfälle, Infektionszahlen und Inzidenzwerte. Wirklich wichtige Neuigkeiten erfahre ich sowieso, ich lebe schließlich nicht auf dem Mond. Es hilft mir jedenfalls, nicht zu viel über das Ganze nachdenken, das schlägt mir nämlich schon ein wenig auf den Magen, von der gebeutelten Psyche mal ganz abgesehen.

Beispielsweise, dass die geltenden Corona Maßnahmen zugunsten des Konsums getroffen wurden, ist zwar unter wirtschaftlichen Aspekten durchaus verständlich (irgendeiner muss ja das Geld ranschaffen) und es freut mich vor allem für die kleinen Einzelhändler, aber auch ein Zeichen unserer (krankenden) Zeit. Konsum vor Kultur. Klar, es gibt Menschen, die Shoppen glücklich macht. Dieses Gefühl ist leider meist nicht sonderlich nachhaltig, sondern beschert nur ein kurzes High. Und man darf in Nürnberg ja auch nur noch mit triftigem Grund & zielgerichtet Weihnachtseinkäufe tätigen. Also nichts da, Bummeln und Glühwein. Das wäre ja auch schon wieder viel zu kommunikativ. Und davon können die Menschen ja nicht genug bekommen und schlagen dann gleich wieder über die Stränge (Knecht Markus, wo ist die Rute?). Ich kenne so einige Museen, die sich freuen würden, wenn über einen Tag verteilt so viele Besucher kämen, wie mir in 10 Minuten im Shoppingcenter über den Weg laufen. Das verstehe ich zum Beispiel nicht. Zum Glück sind sie ja wenigstens mit den Bibliotheken in Bayern wieder zurückgerudert. Das hat ja auch keiner verstanden, warum die wieder schließen sollten.

Und wo sind eigentlich die Auswertungen über Ansteckungswege? Muss man den Kindern und Jugendlichen wirklich die Möglichkeit nehmen, mit ihren Vereinen draußen Sport zu machen – unter Einhaltung von Abstandsregeln und mit Hygienekonzept? Das ist wirklich nicht gut, wenn ein testosterongesteuertes Pubertier kein Ventil für seine unbändige Energie hat. Wenn ich Bundeskanzlerin wäre, würde ich versuchen, von wenigstens 1000 der inzwischen über 1 Millionen Genesenen herauszufinden, wo sie sich angesteckt haben könnten, um zur Abwechslung auch mal Situationen ausschließen oder vernachlässigen zu können. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich in einem Restaurant mit neuer superteurer Luftfilteranlage und Hygienekonzept anzustecken? Könnte es für seine Bemühungen vielleicht eine Ausnahmegenehmigung bekommen? Ja, das Problem mit den Ausnahmen, dann wird alles so furchtbar kompliziert. Aber bei unserem Steuersystem stört das ja auch niemanden wirklich, zumindest wurde es nie nach Merzscher Bierdeckelart abgeändert (Ob er den Vorschlag nochmal als neuer CDU-Chef einbringen wird?). Vielleicht könnte man dann ein paar Maßnahmen besser nachvollziehen und frohen Herzens mittragen.

Das frohe Herz ist bei den meisten hier sowieso dahin, alle paar Tage eine neue Quarantänemaßnahme bei irgendeinem Schulkind- allein daran merkt man die höheren Fallzahlen, auch ohne jeglichen Faktencheck. Dass der Wohnsitz von uns Markus jetzt ein Corona Hotspot ist, könnte einen ja fast mit Schadenfreude erfüllen, wäre die Lage nicht so ernst. Aber es bleibt natürlich zu befürchten, dass der Klassenprimus sein Ungenügend wieder ausmerzen(!) möchte und sich in nächster Zeit noch mal ordentlich ins Zeug legt. Vielleicht sollte er es statt mit der Rute mal mit ein paar schlüssigeren Maßnahmen versuchen, dann klappt es vielleicht auch mit den lieben Mitbürgern und Mitbürgerinnen etwas harmonischer. Ist ja Weihnachtszeit, gell.

