Danke, Sonne!

Bei allen Schwierigkeiten, in denen wir gerade stecken, möchte ich anmerken, welch große Mühe sich das Wetter gerade gibt, uns bei Laune zu halten und Kraft zu spenden. Heute war wieder einer der zahlreichen Morgen in den letzten beiden Wochen, an dem mich kräftige Sonnenstrahlen direkt nach dem Aufwachen überaus freundlich begrüßt haben. Bei klirrender Kälte habe ich draußen ihre Kraft gespürt und tiefe Dankbarkeit empfunden. Welch Segen, man mag sich nicht vorstellen, welche Auswirkungen es hätte, wenn jetzt noch graue Nebelschwaden und Regen die zu Hause Isolierten umgeben würde. Die Sonne schenkt Hoffnung. Danke!

Morning Yoga

Guten Morgen!

In diesen Zeiten fit zu bleiben, erfordert ja etwas Selbstdisziplin. Ich habe jetzt für mich ein kurzes ( 18 Min.) Yoga-Video gefunden, nach dem ich mich gut gedehnt und trainiert fühle, das aber gemächlich genug ist, um es direkt nach meinem Kaffee zu absolvieren, später am Tag bekomme ich es nämlich nicht mehr gebacken. Es eignet sich für Menschen mit einer gewissen Grundbeweglichkeit.

Viele Fitness- und Yogastudios oder auch Vereine sind ja jetzt mit Kursen online gegangen und ich freue mich sehr, dass mein Studio 3 dabei ist. Da gibt es dann auch Yoga mit weitaus weniger Verrenkungen, Faszien- und Körpertraining mit lieben Menschen, viel Herz und ohne Chichi.

https://www.youtube.com/channel/UCKhMC4C9vTgJHAxFHmrufdg

Vielleicht ist was für Euch dabei.

Bleibt gesund,

Ella

Corona, die Pubertät & das Fasten

Während die coronabedingten Ausgangsbeschränkungen bei manchen Menschen zu kreativen Höhenflügen führen, die fleißig in den sozialen Medien und Messangern geteilt werden und die ich von Ferne staunend beobachte, schwanen mir düstere Vorahnungen, welch Herausforderungen das Leben als zwanghaft vereinte Familie in den nächsten Wochen noch so mit sich bringen wird.

Gab es in Woche 1 der Schulschließungen noch eine gewisse Neugier und Aufgeregtheit, wie das homeschooling so funktionieren wird, ist an deren Stelle reine Ernüchterung getreten. Montag Morgen der Woche 2 Verweigerung auf allen Fronten. Wieso Kind 1 morgens überhaupt aufstehen solle, dass Kind 2 überhaupt nichts für die Schule machen werde und überhaupt. Dass ein sich in der Pubertät befindliches, mit natürlichen Fluchtreflexen vor seinen Eltern ausgestattetes Kind dazu verdammt ist, mit eben diesen in ständiger Überwachung unter einem Dach zu leben, grenzt an Körperverletzung. Wo es doch gerade Zeit mit der Peer Group verbringen sollte und nicht mit seinen Eltern.

Und auch das Kind, das am liebsten den ganzen Tag mit Freunden draußen Fußball spielt und die Schule sowieso nicht ausstehen kann, und das jetzt brav neben Mama sitzen muss, um konzentriert zu arbeiten, obwohl es unter totalem Bewegungsmangel leidet, ist zu bedauern. (Und erst die Mama, die das ertragen muss.)

Dann wären da noch die Eltern, die eigentlich froh sind, mal ein bisschen Zeit füreinander zu haben, bisweilen dennoch Fluchtreflexe verspüren bei dieser hoch dosierten Familien Quality time. Die sie jetzt mal locker die nächsten Wochen unterdrücken müssen, wollen sie nicht den täglichen Spaziergang immer weiter ausdehnen bis sie schließlich morgens das Haus verlassen und bei Sonnenuntergang heimkehren. Geht aber ja auch nur, wenn sie Opfer der wirtschaftlichen Situation sind und nichts mehr zu arbeiten haben. Was natürlich zu weiteren Spannungen führt. Also entweder mentaler Stress wegen home office mit gleichzeitiger Kinderbeschulung und Bespaßung oder wegen Existenzsorgen mit gleichzeitiger Kinderbeschulung und Bespaßung.

