So eindrücklich wie dieses Jahr hat sich der Klimawandel in Deutschland noch nie gezeigt. Er ist angekommen, direkt vor unserer Haustür. Wer sich vor einigen Jahren noch blauäugig ignorant der Vorstellung hingab, ein paar Grad mehr gäben fantastische Sommer, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Wem taugt der heißeste Sommer, wenn man sich nicht mehr im kühlen Nass erfrischen kann? Bereits im Juni durfte ich im aufgeheizten Rothsee die leidvolle Bekanntschaft mit Zerkarien machen. Die winzigen Larven dieses Saugwurms befallen eigentlich Wasservögel (daher der umgangssprachliche Name des juckenden Hautausschlags „Entendermatitis“), probieren es aber leider auch mal beim Menschen. Erst mit cortisonhaltiger Salbe heilten meine fiesen Quaddeln nach einigen Tagen langsam ab. Als mögliche Ursache wären aber auch Sandflöhe, Grasmilben und Eichenprozessionsspinner in Frage gekommen, die alle in diesem Jahr plageartig auftreten und zahlreiche Beschwerden verursachen. Kaum eine Eiche, die in Nürnberg nicht mit einem Warnhinweis versehen ist und wehe dem, der einen betroffenen Baum im Garten hat.
Wer die Flucht ans Meer erwägt, muss auch dort mit unliebsamen Begegnungen rechnen. Dort sind es Bakterien, Vibrionen, die in Salz- und Brackwasser über 20° zu finden sind und bestenfalls zu Übelkeit und Erbrechen, bei immungeschwächten Menschen aber auch zum Tod führen können. Mit offenen Wunden sollte man keinesfalls ins Wasser, denn die Vibrionen haben dort leichtes Spiel und können Entzündungen verursachen bis hin zur Blutvergiftung. Bei Kindern kommt es vor allem zu Ohrenentzündungen. Was für ein riesengroßer Bullshit, oder?
Nach der Hitze kamen dann die Unwetter, die zahlreiche Bäume zum Umstürzen brachten, vor allem in Parks, wo sie dem Wind schutzlos ausgeliefert sind. Ein Bild des Grauens am Morgen danach, wie beispielsweise im Nürnberger Marienbergpark. Natürlich haben einige der mächtigen Bäume ihre natürliche Lebenszeit erreicht, nach dem Krieg auf Schutt gepflanzte Flachwurzler, aber die meisten hätten vielleicht noch ein paar Jahre vor sich gehabt.
Die „Fridays for Future“ – Bewegung entstand bereits vor acht Jahren – 2018. 2026 sollten die Auswirkungen des Klimawandels und die Notwendigkeit, zu handeln, anschaulich bei allen Deutschen angekommen sein. Könnte man meinen. Aber die Politik tut noch immer so, als sei es wichtiger, die Wirtschaft zu fördern, als Maßnahmen zu ergreifen, die Erderwärmung zu verlangsamen. Klimaziele werden nach wie vor vertagt und zurückgenommen. Das macht mich sauer. Die Kosten, die Unwetter, Überschwemmungen und Hitzeperioden verursachen werden, werden jede noch so freigebige Fördermaßnahme weit übersteigen. Und dass im Zusammenhang mit dem allgegenwärtigen Einsatz von KI nicht zeitgleich über Energie- und Wasserverbrauch diskutiert wird, ärgert mich am meisten. Bereits jetzt gibt es eine Konkurrenz zwischen Kommunen, Industrie, Landwirtschaft und Privathaushalten, wer das kostbare kühlende Nass in Hitzeperioden bekommen soll. Ich finde die Versorgung von Krankenhäusern weitaus wichtiger als das Kühlen von Rechenzentren. Wir rennen im globalen Wettbewerb genau wie bei der Digitalisierung kopflos hinterher, anstatt darüber nachzudenken, wo der Einsatz von KI tatsächlich sinnvoll ist und wo wir uns vielleicht unnötig abhängig machen und knappe Ressourcen verschwenden.
Es macht mich unendlich traurig, wie schnell sich dieser Wandel vollzieht, wie sehr wir diese Erde ausgebeutet haben und weiter ausbeuten. Wie ignorant und gefühllos wir Menschen sind. Und welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen. Sommer in Deutschland.



Der Glaube an das Gute in dieser Welt und in der Politik im Speziellen wird einem ja häufig schwer gemacht. Dass sich Hubertus Heil, SPD, Minister für Arbeit und Soziales, und Entwicklungsminister Gerd Müller, CSU, dafür einsetzen, ein Lieferkettengesetz für die Wirtschaft durchzusetzen, ist da ein echter Lichtblick. Dies wäre ein so wichtiges Zeichen, dass es uns nicht egal ist, dass wir auf Kosten anderer leben, sondern Verantwortung dafür übernehmen, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in aller Welt, die für uns und unseren Wohlstand schuften, zu verbessern und internationalen Standards anzupassen.
Ich fühle mich ja durchaus boarisch, auch wenn ich von Grund auf Fränkin bin und beides zeitgleich eigentlich nicht geht. Das ist wie Köln und Düsseldorf, entweder oder. Aber als Kind preußischer Eltern bin ich wohl doch zu kosmopolitisch erzogen, um das so genau zu nehmen. Mit was ich in Bayern aber echt nicht klar komme, sind seine Ministerpräsidenten. Da war dieser rotgesichtige Grantler Strauß, als ich zur Welt kam und der mir gleich völlig suspekt war. Zur Amtszeit Max Streibls war ich mit anderem beschäftigt, wunderte mich dann aber schwer über unseren nach Worten ringenden Edmund. Tja, der Günther hatte ja nur ein kurzes und eher blasses Gastspiel und dann kam schließlich uns Horst, der jede Woche mit Inbrunst Neues und Gegensätzliches verkündet und eigentlich besser schweigen sollte. Er trägt den Geist des königlichen Bayerns nach Berlin. Und jetzt kommt auch noch Markus daher und will mitspielen. Den habe ich ja schon ganz lieb. Ich habe letztens eine Karikatur über den Wahlkampf zwischen Hillu und Trump gesehen, die deren Wahl mit der zwischen Pest und Cholera verglich. So weit würde ich in diesem Fall vielleicht nicht gehen. Aber den Vergleich mit der Wahl zwischen Herpes und Fußpilz fände ich durchaus treffend.