Meine Freunde vom Autohaus

Ich begab mich im Juni auf die Suche nach einem neuen Auto, mal wieder, nach drei Jahren Leasing. Eine für mich sehr unliebsame Aufgabe, der ich nur mit Widerwillen nachkomme. Ein Auto muss für mich nur wenige Voraussetzungen erfüllen. Die Wichtigste: es muss mich zuverlässig von A nach B bringen. Optik und Marke – egal.

Um in diesen unsicheren Zeiten die Kosten gering zu halten, wollte ich mich diesmal nach einem Kleinwagen umsehen. Der Skoda Citigo schien geeignet. Ich fand tatsächlich ein Autohaus, das über ein Exemplar zur Probefahrt verfügte, sowie über einen Verkäufer, der sich nicht ausschließlich wegen Kurzarbeit zu Hause aufhielt. ( Ich wurde während meiner Suche in den kommenden Wochen noch des Öfteren versetzt, weil die Nachfrage nach Fahrzeugen offensichtlich weitaus größer war, als die physische Präsenz von Personal.)

Als ich zu einem namhaften Autohaus der Region fuhr, begrüßte mich der Verkäufer mit den Worten, ich könne gleich wieder fahren, sie nähmen sowieso keine Bestellungen mehr an, da sie eine solch lange Warteliste hätten, dass die Auslieferung bereits ein Jahr dauere. Wie war das noch mit Kaufprämien? Das einzige vorhandene Fahrzeug böten sie für einen völlig überteuerten Preis an, damit es auch ja niemand kaufe. Ist ja klar. Ich fragte mich schon, warum mich die freundliche Dame am Telefon nicht gleich über diesen Sachverhalt informiert hatte und beharrte darauf, mich wenigstens mal kurz hineinzusetzen, wenn ich schon extra gekommen war. Dass es das Fahrzeug nur noch elektronisch geben würde, wenn überhaupt jemals wieder, hatte mir die Homepage des Anbieters verschwiegen.

Ähnliche Erfahrungen bei anderen Marken. Die Schnäppchenpreise aus dem Internet galten stets nur für Neuwagenbestellungen, von denen aber niemand sagen konnte, wie lange die Lieferung dauern würde, da ja die Bänder stillstanden. Ah ja. Die Wagen allerdings, die bereits beim Händler auf dem Hof standen, kosteten gut und gerne das Doppelte wie ihre Zukunftsversionen aus dem Internet. Macht ja auch Sinn, wenn man etwas loswerden will. Kennt man vom Schlussverkauf, alles möglichst teuer anbieten, das steigert die Begehrlichkeit. Sehr gefreut habe ich mich dann über diese Mail eines überaus freundlichen Autoverkäufers:

Hallo Frau ***,

anbei das Leasingangebot über welches wir gerade gesprochen haben. Wie Sie ersehen können ist im Vergleich zum Flatrate Model das Leasing sehr hoch. Ich gehe davon aus, dass Ihnen das Angebot nicht zusagen wird.

Das bedauere ich natürlich sehr. Eine andere Alternative habe ich leider nicht. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und verbleibe.

Mit freundlichen Grüßen,

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Da fühlt man sich doch wirklich gut angenommen als Kunde. Das Gebrauchtfahrzeug, für das ich mich schließlich entschied, bekam ich übrigens ungewaschen, ohne Antenne und mit etlichen Kratzern übergeben.

Man kann vielleicht verstehen, warum ich bei finanziellen Hilfegesuchen der Automobilindustrie an die Bundesregierung jedes Mal zusammenzucke. Denn ich bin durchaus kein Einzelfall, mehrere, überaus sympathische Menschen, die ich kenne und die in den vergangenen Monaten ein Auto erwerben wollten, wurden behandelt wie Hautausschlag oder etwas anderes, das man auf keinen Fall haben möchte. Mir ist klar, dass der Verkäufer nicht mit dem Hersteller gleichzustellen ist, aber er steht eben doch am Ende der Lieferkette und repräsentiert die Marke. Für eine Umverteilung des Einkommens vom Autoverkäufer zum Werksarbeiter wäre ich jedenfalls eher zu haben, als für irgendwelche Subventionen. Herzen erobert man anders.