Ach ja, Weihnachten…

Seit Tagen schleiche ich in Gedanken um diesen Blogbeitrag herum. Weihnachten- das ist nicht so mein Ding. Dieses alljährlich wiederkehrende Ereignis, das bis oben proppenvoll gestopft ist mit Erwartungen an Familie, die meist wenig mit der Realität zu tun haben, aber mit unerschütterlicher Entschlossenheit und dem Ignorieren aller Probleme verteidigt werden. Puh.

Dabei gibt es so viel Positives, das ich Euch berichten wollte. Nachdem das Jahr für mich mental schwierig angefangen hat, hat sich vieles nach meinem Yoga-Retreat verändert. Ich habe den Worten meiner Yogalehrerin vertraut, die mir sagte, dass sich alles finden werde und mir den Weg in die Dankbarkeit gezeigt hat. Ich danke Dir dafür von Herzen, liebe Petra!

Ich den Wochen danach habe ich meinen Kaffee auf dem Balkon getrunken und dabei den Vögeln gelauscht – und sonst nichts. Achtsamkeit anstelle von Berieselung. Dankbarkeit, auch für die kleinen Dinge. Als ich morgens zur Arbeit gefahren bin und mir ein Autofahrer die Vorfahrt genommen hat, habe ich, statt mich wie sonst aufzuregen, überlegt, ob er vielleicht verschlafen habe könnte und jetzt ganz schön unter Strom steht. Dass er es vermutlich gar nicht bemerkt hat, dass er mir die Vorfahrt genommen hat und es nicht aus Boshaftigkeit getan hat. Ich bin ihm wohlwollend begegnet, anstatt über ihn zu urteilen. Meine Yogaeinheiten halfen und helfen mir, mich in meinem Körper pudelwohl zu fühlen, bei mir zu bleiben und dem Alltag gelassener zu begegnen. Atmen und Körperwahrnehmung. Als ich zum Herbstbeginn merkte, wie müde und abgeschlagen ich war, kamen die Worte meiner Yogalehrerin Nicola zur rechten Zeit, die uns daran erinnert hatte, diesen Zustand der Erschöpfung anzunehmen, anstatt ihn in unserem durchgetakteten Alltag zu bekämpfen. Dass es normal ist, dass wir im Rhythmus der Jahreszeiten unterschiedliche Energiezustände haben. Runterfahren. Das erste Mal seit vielen Jahren hatte ich kein Problem mehr, dass der Winter kam und zelebrierte es, mich bereits um acht Uhr abends in meiner Daunendecke einzukuscheln und zu lesen. Ich weiß, dass es im Frühjahr wieder ganz anders werden wird. Ein Teil des großen Ganzen zu sein, fühlt sich wunderbar an. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Aber auch das hundertfach gehörte „Lass` los!“ der Schluss Meditation meiner Onlinekurse klang mir oft in den Ohren, wenn es mein Leben verlangte. Das Kind ziehen lassen, und zwar nicht nur räumlich, ungute Beziehungen, Ängste, Erwartungen, Dinge, die man hortet, körperliche Anspannung, Gedanken – Loslassen ist befreiend und setzt viel Energie frei!

In diesem Spirit befand ich mich noch Anfang Dezember. Ich wollte mein Glück hinausschreien und mit der ganzen Welt teilen: „Es funktioniert wirklich, Du musst Dich nur auf den Weg machen, vertraue mir!“ Aber Veränderung ist natürlich nicht nur leicht, sie stellt auch vieles in Frage. Die Puzzleteilchen des Lebens müssen neu sortiert und geordnet werden- und das ist verdammt anstrengend und macht mir das Atmen manchmal schwer. Und jetzt also Weihnachten und sein ganzer Ballast. Und natürlich auch die vermutlich bescheuerte Erwartung an mich selbst, etwas dazu zu schreiben. Dabei hat ja eigentlich sowieso niemand die Muße, kurz vor Weihnachten, einen so langen Text lesen. Loslassen wäre angesagt.

Anstatt hochtrabenden Blablas habe mich entschieden, mit Euch etwas Lebenspraktisches zu teilen. Da an den Feiertagen die Bäckereien geschlossen haben werden, mag sich vielleicht die eine oder der andere von meinen Erfahrungen als Brötchenbäckerin inspirieren lassen und noch schnell frische Hefe kaufen gehen. Eigentlich ist das nämlich wirklich einfach – man muss nur EINES unbedingt beachten!

Als ich vor geraumer Zeit auf die Idee kam, spontan Brötchen zu backen, stieß ich auf Rezepte, bei denen der Teig über Nacht im Kühlschrank ruhen muss. Ich hatte davon gehört, dass es diese Methode bei Pizzateig gab. Da ich aber von Kindheit an gelernt hatte, dass Hefe Wärme mag, war mir das Ganze ein bisschen suspekt. Dennoch versuchte ich es. Der Teig war tatsächlich nach knapp 5 Minuten geknetet und ich stellte ihn in einer Tupperbox mit ausreichend Platz zum Aufgehen in den Kühlschrank und begab mich zu Bett. Als ich diesen am nächsten Morgen öffnete, bekam ich erstmal einen Lachanfall. Der Kühlschrank sah aus, als habe man ihn mit Halloween Spinnwebenspray überzogen. Der Teig war so krass aufgegangen, dass es ihn quasi aus der Box gesprengt hatte und er sich dekorativ im ganzen Kühlschrank verteilt hatte. Naja, ich gebe zu, dass ich wesentlich mehr Hefe verwendet hatte als im Originalrezept angegeben, weil mir das unrealistisch vorkam. Ich kratzte schließlich den verteilten Teig zusammen und buk daraus Brötchen. Und ich muss sagen, sie sind wirklich gut geworden, innen schön locker fluffig, die Kruste nicht zu hart. Funktioniert astrein und geht relativ schnell. Ich habe es dann nochmal getan, diesmal allerdings mit großer Schüssel und viel Platz- es hat gerade so gelangt. Also, DAS ist das einzig Wichtige – Raum zum Ausbreiten, irgendwie ja fast spirituell, wenn ich darüber nachdenke;-) Ihr könnt es natürlich auch mit weniger Hefe versuchen und mir schreiben, ob es dann auch so gut wird. Falls ihr also Lust auf ein Experiment verspürt, hier das Rezept:

Weiße Brötchen ( 9 Stück):

¾ Würfel frische Hefe

370g Wasser

500g Weizenmehl

2 TL Salz

1 gehäufter TL Zucker

Die Hefe in lauwarmen Wasser auflösen. Mehl, Salz und Zucker in einer Schüssel mischen und das Hefe-Wasser locker unterheben. Mit dem Knethaken so lange rühren, bis das Wasser gebunden ist. Abdecken und über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Morgen den Ofen auf 240°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben, in neun gleichgroße Quadrate schneiden. Die gegenüberliegenden Ecken jeweils in der Mitte übereinanderlegen und fertig geformte Brötchen auf ein Backblech mit Backpapier legen. Etwas Wasser in einer feuerfesten Form auf den Boden des Ofens stellen und dann die Brötchen auf der mittleren Schiene etwa 20 Minuten backen.

Euch eine entspannte und leckere Weihnachtszeit!

Alles Liebe,

Ella

Anekdote aus dem Leben einer Yoga-Schülerin

Wer meinem Blog schon längere Zeit folgt, weiß, dass ich auf unseren bayerischen Ministerpräsidenten – Herrn Markus Söder – nicht sonderlich gut zu sprechen bin. Mein „altes Ich“ hätte ihn an dieser Stelle als aufgeblasenen Lackaffen und Wendehals betitelt, aber das ist ein für alle Mal vorbei. Ich nenne ihn jetzt einfach Markus. Meine Welt hat sich nämlich grundlegend verändert und das ging so:

Auf dem Yoga-Retreat, an dem ich kürzlich teilgenommen habe, durfte ich eine sehr bekannte Meditationsmethode kennenlernen – Metta Bhavana ( deutsch: Mitgefühl / Entwicklung). Sie dient zur Entwicklung einer „mitfühlenden, altruistischen und ego-freien Geisteshaltung“, wie ich nachgelesen habe, ich will Euch ja keinen Blödsinn erzählen.

So weit schon die Theorie. Der Wortlaut der Meditation variiert, aber sinngemäß bedenkt man zuerst sich selbst mit folgenden Worten:

Möge ich geborgen sein.

Möge ich gesund sein.

Möge ich glücklich sein.

Möge ich in Frieden leben.

Also tatsächlich ein ganzes Bouquet bester Wünsche. Als nächstes visualisiert man einen Menschen, den man liebt oder sehr gerne hat und spricht für ihn im Geiste diese Worte.

Mögest Du geborgen sein.

Mögest du gesund sein.

Mögest du glücklich sein.

Mögest du in Frieden leben.

Das gelingt spielerisch und macht viel Freude. Als Drittes lässt man die guten Wünsche jemandem zuteilwerden, dem man nur flüchtig begegnet ist. Es fiel mir beim ersten Mal schwer, mich zwischen meinem Paket- Reinigungs-Mann und dem Schneider zu entscheiden, dem ich seit Jahren unsere Hosen zum Flicken bringe. Ich hoffte, der Segen würde trotzdem wirken, also halb, halb oder zumindest bei einem.

Als Letztes wartete die schwierigste Aufgabe. Man soll nämlich eine Person bedenken, die man hasst oder zumindest nicht ausstehen kann. Und hier, ihr könnt es euch denken, kam Markus ins Spiel. Er wurde mein Auserwählter, dem ich in bestmöglicher Aufrichtigkeit Geborgenheit, Gesundheit, Glück und Frieden wünschte. Und ich tat es am nächsten Tag wieder und es fühlte sich schon leichter an.

Und dann geschah das Unglaubliche. Nach etwa zwei Wochen und einigen Wiederholungen dieser Meditation der liebenden Güte, begegnete ich Markus des Nachts im Traum und, was soll ich sagen, wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Es war witzig, wir haben herrlich viel und ausgelassen gelacht, fast so, als wäre er ein alter Freund aus Schulzeiten. Ich gebe zu, ich mochte ihn.

Wahnsinn, wie die Kraft der Gedanken alles verändern kann. Also, nicht, dass ich ihn jetzt im echten Leben treffen mag, dazu muss ich vermutlich noch ein Weilchen weitermeditieren, das passt schon, dass wir uns in unterschiedlichen Dunstkreisen bewegen, aber ich habe eine klitzekleine Ahnung davon bekommen, wie heilend es sein kann, seine Energie nicht an Missgunst und Ärger zu verschwenden. Seufz.

Vielleicht mögt ihr es auch mal ausprobieren. Und wenn nicht, kommen vielleicht trotzdem gelegentlich ein paar gute Wünsche bei euch an. Namastè!