Also, ich möchte nicht jammern und die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Maßnahmen keineswegs anzweifeln, ich weise nur darauf hin, dass die familiäre Quarantäne so allerlei Sprengstoff birgt. Neben den positiven Aspekten des Zusammenrückens der Gesellschaft, dem fleißigen Telefonieren mit Freundeskreis und Verwandtschaft, wird in dieser Zeit wohl auch ab und an mal eine Bombe hochgehen. Zumal Corona bei uns mitten in der Fastenzeit eingeschlagen hat. Der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol macht das Nervenkostüm nicht unbedingt stabiler. Vielleicht sollte man seine Vorsätze vorsichtshalber über Bord werfen, ich schätze das erhöht die Wahrscheinlichkeit, zumindest was das Familienleben angeht, unbeschadet aus dieser Krise zu kommen. In diesem Sinne, bleibt gesund und zu Hause!

Eure Ella

 

Corona, Homeoffice und mehr

So, jetzt hat es uns erwischt, Corona und das Maßnahmenpaket. Ab Montag werden viele Eltern kleiner Kinder an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht werden, ohne helfende Großeltern und Kinderbetreuung, soweit nicht ein verständnisvoller Arbeitgeber spontan die Kinderbetreuung vor Ort organisiert hat. Wer in der Vergangenheit einmal versucht hat, mit kleinen Kindern von zu Hause aus zu arbeiten, weiß, wie gut das funktioniert. Nämlich oft gar nicht. Weil Kinder ausgerechnet dann nie Mittagsschlaf halten, wenn sie sollen und schlichtweg beschäftigt und umsorgt werden müssen. Für Homeoffice bleibt vor allem der Abend, wenn die lieben Kleinen endlich schlafen und auch die Eltern eigentlich schlafen müssten, um den nächsten Tag gut zu überstehen.

Eltern größerer Kinder haben da weniger Sorgen, außer dass sie spätestens nach dieser Phase vermutlich internet-, social media und spielsüchtige Teenager haben werden. Der Alltag lässt sich dafür ganz gut regeln. Dass das mit der Online Versorgung mit Unterrichtsmaterial klappen wird, bezweifeln Lehrer*innen wie Schüler*innen, zu oft schon haben die Systeme in der Vergangenheit nicht funktioniert, weil sie überlastet waren. Die Digitalisierung an den Schulen wird der Virus definitiv um Lichtjahre vorantreiben. Fieberhaft wird an Lösungen gearbeitet, wozu es sonst Ewigkeiten bedarf. Möchte man der Pandemie etwas Positives abgewinnen, könnte dies ein Punkt sein.

Ein anderer betrifft den Klimaschutz. Die Maßnahmen, die dieser Virus innerhalb kürzester Zeit einfordert, beispielsweise das Einstellen eines Großteils des Flugverkehrs, konnten alle Fridays vor Future Demos im vergangenen Jahr nicht bewirken. Die Welt bemerkt die Verletzlichkeit der Globalisierung und besinnt sich wieder auf Produktionen in der Heimat. Welche Effekte das auf das Klima haben wird, werden Wissenschaftler*innen uns sicher bald mitteilen können.

Die Folgen für die Wirtschaft, die Großen wie die kleinen Einzelkämpfer*innen mag man sich gerade nicht vorstellen und dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier verspricht, dass Staatssäckel sei so gut gefüllt, dass Vater Staat alle Unternehmen so lange pampern wird, bis die Krise vorbei ist, halte ich schlichtweg für naiv. Das mag einen Monat funktionieren, aber sicher nicht ein Jahr. Aber nett gemeint, danke!

Besser wäre es gewesen, wenn die Politik sich rechtzeitig um den seit vielen Jahren bekannten Fachkräftemangel in Krankenhäusern gekümmert hätte. Etwa 17000 Pflegestellen sollen momentan nicht besetzt sein, das Krankenhauspersonal arbeitet schon lange an den Grenzen seiner Belastbarkeit und darüber hinaus und soll jetzt noch diese Pandemie stemmen. Corona zeigt gnadenlos Schwächen auf und stellt uns erstmals vor eine Situation, die wir sonst nicht kennen: die völlige Unplanbarkeit des Lebens. Wir alle können nur abwarten, was als nächstes passiert und hoffen, das Richtige zu tun.

Soweit ein paar Gedanken von mir. Wenn ihr Lust habt, schreibt mir, wie ihr den Alltag bewältigt, mit welchen Problemen ihr kämpft, von euren Sorgen und Gedanken! Vielleicht findet ihr ja etwas Zeit beim Homeoffice 😉

Eure Ella

Buchtipp: Du bleibst mein Sieger, Tiger

Du bleibst mein TigerEigentlich wollte ich „Du bleibst mein Sieger, Tiger“ erst Ende des Jahres vorstellen, weil ich es vorher gerne noch ein paar Mal verschenkt hätte und mit Sicherheit einige der potentiellen Beschenkten Leser dieses Blogs gewesen wären. Aber ich kann es euch nicht länger vorenthalten. In dieser manchmal nicht einfachen Phase der Alterspubertät, wie sie die Autoren Maxim Leo und Jochen Gutsch bezeichnen, das Alter um die 50, verspricht es viel Trost im Humor. Als Schreiberin diverser Beiträge dieses Blogs weiß ich, wie schmal der Grat oft ist, von dem zu erzählen, was mich bewegt und gleichzeitig nicht völlig blank zu ziehen. Und die Themen werden eben zunehmend unsexy.

