Ein freundliches Ehepaar

Ich nehme auf der Zuschauertribüne des Volleyballturniers meines Sohnes Platz. Ein gepflegtes, älteres Ehepaar grüßt höflich, als ich mich in der Reihe vor Ihnen niederlasse. Ich verfolge interessiert, wie ER IHR in Hamburger Schnack versucht, die geltenden Linien des Spielfelds begreiflich zu machen. Sie sind nämlich auch mir ein Rätsel. Der Mann wird bald ungeduldig und reagiert, als seine Frau noch immer nicht zu verstehen scheint, mehr als ungehalten.

Dann höre ich nur ein trockenes “Klugscheißer!”

Wie der erste Eindruck doch manchmal täuscht.

In Wolkenkuckucksheim

Seit fünf Tagen ist die große Hitze bei uns vorbei. Und das ist gut so. Nicht nur die Natur dankt es, auch eine mir bisher unbekannte Wetterfühligkeit hat sich wieder verkrochen. Natürlich kann ich auch andere Ursachen benennen, für das, was geschah. In meinem Leben wechseln sich Phasen mit ordentlich viel Freizeit und überhaupt keiner kontinuierlich ab. In Letzteren befinde ich mich dann statt im Hier und Jetzt in Wolkenkuckucksheim. Dass Stress ein bisserl „deppert“ und vor allem vergesslich macht, konnte ich in der Vergangenheit schon des Öfteren feststellen. Nach einer Woche mit sehr viel Arbeit und wenig Schlaf bei hohen Temperaturen trug sich jedenfalls Folgendes zu:

Samstag morgen rief mich ein freundlicher Herr an. Polizeidirektion Nürnberg Ost.

Aha?

Ob ich Halterin des Fahrzeuges mit folgender Nummer sei?

Ja, schon.

Ob es denn sein könne, dass ich am vergangenen Tage mein Fahrzeug getankt und vergessen habe, zu zahlen?

Ich überlegte. Ja, ich war tatsächlich tanken gewesen. Als ich abends meine Quittungen für die Steuerkanzlei hochgeladen hatte, hatte auch eben jener Beleg gefehlt, ich war mir jedoch sicher gewesen, dass er wieder auftauchen würde. Hm. Ich musste also ernsthaft in Betracht ziehen, dass es ihn gar nicht gab? Ich stammelte, ja, vielleicht, also ich habe getankt und versuchte rasch, den Verkaufsraum der Tankstelle zu visualisieren. Und musste mir eingestehen, dass ich ihn tatsächlich seit geraumer Zeit nicht mehr betreten hatte.

Oh mein Gott, ja wahrscheinlich, das tut mir leid, das wollte ich nicht!!!

Der Polizist fuhr ausgenommen freundlich fort. Wenn ich jetzt gleich hinfahre und die offene Forderung begleiche, könne man von einer Anzeige absehen.

Ja, natürlich, das mach ich sofort.

Vorsorglich nahm ich das Fahrrad, um unliebsamen Reaktionen auf mein Auto vorzubeugen. Der Tankstellenbesitzer sah von einer Strafzahlung in Höhe von 50,-€ ab, was ich mir nur damit erklären konnte, dass ich auf dem Video genauso verpeilt ausgesehen haben musste, wie ich es tatsächlich gewesen war. Soweit ich mich erinnern konnte, hatte ich sogar noch meinen Geldbeutel aus dem Auto geholt, hatte dann aber wohl den Zapfhahn wieder eingehängt und war eingestiegen, um nach Hause zu fahren und dem Kind schnell etwas zu Essen zu kochen, bevor es aus der Schule kam.

Es ging an diesem Tag übrigens noch so weiter. Ich vergaß die Butter, die ich zum weich werden auf den Balkon gestellt hatte, auf eben jenem und buk die Erdbeermuffins ohne sie. Funktioniert erstaunlicherweise, wenn auch mit geschmacklichen Einbußen. Am Abend fuhr ich dann noch durchgeschwitzt in Richtung Schwimmbad, um mich von der drückenden Hitze abzukühlen. Kurz vor Ankunft fiel mir auf, dass ich vergessen hatte, Geld einzupacken. Als ich wieder umdrehte, türmte sich eine schwarze Wolkenwand bedrohlich vor mir auf. Nur eine halbe Stunde später entlud sich ein heftiges Gewitter, dass auch meinen Zustand wieder normalisierte.

Seit dieser Woche kann ich jedenfalls wieder klar denken, mir ist nicht mehr schwindelig und der latente Kopfschmerz hat sich in Luft aufgelöst. Und ich freue mich noch immer darüber, dass mich dieser freundliche Herr nicht wie eine Schwerverbrecherin behandelt hat, sondern wie einen Menschen, der gerade ziemlich neben der Spur war. Vielen Dank, mein Freund und Helfer!