Die Diskussion über den Präsenzunterricht

Meine aktuellen Gedanken zu diesem Thema: 

Mich nervt eigentlich allein dieses Wort „Präsenzunterricht“ schon sehr. Es gibt bei uns in Deutschland ja eine Schulpflicht, und diese auch aus gutem Grund und nicht aus Willkür. Es geht eben gerade nicht darum, nur bestimmten Stoff, bestimmtes Wissen, wie man es auch im Privatunterricht, der etwa in anderen Staaten erlaubt ist, zu vermitteln. Es geht darum, Kinder in ein soziales Gefüge zu bringen, zu lernen miteinander auszukommen. Dinge mehrdimensional beizubringen, Sinne zu entwickeln und zu schärfen, andere und anderes zu sehen, zu erleben sich damit auseinanderzusetzen und in Einklang zubringen in einer mehrdimensionalen Welt. Das ist es, was wir im Leben lernen müssen, das ist es, was unsere Kinder, als die zukünftigen Gestalter der Welt in der Realität erfahren müssen. Gerade in dieser Zeit, in der sie sich über PC und Handy mit Facebook und What’s App nicht mehr mit direkten Reaktionen und sichtbaren Emotionen auseinandersetzen müssen und diese auch nicht mehr zum Ausdruck bringen können, fällt dies nun auch noch in der Schule immer mehr weg. Die Präsenz IST der Unterricht, es geht bei der Schule eben nicht nur um die Wissensvermittlung! 

Es gibt mittlerweile so viele Studien, die zeigen, dass von Kindern und Schulen keine größere Gefahren in der Virenverbreitung ausgehen. Warum nennt man jetzt bei Schulen immer die Zahl der in Quarantäne befindlichen Schüler, sie gibt ja überhaupt keine Auskunft über die tatsächlich positiven Covid-Fälle (weil ja zudem überall komplett unterschiedlich in Quarantäne geschickt wird)? Im Gegenteil, die Schüler dürfen sich ja oft noch nicht einmal testen lassen – letztendlich will man die Ansteckungsgefahr hier scheinbar gar nicht mit Daten belegen.

Ich denke, viele Schulen haben gute Konzepte entwickelt, die den Unterricht in einer Klassengemeinschaft möglich machen. Natürlich wird es immer Covid19-Fälle geben, wir werden weder die Schulen, noch die Gesellschaft krankheitsfrei halten können. Auch Krankheiten gehören zum Leben und einer Gesellschaft dazu und damit muss man umgehen. Natürlich soll man sich und andere möglichst schützen und versuchen zu heilen. Aber es gibt dafür keine Sicherheit und die gab es noch nie. Unseren Kindern zu vermitteln, sie seien ein Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft, das ist tatsächlich eine Gefahr, die uns nicht nur begleiten wird bis ein Impfstoff da ist, sondern noch weit in die Zukunft.

Corona und der Präsenzunterricht

Wenn es nach mir geht, sollen meine Kinder jeden Tag ganz normal in die Schule gehen. Wie früher eben. Dann muss ich nicht am Homeschooling verzweifeln, es gibt klare Strukturen und ich habe auch mal ein bisschen Zeit für mich. Befragt man meine Kinder, sieht das ganz anders aus. Sie präferieren ganz klar das Wechselmodell und das mit einer äußert simplen, wie schlüssigen Argumentation:

„Was macht es für einen Sinn, die privaten Kontakte auf zwei Haushalte zu begrenzen, wenn im Klassenzimmer 27 ( das eine Kind ) beziehungsweise 32 Mitglieder (das andere Kind) verschiedener Haushalte auf engstem Raum zusammenkommen?“

Tja, wo sie Recht haben, haben sie Recht, ob es mir passt oder nicht.