Maxim Leo und Jochen Gutsch haben damit überhaupt kein Problem und erzählen schonungslos von den Erektionsproblemen und dem undichten Druckventil eines alternden Penis. Sie berichten davon, warum der Alterspubertierende, wenn er mit seiner Frau schon einen Tangokurs besuchen soll, diese auch zu Hause mit „Mi corazon“ anspricht, Empanadas frittiert, nur noch alte, knisternde Tangoschallplatten anhört und sich die passende Hose „Chico“ bestellt. Der Hang zur Verbissenheit und Überambitioniertheit ist bei Alterspubertieren manchmal nicht zu übersehen. Warum auf einmal das Anhören alter Hits und ein gepflegter Konservatismus der beste Schutz gegen Altersschwermut ist. Sie beleuchten die analog zu den Wechseljahren der Frau stattfindenden Grilljahre, in denen XXL Supergrills angeschafft werden, die dem Fachsimpeln über Deckelthermometer und höhenverstellbaren Kohlenwannen dienen und auf denen nur noch dryaged galizische Ochsensteaks gegrillt werden, Gemüse oder Halloumi, während die Gäste von ihren Unverträglichkeiten und Darmproblemen berichten. Die Altershypochondrie wird genauso abgehandelt wie die nachlassende sexuelle Anziehungskraft- sprich, alles Themen, denen man rund um die 50 irgendwann begegnet, ob man will oder nicht.

Es tut, wie immer, gut zu wissen, dass man nicht allein ist mit den Merkwürdigkeiten dieses Lebens, dass jemand frisch und frei ausspricht, was sonst lieber unter die Decke des Schweigens gehüllt wird und erst dann offen thematisiert wird, wenn man „richtig“ alt ist. Schön, dass wir darüber schmunzeln dürfen. Danke!

Ullstein Verlag, Maxim Leo & Kochen Gutsch, „Du bleibst mein Sieger, Tiger“

ISBN 978-3-550-20026-7

Mehr als 40 – gute Reise

Für alle, die die Serie noch nicht kennen: hier erzählen Frauen, wie es Ihnen zur Zeit in ihrem Leben geht, wie sie sich mit mehr als 40 fühlen, was sie beschäftigt und ihnen wichtig ist im Leben. Danke für Eure offenen Worte!

Mehr als 40_die Reise

Heute sah ich meiner Tochter hinterher, als sie das Haus verließ. Ich fragte sie noch schnell, wann sie denn wiederkomme. Ein kurzer Ruf, der die wichtige Info enthielt, dass ihr Nachhauseweg gesichert sei, besiegelte unseren Abschied. Ich seufzte innerlich und dachte bei ihrem Anblick, heidewitzka- 17 Jahre….

Ich bin nun 44, meine Tochter im letzten Jahr des jugendlichen Leichtsinns, mein Mann wurde 50, der Kleine ist 15- und mittlerweile auch schon größer als ich.

Die Zeit des Familiennests ist längst vorbei, in der ich – wenn es draußen stürmte – froh war, zusammen zuhause zu sein und sich ein „Alles ist gut – Gefühl“ breit machte. Schon länger sehe ich den Kindern beim Erwachsenwerden zu, mit Wohl und Wehe. Mein melancholisches Gemüt wandelt sich dabei das ein oder andere Mal in Ungeduld. Der Sturm von draußen haust jetzt drinnen und ich warte auf Einkehr von Verstand und Vernunft. Die Natur hat es nach wie vor gut eingerichtet, dass sich süße Lockenköpfe in Honks und Hormonzombis verwandeln, so dass „Autonomie für Alle“ der neue Familien Slogan wird. Die Kinder helfen mit ihrem Verhalten nicht nur sich selbst beim Loslösen, sondern besonders den Eltern- vielleicht ist die Pubertät auch einzig und allein nur für diesen Zweck von der Natur dafür vorgesehen.

