Auf die Bubble!

Seit fast zwei Monaten habe ich kein Auto mehr. Ich gebe es zu, ich habe es ein wenig darauf angelegt, als ich mich dazu entschlossen habe, nicht mehr zu leasen und mich nur sehr unmotiviert darum bemüht habe, ein Gebrauchtwagen zu finden, in einer Zeit, in der es kaum attraktive Gebrauchtwagenangebote gibt. Denn eigentlich brauche ich beruflich ein Auto, weil ich immer so einiges zu transportieren habe. Und trotzdem hat es mich irgendwie gejuckt, zu sehen, wie ich es ohne hinbekomme. Ich muss sagen, in Nürnberg funktioniert das wirklich gut. Im Umkreis von etwa 600 Metern gibt es bei uns drei Autoverleihstationen, an denen ich jederzeit unkompliziert ein Fahrzeug leihen kann. Solange ich im Stadtgebiet unterwegs bin, funktioniert das super. Fahrten aufs Land fallen allerdings weg- viel zu teuer. Für diesen Fall haben mir sehr liebe Freunde angeboten, ihr Auto zu leihen. Großartig. Wenn das Wetter es zulässt, nehme ich mein Lastenrad, das ich letztes Jahr zu diesem Zweck angeschafft habe. Ich nutze es jetzt allerdings viel öfter, denn die bequeme Alternative „Auto vor der Tür“ fällt weg. Gutes Wetter definiere ich seitdem weitaus großzügiger.

Ein Hoch auch auf die VAG, Navigations-Apps und das Deutschlandticket. Ich kann jederzeit von zuhause losgehen, ohne mich vorher aufwendig informieren zu müssen und ohne mich um irgendwelche Tickets zu kümmern, ich weiß, dass ich ohne viel Wartezeiten meine Anschlüsse bekomme und unkompliziert an mein Ziel gelange. Chapeau. Und ob ich eine halbe Stunde früher oder später zuhause bin, interessiert ehrlicherweise in dieser meiner Lebensphase niemanden mehr. Die Mobilitätswende würde so viel schneller funktionieren, wenn jeder Bürger kostenlos oder zumindest zu einem niedrigen Dauertarif fahren könnte, das senkt die Hürden wirklich enorm. Selbstverständlich funktioniert das nur, wenn die Bahn nicht vorher ihre letzten Fans durch die ständigen Streiks vergrault.

Es fühlt sich gerade so ähnlich an, wie meine Entscheidung damals, kein Fleisch mehr zu essen. Ich glaube, ich habe nie versucht, jemanden zu missionieren. Bis heute habe ich kein Problem damit, wenn andere Fleisch essen, es geht ja eher um das wie und was, aber selbst da halte ich niemandem Predigten. Was mich allerdings schon antreibt, ist zu zeigen, dass es auch anders gehen kann. Und dass es sogar Spaß machen und das Leben bereichern kann. Sehr witzig, wenn ich jetzt einer Familienmutter mit drei Kleinkindern, die seit Jahren von einem Auto träumt, erzähle, welche Vorteile das Leben ohne Auto hat. Never ever, ich würde es ihr von Herzen gönnen. Es geht eher darum, die zu ermutigen, die vielleicht aus Gewohnheit seit Jahren nicht mehr versucht haben, andere Wege zu gehen.

Andererseits frage ich mich schon, was dieses Theater um Umwelt- und Klimaschutz eigentlich soll, wenn mir mal wieder Menschen vorschwärmen, dass sie fünfmal im Jahr zum Backpacken fliegen. Im Ernst? Warum nicht einmal in fünf Jahren? Weil sowieso schon alles egal ist und wir noch mitnehmen sollten, was geht? Solange alle It-Girls und Boys den Luxus als maximales Lebensziel zelebrieren und Länder wie Dubai als heißer Scheiß gelten, sehe ich da echt schwarz, die Massen für ein gemeinsames Ziel zu mobilisieren. Betrachtet man den Klimawandel allerdings als naturgemacht, entfallen sowieso sämtliche Argumente. Und ich strampele mich ab, um meinen Fußabdruck zu senken? Klingt maximal bescheuert.