Auf Anraten von Kinderärzten und Psychologen, aber auch um Kinder nicht weiter abzuhängen, halten die Minister gerade fast krampfhaft am Präsenzunterricht fest. Leider fehlen immer noch kreative und gut durchdachte Lösungen auf breiter Front. Zumindest an Schulen, an denen ein Großteil der Kinder zuhause gute Bedingungen hat, um online zu arbeiten, könnte man das Wechselmodell durchführen. Für die Kinder mit schlechten Bedingungen könnte man zusätzliche Räume anmieten oder ungenutzte Turnhallen umrüsten, um gut ausgestattete Arbeitsplätze einzurichten. Die Betreuung könnten Tutor*innen oder Student*innen übernehmen, die das im Vergleich mit so manchen Eltern bestimmt besser hinbekommen würden und sowieso gerade auf Jobsuche sind, weil sie nicht mehr in der Gastronomie jobben können. Vielleicht könnte man es einzelnen Schüler*innen auch ermöglichen, durchgängig am Präsenzunterricht teilzunehmen, wenn es zuhause schwierig ist. Oder wäre das dann wegen ungleicher Bedingungen für manche Eltern etwa ein Grund, vor Gericht zu ziehen? Ich weiß schon, ganz so einfach ist das alles nicht. An der Schule eines meiner Kinder wurde schon kurz nach Schulbeginn alles für den Unterricht in geteilten Gruppen vorbereitet, die Kinder sollten in einer Woche Montag, Mittwoch und Freitag Unterricht haben, in der anderen Dienstag und Donnerstag, ein Modell, das ich besser finde als den wöchentlichen Wechsel, weil die Schüler*innen nicht so ganz rauskommen und mehr Struktur gegeben ist. Das Versorgen mit Unterrichtsmaterialien für die Woche ohne Präsenzunterricht in den einzelnen Fächern sollte theoretisch recht einfach zu überschauen sein, die Lehrkräfte könnten direkt Arbeitsblätter und Aufgaben für die nächste Woche mit nach Hause geben. Naja, jetzt bleibt erstmal alles, wie es ist.

Wie gesagt, ich bin ja froh darüber. Sollten aber die Corona Maßnahmen weiter verschärft werden und mir meine gelegentlichen Spaziergänge an frischer Luft und mit Abstand, abwechselnd mit verschiedenen Freundinnen, auch noch genommen werden, weil man über Wochen nur noch zwei Menschen aus genau einem anderen Haushalt treffen dürfte, dann würde mir auch das Verständnis für das unterschiedliche Maß fehlen. Nächste Woche wissen wir mehr. Und bis dahin genieße ich noch jeden regulären Schultag.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Bonmot des Dichters Otto Julius Bierbaum (1865–1910)

Ich finde, es erfordert wirklich viel Energie in diesen von einem kleinen, fiesen Virus bestimmten Zeiten, nicht durchzudrehen und positiv zu bleiben. Die ständige Ungewissheit, die Unplanbarkeit, finanzielle Sorgen, Ängste um Angehörige – es zehrt. Und dann auch noch 139% der normalen Niederschlagsmenge im Oktober und der bevorstehende Winter, das macht es alles nicht besser. Ich habe das Glück, mich zu den psychisch stabilen Menschen zählen zu dürfen, mit einem verlässlichen Netz aus Familie und Freunden, ( die ich allerdings ja nur sehr beschränkt sehen darf, wobei wir wieder bei der Sorge wären, der, jemanden anstecken zu können, der Sorge um die, die sich bereits angesteckt haben und der, selbst zu erkranken) und empfinde es dennoch als Herausforderung, mir nicht die Leichtigkeit des Lebens nehmen zu lassen. Aber keine Sorge (da ist dieses aufdringliche Wort schon wieder), wie mein Vater schon immer sagte, Unkraut vergeht nicht und dieser Gruppe fühle ich mich absolut zugehörig. Ich komme da durch, wenn ich diese Zeit auch mit Sicherheit nicht die beste meines Lebens nennen würde. Aber ich sorge(!) mich um die, die kein Netz haben oder trotz allem keine Perspektive mehr für sich sehen. Auf die müssen wir in den nächsten Monaten besonders Acht geben.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht, ich bin ja ganz dicke mit dem Galgenhumor und deshalb an dieser Stelle etwas vielleicht Aufheiterndes, was ich schon länger mal posten wollte…

Woran merkt man, dass man unwiderruflich älter wird?

