Hosiana

Gestern morgen erwachte ich in Gedanken über den Himmel und seine vermeintlichen Bewohner und stieß dabei auf einige Ungereimtheiten. Das soll ja so ein schöner Ort sein nach dem Tod. Aber wie soll das dann mit den ganzen älteren Menschen gehen, die Schlaftabletten nehmen müssen, um nachts zur Ruhe zu kommen. Um das Gedankenkarussell zu beenden, das wieder und wieder all das vorbeiziehen lässt, was in diesem Leben schief gelaufen ist, was sie vielleicht anders hätten machen sollen oder was sie verloren haben. Wie soll das dann nur sein, wenn die dann von ihrer Wolke im Himmel auf die Erde hinab blicken? Ein niemals mehr endendes Gedankenkarussell, unfähig, in das Geschehen einzugreifen? Höchststrafe, zu mal es im Himmel, soweit ich weiß, keine Bettruhe gibt – und Schlaftabletten ja sowieso nicht. Von meiner kindlichen Vorstellung, meine lieben Verstorbenen blickten wohlwollend vom Himmel auf mich hernieder, muss ich mich wohl verabschieden. Vermutlich fragen sie sich andauernd, was sie mit mir anders hätten machen sollen und grämen sich, nichts mehr tun zu können. Oder aber im Himmel gibt es irgendwelche Endorphinnebel, die einfach happy machen und das Leben auf Erden so eher rosarot erscheinen lassen. Aber vielleicht ist es ja auch ganz anders und das hat alles mit dieser ominösen Seele zu tun. Das sich marternde Hirn bleibt auf der Erde zurück und die Verstorbenen sind ganz beseelt, quasi jenseits aller Realität auf Erden. Vielleicht habe ich da was verstanden. Beim Münchner im Himmel war das natürlich alles noch mal ganz anders. Und jetzt habe ich auch endlich eine schlüssige Erklärung gefunden, warum das mit den bayrischen Ministerpräsidenten ( siehe Kaperltheater) nichts wird.

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