Abwarten und Tee trinken

Tasse Tee trinken-01Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, denen weder Schwiegereltern noch Eltern in die Erziehung reinreden. Dennoch hat mir mein Vater einst einen „goldenen“ Tipp gegeben: manchmal einfach ein bisschen abzuwarten. Das klingt vielleicht etwas simpel, doch versetzen wir uns in eine dieser Situationen, die wir alle kennen: das Kind soll seine Spielsachen wegräumen und sagt ganz klar nein, weil es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Die erregte Mutter möchte es aber sofort, weil doch gleich der Besuch kommt und es noch aussieht wie Sau. So, nun einfach weitermachen und der Eklat ist vorprogrammiert. Das Kind wehrt sich mit jedem „Räum` jetzt auf!“ vehementer, ( „Ich räume überhaupt nie mehr auf!!!“) und am Ende schreien beide, die Mutter räumt auf, das Kind weint und man öffnet süßlich lächelnd dem Besuch die Tür, obwohl man eigentlich lieber mitweinen und noch mal auf Start gehen würde. Jetzt aber der Trick mit dem Warten. Gleiche Situation. Mutter: „Kannst Du bitte Deine Spielsachen aufräumen, wir bekommen gleich Besuch.“ Kind: „Nein, ich kann jetzt nicht.“ Die Mutter geht nicht darauf ein, widmet sich letzten Vorbereitungen, kämmt sich vielleicht die Haare oder raucht noch heimlich eine Zigarette auf dem Balkon und was geschieht? Nach etwa 10 Minuten erscheint das Kind und verkündet, es habe zu Ende gespielt und würde jetzt aufräumen. Kein Scherz – habe ich so ähnlich erlebt. Kinder hassen Stress und sie hassen es, den Rhythmus anderer übergestülpt zu bekommen. Mögen wir ja auch nicht, sofort irgendwas machen zu sollen, wenn wir gerade unsere Lieblingsserie gucken. Jaja, ich weiß, es geht manchmal nicht anders, aber manchmal eben doch und dann ist alles viel einfacher. Manchmal muss man allerdings etwas länger warten, beispielsweise bei Geschmacksirritationen. Ich habe festgestellt, wenn ich Sachen, die meinem kleinen Kind aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund nicht gefallen, einfach ein paar Monate im Schrank liegen lasse, kann es sein, dass es sie irgendwann entdeckt und total dufte findet. Ehrlich – einfach abgewartet, Geld gespart. Und sogar so manche nervenaufreibende Entwicklungsphase lässt sich bisweilen aussitzen, wie mir einst der Vater von vier Kindern erzählte, dessen Jüngstes sich während seiner Pubertät bitterlich beschwerte, dass der Vater sich kein bisschen provozieren ließe. Aber dieser wusste ja schon, irgendwann ist es wieder vorbei. Wieso also aufregen? Tja und im Erwachsenenleben ist das große Abwarten sowieso eine wunderbare Sache. Bei Terminen, die ich schon Wochen vorher bekomme, beginne ich nicht mehr hektisch die Kinderbetreuung bis ins Letzte zu organisieren und eventuelle Engpässe zu lösen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Termin verschiebt oder ins Wasser fällt, liegt bei mindestens 25%. Also schone ich Ressourcen und freue mich, wenn sich meine Probleme von alleine lösen. Danke, Papa!

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Schneller Rat ist leicht zu haben

Man bekommt im Laufe seines Lebens ja viele Ratschläge – gute und schlechte, gefragt und ungefragt. Aber wenn man Kinder hat, scheint plötzlich jeder in deiner Umgebung Erziehungsspezialist zu sein und seinen reichen Wissensschatz kundtun zu müssen. Im besten Fall sind es Freunde oder Verwandte, die tatsächlich aus eigener Erfahrung sprechen. Ich selbst nehme mich davon nicht aus. Auch ich gebe meine Erfahrungen gerne und freigiebig an befreundete Mütter weiter. So hat zum Beispiel das „Schreien lassen“ bei meiner Tochter, die mit einem dreiviertel Jahr nachts immer öfter aufwachte und nicht einschlafen wollte, so schnell so gut funktioniert hat, dass ich diese Methode immer gerne weiterempfehle.

Besonders nervig sind die ungefragten und meist nicht sehr hilfreichen Ratschläge von völlig Fremden. Man muss nur mal mit schreiendem Baby in der U-Bahn fahren. „Das hat bestimmt Hunger“ sagen einem da Menschen, die man noch nie gesehen hat, mit vorwurfsvollem Gesicht! Danke auch, als ob es nicht auch andere Gründe gäbe, warum ein Baby schreien kann. Und wenn es tatsächlich Hunger hat, weiß die Mutter das am allerbesten und wartet nur darauf, schnell auszusteigen und nach Hause zu eilen um endlich stillen zu können.

