Kannst Du bitte mal die Spülmaschine ausräumen – von Kindern und Haushalt

Wie schafft ihr es, eure Kinder in Aufgaben des Haushalts einzubinden? Mit festen Wochenaufgaben? Nach Bedarf? Gar nicht?

Haushalt

Es gibt ja Kinder, die von alleine auf die Idee kommen, ihre Eltern gelegentlich mit einem 3-Gänge-Menue zu bekochen oder die liebevoll den Frühstückstisch am Wochenende decken. Unseren würde so etwas im Traum nicht einfallen und so passiert ohne Pflichten wenig bis gar nichts.

Also versuchen wir immer mal wieder was anderes. Mein Mann mag es spielerisch und präferiert eine Art Haushaltsspiel, bei dem Karten mit bestimmten Aufgaben gezogen werden können. Die Würfelzahl bestimmt die zu ziehende Karte und mit ein bisschen Glück erwischt man einen Joker, der einen dann wiederum von einer Aufgabe entbindet. Die verbleibenden Aufgaben werden dann an einer Tafel für den jeweiligen Wochentag eingetragen und müssen dann auch verrichtet werden. Ich empfinde es oft als sehr anstrengend, nach Schule, Sport, Hausaufgaben oder Kindergeburtstag noch dafür zu sorgen, dass diese Aufgaben erledigt werden.

Deshalb bevorzuge ich das Einfordern von Hilfe nach Bedarf und meiner Wahrnehmung nach ist die Bereitschaft meiner Kinder zur Mithilfe dann am größten, wenn ich signalisiere, dass ich sie wirklich brauche und es alleine nicht schaffe. Das funktioniert immer solange, bis das Verständnis für den Alltagsstress der Kinder dazu führt, dass wir diese Hilfe doch nicht einfordern und es rasch zu einem Verebben der Mitarbeit kommt.

Also wird ein neues Konzept erdacht. Diesmal habe ich alles zusammengeschrieben, was es an verschiedenen Aufgaben in unserem Haushalt so zu erledigen gibt, vom Waschbecken putzen bis zum Altglas wegbringen. Ich habe 30 verschiedene Aufgaben für 30 Tage nach freier Zeiteinteilung auf eine Liste gedruckt. Damit sich die Kinder nicht nur die Rosinen herauspicken, sondern auch mal unangenehme Aufgaben übernehmen, in der Hoffnung, vielleicht zukünftig etwas achtsamer zu sein. Diese Menge an Aufgaben hat dann erstmal meinen 9-Jährigen auf die Barrikaden getrieben. So viele Sachen auf einmal schienen ihm unerfüllbar. Die Lösung dieser Überforderung bestand darin, die Liste wegzuräumen und jeden Tag einen Vorschlag zu machen, was davon erledigt werden könnte. Das klang dann besser und hat bis dato ganz gut geklappt. Weiterführen möchte er diesen Modellversuch dennoch nicht. Mir hat er gefallen.

Ich bin mir sicher, dass wir noch so einiges ausprobieren, scheitern und wieder aufstehen werden. Denn es erfordert so schrecklich viel Disziplin von uns Eltern, durchzuhalten und einzufordern, anstatt es schnell selber zu machen. Ist ja sowieso nur eine Sache von so vielen, die wir täglich erledigen müssen. Aber davon wird es ja auch nicht besser.

Wie haltet ihr das zu Hause? Ich freue mich, wenn ihr mir schreibt. Ich persönlich bin übrigens keine ambitionierte Putzfee. Vielleicht ist das erblich?

 

 

 

 

Einfach entlastend.

Entlastend

Vor einiger Zeit besuchte uns eine gute Bekannte und wir empfingen sie in einem relativ ungeordneten Umfeld, was mich an diesem Tag definitiv nervte. Als ich mich für die Zustände entschuldigte, sagte sie diesen Satz, der mich seitdem nachhaltig beschäftigt:

„Ich finde das ganz wunderbar. Das ist so entlastend!“, und erzählte mir wiederum von einem Besuch bei einer Freundin, die sich in einem so perfekt inszenierten Ambiente präsentierte, dass sie sich völlig unzulänglich fühlte.

