Kleine Ergänzung zum Lehrplan

Nicht wenige Menschen sind der Meinung, dass in der Schule ganz andere Inhalte vermittelt werden müssten als bisher. Durch die Nutzung von KI ist das Thema noch einmal mehr in den Fokus gerückt geworden, denn Schule muss sich in Zeiten vor ChatGPT und Co verändern. Ich möchte mich nicht so weit aus dem Fester lehnen, dass ich jetzt wüsste, wie es gemacht werden soll, aber ein paar Anregungen zu Lerninhalten habe auch ich in den vergangenen Jahren sammeln können.

Da war beispielsweise meine Ausbildung zur Rettungsschwimmerin, bei der ich mich des Öfteren gefragt habe, wieso das nicht jedes Schulkind lernt:

– Wie verhält man sich, wenn man in eine starke Strömung gerät?

Antwort: Auf keinen Fall versuchen, dagegen anzuschwimmen! Das kostet Kraft, die irgendwann ausgeht. Mit der Strömung treiben lassen, bis sie nachlässt und dann seitlich wegschwimmen.

– Was kann ich tun, wenn ich einen Krampf im Wasser bekomme?

Antwort: Wenn das Ufer zu weit entfernt ist, im Wasser dehnen! Beim Oberschenkelkrampf, das Bein zum Po hin anwinkeln und halten. Beim Wadenkrampf das Bein an den Zehen fassen und möglichst weit strecken.

– Warum sollte ich auf einen Ertrinkenden nicht frontal zuschwimmen?

Antwort: Die Person könnte Dich in ihrer Panik mit unter Wasser ziehen und gefährden. Am besten einen Gegenstand zum Festhalten anbieten und Abstand wahren. Geschulte Personen können sich von hinten nähern. Immer Eigengefährdung vermeiden!

Eine Unterrichtsstunde, die unter Umständen Leben retten kann. Viele Antworten und noch mehr gibt es hier wunderbar zusammengefasst:

https://www.dlrg.de/informieren/freizeit-im-wasser/selbst-und-fremdrettung

Bei meiner Ausbildung zur Trauerbegleiterin durfte ich wiederum andere Themen kennenlernen, die nicht weniger relevant sind und für mich auf jeden Fall einen Platz im Lehrplan haben sollten:

– Was kann ich tun, wenn jemand in Panik gerät?

Antwort:

  • Selbst ruhig bleiben. Mein Nervensystem kann das Nervensystem einer anderen Person beruhigen. Ruhig sprechen und die Person nicht allein lassen!
  • Auch die Schmetterlingsumarmung hilft: Arme vor der Brust überkreuzen und abwechselnd rechts und links auf Schulter klopfen, dabei immer bis 3 zählen – bringt die beiden Hirnhälften (Emotion/Logik) wieder zusammen.
  • Die Hände auf den unteren Rippenbogen legen und den Atem spüren. Das so genannte Kontaktatmen wirkt beruhigend.

– Was kann ich tun, wenn jemand hyperventiliert?

Antwort: Gemeinsam die Flötenausatmung anwenden. Kurz einzuatmen und wie gegen ein Ventil lange und langsam auszuatmen (Lippenbremse).

– Was kann ich tun, wenn jemand dissoziiert, also wie weggetreten erscheint?

Antwort: Hier helfen Reorientierungsübungen.

  • Sprich die Person mit Namen an. Schnipse mit dem Finger vor dem Gesicht. Mache ein lautes Geräusch.
  • Sprich die Sinne an: ein intensiver Geruch wie der eines ätherischen Öls kann helfen, wieder zurückzufinden. Auch ein Kältereiz mit kaltem Wasser oder einem (eingewickeltem) Coolpad hilft.
  • Kommt gemeinsam in Bewegung. Mache etwas vor und die Person macht es nach. Es darf auch lustig sein. Singt, tanzt und lacht.
  • Bringe die Person zum Sprechen. Das aktiviert Hirnregionen, die runtergefahren sind. Frage nach alltäglichen Sachen: Name, Adresse, Schule, Frühstück, Hobby

Natürlich fände ich es gemäß meiner Ausbildung eine gute Sache, über den Tod zu sprechen, besonders an Schulen, die sich teilweise noch immer sehr schwer damit tun, einen guten Umgang damit zu finden, wenn ein Elternteil oder Geschwisterkind eines Schülers oder einer Schülerin verstirbt. Da die meisten Kinder und Jugendlichen bereits Erfahrungen mit dem Verlust eines nahen Angehörigen machen mussten, erleichtert es viele, wenn sie darüber sprechen können.