Ich genieße die neu gewonnene freie Zeit und ein Leben in naher Zukunft zu zweit bereitet mir gerade keine Sorgen. Wir haben jahrelang unsere Beziehung beackert, da freue ich mich auf reichlich Ernte. Hätte ich mir vor ein paar Jahren nicht vorstellen können, dass man in die Dinge irgendwie doch reinwächst, wenngleich mir manchmal ein paar Gleichgesinnte fehlen in ähnlichen Lebensumständen und dementsprechenden Bedürfnissen. In meinem Umfeld sind wir diejenigen mit den ältesten Kindern. Viele haben wesentlich Jüngere, oder Paare mit älteren Kindern haben noch einen Nachzögling in die Welt gebracht. Manche haben keine Kinder oder sind alleinerziehend, und demnach ist jede*r auf seine Weise eingebunden.

Nun ja, wir werden nun mit Pioniergeist, vielen Erinnerungen auch an die eigene Jugend und hoffentlich mit nur mittelschweren Katastrophen die neuen Zeiten begehen. Manches sollte gut gelenkt sein, aber vieles ist nicht zu planen, schon gar nicht, wohin die Reise mit den Kindern geht.

Und bei allen Bedenken wird man ohnehin nie alles wissen…irgendwas wird einem immer durchgehen. So wie ich mich 2001 als frisch gebackene Mutter fernab von Großeltern und ohne Internet fragte, warum mein Baby vom Krankenhaus einen Schnuller bekommen hat…trotz Vorbereitung und Bücher – ich wusste einfach nicht warum Babys nuckeln.

In diesem Sinne AHOI und gute Reise…

( Bime, 44)

 

 

Das stille Örtchen

Was gibt es in manchen Familien für Diskussionen über das Verweilen auf dem Klo, liebevoll auch stilles Örtchen genannt! Zumindest ein Familienmitglied hat jede, dass dort dem Müßiggang frönt und sitzt und sitzt und sitzt. Sehr zum Ärger all derer, die sich ihre Bedürfnisse währenddessen verkneifen müssen. Dabei dient der Besuch der Toilette weit mehr als dem reinen Stuhlgang. Das WC ist oft der einzige plausible Rückzugsort in

Auszeit

Zeiten der Aufgabenerfüllung und des Müssens, unangefochten in seiner physischen Notwendigkeit. Und so findet Mensch endlich mal Minuten der Entspannung und die Muße, Zeitung zu lesen oder Kreuzworträtsel zu lösen, ohne mit anderen Dingen behelligt zu werden. Naja, zumindest solange, bis es gegen die Tür hämmert und man den Eingriff in die wohlverdiente Auszeit nicht mehr ignorieren kann. Betrachtet man also das Besetzen der Toilette nicht mehr als Angriff auf den getakteten Tagesablauf, sondern als Timeout Zone für die Liebsten, mag es vielleicht nicht mehr solchen Ärger hervorrufen, sondern eher ein verständnisvolles Seufzen.

Ich kann mich ja auch am besten entspannen, wenn es gar nicht ums Entspannen geht. Denn dann muss ich mich nicht krampfhaft darauf konzentrieren, mich zu entspannen. Das passiert beispielsweise, wenn ich gezeichnet werde. Nein, kein Akt, da wäre ich mit Sicherheit mental nur damit beschäftigt, zu überlegen, ob ich auch vorteilhaft dasitze oder nicht doch die ein oder andere Problemzone unschön hervortritt. Nein, Portrait. Einfach dasitzen, stillhalten und nichts tun. Das ist vermutlich wie Meditation nur ohne Meditieren. Ich komme da in so einen ganz wunderbar leichten Zustand, bei dem fast so eine Art Kribbeln im Körper entsteht. Nicht so ein Unangenehmes wie beim Füße einschlafen.

Manchmal passiert mir das tatsächlich auch beim Zahnarzt. Wenn der da ewig in meinem Mund zu tun hat und ich nichts machen kann als abwarten und daliegen. Aber natürlich nur, wenn ich ganz genau weiß, dass es nicht wehtun wird. Sonst kann man sich ja nicht entspannen, also ich zumindest nicht.

Natürlich gibt es dann noch das Vorsichhindämmern im Freibad mit Kinderlachen als leiser Hintergrundmelodie oder das Glas Wein am Meer bei leichter Brise an einem Sommerabend als Gelegenheit zum Müßiggang. Aber mal ganz ehrlich, da ist das stille Örtchen doch wirklich naheliegender. Ein Hoch der Bescheidenheit.

