What about april?

Der Juli ist, was die Fülle an gesellschaftlichen Verpflichtungen angeht, das sommerliche Pendant zum Dezember. Während wir im Dezember von einer Weihnachtsfeier zur nächsten hetzen, geben wir uns im Juli auf den Sommerfesten der Schule, des Kindergartens, der Musikschule, des Sportvereins, des Bund Naturschutzes und der Nachbarschaft die Klinke in die Hand. Es gibt Festivals, Sommernachtskino und Konzerte – auf die wir mal wieder nicht kommen werden. Denn auch beruflich steppt der Bär, wollen doch alle noch ihre Aufträge vor der großen Ferienwelle abwickeln. Es vereinen sich berufliche und private Fremdbestimmung zu einer unaufhaltsamen Verpflichtungslawine. Da bleibt weder Zeit für spontane Freibadbesuche, noch für das Abhängen im Park oder das Sichtreibenlassen in lauen Sommernächten. Feste sind ja echt schön und wichtig, aber wieso könnt ihr nicht mal im April feiern? Das ist doch eine echte Challenge, Sommer kann ja jeder. Wer es dann schafft, trotz Regen oder Schnee eine unvergessliche Sause zu machen, kann sich nachhaltiger Anerkennung gewiss sein.

Lieber nicht.

Bananenbox

Die Bananenbox machte den Anfang aller Artikel, die Eltern eigentlich nicht brauchen, aber irgendwie doch wahnsinnig praktisch sind. Aber beim besten Willen- Bananenbox geht ja nun gar nicht. Es folgten Haarwäschebecher, Trinkflaschenabtropfständer, Mückenschmerzstiller und Seifenspender mit Bewegungssensor. Mal ehrlich, wenn ich all diese Dinge haben sollte, die mir das Leben erleichtern, müsste ich sofort in ein Schloss mit 17 Zimmern ziehen. Oder Produkte zum Thema Schwimmenlernen: Während es früher genau den einen Artikel Schwimmflügel gab, konkurrieren heute Schloris, Schwimmscheiben, Bauchgurt, Schwimmweste und der Ganzkörperschwimmanzug um meine Kaufkraft. Aber es geht ja nur darum, uns Eltern das Leben zu erleichtern. Auch den Kindern wird jegliche Unannehmbarkeit und Eigenleistung abgenommen. Das Kind von heute baut keine Höhle mehr aus Kissen und Decken, nein, diese könnte instabil sein. Es muss das Spielhaus aus Karton sein. Aus Karton wohlgemerkt, nicht ein Karton. Dass das Bauen und Erfinden eigentlich viel mehr Spaß macht, als das Spielen danach, haben die Kindermühe- und Frustrationsabnehmer dabei völlig vergessen. Ein Beispiel von vielen. Liebe Marketingexperten und Produktdesigner, danke für Eure Mühen, aber ich möchte lieber nicht.

Abschalten

Ich habe ja im Allgemeinen eher wenige Marotten, aber eine ist sicherlich, dass ich eine instinktive Abneigung gegen den Mainstream habe. Ich meide kategorisch Blockbuster und Bestsellerlisten. Nur einem bin ich wirklich verfallen- und das ist Martin Suter. Wo ich normalerweise spätestens nach zwei Büchern aufhöre, zum selben Autoren zu  greifen, habe ich von ihm bereits sage und schreibe acht Bücher gelesen. Und ich fand tatsächlich fast alle toll. Und so passierte es, dass ich zu seinem neuen Spiegel-Bestseller griff namens „Abschalten- die Business Class macht Ferien“. Der Klappentext klang interessant und so nahm ich ihn mit nach Hause. Doch was für eine Enttäuschung- eine Aneinanderreihung kurzer Episoden aus dem Leben des erfolgreichen Geschäftsmannes. Dachte ich. Doch dann hatte ich, kurz nachdem ich zu lesen begonnen hatte, einen Job, bei dem ich mit eben so einem zu tun hatte und es war wie damals beim Klaviervorspiel, als mir meine Mutter sagte, ich solle mir vorstellen, es säßen lauter nackte Professoren im Publikum. Die Bilder zogen vor meinem geistigen Auge dahin und ich ertappte mich bei dem ein oder anderen unkontrollierten Grinsen. Denn die Texte sind böse und gemein und holen die Führungselite von ihrem Thron. Wer also ein Vorstellungsgespräch oder einen wichtigen Termin mit einem Vorgesetzten plant und seine Belange ganz gelassen vertreten möchte, möge ihn kaufen. Herrlich herzerfrischend!

