Jetzt ist aber auch mal gut.

Ich habe heute Nacht von Ebay Kleinanzeigen geträumt – ganz im Ernst. Es klingelte und eine Frau mit drei kleinen Kindern saß auf einmal bei mir im Flur. Ich entschuldigte mich, denn ich wusste gar nicht mehr, was ich ihr verkauft hatte. Hektisch verließ ich die Wohnung und ging in meine andere Wohnung im dritten Stock auf der gegenüberliegenden Seite der Straße (die ich in Wirklichkeit gar nicht habe) und sah mich hektisch um – nichts. Ich ging zurück und sagte, ich habe nichts und sie erwiderte, dann nähme sie auch die Puppenmöbel. Ich entschuldigte mich, die hätte ich inzwischen schon verkauft, nur ein Schaukelstuhl sei noch da. Wieder verließ ich die Wohnung, schwer grübelnd, was ich dieser armen Frau jetzt bieten konnte. Ich fand noch einen Einkaufsgutschein über 6,-€, den ich mitnahm. Als ich ihn ihr übergeben wollte, stellte ich fest, dass er bereits abgelaufen war. Die Situation war nicht zu lösen. Wie konnte es dazu kommen?

Wie so viele, habe ich in den letzten Monaten ausgemistet und versucht, zu Geld zu machen, was sich noch zu Geld machen ließ. Auf Ebay Kleinanzeigen. Im Idealfall lässt sich dort so ein Kauf innerhalb weniger Stunden zur Zufriedenheit beider Seiten abwickeln. Manchmal treibt das Ganze aber merkwürdige Blüten.

Ich stelle beispielsweise einen Artikel für 5,-€ rein, jemand antwortete:

 „Hallo, 3 eu ich kann bezahlen und morgen abholen. LG“

Ich versuche zu handeln und antworte, wie ich es auf dem Souk in Marrakesch gelernt habe:

„Für 4,-€ können Sie es haben.“

Antwort:

„Wo wohnen Sie?“

Ich schreibe meine Adresse und höre nie wieder etwas.

Gedanken des Misstrauens machen sich breit. Wollte die Frau etwa nur ausspionieren, wo ich wohne, weil sie denkt, wer einen Regenschutz für Schulränzen verkauft, bei dem ist noch mehr zu holen? Wird die Dame namens Nathalie etwa eines Tages bei mir einbrechen? Oder heißt sie in Wirklichkeit gar nicht so?

Das passiert öfter, der Deal ist klar und kommt trotzdem nie zustande. Während Kaufinteressenten scheinbar immer davon ausgehen, die Ware zum halben Preis zu bekommen, verschwindet das Interesse meist ganz schnell, wenn man darüber anderer Meinung ist. Manche Sachen will aber auch einfach kein Mensch haben, andere alle und man ärgert sich, dass man keinen höheren Preis gemacht hat.

Eine weitere sensible Phase des Geschäfts neben der Bekanntgabe der Adresse – die Bezahlung. Vorauskasse, PayPal, kann ich meinem Bieter trauen oder hat er oder sie Übles im Sinn? Alles, was ich jemals gelesen habe über die kriminelle Energie meiner Mitmenschen, bahnt sich den Weg aus dem Sumpf der Erinnerungen. Und welch Erleichterung, wenn es mal wieder geklappt hat und redliche Bürger brav ihren Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind, während ich die Ware sachgerecht verpackt zustelle.

Ob der Vertrauensvorschuss gelingt, hat nicht wenig mit dem Schriftwechsel zu tun.

„Hei gips den stuhl den noch“

konkurriert mit:

„Hallo, ich interessiere mich für den Stuhl. Ist er noch zu haben? Und könnte man morgen zum Abholen kommen? Mit freundlichen Grüßen ,***“

Also, Menschen, die Kenntnis über die korrekte Anrede, Höflichkeitsformeln und gelungene Konversation haben, genießen da durchaus Vorteile. Das mag sich nach Diskriminierung anhören, vielleicht ist es aber auch nur menschlich. Ich meine, ich möchte nicht wissen, wie ungelenk meine Anfrage in einer Sprache klänge, bei der ich nur über rudimentäre Kenntnisse verfügte. Auf jeden Fall würde ich es mit einer extra Portion Bitte und Danke versuchen, das geht vermutlich immer. Natürlich versuche ich, dem Schriftbild nicht allzu viel Bedeutung beizumessen, wirklich.

Also, was ich sagen will, ein Verkauf bei Ebay Kleinanzeigen ist immer ein Überraschungspaket. Und scheinbar täte es mir gut, mal ein Weilchen zu pausieren. Weil meine Träume – ganz ehrlich, sind wirklich Privatsache und da möchte ich weder Anna, noch J.T, Familie Buddel oder Vera und Tobi treffen.

Einen guten Start in die Woche wünscht Ella!

Vom Geben und Nehmen

Vom Geben und NehmenDas Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, für den Notfall Lebensmittel für mindestens 14 Tage zu bevorraten. Das sind pro Erwachsenem alleine 28l Getränke, 5kg Nudeln, Reis, Kartoffeln und Co. sowie je 5kg Obst und Gemüse, natürlich am Besten eingekocht oder anders konserviert, also ein Grund, sofort aufs Land zu ziehen, um auch die notwendigen Lagerräume zur Verfügung zu haben. „Prepper“ sind die Sorte von Menschen, die Gefallen an diesem Horten und Hamstern empfinden und ihre Vorbereitung auf den Ernstfall bis zur Perfektion treiben. Und dann bin da ich. Nicht, dass diese ganze Vorbereiterei keinen Sinn machen könnte, aber es widerspricht meinem mir sehr eigenen Bedürfnis nach Weniger zutiefst. Ich hasse Vorräte und ich hasse Zuviel, denn wir haben keinen Platz und ich kämpfe um ihn. Jeden Tag aufs Neue. Jedes Glas, das kaputt geht (außer natürlich den Lieblingsgläsern) erfüllt mich mit Freude, jedes leer gegessene Marmeladenglas macht mich froh. Jede ausgelesene Zeitung betrachte ich verzückt. Ich liebe es, auszusortieren, zu verschenken und aufzubrauchen. Raum. Meine Versuche wären allerdings von wesentlich mehr Erfolg gekrönt, hätte ich nicht so einen geliebten Horter zu Hause, der immer wieder ranschafft. Ich brauche auf, er kauft nach. Ich gebe weg, er schafft ran. So geht der kleine Yin & Yang Tanz und doch ist kein Weg richtig oder falsch. Während er eher dem Staatsauftrag zugeneigt ist, glaube ich an den Minimalismus, jedem das seine. Aber so ist die Liebe, ein ewiges Geben und Nehmen….