Buchtipp: vom Mut anders zu sein

Ben Brooks

Dieses Buch war eine Empfehlung meiner Buchhändlerin anlässlich einer Kommunion und ich finde es wirklich toll. Mein Zehnjähriger saugt begeistert die nur eine Seite langen Kurzbiographien von über hundert Menschen auf, die besonderes geleistet haben, wie die von Mahatma Gandhi oder Lionel Messi bis hin zu eher unbekannten Helden, die ihren ganz eigenen Weg gegangen sind, sich für andere oder eine gute Sache eingesetzt haben und dafür teilweise einen hohen Preis gezahlt haben. Das Buch ist mit richtig coolen, aufwendigen Illustrationen bebildert, die neugierig machen. Ein tolles Buch, das Mut macht, anders zu sein. Und ein tolles Buch für Jungs, die nicht so gerne lesen.

Hier beim Loewe Verlag gibt es einen Blick ins Buch: Blick ins Buch

(Es gibt inzwischen auch Bände für Kids und für Mädchen.)

Permanent Record

Als ich vor einiger Zeit mit Freundinnen in der Kneipe saß, kochten auf einmal die Emotionen hoch. Es ging um die Digitalisierung und deren Begleiterscheinungen. Das Empfinden darüber, was am Datensammeln gut und praktisch oder aber überwachend und bedrohlich zu sein scheint, geht meilenweit auseinander, allein schon deshalb, weil es für manche im Berufsleben inzwischen völlig selbstverständlich ist und daher gar nicht hinterfragt wird, während andere die Digitalisierung noch weitestgehend aus ihrem Leben herauszuhalten versuchen. Es gibt die hartnäckigen Verfechter der These, ihre Daten seien uninteressant, sie hätten nichts zu verbergen und überhaupt diene ihre Erfassung, wenn überhaupt, der Optimierung ihres Lebens. Die andere Seite fürchtet die Entwicklung von der Demokratie hin zum Überwachungsstaat, der mit Hilfe von Daten bewerten, kategorisieren und manipulieren kann.

Eine Fortführung dieser verhärteten Fronten beschreibt Bijan Moini in seinem Roman „Der Würfel“, den ich bereits vor einiger Zeit vorgestellt habe. Dort gibt es die „Offliner“, die isoliert in abgeschotteten Dorfgemeinschaften leben und sich dem Digitalen völlig verwehren. Die „Gaukler“ leben zwar innerhalb des Systems, versuchen aber es auszutricksen, in dem sie bewusst Dinge tun, die sie eigentlich nicht mögen und sonst nie tun würden, damit sie nicht einzuschätzen sind. Auch sie beziehen ein Grundeinkommen, aber die „Kubisten“, die so viel wie möglich von sich preisgeben, werden mit zusätzlichem Einkommen und Annehmlichkeiten belohnt. Je mehr Daten, umso mehr Vorteile im Leben. Moini hat sich seine Zukunftsversion der Welt sehr detailliert und schlüssig erdacht und leider wirkt sie eher wie eine mögliche Version von morgen als wie Science Fiction. Wer also mal lesen möchte, wie Leben in digitaler Überwachung aussehen könnte, kann hier einen Eindruck gewinnen.

Als sich Edward Snowden vor einigen Monaten anlässlich des Erscheinens seiner Biographie aus seinem russischen Exil zu Wort meldete, um erneut davor zu warnen, wie sich das Internet entwickelt hat und zu mahnen, dass es einer (technisch möglichen) Form bedürfe, die ohne das Datensammeln einiger weniger Monopolisten auskomme, hatte ich gehofft, dass es eine breite Diskussion auslöse. Aber seine Aufrufe verebbten weitgehend ungehört. Dabei wäre es so wichtig, heute das Internet so zu gestalten, dass es wieder dem Nutzer dient und nicht der Wirtschaft und den Regierungen. Die Möglichkeiten des Internets zu nutzen ohne sie zu missbrauchen, würde die Menschen wieder zusammenbringen, die sich jetzt so uneins sind über Fluch und Segen der Digitalisierung. Das Gelingen scheint mir momentan aber eine Utopie zu sein.

Edward Snowden hat sein Leben aufgegeben, um die Menschen über das illegale, massenhafte Datensammeln der Geheimdienste aufzuklären und er tat dies im felsenfesten Glauben an die amerikanische Verfassung und aus der Überzeugung, dass der Staat den Menschen dienen müsse und nicht umgekehrt. Seine Biographie beschreibt seinen Weg dorthin und lässt besser verstehen, warum er zum Whistlerblower wurde. Auch im Exil kämpft er weiter für eine bessere Welt und arbeitet nach wie vor beispielsweise am verschlüsselten Messanger Signal mit. Mit Hilfe zahlreicher Unterstützer kann er sein Wissen in Vorträgen weitergeben und sich für seine Mission einsetzen. Solange wir Nutzer aber so gleichgültig sind und zulassen, dass Amazon, Google, Facebook und Co. unsere Daten sammeln und weitergeben, spüren die Konzerne keinen Druck, etwas an ihren Geschäftspraktiken zu verändern.