Aha. Das ist also meine Berufung. Ich entlaste andere Menschen mit meiner Unvollkommenheit. Ich finde mich da durchaus wieder. Beispielsweise bereite ich bei viel zu selten ausgesprochenen Essenseinladungen gerne mal Speisen zu, die ich zum ersten Mal koche, auch auf die Gefahr hin, dass sie nicht schmecken könnten. Ich weiß jetzt, ich muss mich nicht dafür schämen, wenn mal was daneben geht, denn es entlastet alle anderen auf wunderbare Weise, wenn ich schlechter koche als sie. Oder wenn es in der Familie mal wieder nicht rund läuft und ich damit nicht hinter dem Berg halte, mache ich andere damit glücklich. Es entlastet einfach, wenn auch woanders die Kacke am Dampfen ist. Und es stimmt doch tatsächlich. Habe ich einen kaputten Meniskus, kann ich mich damit trösten, wenn jemand anderes zwei kaputte Menisken hat. So schlimm ist es also gar nicht. Wir kennen so was doch alle und vermutlich ist nur so der Erfolg zahlreicher Reality Shows zu erklären. Die Zuschauer ergötzen sich daran, dass andere tieferbegabter, unattraktiver und peinlicher sind und noch weniger auf die Reihe kriegen als sie selbst.

Also verstehen kann ich das schon mit dem Entlasten, aber irgendwie schmeckt es trotzdem nach Versagen. Was vermutlich daran liegt, dass ich selbst das mich manchmal umgebende Chaos also ziemlich belastend empfinde. Aber so ist das mit den Waagschalen. Ansonsten komme ich mit meinen Unzulänglichkeiten meistens ganz gut klar und teile sie auch offenherzig mit meinen Freund(inn)en. Vielleicht verstehe ich jetzt etwas besser, warum sie mich so gern mögen.

Von kleinen Helfern und großen Verweigerern

In den frühen Lebensjahren eines Kindes gibt es ein Zeitfenster, in dem es alles selber machen will. Anziehen, Tisch decken, Spülmaschine ausräumen. Was wir Eltern ja an und für sich wünschenswert finden, stellt uns im durchgetakteten Alltag oft vor große Probleme. Aus Zeitmangel ( „Wir müssen jetzt aber wirklich los, sonst kommen wir zu spät in die Kita…zur Arbeit…zum Kinderturnen…zum Kindergeburtstag…zum Kinderarzt…zum Musikgarten usw..!“) oder aber aus Sorge um das Meissener Porzellan und/oder das Kindeswohl ( es könnte stolpern und sich an einer Scherbe schneiden! ), gewöhnen wir ihm dieses Bedürfnis oft schnell wieder ab. In der Pädagogik spricht man von „Entmutigen“. Das Kind zieht sich in die Passivität zurück und lässt sich künftig anziehen, seine Schuhe binden, den Teller hinstellen, kurzum: es lässt sich bedienen. Wird das Kind dann allmählich zum Teenager, müssen wir entsetzt feststellen, dass es sich überhaupt nicht im Haushalt engagiert und jede Aufforderung zur Mithilfe als Zumutung empfindet. Bemüht, das Versäumte nachzuholen, konstruieren wir Haushaltspläne und verzweifeln tagtäglich an der Aufgabe, erlernte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Tja, was soll ich sagen, selber schuld. Also, die, die ihr noch Kleinkinder habt, lasst es auf einen Versuch ankommen: Streicht ein paar Termine, lasst sie Teller und Gläser herunterschmeißen, was das Zeug hält, Schuhe verkehrt herum anziehen, zu spät kommen und die Küche beim Mithelfen verwüsten. Bezieht sie mit ins Leben ein und sie werden stolz ihre Aufgaben übernehmen. Wahrscheinlich. Zumindest vielleicht, bis sie Teenager sind. Und mal ehrlich, was sind dagegen ein paar kaputte Teller?