Naja, und dann wurde ich schon mal bei einer Wanderung mit einer Situation konfrontiert, von der ich mir gewünscht hätte, auf früh verwurzeltes Wissen zurückgreifen zu können. Ein Gewitter nahte und mit ihm brach das Chaos aus. Jeder Erwachsene verfolgte eine andere Strategie und anstatt uns schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, diskutierten wir erstmal. Wie schön wäre es, wenn diese und weitere Outdoor Maßnahmen fester Bestandteil der Schulbildung wären. Ergänzt um das Wissen um die Wolkenbildung ließe sich das Thema gut in den Geografieunterricht integrieren. Hier also nochmal zusammengefasst:

– Wie verhalte ich mich bei einem Gewitter im Freien?

  • Den Himmel beobachten. Ein Gewitter kündigt sich durch bestimmte Wolkenbildung an. Wenn es anfängt zu blitzen, die Sekunden zwischen Blitz und Donner zählen. Diese geteilt durch 3, ergibt die Entfernung in Kilometern.
  • Ruhe bewahren!
  • Im Idealfall rechtzeitig eine Schutzhütte oder Unterstand aufsuchen. Einen Sicherheitsabstand zu Überleitungen (50m) einhalten. Nicht bei exponierten Stellen wie einzelnen Bäumen, Masten oder Türmen unterstellen.
  • Nicht auf freien Flächen bleiben, da man dort den höchsten Punkt bildet. Notfalls eine Mulde suchen und sich klein machen, indem man die Beine eng an den Körper nimmt und sich zusammenkauert. Am besten auf einer isolierenden Unterlage wie einem Rucksack, um Kriechströmen zu entgehen. Unbedingt metallene Gegenstände vom Körper entfernt ablegen.
  • Besser im Wald als am Waldrand Schutz suchen. Da die Gefahr von herabstürzenden Ästen besteht, lieber in der Nähe von jungen Bäumen aufhalten.

Und dann hätte ich noch so einige andere Ideen. Selbstverteidigungsworkshops für Mädchen fände ich beispielsweise sehr sinnvoll mit Fokus auf Nein-Sagen. Für Jungs könnte es parallel ein Angebot zum Thema Männlichkeit geben, das Rollenbilder und Werte von toxisch bis progressiv unter die Lupe nimmt. Gemeinsam könnte man dann über Pornographie sprechen, die vollkommen falsche Vorstellungen von Sexualität und Leistungsdruck durch die weite Verbreitung schon bei sehr jungen Menschen implementiert. Man kann Knowhow von außen holen und so verschiedenste Bereiche abdecken kann, die für das Heranwachsen und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bedeutend sind. Vielleicht mehr so eine Lebensschule als reine Wissensvermittlung, deren Sinnhaftigkeit durch KI längst in Frage gestellt ist. Mehr fächerübergreifende Themen wie Sport mit Anatomie kombinieren und über Ernährung sprechen. Zusammen kochen. Den Schüler*innen Verantwortung übertragen für mehr Selbstwirksamkeit. Social Media Trends aufgreifen und ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Das geht auch mal in Chemie. Mehr von dem in die Schule bringen, was die Kids interessiert und was ungefiltert auf sie einströmt…

Zum Glück gab es schon immer Lehrkräfte, die spannenden Unterricht vorbereitet, aktuelle Themen eingebracht und sich weit über ihre Arbeitszeit für ihre Schüler*innen engagiert haben. Und somit ganze Lebensläufe positiv beeinflußt haben. Wie sich das Gesamtkonstrukt Schule entwickeln wird, bleibt spannend. Die Mühlen der Kultusministerien mahlen langsam und haben schon viele tolle Vorschläge zermalmt. Und ich meine damit solche von Menschen, die sich damit auskennen;-)

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