Weltmeisterschaft, die Zweite

Also, so ein WM-Spiel ist ja schon spannend, aber so richtig in Fahrt komme ich, wenn ich wochenends am Spielfeldrand stehe, und der Mannschaft meines Sohnes zusehe. Ich bin nämlich jetzt das, was ich nie werden wollte- Fußballmama. Immerhin trage ich (noch) kein T-shirt, das mich als diese ausweist und ich bin auch nicht bei jedem Spiel dabei. Aber wenn, dann benehme ich mich einfach grauenvoll und brülle, was das Zeug hält. Denn es ist ja so einfach- draußen am Spielfeldrand. Der totale Überblick. Ich weiß in jeder Sekunde, wer wann wie und wohin passen, laufen und schießen müsste, um den Sieg davonzutragen. Nur hören sie einfach nicht, die Jungs. Und so gedenke ich unserer Nationalmannschaft. Unser Fachwissen mag mit Ihnen sein. Laufen müssen sie selber.

Übrigens: Im nächsten Weltladen oder unter http://www.gepa-shop.de/handwerk-und-mehr/faire-balle.html gibt`s richtig schöne, gute und faire Fußbälle.

Wir sind Weltmeister!

Als Deutschland 1990 Weltmeister wurde, war ich zwar mittendrin, aber nicht dabei. Ich weiß noch, wie ich einen Fan emotionslos fragte, ob er wohl selbst mitgespielt habe, nachdem er mir ein strahlendes „Wir sind Weltmeister!“ entgegengegrölt hatte. Sage und schreibe 24 Jahre später ist das ganz anders. Ich habe mich auf die WM gefreut und hoffe, dass die deutsche Nationalmannschaft noch das ein oder andere Spiel meistern wird. Denn WM ist kollektive Auszeit. Einfach mal alles stehen und liegen lassen, Freunde und Nachbarn treffen, draußen sitzen und gemeinsam fiebern. Bitte mehr davon!

Druck

Faire Kleidung

Ich habe die Tage einen Artikel gelesen, der bereits im Mai in der Schrot &Korn erschienen ist. Es ging mal wieder um die faire Produktion von Kleidung, ein Thema, mit dem ich mich schon lange beschäftige. Und obwohl die Arbeitsbedingungen in Bangladesch oder anderswo zum Himmel stinken, kaufe auch ich zum Großteil noch munter weiter ein bei den großen Ketten, wo die schnelle Mode zum kleinen Preis zu haben ist. Die High Class Label machen  ja bei den Produktionsbedingungen leider auch meist keinen Unterschied. Und es ließe sich so leicht ändern:

In Bangladesh liegt der gesetzliche Mindestlohn für 48 Stunden Arbeitszeit pro Woche bei 68,- Euro im Monat. Ein existenzsichernder Lohn, von dem die Arbeiter(innen) leben könnten, läge allerdings bei 240,- Euro.

Die Kampagne für saubere Kleidung hat berechnet, dass alle mit einem T-Shirt verbundenen Arbeitslöhne 18 Cent ausmachen. Ein viermal höherer Lohn würde also mit 72 Cent zu Buche schlagen. Das wären gut 50 Cent mehr. Da die Aufschläge der Händler prozentual berechnet werden, müsste der Endverbraucher zwei bis drei Euro (!!!!!) mehr bezahlen.

(Zitat Schrot & Korn 05/14 „Wer näht mein Öko-Shirt?“von Leo Frühschütz)

Das ist für die meisten von uns peanuts. Also, bitte kauft weniger – und öfter fair.