Manchmal bin ich unendlich froh, dass ich mich in meine persönliche Bubble zurückziehen kann. Dass mich dann Menschen umgeben, mit denen ich ähnliche Werte teile und die so ähnlich leben wie ich. Die mir die Sicherheit geben, dass das, an was ich glaube, nicht vollkommen absurd ist, und somit dafür sorgen, dass ich nicht mein ganzes Leben, meine Erfahrungen und Überzeugungen in Frage stellen muss. Und so geht es auch Menschen in anderen Bubbles. Natürlich müssen sich verschiedene Bubbles treffen und wir müssen uns austauschen und diskutieren und idealerweise neue und gemeinsame Bubbles erschaffen. Aber in einer Zeit mit so vielen offenen Fragen, mit so viel kursierendem Wissen und Halbwissen, mit Fakenews und ganz viel Unsicherheit, dürfen und müssen wir es uns auch mal bequem machen. Ausatmen, Nähe spüren und Kraft tanken für das nächste Gefecht.

Vielleicht mögt ihr es mal ausprobieren:

https://scouter.de (Einfaches Mieten von Leihautos an verschiedenen Standorten in Deutschland)

https://www.vgn.de/egon (Eine App, die das Fahren im VGN zumindest wesentlich günstiger macht)

Greenhorn

papierfliegenFür viele Menschen ist ja Fliegen heutzutage so selbstverständlich wie mit dem Auto zu fahren. Vielleicht sogar selbstverständlicher, nennen Großstädter Letzteres ja immer seltener ihr Eigen, da sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln meist wesentlich schneller ans Ziel gelangen. Beispielsweise zum Flughafen. Ich dagegen fliege weder beruflich noch privat regelmäßig, sondern nutze für weitere Reisen meist das Auto und, wo es mir möglich ist, ganz old fashioned, die Bahn, obwohl zugegebenermaßen jeder zweite Zug Verspätung hat oder gar ausfällt. Aber da bin ich irgendwie erstaunlich leidensfähig, glaube ich doch noch irgendwie an das Gute bei der DB. Manche jungen Kosmopolit(inn)en, die in der ganzen Welt arbeiten und Party machen, denken gar nicht mehr darüber nach, ob es irgendeinen Sinn macht, zu fliegen und wählen beispielsweise für ihre Reise von Berlin nach Nürnberg den Flieger nach München, um von dort nach Nürnberg weiterzufliegen – bei näherer Betrachtung ein absurdes Unterfangen, aber kritische Fragen zum Umweltschutz existieren in ihrer Welt nicht. Genauso wenig, wie sie die Sinnhaftigkeit hinterfragen, ein Shirt aus einem australischen Online Shop zu ordern, das einmal um die ganze Welt zu ihnen geflogen wird, am Besten innerhalb 48 Stunden. Die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, wieso also nicht nutzen. Aber dazu ein andermal mehr, zurück zu mir. Wenn sich nämlich so ein Greenhorn wie ich zu einem Flug aufmacht, erlebt es mit höchster Wahrscheinlichkeit erst mal sein Wunder. Es wird nämlich vermutlich nicht mit den anderen Passagieren abheben. Die meisten Airlines buchen inzwischen über, damit sie keine Verluste einfahren, das heißt, wer zuletzt und vielleicht auch noch am Schalter eincheckt, hat verloren. Und das sind natürlich nicht die mit allen Wassern gewaschenen Vielflieger, die selbstverständlich online einchecken und einen Riesenaufstand fabrizieren, wenn man ihnen erzählt, sie seien STAND BY und könnten eventuell nicht mitfliegen. Wer am lautesten schreit, kommt mit, den anderen wird ein späterer Flug und ein Reisegutschein angeboten. Wohl dem, der dann keinen Anschlussflug erreichen muss. Ich bin also wieder nach Hause gegangen und bin am nächsten Morgen geflogen – was ich mit meinem Reisegutschein mache, weiß ich noch nicht. Von meinen drei beruflichen Inlandsflügen, die ich an diesem Tag antrat, hatte der zweite eineinhalb Stunden Verspätung und für die Strecke des Dritten hätte ich mit dem Auto zweieinhalb Stunden gebraucht. Das hat für mich alles nicht so recht Sinn gemacht. Aber meinen Horizont habe ich immerhin erweitert und weiß jetzt: immer online einchecken , das geht ganz leicht auf der Seite der Airline. Aber ob das noch so sein wird, wenn ich nächstes Mal fliege, das weiß ich nicht. Am Besten frage ich dann vorher jemanden, der sich damit auskennt und über meinen Erlebnisbericht gerade nur müde lächeln kann. Vielleicht hilft die kleine Episode aus meinem Leben irgendjemandem, planmäßig an seinem Reiseziel zu landen. Das würde mich freuen 🙂