Bildschirmfoto 2020-01-15 um 17.21.21Es bedarf natürlich weit mehr, nämlich einer entsprechenden Gesetzgebung, aber auch gutem Unterricht an den Schulen. Damit unsere Kinder technische Grundkenntnisse zum Schutz ihrer Daten erlernen, aber auch überhaupt erstmal ein Bewusstsein dafür zu bekommen, warum wir uns nicht daran gewöhnen sollten, gläsern zu werden. Warum die Face-ID des Handys zwar praktisch ist, aber auch die Hemmschwelle für eine generelle Gesichtserkennung heruntersetzt. Es bedarf weit mehr als der technischen Ausrüstung der Schulen.

Würden Edward Snowdens Vorstellungen vom Internet umgesetzt, müssten wir uns auf jeden Fall nicht mehr streiten. Das wäre fantastisch.

 

Permanent Records von Edward Snowden

Fischerverlag      ISBN    978-3-10-397482-9

 

Warum man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen sollte, welche Schule die Richtige für das Kind ist

Bald geht sie wieder los, die heiße Phase der Infoabende der Schulen. Ob die Kinder in die Schule kommen oder nach der 4. beziehungsweise 6.Klasse die Grundschule verlassen, Eltern machen sich oft viele Gedanken, welches die richtige Schule für ihr Kind sein könnte. Zu Schulbeginn ist es eher die Überlegung, ob es die Sprengelschule sein sollte oder doch lieber eine Privatschule wie Waldorf, Montessori oder Jenaplan. Später steht die Entscheidung an, ob der Besuch einer Mittel-, Realschule oder eines Gymnasiums der geeignete Weg für das Kind ist. Es werden Infoabende besucht, bei denen sich die Schulen von ihrer besten Seite zeigen und man danach trotzdem nicht unbedingt schlauer ist.

Hier die gute Nachricht:

Liebe Eltern, macht euch nicht verrückt, ob Euer Kind eine gute Schulzeit haben wird, liegt nicht in euren Händen, sondern ist größtenteils dem Zufall überlassen.

Denn: ich kenne glückliche Kinder an Sprengelschulen und unglückliche an Privaten (und andersherum), entspannte Kinder am Gymnasium und gestresste an der Realschule (sowie natürlich genau umgekehrt). Es gibt kein richtig und falsch, beziehungsweise müsste man sowohl die Schulen als auch die Lehrkräfte und die Bedürfnisse der Kinder als Schüler bereits vor Schulantritt so gut kennen, wie man sie erst nach Jahren des Schulbesuchs kennt, um schon vorher die richtige Entscheidung treffen zu können und das ist nun mal ein Ding des Unmöglichen.

Für die meisten Kinder ist zu Schulbeginn das Wichtigste, eine(n) nette(n) Lehrer(in) zu haben, die oder den es gerne mag und es für den Unterricht begeistern kann. Da ist die Person meist wichtiger als die Schulform. Manche Kinder leiden später unter dem zunehmenden Druck zum Übertritt hin, der in Bayern oft schon mit der 3.Klasse beginnt. Für diese Kinder ist sicherlich eine Schule ohne Notengebung paradiesisch. Andere sind dafür von der Freiarbeit an der Montessori Schule oder der Projektarbeit an einer Jenaplan Schule überfordert, weil sie ganz feste Strukturen und Vorgaben brauchen. Sie wünschen sich vielleicht sehnlichst, benotet zu werden und fixe Hausaufgaben zu bekommen. All das weiß man aber normalerweise vor Schulantritt nicht.

Oder Thema Gymnasium. Was habe ich über Jahre für Horrorgeschichten gehört, dass die Kinder nur noch lernen müssen und das gesamte Familienleben darunter leidet. Das muss nicht so sein, es gibt auch heute noch Kinder, die mit geringem Arbeitsaufwand tiefenentspannt durchs G8 kommen. Denn auch Gymnasien sind in ihren Anforderungen unterschiedlich und Kinder gehen wiederum unterschiedlich mit diesen um. Man tut seinem Kind mit Sicherheit keinen Gefallen, es aufs Gymnasium zu pushen, wenn es sich schon in der 4.Klasse damit gequält hat, den notwendigen Notendurchschnitt zu erreichen. Das deutet wahrlich nicht auf eine lockere Schulzeit hin. Dann bitte lieber Realschule und nach der 10.Klasse weitermachen. Es gibt genug Möglichkeiten, ohne Qualen ans Ziel zu kommen oder vielleicht zwischendurch die Richtung zu wechseln.

