Mein Pubertier und ich

Nie hätte ich gedacht, dass die Pubertät so schwer auszuhalten sein würde. Ich hatte sie mir anders anstrengend vorgestellt.

Es gibt gute Tage, an denen dem Kind der Schalk nur so im Nacken sitzt. Ich staune darüber, wie es unaufhaltsam wächst und seine Kräfte misst und kaum weiß, wohin mit seiner Energie. Und es gibt (für mich) schlechte Tage, an denen ich akzeptieren muss, dass ausgerechnet ich die letzte Person bin, die diesem Kind nahe kommen kann und darf, weil allein mein Dasein nervt. Mein ewiges Kümmern, Aufgaben verteilen und mir Gedanken machen. Vor allem um den Medienkonsum. Es ist schwer auszuhalten, auf den einen Moment zu warten, in dem sich sein Fenster öffnet und es von sich erzählt und ich weiß, dass es nichts, aber auch rein gar nichts bringt, vorher etwas in Erfahrung bringen zu wollen. Und wehe ich verpasse ihn.

Das ist gerade meine größte Herausforderung. Mich zurücknehmen und darauf vertrauen, dass die Dinge ihren (guten) Lauf nehmen, auch wenn ich mit einigem nicht so ganz einverstanden bin. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Zumindest hoffe ich das.

Vom Arbeiten und Mama (*) sein

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einer Freundin, die gerade eine Fortbildung besucht hatte. Eigentlich war sie von dem neuen Input total begeistert, war aber gleichzeitig frustriert, weil die anderen Kolleg(inn)en im Gegensatz zu ihr voll arbeiteten und andauernd solche Fortbildungen besuchten und sie sich deshalb irgendwie außen vor fühlte mit ihrer reduzierten Berufstätigkeit. Ich konnte sie absolut verstehen. Arbeiten und Kinder, das ist einfach mit ambivalenten Gefühlen verbunden. Arbeiten ohne schlechtes Gewissen ist quasi unmöglich und so kommen vor allem wir uns traditionell zuständig fühlenden Frauen immer wieder in das Dilemma, zu meinen, weder den Kindern gerecht werden zu können, noch unserer Arbeit. Ich bin selbständig und in Phasen, in denen ich sehr viel arbeite, fühle ich mich meistens auch sehr wohl mit meiner Arbeit, bis mein Kleiner ziemlich bald seinen Anteil fordert: „Mama, wann bringst Du mich mal wieder in die Schule?“ und „Mama, Du bist gar nicht mehr zu Hause!“ Herzschmerz. Bin ich dann wieder mehr zu Hause, genieße ich zwar die Zeit mit meiner Familie, es stellt sich aber auch schnell dieses „Ich bin außen vor“- Gefühl dem Job gegenüber ein. Ist ja auch alles irgendwie nicht mehr so wichtig wie früher. Manchmal. Und trotzdem will ich meinen kinderlosen Kolleginnen in Nichts nachstehen. Obwohl sie sich Tag und Nacht theoretisch mit nichts anderem beschäftigen könnten als mit der Arbeit, während auf mich nach dem Job Essen kochen, Gute Nacht-Geschichte vorlesen und Chaos beseitigen auf dem Programm stehen. Ich fürchte, dieser Konflikt gehört zu uns arbeitenden Müttern (*), denn alle Argumente pro Arbeit neben dem finanziellen Aspekt ( „Ich bin ja viel zufriedener und ausgeglichener, als wäre ich nur zu Hause!“ ) und Argumente pro Zuhause bleiben ( „Es ist so toll, mehr Zeit für mein Kind zu haben und keinen Schritt zu verpassen.“), greifen eben auch nur in Zeiten, in denen alles rund läuft. Ansonsten haben wir eben manchmal Herzschmerzen und die sind für Argumente absolut unempfänglich. Da hilft es eben manchmal nur, sein Herz auszuschütten und zu wissen, dass einen vermutlich Millionen von Frauen auf dieser Welt total gut verstehen. 

(*es gibt natürlich auch Väter, die ähnlich empfinden, oder? Schreibt mir gerne!)