Vor einiger Zeit bekam ich die E-Mail eines großen Konzerns, in der ich gebeten wurde, die von mir an den Konzern versandte Rechnung auf meine Kontoverbindung hin zu überprüfen. Scheinbar hatten sie schlechte Erfahrungen mit manipulierten PDFs gemacht, einer derzeit beliebten und hinterhältigen Betrugsmasche, bei der die Rechnung mit der falschen Kontoverbindung von der korrekten Mailadresse kommt. Was das für ein großes Unternehmen an Aufwand bedeutet, jede Rechnungstellung zu überprüfen, kann man sich vorstellen.
Ich wiederum hatte mir lange überlegt, die Mail überhaupt zu öffnen, denn in Zeiten, in denen Phishing Mails in Hinsicht auf Absender, Ansprache und Anliegen immer realistischer werden, bin ich misstrauisch geworden. Wenn ich mir nicht zu mindestens 99% sicher bin, dass die Mail echt ist, öffne ich sie nicht. Andere machen das scheinbar genauso und so landen meine Rechnungen nicht selten im Spam Ordner der Firmen und ich muss mühsam herausfinden, warum meine Rechnung nicht bezahlt wurde. Was aber tun, wenn vor lauter Angst vor Betrug und Schadsoftware Mails nicht mehr geöffnet oder ernst genommen werden?
So manch einer sucht sein Heil in den guten alten Zeiten und sendet Rechnungen wieder in Briefform. Aber auch das ist leider nur ein Auslaufmodel, denn ab 2028 ist die E-Rechnung schließlich für alle Pflicht. Ob diese dann ausgedruckt in analoger Form versendet werden darf, wage ich zu bezweifeln. Ich denke gerade darüber nach, mir geschäftlich (mal wieder) eine neue E-Mail-Adresse zuzulegen, meine 4.! dann insgesamt, schlichtweg, damit dort erstmal ausschließlich Mails meiner Kunden ankommen und ich diese nicht zwischen lauter Spam Mails suchen muss. Diese Adresse werde ich nur an Auserwählte weitergeben, im Web darf sie nirgends erscheinen, denn das wäre der Anfang vom Ende. Sobald eine Mailadresse im Impressum oder als Kontakt auf einer Homepage steht oder zum Anmelden bei irgendwelchen Plattformen verwendet wird, ist es vorbei mit der wohltuenden Anonymität.
Wir könnten zur sicheren Kommunikation nur noch geheime und mystische E-Mail-Adressen verwenden, so wie xghlk7@ipru3ul.de, die keinerlei Hinweis auf unsere eigentliche Identität geben. Diese würden dann postalisch oder per Brieftaube an Kunden (oder Freunde) geschickt, um keine digitalen Spuren zu hinterlassen. Das könnte ein sicherer Kanal sein. Denn dem Telefonanruf ist auch nicht mehr zu trauen. Momentan fallen meist „nur“ ältere Menschen den klassischen Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick zum Opfer. Hier ließe sich übrigens als Vorkehrung gegen Betrügereien ein Codewort zwischen Großeltern und Enkeln vereinbaren, das bei wirklichen Notfällen genannt werden muss. So wie: „Oma, du musst mir bitte sofort Geld schicken, ich hatte einen Unfall und habe kein Geld, um nach Hause zu kommen. Softeis!“ Weh dem, der dann das Codewort nicht mehr weiß. „Wie Softeis, ich dachte, Du brauchst Geld. Na, so ja nun nicht mit mir, Sie Schlingel!“ Scherz. Es ist jedenfalls eine Frage der Zeit, bis KI auf breiterer Front zuschlagen wird. Und das betrifft Wort, Ton, Bild und Video. Wie zum Beispiel den Videocall mit dem netten Kollegen, mit dem wir vielleicht ganz im Vertrauen unser Strategiepapier teilen, obwohl es in Wirklichkeit nur sein Avatar ist und jemand anderes zuhört. Aber was ist schon die Wirklichkeit? Absolut sicher können wir unserer Sache nur noch sein, wenn wir einander gegenüberstehen. Also ohne virtual Reality, meine ich.
Das ist kein Zukunftsszenario, ich mache mir darüber wirklich Gedanken. Und viele andere auch. Wie schön, dass wir nicht allein sind. Auch Fatoni scheint die AI kein Wohlsein zu bereiten. Hört mal rein und guckt euch das Video dazu an.