Ein besonders skurriler Rat, den man tatsächlich von Fachleuten bekommt, ist Säuglingen, denen man ja noch nicht die Nägel schneiden soll, diese einzuspeicheln und abzukauen!!! Kann das wirklich wahr sein? Also mal abgesehen von dem Einspeicheln (wie lange soll ich denn da mit meinem bakterienverseuchten Speichel auf der kleinen Hand rumlutschen?) – wie soll das bitte funktionieren? Ein Zahn von mir ist doch schon mindesten fünfmal so groß wie so ein kleiner Nagel! Wie soll ich denn mit zwei von den Riesendingern das Mininägelchen überhaupt zu fassen kriegen geschweige denn zwei Millimeter davon abknabbern ohne dass ich das kleine Fingerchen annage!

Also an gutgemeinten Tipps mangelt es einem als Mutter sicher so gut wie nie. Oft möchte man diese tatsächlich auch, weil man mit kleinen Kindern immer wieder Situationen ausgesetzt ist, zu denen man keine passende Lösung findet. Aber häufig musste ich feststellen, dass selbst gute Ratschläge nicht immer funktionieren, weil Kinder oft einfach zu unterschiedlich sind. Worauf ein Kind anspringt, funktioniert bei dem anderen nicht. Oder es klappt zweimal, aber beim dritten Mal plötzlich nicht mehr. Letztendlich hilft wohl nur ausprobieren und deshalb sind die vielen Ratgeber da gar nicht so schlecht. Aber bitte nicht von Wildfremden – euren Rat will ich wirklich nicht hören!

Von kleinen Helfern und großen Verweigerern

In den frühen Lebensjahren eines Kindes gibt es ein Zeitfenster, in dem es alles selber machen will. Anziehen, Tisch decken, Spülmaschine ausräumen. Was wir Eltern ja an und für sich wünschenswert finden, stellt uns im durchgetakteten Alltag oft vor große Probleme. Aus Zeitmangel ( „Wir müssen jetzt aber wirklich los, sonst kommen wir zu spät in die Kita…zur Arbeit…zum Kinderturnen…zum Kindergeburtstag…zum Kinderarzt…zum Musikgarten usw..!“) oder aber aus Sorge um das Meissener Porzellan und/oder das Kindeswohl ( es könnte stolpern und sich an einer Scherbe schneiden! ), gewöhnen wir ihm dieses Bedürfnis oft schnell wieder ab. In der Pädagogik spricht man von „Entmutigen“. Das Kind zieht sich in die Passivität zurück und lässt sich künftig anziehen, seine Schuhe binden, den Teller hinstellen, kurzum: es lässt sich bedienen. Wird das Kind dann allmählich zum Teenager, müssen wir entsetzt feststellen, dass es sich überhaupt nicht im Haushalt engagiert und jede Aufforderung zur Mithilfe als Zumutung empfindet. Bemüht, das Versäumte nachzuholen, konstruieren wir Haushaltspläne und verzweifeln tagtäglich an der Aufgabe, erlernte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Tja, was soll ich sagen, selber schuld. Also, die, die ihr noch Kleinkinder habt, lasst es auf einen Versuch ankommen: Streicht ein paar Termine, lasst sie Teller und Gläser herunterschmeißen, was das Zeug hält, Schuhe verkehrt herum anziehen, zu spät kommen und die Küche beim Mithelfen verwüsten. Bezieht sie mit ins Leben ein und sie werden stolz ihre Aufgaben übernehmen. Wahrscheinlich. Zumindest vielleicht, bis sie Teenager sind. Und mal ehrlich, was sind dagegen ein paar kaputte Teller?

Untierchen

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Wimmelt es bei Euch zu Hause auch nur so vor ja,gleichs und nur nochs– diesen possierlichen Tierchen, denen die Unverwüstlichkeit einer Kakerlake eigen zu sein scheint? Die immer dann in Erscheinung treten, wenn ich mit einem Anliegen an meine Kinder herantrete. „Ja, gleich… ich muss nur noch….!“, kommen sie aus dem Kinderzimmer. Wie erschrak ich, als jüngst die beste Freundin meines Sohnes just das tat, was ich verlangte, kaum noch, dass ich den Satz ausgesprochen hatte. Eine Verhaltensweise, die jedoch, wie ich erfahren durfte, allein der Tatsache geschuldet war, dass es sich nicht um mein eigen Fleisch und Blut handelte und dass sich mein Sohn anderenorts genauso verhalte. Ein Trost? Ich weiß nicht. Lieber wäre mir ein probates Mittel, um diese kleinen Untierchen loszuwerden. Wo sie doch nicht mal vor meinem Schreibtisch haltmachen.