Herbstwetterkompensation

Kälteeinbruch, Dunkelheit, Nässe. Der Herbst überrascht mich – wie jedes Jahr- vollkommen unvorbereitet und so mummele ich mich zuhause samt Wärmflasche in eine Decke ein und stelle Beobachtungen an. Mein Schokoladenkonsum hat sich bereits drastisch erhöht, im verzweifelten Versuch, dem rapiden Absturz der Stimmung mittels Serotonin Einhalt zu gebieten. Dumm, dass ich aus dem Schwedenurlaub auch noch so viele hier unbekannte leckere Sorten mitgebracht habe, die ich mir jetzt ungehemmt einverleiben kann. Biologisch betrachtet, könnte ich mein Verhalten damit erklären, dass ich mich auf die Winterruhe vorbereite und mir noch ein kleines Polster anlegen muss für die Zeit, in der ich mich nicht mehr zur Nahrungsaufnahme aus dem Bett zu stemmen vermag. Dazu passt, dass ich nachmittags augenblicklich einzuschlafen drohe, wenn ich mich dem Sofa oder Bett auch nur auf wenige Meter nähere.

Es gibt aber auch positive Aspekte dieser Jahreszeit. Der Herbst ist die Zeit der Pilzliebhaber und auch ich gehöre dazu, seit mir liebe Freundinnen eine Pilzwanderung geschenkt haben, der ich vor kurzem beiwohnte. Unsere Pilzkundige schien einem Hollywoodstreifen entsprungen, nur so konnte sie aussehen, eine zierliche Person mit großem Hut, kleinen, engstehenden Äuglein und einer Nase, die bestens geeignet scheint, Pilze anhand ihrer manchmal kräftigen, oft aber auch kaum wahrnehmbaren Geruchsnoten zu identifizieren. Bis zur Hälfte der Wanderung wussten wir über zahlreiche Todesfälle Bescheid. Da gab es Pilze, deren Giftstoffe sich über Jahrzehnte anlagerten und erst dann- unerwartet und hinterhältig- zuschlugen. Wir hörten von einer Vielzahl an Doppelgängern vermeintlich unverkennbarer Speisepilze, die ihre ahnungslosen Esser blitzschnell niederstreckten. Wir erfuhren von tödlichen Allergien, die von einem Tag auf den anderen den Pilzgenuss zur tödlichen Falle machten. Das Auftreten von Brechdurchfällen aufgrund zu kurzer Kochzeit gehörte zu den harmloseren Infos. Zur Halbzeit war meinen pilzkundigen Freundinnen jedenfalls gehörig der Appetit auf ihr herbstliches Hobby vergangen und sie fragten sich, wie sie so lange hatten überleben können. Aber Ende gut alles gut. Als wir weitergingen, stolperte ich direkt am Wegesrand über eine Familie von Parasolen, leicht identifizierbar und einwandfrei genießbar, solange man sie mindestens 20 Minuten erhitzt und weder zu junge noch zu alte sammelt. Und auch die ersten Steinpilze ließen nicht lange auf sich warten. Happy end!

Die Wanderung hallt jedenfalls bei mir Greenhorn nach und ich verneige mich vor so viel Wissen und dessen Vermittlung. So eine Wanderung könnte ein wiederkehrendes herbstliches Highlight werden. Spannender als ein Krimidinner ist sie allemal.

Und darum geht es ja, aus jeder Jahreszeit etwas Gutes zu machen. Nur Sommer ist halt nicht, zumindest in unseren Breitengraden. Als ich diese Woche an einem dieser On & Off Regen Tage im Auto einer grauen Wolkenwand entgegenfuhr, wollte ich gerade mürrisch werden, als auf eben dieser ein riesengroßer Regenbogen erschien, begleitet von einem deutlich blasseren, aber nicht weniger bezaubernden Doppelgänger. Ein Synonym fürs Leben und eine kleine Erinnerung, das Schöne zu sehen. Dankbarkeit und so, ihr wisst schon.

Ich wünsche Euch gemütliche Herbsttage und wer Lust auf eine Pilzwanderung in und um Nürnberg hat, hier der Link: Pilzwanderung

Eure Ella