Ich würde auch generell nicht den Besuch einer Schule empfehlen, zu der ich mein Kind täglich fahren muss, wenn die nächste vielleicht fußläufig entfernt ist, sei sie angeblich auch noch so gut. Denn Schulfreunde aus der Nachbarschaft und ein gemeinsamer Schulweg wiegen so einiges an Vorzügen einer tollen Schule auf und sind für Kinder vielleicht oft viel wichtiger als Schulkonzepte. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wie beispielsweise einen besonderen Förderbedarf oder massive Probleme im Regelschulsystem.

Es gibt jedenfalls an jeder Schule Faktoren, die nicht voraussehbar und oft auch nicht nachvollziehbar sind, wie beispielsweise die Zusammensetzung der Klassen. So hatte die Klasse meines Sohnes einen völlig ausgewogenen Mädchen-Jungen-Anteil, während in der Parallelklasse zwei Drittel Jungen waren und davon noch etliche Rabauken. Dass da eine Schullaufbahn in Klasse a oder b völlig unterschiedlich laufen kann, liegt auf der Hand. Oder was ist, wenn mein Kind an der Waldorf Schule acht ganze Jahre am Stück den gleichen Klassenlehrer hat, mit dem es aber leider nicht sonderlich gut zurecht kommt? Die Schule kann toll sein, wie sie mag, dass die Sympathien meines Kindes seiner Lehrkraft zuteil werden, lässt sich trotzdem nicht immer so einrichten.

Bei mir früher war es jedenfalls ganz einfach. Ich ging in die Grundschule des Stadtteils, in dem wir lebten, und später in die Schule, in die auch meine Schwester gegangen war. Und das war alles in allem keine schlechte Wahl. Egal, wie ihr Euch entscheiden werdet, packt die Last von euren Schultern und hört vielleicht einfach auf euren Bauch – oder euer Kind. Das wünscht sich vermutlich, in die gleiche Klasse wie sein bester Freund oder seine Freundin zu kommen und das ist vielleicht gar keine schlechte Idee, gemeinsam in einen neuen Lebensabschnitt zu starten.

Same procedure as every year?

Als ich mich vergangene Woche mit Freundinnen traf, kamen wir, oh Wunder, schnell auf Weihnachten zu sprechen und wie wir es verbringen werden. Und siehe da, das Thema beschäftigt auch andere Menschen. Einige haben die Schnauze voll von der ewigen Wiederholung, dem jährlichen Tannenbaumkauf, dem Heringssalat und dem Krippenspiel und sehnen sich danach, mit der Tradition zu brechen. Andere legen sich für das Aufrechterhalten von Ritualen in die Bresche, denn das mache Weihnachten ja gerade so schön, das immer Gleiche und Verlässliche. Da müsse man eigene Bedürfnisse schon mal hintanstellen.

Die Diskussion hat mich weiter beschäftigt und ich finde, dass das Pflegen von Ritualen durchaus ein Zeichen für eine privilegierte Lebenssituation sein kann. Denn Traditionen leben können nur die, die Beständigkeit im Leben erfahren. Für diejenigen, die ihre Heimat verloren haben, ihre finanzielle Existenzgrundlage, einen Familienangehörigen oder den Partner, wird es vermutlich immer einen Bruch geben und Traditionen verändern. Weil sich das Fortführen schal anfühlt, weil die Mittel fehlen, die Menschen oder das Umfeld.

Traditionen zu pflegen hat aber auch mit bewussten Entscheidungen zu tun und dem Bemühen darum. Wenn zwei Menschen als Paar zusammenkommen, müssen sie für sich neu definieren, wie ihr Weihnachten aussehen soll, wessen Traditionen sie übernehmen und wo sie das Fest verbringen wollen. Weihnachten wird sicher erst zu dem Fest, das es sein kann, wenn man sich Zeit nimmt, die zugehörigen Bräuche zu pflegen. Singen, backen, schmücken, zusammen sein, sich beschenken.

Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass ich kein Verständnis, für die „Traditionsbrecher“ habe. Im Gegenteil. Ich konnte nach dem 10.(!) St.-Martinsumzug keine Laterne mehr sehen, was zu viel ist, ist zu viel, und wenn es nervt, tut es gut, alles mal anders zu machen. Dann kann man hin spüren, ob man doch etwas vermisst und im nächsten Jahr zu den Traditionen zurückkehren möchte oder ob es vielleicht auch mal gut ist. Wir machen dies Jahr so einiges anders, aber davon vielleicht im neuen Jahr…

Jetzt erst einmal:

Happy_new_year20

bis dahin, Eure Ella

Alle Jahre wieder…

..denke ich darüber nach, wie ich so zur Weihnachtszeit stehe. Ich bin weder eine Do-it-yourself-, noch eine Deko Queen, zumal es bei uns schlichtweg an freien, zu dekorierenden Ecken mangelt. Eigentlich mag ich das ganze Brimborium nicht so wirklich, aber ignorieren geht irgendwie auch nicht. Schließlich sind da diese nicht mehr ganz kleinen Kinder, die zwar nicht gerade enthusiastisch reagieren, wenn ich sie frage, ob sie mit mir den Adventskranz gestalten oder Plätzchen backen wollen, aber es sind trotzdem noch Kinder (naja, eins zumindest). Ich fühle mich da schon ein wenig verpflichtet als „gute Mutter“.

To-Do-ListeImmerhin haben wir eine feste Adventskalender Tradition. Die Kinder bekommen immer dieselben 24, liebevoll(!) von Hand mit Süßigkeiten befüllten Säckchen, nachdem das ursprüngliche Bestücken mit „Kleinigkeiten“ irgendwann völlig ausgeartet war. Kleinigkeiten, deren Kosten in der Summe dann eben doch nicht so klein sind, haben das Manko, dass sie meist keine Verbrauchsgüter sind und im Anschluss des Erfreuens unnütz herumliegen. Ich schätze das überhaupt nicht, Krusch und ich gehen schlecht zusammen.

Gleiches gilt für die jetzt in allem Überfluss käuflich zu erwerbenden Kalender mit Kosmetikartikeln in Probiergrößen ( was für eine Plastikmüllproduktion) oder mit dem Besten für den Mann und den ganzen anderen Merchandise Produkten von Firmen aus aller Welt. Von Spielzeugherstellern kannten wir das ja schon, jetzt aber wurde der Erwachsene als Zielgruppe neu entdeckt und alle Produktmanager weltweit scheinen sich abgesprochen zu haben. Grauenhaft.

Das mit den Geschenken haben wir familienintern ganz gut minimiert, wir verweigern uns in diesem Rahmen dem Konsumzwang. Eine große Erleichterung. Bleiben da noch die lieben Geschäftskunden einer Selbständigen. Gestalte ich dies Jahr ein Postkartenmotiv oder steige ich einfach mal aus, aus dem ganzen Muss und To-Do? Mit dem Länger werden meiner Liste steigt jedenfalls die Verlockung. Mal sehen, wie es ausgeht, ist ja noch ein bisschen Zeit.

Das mit dem Weihnachtsmarkt ist auch so eine Sache. Auch wenn uns die Präsenz der Polizei und die Absperrungen vor neuen Terroranschlägen schützen sollen, stehen sie doch diametral entgegengesetzt zur Besinnlichkeit und Stimmung, wegen der man solch einen Ort besucht. Es fühlt sich jedenfalls nicht richtig an, wenn es auch notwendig zu sein scheint.

Soviel von mir. Wie geht es Euch mit dem Advent?

Ob ihr in Nostalgie schwelgt und auf glitzernden Sternenwolken schwebt, ob ihr das Ende der Weihnachtszeit herbeisehnt und den Kopf unter die Decke steckt, ob spartanisch oder pompös, Euch auf jeden Fall eine gute Zeit, wie auch immer ihr sie verbringen werdet.

Kinderserien-Tipp: Der Krieg und ich

Vielleicht haben manche von euch diese Filme schon längst gesehen, schließlich liefen sie schon im Sommer an. Ich bin jetzt erst darüber gestoßen und finde, die Serie ist großartig gemacht und sollte von am Thema Krieg interessierten Kindern und ihren Eltern auf jedem Fall im Netz nachgeschaut werden. Die acht Episoden beginnen 1938 mit der Faszination für die Hitlerjugend in Deutschland und erzählen vom Schicksals einzelner Kinder bis zum Ende des Krieges 1945 und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Das ist, wie man sich denken kann, sehr ergreifend und deshalb sollte man die Serie auch gemeinsam mit den Kindern ansehen. Die Filme verknüpfen Schauspiel, erzählte Hintergrundinfos, Kartenmaterial und mit Miniaturfiguren nachgestellte Szenen kindgerecht und informativ. Die Einzelschicksale der Kinder von damals lassen so ein großes Thema weniger abstrakt erscheinen und bringen es den Kindern heute nahe. Eine großartige Produktion, die bereits ausgezeichnet wurde, empfohlen ab frühestens 8 Jahren.

Der Krieg und ich_Folge 1

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