How to treat a model

Ich muss heute mal ein paar Sätze zu einem Thema schreiben, mit dem viele von Euch wohl gar nicht in Berührung kommen werden, manche aber vielleicht doch als Produktmanager oder Fachkauffrau/-mann im Marketing oder einem der vielen anderen Berufe, die mit Werbung zu tun haben. Es könnte nämlich eigentlich alles so einfach sein. Eins voraus: in den 15 Jahren, in denen ich intensiv mit Modellen zu tun habe, sind mir etwa drei echte Zicken untergekommen. Alle anderen Models haben einen guten, entspannten, professionellen Job abgeliefert. Manche Kunden haben das allerdings sicherlich anders gesehen. Und das liegt an der Einstellung mancher Auftraggeber. Sie zahlen viel Geld für ein Model und sind daher der Meinung, dass sie ihm alle menschlichen Bedürfnisse absprechen dürfen und das Model zu funktionieren hat. Wer selbst schon einmal vor einer Kamera gestanden hat, weiß, wie wichtig es ist, sich wohl zu fühlen. Das ist bei einem Model nicht anders, auch wenn es zu einem weit aus höheren Grad seine wahren Gefühle überspielen kann. Aber auch bei größter Professionalität gefriert das Lächeln irgendwann, wenn einem kalt ist, man Hunger hat, keine Pause bekommt und der Kunde ständig hinter vorgehaltener Hand tuschelt und unzufrieden schaut. Auf eine klare Ansage kann ein Model weitaus sinnvoller reagieren, als wenn sich Kunde und Fotograf hinter dem Bildschirm besprechen, ohne das Feedback weiterzugeben. Sollte das Model an sich nicht gefallen, sollte man es lieber nach Hause schicken und neu buchen, denn daran wird es nichts ändern können.

Thema Verpflegung: In Studios, die viel Mode fotografieren, weiß man, dass man einem Model nicht nur eine Wurstsemmel zum Mittag hinlegen sollte. Da gibt es auch Obst und Rohkost und zum Mittag was Warmes vom Thai oder anderem. Schließlich sollte das Model auch beim nächsten Job noch eine gute Figur haben. Und wie macht man das, wenn man sich jeden Tag von Weißbrot und Pizza ernähren soll? Der Fotograf an sich hat ja oft während des Shoots gar keinen Hunger und vergisst gar völlig, dass andere Menschen dieses Bedürfnis haben könnten. Auch die Agenturen sparen ganz gerne an diesem Punkt. Ich sage Euch, es lohnt sich nicht. Ein gut verpflegtes Team ist ein zufriedenes Team und wird sein Bestes geben bei widrigsten Umständen. Im Unterzucker und ohne Pause lässt die Leistungsfähigkeit einfach irgendwann nach. Und man darf nicht vergessen: Für Kunden und Grafiker ist es oft was ganz besonderes, mal aus dem Büro rauszukommen. Für Fotografen, Stylisten, Visagisten und Models ist es Alltag. Und sie wollen auch am nächsten Tag wieder einen guten Job machen. Auch das wird oft vergessen, wenn man einem Model viel abverlangt, wie beispielsweise im Sommerkleid bei Minusgraden zu posieren. Für den Kunden ist der Job am Abend erledigt, das Model hat noch fünf weitere Buchungen, die es nicht absagen möchte, weil es mit einer Grippe im Bett liegt. Also sollten eine warme Decke, ein Thermoskanne Tee und ein beheizbares Auto an der Location doch selbstverständlich sein. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Crew und Kunden in ihren Daunenjacken und Winterstiefeln über die Kälte jammern, während das Model im kurzen Hemdchen ganz selbstverständlich funktionieren soll. Das finde ich absolut respektlos. Und noch ein letzter Punkt: die Produktivität. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Anzahl der Aufnahmen, die an einem Tag gemacht werden sollen, um ein Vielfaches erhöht. Der Kunde will immer mehr in immer kürzerer Zeit. We`ll fix it in the post, heißt ein beliebter Spruch, der meint, dass man alles in der Postproduction in Ordnung bringt, was man während des Shoots oder Drehs (aus Zeitgründen) gepfuscht hat. Wenn ein Fotograf aber gar keine Zeit mehr bekommt, sein Licht zu optimieren, der Visagist keine Zeit, ein gutes Make up zu machen und das Model ohne Pause agieren muss, braucht sich niemand zu wundern, dass auch das fertig retuschierte Bild vielleicht hinter den Erwartungen zurück bleibt. Ich denke, es ist sehr einfach, einen guten Job von einem Model zu bekommen: Behandele es nicht als Ware, auch wenn der Tagessatz vielleicht weh tut, den Du an die Agentur zahlen musst . Du kaufst es nicht, Du buchst es nur. Sorge für gute Stimmung. Begegne ihm mit Respekt und Verständis und überlege, was Du in seiner Situation brauchen würdest, um Dich wohl zu fühlen. Und das ist im Grunde nicht viel. Ein gutes Briefing, ab und an eine kleine Pause, ein paar freundliche Worte, was zu trinken und was anständiges zu essen. Und dann verspreche ich Dir, wird es für Dich springen, tanzen, frieren und schwitzen und zu all dem wunderbar leicht lächeln- falls Du das willst.

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