…wenn man sich seine Brille ganz weit auf die Nasenspitze schieben muss, um besser lesen zu können.

…wenn man zum Geburtstag immer öfter Pralinen geschenkt bekommt.

… wenn das Pärchen in der Fernsehshow, welches das Kind als älteres Ehepaar tituliert, etwa fünf Jahre jünger ist als man selbst.

In diesem Sinne, haltet durch!

Alles Liebe,

Ella

Trübe Aussichten

Gerade war ich, wie üblicherweise am Samstagvormittag, auf dem Wochenmarkt. Und ich werde es bestimmt so schnell nicht wieder tun, denn es war schlicht und ergreifend demütigend und grauenhaft. Binnen Sekunden verwandelte ich mich in ein altes, buckliges Mütterchen aus den Märchen der Gebrüder Grimm und auch der Verkäuferin schien diese Verwandlung nicht entgangen zu sein, denn sie behandelte mich auf eine derart bemühte und zuvorkommende Art und Weise, wie sie mir gemäß meines tatsächlichen Alters auf keinen Fall zugestanden hätte. Sie legte mir die Waren in meine Tasche, nahm mir vorsichtig aus den Händen, was ich ihr reichte, es war ein fast liebevolles Geben und Nehmen. Grund für ihre Besorgnis und meine Mühen war mein schlagartiges Erblinden, das mich vollkommen überforderte und überhaupt nicht mehr aufhörte. Bei 6° Celsius Umgebungstemperatur führte das Tragen meiner Maske nämlich zu einem so starken, kontinuierlichen Beschlagen meiner Brille, dass ich schlichtweg nichts mehr sehen konnte. In verzweifelten Hoch- und Runterschieben meiner Brille und dem Annähern meines Kopfes zur Ware herab (daher das Bucklige), versuchte ich wieder Herrin der Lage zu werden, versuchte panisch, zu erkennen, was ich erwerben wollte und die richtige Menge zu beurteilen. Ich muss vielleicht nicht weiter berichten. Wie eine geprügelte Hündin machte ich mich mit meinem Einkauf von dannen.

Jetzt beim Schreiben erscheint es klar, die einfachste Lösung wäre vermutlich gewesen, die Maske unter die Nase zu schieben, wie es so viele tun. Aber als auf meine Mitmenschen bedachte Bürgerin war mir dieser Gedanke gar nicht gekommen. Und eine nachhaltige Lösung für die zahlreichen Situationen, die in den nächsten Monaten auf uns Brillenträger*innen zukommen werden, ist das natürlich auch nicht. Wir sind es ja von jeher gewohnt, mit zahlreichen Unannehmlichkeiten zu leben, wie eben in der kalten Jahreszeit dem Beschlagen der Brille, wenn wir geheizte Innenräume betreten. Die Maske potenziert diesen Effekt leider um ein Vielfaches durch die permanent nachströmende Atemluft.

Es wäre also ein geeigneter Zeitpunkt, sich endlich die lang ersehnte Laseroperation zu gönnen, könnte man sie sich leisten und würde sie in fortgeschrittenem Alter noch Sinn machen. Und wohl denen, die auf Kontaktlinsen umsteigen können. Alle anderen sind in den nächsten Monaten auf das Wohlwollen und Verständnis ihrer Mitmenschen angewiesen, die ihnen dann saisonbedingt bitte auch den Einkauf auf dem Wochenmarkt abnehmen sollten. Sollten Sie Sehende jemandem begegnen, der so plötzlich erblindet irgendwo in der Gegend herumsteht, scheuen Sie sich bitte nicht, ihm den Weg zu weisen, er wird es Ihnen danken.

Haltet durch, meine Brillenschlangenschwestern und -brüder. Ihr seid nicht allein.

Der Mann aus dem Mainstream

Auch, wenn es einige von Euch vielleicht schon ( in Auszügen) gesehen oder davon gelesen haben, es lohnt sich, dem Kabarettisten Florian Schroeder zuzuhören, wie er auf mutige, intelligente und sachliche Weise die Auseinandersetzung mit den Teilnehmer*innen einer Anti-Corona-Demo in Stuttgart sucht. Respekt!