Anekdote aus dem Leben einer Yoga-Schülerin

Wer meinem Blog schon längere Zeit folgt, weiß, dass ich auf unseren bayerischen Ministerpräsidenten – Herrn Markus Söder – nicht sonderlich gut zu sprechen bin. Mein „altes Ich“ hätte ihn an dieser Stelle als aufgeblasenen Lackaffen und Wendehals betitelt, aber das ist ein für alle Mal vorbei. Ich nenne ihn jetzt einfach Markus. Meine Welt hat sich nämlich grundlegend verändert und das ging so:

Auf dem Yoga-Retreat, an dem ich kürzlich teilgenommen habe, durfte ich eine sehr bekannte Meditationsmethode kennenlernen – Metta Bhavana ( deutsch: Mitgefühl / Entwicklung). Sie dient zur Entwicklung einer „mitfühlenden, altruistischen und ego-freien Geisteshaltung“, wie ich nachgelesen habe, ich will Euch ja keinen Blödsinn erzählen.

So weit schon die Theorie. Der Wortlaut der Meditation variiert, aber sinngemäß bedenkt man zuerst sich selbst mit folgenden Worten:

Möge ich geborgen sein.

Möge ich gesund sein.

Möge ich glücklich sein.

Möge ich in Frieden leben.

Also tatsächlich ein ganzes Bouquet bester Wünsche. Als nächstes visualisiert man einen Menschen, den man liebt oder sehr gerne hat und spricht für ihn im Geiste diese Worte.

Mögest Du geborgen sein.

Mögest du gesund sein.

Mögest du glücklich sein.

Mögest du in Frieden leben.

Das gelingt spielerisch und macht viel Freude. Als Drittes lässt man die guten Wünsche jemandem zuteilwerden, dem man nur flüchtig begegnet ist. Es fiel mir beim ersten Mal schwer, mich zwischen meinem Paket- Reinigungs-Mann und dem Schneider zu entscheiden, dem ich seit Jahren unsere Hosen zum Flicken bringe. Ich hoffte, der Segen würde trotzdem wirken, also halb, halb oder zumindest bei einem.

Als Letztes wartete die schwierigste Aufgabe. Man soll nämlich eine Person bedenken, die man hasst oder zumindest nicht ausstehen kann. Und hier, ihr könnt es euch denken, kam Markus ins Spiel. Er wurde mein Auserwählter, dem ich in bestmöglicher Aufrichtigkeit Geborgenheit, Gesundheit, Glück und Frieden wünschte. Und ich tat es am nächsten Tag wieder und es fühlte sich schon leichter an.

Und dann geschah das Unglaubliche. Nach etwa zwei Wochen und einigen Wiederholungen dieser Meditation der liebenden Güte, begegnete ich Markus des Nachts im Traum und, was soll ich sagen, wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Es war witzig, wir haben herrlich viel und ausgelassen gelacht, fast so, als wäre er ein alter Freund aus Schulzeiten. Ich gebe zu, ich mochte ihn.

Wahnsinn, wie die Kraft der Gedanken alles verändern kann. Also, nicht, dass ich ihn jetzt im echten Leben treffen mag, dazu muss ich vermutlich noch ein Weilchen weitermeditieren, das passt schon, dass wir uns in unterschiedlichen Dunstkreisen bewegen, aber ich habe eine klitzekleine Ahnung davon bekommen, wie heilend es sein kann, seine Energie nicht an Missgunst und Ärger zu verschwenden. Seufz.

Vielleicht mögt ihr es auch mal ausprobieren. Und wenn nicht, kommen vielleicht trotzdem gelegentlich ein paar gute Wünsche bei euch an. Namastè!

Das F in Montag…

 

Das F in Montag steht für Freude

 

Dieser Spruch klebte eines Tages an der Tür unserer Nachbarn. Ich mochte ihn gleich, wirklich, wenn er mir auch irgendwie mysteriös erschien. „Das F in Montag steht für Freude“, murmelte ich vor mich hin. Ja, sicher, das würde ich sofort so unterschreiben, es klingt so wahrhaftig. F, Freude, Montag. Tag für Tag las ich ihn, ließ ich ihn mir auf der Zunge zergehen, bis mich eines Tages das Nachbarmädel ansprach:

Sie: „Hast Du das gelesen?“

Ich: „Ja.“

Sie: „Der ist so lustig und dabei habe ich ihn am Anfang gar nicht verstanden.“

Ich:  „Ach ja?“ Ich versuchte, souverän zu gucken.

Sie: „Das F steht ja für Freude, aber in Montag gibt es gar kein F!!!“, erklärte sie begeistert und schmiss sich dabei vor Lachen halb weg.

Ach so. Bei Witzen hatte ich irgendwie schon immer eine lange Leitung. Aber ich mag den Spruch, wirklich, auch wenn er überhaupt nicht mysteriös ist.