Mama Taxi – ohne mich!

Letzte Woche versuchte ich einen neuen Termin für den Instrumentalunterricht meines Kindes mit der Mutter des Mädchens zu vereinbaren, mit der er Unterricht hat. Ein völlig sinnloses Unterfangen, wie sich bald herausstellte, wohnt die Familie doch in einem Stadtteil von Nürnberg, der so schlecht an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist, dass das Mädchen darauf angewiesen ist, von ihrer Mutter gefahren zu werden, die wiederum aber auch deren Bruder zu dessen Freizeitaktivitäten fahren muss und das zum ohnehin langen Unterricht am Gymnasium – kurzum, es war schlichtweg unmöglich, den Termin zu verlegen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich meine Eltern zu meiner Schulzeit jemals irgendwo extra mit dem Auto hingefahren hätten. Ob nun zum Sport, zum Instrumentalunterricht oder zu sonst einem Hobby, ich fuhr im Sommer mit dem Rad, im Winter mit dem Bus, wie vermutlich die Mehrzahl meiner Altersgenoss(inn)en in der Kleinstadt. Aus die Maus, das war einfach so. Vermutlich aus dieser Selbstverständlichkeit heraus war es mir von Anfang an wichtig, dass sich auch meine Kinder baldmöglichst autark von mir fortbewegen können. Klar, wir wohnen auch so, dass das geht. Kindergarten und Schule sind zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in etwa 20 Minuten zu erreichen und auch alle anderen Aktivitäten haben eine gute Bus oder U-Bahn Verbindung. Wo es geht, fahren wir Fahrrad, was zur Folge hatte, dass ich mit meinem kleinen Sohn immer wieder irrwitzige Diskussionen führen musste, wenn ich ihn direkt auf dem Rückweg vom Arbeiten mit dem Auto vom Kindergarten abholte. Er kann Autofahren einfach nicht leiden. Bei manchen Müttern scheint es allerdings fast so, als gäbe der Stress, den sie als chauffierende Wesen erfahren, ihrem Leben erst Sinn. Zwar nervt es sie vollends, ihre talentierten Kinder von Hobby A zu Hobby B zu fahren, sie tun aber auch rein gar nichts dazu, ihren Kindern diese Verantwortung abzugeben. Letztens erzählte mir eine Dreizehnjährige, sie könne an diesem Tag ihre Freundin nicht mehr besuchen, weil sie niemand fahren könne. Ich fragte nach, wieso sie nicht mit der U-Bahn fahre. Mit großen Kulleraugen erklärte sie mir, dass das auf keinen Fall gehe, da sie sich auf jeden Fall verfahren werde, das mache sie immer. Diese Begründung ließe ich vermutlich gelten, wohnten wir in München, Berlin oder Paris. Aber in Nürnberg gibt es genau 3(!) U-Bahnlinien. Das zauberte mir dann doch ein kleines Schmunzeln auf die Lippen und ich musste mich wundern, dass sie mit dieser Tour zuhause durchkam. Tja, jedem das Seine. Mir würde ein bisschen Landleben auch gut zu Gesicht stehen, aber für mich ist das nichts mit dem Chauffieren. Da warte ich lieber noch. Vielleicht klappt es ja, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Sie können mich dann gerne besuchen – natürlich auch mit dem Auto.

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