Buchtipp: „Im Schnee“ von Tommie Goerz

Wahrscheinlich sind die meisten von Euch froh, dass sich dieser schneereiche Winter dem Ende zuneigt. Und dennoch möchte ich Euch noch rasch dieses Buch vorstellen, dass mich beim Lesen so wunderbar entschleunigt hat.

Denn im Leben des alten Max passiert nicht viel. Er schaut aus dem Fenster, bereitet sich einen Tee, den er selbst zusammengestellt hat aus dem, was eben so wächst in dem kleinen, oberfränkischen Dorf und schürt den Ofen ein, damit er es warm hat. Fernseher und Radio hat er nicht, braucht er auch nicht, wie so vieles, was für die Neubürger aus der Siedlung selbstverständlich ist. Denen begegnen die Dörfler noch immer mit Misstrauen, auch wenn sie schon seit zig Jahren dort wohnen. Und jetzt ist der Schorsch gestorben, Max bester Freund, mit dem er jeden Tag verbracht hat. Wie soll sein Leben jetzt weitergehen? Er kann es sich nicht vorstellen.

Während er mit anderen Dörflern zur Totenwache im Haus des Freundes zusammenkommt und dort erst mit den Männern, dann mit den Frauen die Nacht verbringt, werden Erinnerungen zum Besten gegeben. Die Männer trinken Bier, die Frauen halten sich mit Stricken und Nüsse knacken wach. Draußen schneit es unaufhörlich. Max nickt immer wieder am Bett des Freundes ein, fortgespült in die Vergangenheit, in der längst nicht alles so idyllisch war, wie es der romantisierende Blick des Städters auf dieses einfache Leben vermuten lässt. Denn der Zusammenhalt im Dorf beruht nicht nur darauf, sich gegenseitig zu helfen, sondern auch darauf, wegzuschauen und sich rauszuhalten aus dem, was nicht sein darf. Und so weiß jeder viel über den anderen und dort bleibt es auch.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Ich konnte jedenfalls deutlich merken, wie mein Puls beim Lesen runterfuhr, als ich mich mental in die winterliche Dorflandschaft begab. Tommie Goerz findet einen wunderbaren Sprachthythmus für das Fränkische ohne jemals zu Fränkeln. Ein Kunststück. Als Fan des minimalistischen (Land)lebens bin ich natürlich erstmal dem trügerischen Idyll aufgesessen, um dann eines Besseren belehrt zu werden. Alles hat eben seinen Preis. Und dass man das ländliche Leben niemals romantisieren sollte, habe ich schon von meinen österreichischen Bergfreundinnen gelernt.

Viel Spaß beim Lesen!

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