Covid-19 und die Sache mit der Toleranz

Im Gegensatz zu vielen Menschen, die Corona nicht mehr als ernstzunehmende Gefahr ansehen und ihr Leben wieder ziemlich frei genießen, beschäftigt mich dieses Virus jeden Tag aufs Neue. Jedes Mal dann nämlich, wenn ich wieder in mich hineinhöre, um zu überprüfen, dass da auch wirklich nichts kratzt oder läuft und ich gesund bin. Ich muss nämlich jeden Arbeitstag wieder die Entscheidung treffen, ob ich es verantworten kann, anderen Menschen sehr nahe zu kommen. Ich bin hauptberuflich selbständige Visagistin und mit dem Schutz ist es da so eine Sache. Zumindest die Person, die ich schminke, trägt keinen Mundschutz. Natürlich versuche ich alles zu tun, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Ich sitze bevorzugt am geöffneten Fenster, desinfiziere und wasche mir die Hände ständig, reinige alle Arbeitsmaterialen penibel. Was das hilft, wenn man sich den ganzen Tag wiederholt so nahe ist, sei dahingestellt. Wenn ich arbeite, bin ich immer wieder mit unterschiedlichen Teams zusammen, das heißt, der Personenkreis, mit dem ich beruflich zusammentreffe, ist relativ groß.

Warum ich das alles erzähle? All das sind die Gründe, warum ich im Privatleben immer noch größere Menschenmengen und Innenräume vermeide, weil ich das Risiko einer Infektion, aber auch nur den möglichen Kontakt zu einer infizierten Person, so gering wie möglich halten möchte. Denn Quarantäne bedeutet für mich auch, dass ich kein Geld mehr verdienen kann. Ich kann auf kein Homeoffice ausweichen. Eine Bekannte gab mir den scheinbar wohl gemeinten Tipp, ich müsse mich ja bei einem Verdacht nicht testen lassen. Im Ernst? Das ist für mich absolut unverantwortlich, wissentlich das Risiko einzugehen, das Virus in ein Studio, eine Firma oder gar ein Krankenhaus einzuschleppen, nur um weiter arbeiten gehen zu können. Mit dem Risiko, dass jemand wegen meinem Fehlverhalten sterben könnte.

Es gibt ja viel Wissen und Unwissen, Theorien und Verschwörungstheorien rund um Corona und auch ich habe keine Ahnung, was es wirklich mit diesem Virus auf sich hat. Es scheint aber, nach allem, was man von bislang aufgetretenen Ausbrüchen weiß, etwas an der Verbreitung durch Aerosole dran zu sein. Verbreitet wurde Corona beim Feiern in Innenräumen, bei Gottesdiensten und Chorgesang. Deshalb treffe ich mich mit Freunden und Familie noch immer am liebsten im Freien, im Augenblick geht das ja wunderbar, wie ich es im Herbst und Winter handhaben werde, muss ich dann neu entscheiden, wenn es soweit ist.

Jeder darf selbst entscheiden, wie er mit den Verhaltensmaßnahmen umgehen möchte und ich habe wirklich Verständnis dafür, wenn Arbeitnehmer, die mit den immer gleichen Kollegen auf Abstand in einem Büro sitzen oder teilweise sogar noch immer im Homeoffice arbeiten, diese großzügig auslegen und die Zeit, in der es wenig bekannte Neuinfektionen gibt, dazu nutzen, sich mit Freuden zu treffen und auch drinnen zu feiern und das Leben zu genießen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass ich mich nicht jedes Mal erklären muss und mir Unverständnis begegnet, dass ich mich nicht locker mache. Das kann ich leider nicht, denn bei allen Reihentests, die gemacht werden, sei es bei Sportlern, in Altenheimen oder Kindergärten, gibt es leider immer wieder Infizierte, die keinerlei Symptome hatten. Und solange das so ist, kann ich nicht so tun, als würde mich das alles nichts angehen. Und dafür wünsche ich mir einfach mehr Toleranz und Offenheit.