In den vergangenen Tagen und Wochen waren mir einige Momente vergönnt, in denen sich mein Leben unglaublich leicht, und ich mich jung, wie in besten Teenager Zeiten fühlte. So intense, würde man heute vielleicht sagen. Und ich glaube, es ist eigentlich ganz einfach, diese Momente häufiger ins Leben zu holen, man muss nur ein paar Regeln beachten:
- KEINEN PLAN HABEN
Eine der Situationen ergab sich nach einem Konzertbesuch auf dem Land (https://www.sandgrube25.com). Meine Freundin und ich waren mit den Öffis angereist, die Verbindung funktionierte erstaunlich gut und wir ließen uns an einem Donnerstagabend von dem fantastischen Sedlmeir (https://sedlmeir-rock.de) mitreißen und treiben. Kein Zeitgefühl, bei uns beiden kein Gedanke ans Danach, geschweige denn an den nächsten Morgen. Der holte uns rasch ein, als wir nach dem letzten Schlussakkord feststellen mussten, dass wir die Regionalbahn gerade verpasst hatten und es nach 24Uhr werden würde, bis wir wieder zuhause wären. Was also tun? Wir brauchten unbedingt eine Mitfahrgelegenheit und begannen, verschiedene Besucher anzuquatschen, ob sie noch einen Platz im Auto frei hätten. Es dauerte nicht allzu lange, bis uns das Glück hold war. Die Rückfahrt in dem alten, umgebauten VW-Bus fühlte sich großartig an. Im Gespräch mit einem Fremden, die Bierflasche in der Hand, die Lichter der Nacht gechillt vom Beifahrersitz beobachtend. Wir ließen uns an einer Straßenecke absetzen und fühlten uns wunderbar jung und frei.
2. AUF DEN WETTERBERICHT PFEIFEN
Der andere Moment jugendlicher Leichtigkeit geschah nur wenige Tage zuvor. Während des Schreibens fällt mir auf, dass ich auch hier erneut mit den Öffis unterwegs waren. Es könnte also einen Zusammenhang zwischen Bahnfahren und Abenteuer geben- aber das nur am Rande. Diesmal mit zwei Freundinnen im Gepäck steuerten wir die fantastische Ausstellung des von mir sehr verehrten Illustrators und Künstlers Christoph Niemann (https://www.christophniemann.com) im Kunstpalais Erlangen an (https://www.kunstpalais.de/de/121/Start.html). (Unbedingt ansehen, läuft noch bis 07.06.26!) Das Wetter war bescheiden vorausgesagt, Schauer ab etwa 18 Uhr. Aber zum einen stimmt der Wetterbericht erfahrungsgemäß äußerst selten, zum anderen sollten wir um die Zeit wieder zuhause sein. Ich entschied mich also statt für Schirm und Regenjacke für ein leichtes Blüschen und ließ auch alles andere, was ich normalerweise in einem Rucksack mit mir trage, zuhause. Ein kleines Umhänge Täschchen reichte mir, um Geldbeutel und Handy zu verwahren. Als wir nach dem Besuch der Ausstellung wieder ins Freie traten, regnete es bereits ausgiebig. 16.30h. Zu dritt, unter den Schirm der einen Vernunftbegabten gedrängt, steuerten wir ein Cafè mit großer Markise an, die uns Schutz gegen den Regen bot. Während meine Freundinnen längst ihre Jacken übergezogen hatten, mummelte ich mich in eine der ausgelegten Decken. Ich möchte Euch nicht mit der minutiösen Schilderung des Nachmittags langweilen, er endete jedenfalls damit, dass meine ebenfalls schirmlose Freundin mit mir im strömenden Regen von der U-Bahn nach Hause lief. Ihr lief das kalte Wasser in die offenen Riemchenballerinas, mir erfrischte er die nackten Arme und mehr. Und es hätte in diesem Moment kein besseres Gefühl geben können, als sich unvorbereitet vom Regen erwischen zu lassen.
3. ÜBER BEFINDLICHKEITEN HINWEGSEHEN
Die dritte kleine Geschichte ereignete sich bereits Anfang Februar, als es ungewöhnlich viel schneite. Ich hatte eine Buchung in meiner alten Heimat Bayreuth, keine 80km entfernt, normalerweise also unproblematisch in Hinblick auf die Anreise. Da aber in der Nacht zuvor starke Schneefälle gemeldet waren, und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 90%, warf ich mein übliches Ansinnen, nicht „zur Last zu fallen“ über Bord und fragte meine liebe Freundin aus Schulzeiten an, ob ich bei ihr übernachten könne. Klar, konnte ich, wir verbrachten einen gemütlichen Abend mit viel Zeit zum Reden und das Schneechaos blieb erfreulicherweise aus. 3 Tage später wiederholte sich exakt dasselbe Prozedere. Schlimme Wettervorhersage, Anreise am Vorabend, wieder saßen wir zusammen und unterhielten uns und ich schlief wunderbar. Als wir vor kurzem telefonierten, stellten wir beide fest, wie sehr wir die intensive gemeinsame Zeit genossen hatten und sie resümierte: „Es hat sich so jung angefühlt.“ Ja, das hat es. Weil es spontan war, weil wir füreinander da sind, wenn es zählt, ob es gerade reinpasst oder nicht. That`s what friends are for.
Sich begegnen jenseits von Terminfindungsproblemen und gegenseitiger Rücksichtnahme. Das sollten wir wahrscheinlich öfter mal machen. Nicht überlegen, ob es passt, sondern mal wieder einfach beim anderen hereinschneien. Wer mein Verhalten gegenüber Wettervorhersagen übrigens inkonsequent findet, dem muss ich zustimmen. Ich bin absolut wechselhaft.