Corona, die Pubertät & das Fasten

Während die coronabedingten Ausgangsbeschränkungen bei manchen Menschen zu kreativen Höhenflügen führen, die fleißig in den sozialen Medien und Messangern geteilt werden und die ich von Ferne staunend beobachte, schwanen mir düstere Vorahnungen, welch Herausforderungen das Leben als zwanghaft vereinte Familie in den nächsten Wochen noch so mit sich bringen wird.

Gab es in Woche 1 der Schulschließungen noch eine gewisse Neugier und Aufgeregtheit, wie das homeschooling so funktionieren wird, ist an deren Stelle reine Ernüchterung getreten. Montag Morgen der Woche 2 Verweigerung auf allen Fronten. Wieso Kind 1 morgens überhaupt aufstehen solle, dass Kind 2 überhaupt nichts für die Schule machen werde und überhaupt. Dass ein sich in der Pubertät befindliches, mit natürlichen Fluchtreflexen vor seinen Eltern ausgestattetes Kind dazu verdammt ist, mit eben diesen in ständiger Überwachung unter einem Dach zu leben, grenzt an Körperverletzung. Wo es doch gerade Zeit mit der Peer Group verbringen sollte und nicht mit seinen Eltern.

Und auch das Kind, das am liebsten den ganzen Tag mit Freunden draußen Fußball spielt und die Schule sowieso nicht ausstehen kann, und das jetzt brav neben Mama sitzen muss, um konzentriert zu arbeiten, obwohl es unter totalem Bewegungsmangel leidet, ist zu bedauern. (Und erst die Mama, die das ertragen muss.)

Dann wären da noch die Eltern, die eigentlich froh sind, mal ein bisschen Zeit füreinander zu haben, bisweilen dennoch Fluchtreflexe verspüren bei dieser hoch dosierten Familien Quality time. Die sie jetzt mal locker die nächsten Wochen unterdrücken müssen, wollen sie nicht den täglichen Spaziergang immer weiter ausdehnen bis sie schließlich morgens das Haus verlassen und bei Sonnenuntergang heimkehren. Geht aber ja auch nur, wenn sie Opfer der wirtschaftlichen Situation sind und nichts mehr zu arbeiten haben. Was natürlich zu weiteren Spannungen führt. Also entweder mentaler Stress wegen home office mit gleichzeitiger Kinderbeschulung und Bespaßung oder wegen Existenzsorgen mit gleichzeitiger Kinderbeschulung und Bespaßung.

Also, ich möchte nicht jammern und die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Maßnahmen keineswegs anzweifeln, ich weise nur darauf hin, dass die familiäre Quarantäne so allerlei Sprengstoff birgt. Neben den positiven Aspekten des Zusammenrückens der Gesellschaft, dem fleißigen Telefonieren mit Freundeskreis und Verwandtschaft, wird in dieser Zeit wohl auch ab und an mal eine Bombe hochgehen. Zumal Corona bei uns mitten in der Fastenzeit eingeschlagen hat. Der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol macht das Nervenkostüm nicht unbedingt stabiler. Vielleicht sollte man seine Vorsätze vorsichtshalber über Bord werfen, ich schätze das erhöht die Wahrscheinlichkeit, zumindest was das Familienleben angeht, unbeschadet aus dieser Krise zu kommen. In diesem Sinne, bleibt gesund und zu Hause!

Eure Ella

 

10 Gedanken zu „Corona, die Pubertät & das Fasten

  1. natürlich ist es auch anstrengend aber: unsere Erfahrung ist: dass es bisher, sehr viel weniger anstrengend ist als gedacht. Und die Familie ist sehr viel mehr beieinander. Das ich abends statt zu lesen, nun dazu genötigt werde, mir doch auch mal GNTM und the voice kids anzuschauen. Geschenkt. Modern family war tatsächlich ein Gewinn. Wir essen dreimal am tag gemeinsam und wenn wir kein Trash TV schauen, machen wir Spieleabende. Ich bin nicht erholt, es ist anstrengend, aber es bringt auch etwas Neues was ich gern mit in die Zeit nach Covid19 mitnehmen würde.

    • Das ist toll, dass ihr das so gut hinbekommt. Diese Zeit bietet tatsächlich auch viele Chancen. Trotzdem finde ich den Spagat, für die unterschiedlichen Bedürfnisse einen gemeinsamen Nenner zu finden, anspruchsvoll. Ich wünsche euch weiterhin eine gute und wertvolle Zeit zusammen:-)

      • Danke. Also man bemerkt auch bei uns, dass die Kurve etwas nach unten geht. So lange genügend Schulaufgaben da sind ist alles gut, Sorgen bereiten mir die Ferien.

      • Ja, das wird spannend. Wir hören voneinander. Ich bin immer offen für Ideen und Anregungen und werde auch sicher noch mal von der Lage bei uns zu Hause berichten. Ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft und gute Nerven 🙂

    • Das machst du großartig. Ich verzichte jetzt seit fast einem Monat auf Süßigkeiten und das ist verdammt hart für mich. So eine Portion Serotonin ab und zu, macht schon einiges leichter…mal sehen, ob ich es nicht besser sein lasse.

      • Ich faste sonst immer, aber diesmal geht es für mich einfach nicht. Werde zu aggressiv und/oder depressiv sonst …
        Respekt, dass du das jetzt schon so lange durchgezogen hast!

  2. Klingt sehr vertraut! 🙂 Ein sonst sehr aktiver kleiner Junge und ein vor-pubertäres Mädchen bei mir zu Hause machen das home-schooling recht anspruchsvoll. Ich bin gerade total „auf“ Kaffee und Schokolade. Dafür schaffe ich es ganz gut das Laufe einzubauen. Dreimal in der Woche bin ich dann einfach eine Stunde draußen. Ich drücke uns allen die Daumen, dass die Situation sich nicht verschärft! Bleibt gesund!

    • Ja, das ist das größte Glück, dass wir zum Sporteln und Spazierengehen das Haus verlassen dürfen…das rettet mich auch. Alles Gute für Euch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s