Die verflixten 15 Jahre

Die meisten Ehen wurden im vergangenen Jahr nach etwa 15 Jahren geschieden. Diese Statistik bestätigt leider den Eindruck, den ich in jüngster Zeit aus unserem Umfeld gewonnen habe – diese Lebensspanne scheint es in sich zu haben. Sind die Kleinen aus dem Gröbsten heraus, bleibt endlich wieder etwas Zeit, durch zu schnaufen. Zeit, darüber nachzudenken, was einem einmal wichtig war und scheinbar auch Zeit, die Aufmerksamkeit auf die Unzulänglichkeiten des Partners zu richten, anstatt die neue Freiheit zu zweit zu genießen. Wenn der reine Überlebensmodus der Kleinkinderzeit wieder auf Normalzeit schaltet, bekommen manche von uns deshalb einen ersten Einblick in die Abgründe der Ehe. Wenn wir frisch verliebt sind, ist es schier ein Ding des Unmöglichen, sich vorzustellen, wie aus solch einer bedingungslosen Zuneigung Argwohn und Missgunst manch älteren Ehepaares entstehen kann, von Partnern, die einander so gut kennen, wie kein anderer und sich genau deshalb so treffsicher mit feinen, aber gemeinen Spitzen attackieren können. Und auf einmal bemerken wir vielleicht, dass wir selbst nur noch gereizt und genervt sind und keine Lust mehr haben, den anderen an unserem Innersten teilhaben zu lassen. Zu viele Enttäuschungen, zu viel Funktionieren im Alltag. Wer sich in dieser heiklen Phase nicht mit den berühmten unüberbrückbaren Differenzen, dem Trennungsgrund Nummer eins, abfinden will, sollte sich mal wieder damit beschäftigen, warum er sich einmal verliebt hat. Waren es nicht genau diese Gegensätze, die einen zu Beginn der Beziehung so magisch angezogen haben? War es nicht einst toll, wenn seine Ruhe Sie geerdet hat? Warum nervt es dann jetzt nur noch, wenn er auf dem Sofa chillt? Anstatt toller gemeinsamer Erlebnisse, die man oft zu Gunsten der Kinder hintenanstellt, hat sich eine lange Liste von enttäuschten Erwartungen, Missachtung und Verletzungen angehäuft und drängt die Partner in den Rückzug. Das Elternsein erfordert Eigenschaften, die als Paar kaum eine Rolle gespielt haben: Voraussicht, Planung, Zeitmanagement, Effizienz und Multitasking, Eigenschaften, in denen sich Frauen in ihrem Perfektionismus förmlich überschlagen. Bei den Männern bleibt da oft das Gefühl, nicht zu genügen, wenn sie es anders machen. Aber wie lässt sich verhindern, irgendwann nur noch die Mängel des Partners wahrzunehmen, anstatt all die wunderbaren Eigenschaften, derentwegen man sich einst verliebt hat? Eigentlich wissen wir das ja alle. Sind die Eltern zufrieden, sind es auch die Kinder. Das heißt aber auch, sich Zeit füreinander zu nehmen. Ein gemeinsames Hobby. Wieder miteinander reden. Den anderen wieder wahrnehmen und achten. Das erfordert manchmal eine ganz schöne Umgewöhnung. Aber dann kann das auch wieder richtig gut werden.

Advertisements

Von der Sammelleidenschaft

Es gibt ja ganz klassische, eher etwas angestaubte, aber doch oder gerade deswegen gesellschaftlich akzeptierte Sammelleidenschaften, wie das Briefmarkensammeln oder das Sammeln von Merklin-Modelleisenbahnen. Eine Schreckensvision für jede Mutter eines bahnbegeisterten Sohnes, diesen mit Mitte dreißig immer noch mit leuchtenden Augen allein vor der Modellbahnanlage im Eisenbahnmuseum zu wähnen. Aber gut, auch solche muss es geben. Oder das Sammeln von Puppen oder Teddybären. Betritt man die Wohnung einer solchen meist weiblichen Sammlerin müssen Besucher generell ihren Kaffee im Stehen trinken, sind doch alle Sitzplätze bereits besetzt. Freude bereitet dem Sonntagsausflügler auch der Blick ins Fenster, denn auf dem Fenstersims tummeln sich an die tausend Püppchen jeder Größe und Haarfarbe, mit wenigem und üppigem Haar, einem oder zwei Augen, gleiches gilt übrigens auch für Arme und Beine, liebevoll umrahmt von einer Spitzengardine. Ja, so ist das. Ich für meinen Teil gehöre eher zu den anonymen Teesammlerinnen. Ich kann nicht anders. Jedes Mal nehme ich mir vor, erst mal einige der gut dreißig Sorten zu trinken, bevor ich wieder zugreife. Aber ich schaffe es nicht. Aber sie heißen ja auch so entzückend: “Tut Dir gut“, „Wonnemund“, „Schleckerließchen“ „Relax Dich fit“- da haben all die hoch dotierten Texter einen guten Job gemacht- jedenfalls falls es sich bei mir um eine repräsentative Zielgruppe handelt. Auch mein Mann ist eher ein Randgruppensammler- er kann nicht an „Italienischen Kräutern“ vorbei- und zwar an immer denselben. Sie könnten ja eines Tages ausgehen. Und so kauft er und kauft und jedes Mal, wenn ich denke, ich schaffe es, die Packungen auf zwei Stück zu reduzieren, stehen wieder vier da. Bei uns gibt es nur noch Italienische Kräuter-Gerichte, um der Flut Herr zu werden.

Da ist doch die Sammelleidenschaft des kleinen Kindes praktischer. Er kann an keinem Stecken vorbei. Jeder Ausflug in die Natur (das kann auch ein kleiner Grünstreifen zwischen zwei Fahrstreifen sein, wir sind da nicht wählerisch), verspricht Herzensglück. Es wird mitgeschleppt, was geht, vom Ästchen bis hin zum Baumstamm, alle müssen mit. Gott sei Dank haben wir einen Ofen, sonst lebten wir in einer Holzhütte.

Da wir die Lektion über die glückliche Partnerschaft gelernt haben, wissen wir, dass wir einander mit Toleranz begegnen sollten. So kochen wir uns ab und an einen Tee über dem Feuer und würzen ihn mit italienischen Kräutern. Augen zu und durch.