 

Die Plattform für das Online-Bestellen von Fairtrade-Mode: www.avocadostore.de

Infos zur Kampagne und beispielsweise Tips,wo Abiturient(innen) faire Abishirts beziehen können: www.saubere-kleidung.de

Supercoole hoodies & Co unter: http://de.dawanda.com/shop/kenpanda

Eine tolle Firma nicht nur mit Hanfmode: www.hempage.de

länger hell, die Zweite

Meine liebe Couca,

das Problem, dass wir abends nicht so lange im Biergarten sitzen können, weil unser Kind ins Bett muss, ist uns überraschenderweise fremd. Und hat auch eigentlich überhaupt nichts mit uns zu tun. Die Kinder haben sich von Anbeginn ihres Daseins dazu entschieden, sommers wie winters völlig unterschiedliche Schlafgewohnheiten zu pflegen. Während sie im Winter friedlich um 8 Uhr abends im Bett zu liegen pflegen, geht im Sommer vor 22 Uhr überhaupt nichts. Zu hell, zu aufregend, zu sommer. Wie sie das die Saison über verkraften, ohne tagsüber zusammen zu brechen oder übellaunig zu werden, frage ich mich manchmal schon. Aber ich schweige dann und genieße. Cin Cin, meine Liebe….

Absurdistan-warum Kinder von getrennten Eltern oft mehr von ihren Vätern haben

Und wieder ist eine Beziehung in unserem Freundeskreis zerbrochen. Das ist an und für sich schon sehr traurig. Aber was mich wirklich sprachlos macht, ist, dass das, was oft Mit-Ursache für ein Auseinanderleben ist, nach der Trennung oft kein Thema mehr ist. Wäre es aber vorher kein Thema gewesen, wären wohl viele dieser Beziehungen erst gar nicht auseinandergegangen. Ich spreche von der Zeit für die Kinder. Noch immer übernehmen in den meisten Beziehungen die Frauen die Hauptversorgung der Kinder, völlig egal, ob sie arbeiten oder nicht. Es geht dabei um all die täglich zu organisierenden Aufgaben, von der Verpflegung mit Essen, über Terminabsprachen mit Freunden, Arzttermine, Hausaufgabenbetreuung, und vieles mehr. Die Väter kommen dann mal eine Runde zum Toben vorbei, um sich dann wieder ihren Belangen zu widmen- wie selbstverständlich ermöglicht von den verantwortungsbewussten Frauen, die ja den Alltag sowieso besser im Griff zu haben scheinen. Weiterlesen →

Vorfrühling

Wenn es bei uns an der Tür klingelt, finden für gewöhnlich zwei der folgenden Handlungsabläufe statt:

Der 1.Fall: Es passiert überhaupt nichts, da alle möglichen Türöffner geflissentlich bemüht sind, das störende Geräusch zu überhören, weil sie gerade hoch konzentriert Lego spielen oder sich nicht von der Arbeit am Computer lösen können.

Der 2.Fall: Mindestens ein Kind stürzt sich so, wie es gerade ist, tollkühn die Treppe hinunter, um den vermeintlichen Besuch oder den heimkommenden Elternteil freudig zu empfangen.

So geschehen an jenem Abend, als es gegen Acht Uhr klingelte. Mein achtjähriger Sohn, bereits im Schlafanzug, stürzte sich johlend die Treppe hinunter und schoss wenige Sekunden später wie ein geölter Blitz, seltsame Laute hervorstoßend und irgendwie komisch zuckend wieder an mir vorbei in die Wohnung zurück. Verwundert wartete ich auf die wundersame Person, die diese Reaktion ausgelöst hatte. Es war Mathilda, eine sehr nette Mitschülerin, die etwas bei uns abgeben sollte. Das kann ja heiter werden.Bild

Stereotyp?

No_butter!Manchmal laufe ich bei meiner morgendlichen Runde unter einer Brücke hindurch, die einem Obdachlosen  Schutz vor Regen bietet. Bis zu jenem Tag,wusste ich allerdings nicht, wer sich unter den Decken verbarg. Ich beschloss, ein Croissant zum Frühstück vorbei zu bringen, in der Annahme, dass dies nach einer kühlen Nacht eine nette Überraschung sein könne. Als ich ankam, sass der Nachtgast tatsächlich bereits an seiner Feuerstelle und köchelte etwas. Als ich ihm das Croissant überreichen wollte, zuckte er entschuldigend mit den Schultern und sagte, er esse keine Butter. Wie sich herausstellte, ist der Mann Veganer. Nichts ist eben, wie es scheint.

Ohne mich.

