Seit fünf Tagen ist die große Hitze bei uns vorbei. Und das ist gut so. Nicht nur die Natur dankt es, auch eine mir bisher unbekannte Wetterfühligkeit hat sich wieder verkrochen. Natürlich kann ich auch andere Ursachen benennen, für das, was geschah. In meinem Leben wechseln sich Phasen mit ordentlich viel Freizeit und überhaupt keiner kontinuierlich ab. In Letzteren befinde ich mich dann statt im Hier und Jetzt in Wolkenkuckucksheim. Dass Stress ein bisserl „deppert“ und vor allem vergesslich macht, konnte ich in der Vergangenheit schon des Öfteren feststellen. Nach einer Woche mit sehr viel Arbeit und wenig Schlaf bei hohen Temperaturen trug sich jedenfalls Folgendes zu:
Samstag morgen rief mich ein freundlicher Herr an. Polizeidirektion Nürnberg Ost.
Aha?
Ob ich Halterin des Fahrzeuges mit folgender Nummer sei?
Ja, schon.
Ob es denn sein könne, dass ich am vergangenen Tage mein Fahrzeug getankt und vergessen habe, zu zahlen?
Ich überlegte. Ja, ich war tatsächlich tanken gewesen. Als ich abends meine Quittungen für die Steuerkanzlei hochgeladen hatte, hatte auch eben jener Beleg gefehlt, ich war mir jedoch sicher gewesen, dass er wieder auftauchen würde. Hm. Ich musste also ernsthaft in Betracht ziehen, dass es ihn gar nicht gab? Ich stammelte, ja, vielleicht, also ich habe getankt und versuchte rasch, den Verkaufsraum der Tankstelle zu visualisieren. Und musste mir eingestehen, dass ich ihn tatsächlich seit geraumer Zeit nicht mehr betreten hatte.
Oh mein Gott, ja wahrscheinlich, das tut mir leid, das wollte ich nicht!!!
Der Polizist fuhr ausgenommen freundlich fort. Wenn ich jetzt gleich hinfahre und die offene Forderung begleiche, könne man von einer Anzeige absehen.
Ja, natürlich, das mach ich sofort.
Vorsorglich nahm ich das Fahrrad, um unliebsamen Reaktionen auf mein Auto vorzubeugen. Der Tankstellenbesitzer sah von einer Strafzahlung in Höhe von 50,-€ ab, was ich mir nur damit erklären konnte, dass ich auf dem Video genauso verpeilt ausgesehen haben musste, wie ich es tatsächlich gewesen war. Soweit ich mich erinnern konnte, hatte ich sogar noch meinen Geldbeutel aus dem Auto geholt, hatte dann aber wohl den Zapfhahn wieder eingehängt und war eingestiegen, um nach Hause zu fahren und dem Kind schnell etwas zu Essen zu kochen, bevor es aus der Schule kam.
Es ging an diesem Tag übrigens noch so weiter. Ich vergaß die Butter, die ich zum weich werden auf den Balkon gestellt hatte, auf eben jenem und buk die Erdbeermuffins ohne sie. Funktioniert erstaunlicherweise, wenn auch mit geschmacklichen Einbußen. Am Abend fuhr ich dann noch durchgeschwitzt in Richtung Schwimmbad, um mich von der drückenden Hitze abzukühlen. Kurz vor Ankunft fiel mir auf, dass ich vergessen hatte, Geld einzupacken. Als ich wieder umdrehte, türmte sich eine schwarze Wolkenwand bedrohlich vor mir auf. Nur eine halbe Stunde später entlud sich ein heftiges Gewitter, dass auch meinen Zustand wieder normalisierte.
Seit dieser Woche kann ich jedenfalls wieder klar denken, mir ist nicht mehr schwindelig und der latente Kopfschmerz hat sich in Luft aufgelöst. Und ich freue mich noch immer darüber, dass mich dieser freundliche Herr nicht wie eine Schwerverbrecherin behandelt hat, sondern wie einen Menschen, der gerade ziemlich neben der Spur war. Vielen Dank, mein Freund und Helfer!