Mein großes Kind ist ausgezogen. Naja, nicht endgültig, sondern eher so auf Probe. Bundesfreiwilligendienst. (Genau der, für den im nächsten Jahr die Mittel gekürzt werden sollen. Aber das ist ein anderes Thema.) Nicht allzu weit weg und trotzdem steht sein Zimmer jetzt fast zwei Wochen leer, bis er wiederkommt. Die ersten 24 Stunden denke ich ständig an ihn. Es fühlt sich ganz anders als seine Urlaube mit Freunden in den vergangenen Jahren. Da habe ich nicht fast manisch an ihn gedacht. Aber jetzt kreisen meine Gedanken um ihn. Wie geht es ihm? Was macht er? Begierig sauge ich jedes Video auf, dass er seinem kleinen Bruder schickt. Ist er einsam? Ich fühle mich unsicher, wie oft ich ihm eine Nachricht schicken darf, ohne ihn zu bedrängen. Wie oft ich anrufen darf, ohne ihn zu nerven. Ich denke an die Mütter, die ich so abgeklärt belehrt habe. Du musst sie ziehen lassen, ihnen Raum geben, habe ich gesagt. Ich möchte so nicht sein.
Es wird leichter. Die zweite Woche fühlt sich schon normaler an. Ich genieße die Zeit mit meinem jüngeren Sohn. Das Kochen macht Spaß, wir mögen ähnliche Sachen. Erstaunt bemerke ich, wie viel weniger ich einkaufen muss, weil das immer hungrige Kind an seinem neuen Wohnort bestens verpflegt wird. Ich wasche weniger Wäsche, es ist entspannt, wir grooven uns ein.
Jetzt ist er zuhause, er ist gewachsen. Es tut ihm gut, Verantwortung zu übernehmen. Für sich und für andere. Daheim ist alles wie immer, Zocken, Chatten, Chillen. Fast. Mein liebenswerter Chaot hat sich tatsächlich eine Liste geschrieben, was er noch von zuhause mitnehmen muss. Vorausschauend. Und er hat sich fürs Essen bedankt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Wer sich interessiert, findet hier Infos:
https://www.bundesfreiwilligendienst.de/bundesfreiwilligendienst/platz-einsatzstellensuche
Ohja…. Die Kinder ziehen lassen. Ich kann so mitfühlen. Mein Sohn geht bald nach Kanada- Erfahrungen sammeln nach der Schulzeit. Dann beginnt wohl jetzt die Zeit in der die Kinder am weitesten entfernt sind vom Elternhaus, im Innen wie im Außen. Solange bis sich Jahre später vielleicht wieder mehr gemeinsame Erlebniswelten auftun können. Hm… ein einziges Loslassen ist dieses Kinder kriegen: Abstillen, Ausgehen, Auszug… 😉