No_cleaningIch putze seit mittlerweile 7 Jahren Kindertageseinrichtungen und ich muss sagen- ich will nicht mehr. Jede private Einrichtung hat ihre Anforderungen und ich habe bis jetzt alles bereitwillig mitgemacht. Ich habe alle 14 Tage Essen für 12 Krippenkinder und 3 Erzieherinnen gekocht, ich habe Waffelteig für das Sommerfest vorbereitet, Plakate fürs Stadtteilfest gestaltet und bei der Schulzeitung mitgearbeitet. Wie gesagt, die Anforderungen ändern sich- nur eine haben sie alle gemeinsam: den Putzdienst. Fand ich es beim ersten Mal noch interessant, die Spielsachen der Kinder kennenzulernen, steigt heute in mir der der Widerwille hoch, wenn ich am Wochenende nach einem anstrengenden Job kreuzlahm Regale auswischen soll, die wesentlich sauberer sind, als jedes einzelne meiner Möbelstücke zu Hause. Weil ich ja auch dort nur ungern Stunden meines knapp bemessenen Zeitkontingents dem Putzen opfere. Mit jedem Wisch über ein weiteres bereits strahlendes Regal packt mich die Wut. Es muss Schluss sein. Ich fordere: Putzdienst den Reinigungsfirmen! Dann lieber kochen.

40 und jetzt?

Viele von uns Mädels werden dies Jahr 40. Und das Leben sieht bei den meisten ganz anders aus, als wir es uns als Teil der „Generation Golf“ einmal vorgestellt haben. Wir sind mittendrin statt angekommen. Jobsuche, Familienplanung, teure Mieten, 400,-€ Jobs. Wir sind vom Wohlstandsross unserer Eltern oft unsanft abgeschmissen worden und suchen neue Wege. Tauschbörsen oder Carsharing werden als Produkte unseres ökologischen und sozialen Verantwortungsbewusstseins kommuniziert, ich bin mir aber sicher, dass viele von uns teilen müssen, weil sie es sich- vor allem als Eltern von Kindern- nicht mehr leisten können, alles neu und selber zu kaufen. Die Frage ist, wie wir mit dieser neuen Lebenssituation umgehen. Eins ist klar: im Vergleich zu den meisten anderen Ländern, geht es uns  sehr gut. Und wie sich schon oft gezeigt hat, gibt es auch viel Positives, wenn die Menschen näher zusammenrücken müssen, weil sie nicht alles selbst haben und können. Viele Ansprüche, die wir für selbstverständlich gehaltenen haben, müssen wir sicherlich zurückschrauben. Aber wir sollten auch deutlich zeigen, wann der Preis für  die Anpassungen an unsere globalisierte Welt zu hoch geworden ist.

Johanniskraut for free.

Johanniskraut1Obwohl ich ja nun selber keine 20 mehr bin, muss ich mich in guter, alter Jugendmanier doch mal kurz über die Rentner(innen) auslassen, die, der zahlreichen Ausnahmen zum Trotz, leider manchmal alle Vorurteile bestätigen. Letzte Woche wollte ich vormittags kurz vor einem Job noch Klamotten umtauschen. Auch dies rein beruflicher Natur. An den Kassen vor mir natürlich nur Damen fortgeschrittenen Alters. Einige von Ihnen waren auf die sinnvolle Idee gekommen, eine Mittelschlange zu bilden, um von dort aus der Reihe nach zur nächsten, freien Kasse vordringen zu können. Dann kam SIE und stellte sich ganz beiläufig neben uns, um doch nach einer Minute zu uns herüberzublicken und leicht erstaunt zufragen: „Ach, Sie stehen an?“. Es schien, als wolle SIE sich ins System einfügen, aber es widerstrebte ihrer Natur so sehr , dass es kurz darauf aus ihr hervorquoll. “ Also, wenn man sich anstellt, kann man aber nicht die ganze Zeit im Wühltisch herumsuchen( was meine Voranstellerin seit geraumer Zeit tat), da weiß man ja gar nicht, dass Sie sich anstellen.“ Ich entgegnete: „Aber das wissen Sie doch bereits.“ Ich spare mir an dieser Stelle die Verwünschungstiraden, die SIE auf mich herabschleuderte. Es bleibt zu ergänzen, dass sich unsere Mittelschlange kurze Zeit danach auflöste, ich natürlich an der Kasse landete, an der ich am längsten warten musste, um fast zu spät zu meinem Job zu kommen und während des Wartens noch miterleben durfte, wie SIE ihrem Beschwerdepotential an der Kasse weiter freien Lauf ließ.

Johanniskraut for free!