Eine Begebenheit in der dunklen Jahreszeit

Es ist inzwischen Oktober und leidlich kalt. Ich habe manchmal Mühe, mich bei Laune zu halten. Nur noch selten wage ich mich morgens- nachdem endlich die Sonne aufgegangen ist- mit einem Kaffee auf meinen Balkon, um den Vögeln zuzuhören, die sich färbenden Bäume zu betrachten und meine rotierenden Gedanken von dannen ziehen zu lassen. Heute morgen lenkte ein Eichhörnchen meine Aufmerksamkeit auf sich, als es die metallenen Fensterläden weit oben am Nebenhaus hinunterkletterte. Gemessen an der Größe des Tieres verursachte dies nämlich beträchtlichen Lärm. Bereitwillig ließ ich mich auf die willkommene Ablenkung ein und bewunderte die waghalsigen Manöver des possierlichen Tieres. Es war nicht meine erste Begegnung mit diesen manchmal unfreiwillig komischen, aber überaus talentierten Lebewesen, ich muss zugeben, ich mag sie. Jedenfalls erfreute ich mich noch einige Zeit an dem kleinen Kameraden, bevor ich mich wieder an die Arbeit machte.

Gegen Mittag war ich mit einer Freundin verabredet. Als ich aus der Haustür trat, um zu meinem Auto zu gehen, sah ich es wieder. Eine Krähe hackte auf den leblosen Körper ein, der leuchtend rot auf dem Asphalt lag. Vielleicht war es auch sein Cousin, wer weiß das schon. Der Lauf des Lebens und dennoch so grausam.

Wieso ich diese Begebenheit mit Euch teile? Weil sie für mich zur dunklen Jahreszeit passt, einer Zeit, in der es nicht immer leicht fällt, das Licht zu sehen, so sehr man sich auch bemüht. Ich fand es ziemlich mies, dass mir die Brutalität des Lebens so drastisch vor Augen geführt wurde, nachdem ich gerade versucht hatte, diesem etwas mehr Freude und Leichtigkeit abzugewinnen. Wie eine schallende Ohrfeige. Als müsste ich beim nächsten Mal achtsamer sein, der Situation misstrauen, mir ihrer Endlichkeit bewusst sein, um mich nicht darauf einzulassen. Aber das werde ich nicht. Ich nehme es als Begebenheit in der dunklen Jahreszeit, nicht schön, aber auch kein Grund, das Spiel von Licht und Schatten nur noch von außen zu betrachten. Tschüss, kleiner Freund.

Herbstwetterkompensation

Kälteeinbruch, Dunkelheit, Nässe. Der Herbst überrascht mich – wie jedes Jahr- vollkommen unvorbereitet und so mummele ich mich zuhause samt Wärmflasche in eine Decke ein und stelle Beobachtungen an. Mein Schokoladenkonsum hat sich bereits drastisch erhöht, im verzweifelten Versuch, dem rapiden Absturz der Stimmung mittels Serotonin Einhalt zu gebieten. Dumm, dass ich aus dem Schwedenurlaub auch noch so viele hier unbekannte leckere Sorten mitgebracht habe, die ich mir jetzt ungehemmt einverleiben kann. Biologisch betrachtet, könnte ich mein Verhalten damit erklären, dass ich mich auf die Winterruhe vorbereite und mir noch ein kleines Polster anlegen muss für die Zeit, in der ich mich nicht mehr zur Nahrungsaufnahme aus dem Bett zu stemmen vermag. Dazu passt, dass ich nachmittags augenblicklich einzuschlafen drohe, wenn ich mich dem Sofa oder Bett auch nur auf wenige Meter nähere.

Es gibt aber auch positive Aspekte dieser Jahreszeit. Der Herbst ist die Zeit der Pilzliebhaber und auch ich gehöre dazu, seit mir liebe Freundinnen eine Pilzwanderung geschenkt haben, der ich vor kurzem beiwohnte. Unsere Pilzkundige schien einem Hollywoodstreifen entsprungen, nur so konnte sie aussehen, eine zierliche Person mit großem Hut, kleinen, engstehenden Äuglein und einer Nase, die bestens geeignet scheint, Pilze anhand ihrer manchmal kräftigen, oft aber auch kaum wahrnehmbaren Geruchsnoten zu identifizieren. Bis zur Hälfte der Wanderung wussten wir über zahlreiche Todesfälle Bescheid. Da gab es Pilze, deren Giftstoffe sich über Jahrzehnte anlagerten und erst dann- unerwartet und hinterhältig- zuschlugen. Wir hörten von einer Vielzahl an Doppelgängern vermeintlich unverkennbarer Speisepilze, die ihre ahnungslosen Esser blitzschnell niederstreckten. Wir erfuhren von tödlichen Allergien, die von einem Tag auf den anderen den Pilzgenuss zur tödlichen Falle machten. Das Auftreten von Brechdurchfällen aufgrund zu kurzer Kochzeit gehörte zu den harmloseren Infos. Zur Halbzeit war meinen pilzkundigen Freundinnen jedenfalls gehörig der Appetit auf ihr herbstliches Hobby vergangen und sie fragten sich, wie sie so lange hatten überleben können. Aber Ende gut alles gut. Als wir weitergingen, stolperte ich direkt am Wegesrand über eine Familie von Parasolen, leicht identifizierbar und einwandfrei genießbar, solange man sie mindestens 20 Minuten erhitzt und weder zu junge noch zu alte sammelt. Und auch die ersten Steinpilze ließen nicht lange auf sich warten. Happy end!

Die Wanderung hallt jedenfalls bei mir Greenhorn nach und ich verneige mich vor so viel Wissen und dessen Vermittlung. So eine Wanderung könnte ein wiederkehrendes herbstliches Highlight werden. Spannender als ein Krimidinner ist sie allemal.

Und darum geht es ja, aus jeder Jahreszeit etwas Gutes zu machen. Nur Sommer ist halt nicht, zumindest in unseren Breitengraden. Als ich diese Woche an einem dieser On & Off Regen Tage im Auto einer grauen Wolkenwand entgegenfuhr, wollte ich gerade mürrisch werden, als auf eben dieser ein riesengroßer Regenbogen erschien, begleitet von einem deutlich blasseren, aber nicht weniger bezaubernden Doppelgänger. Ein Synonym fürs Leben und eine kleine Erinnerung, das Schöne zu sehen. Dankbarkeit und so, ihr wisst schon.

Ich wünsche Euch gemütliche Herbsttage und wer Lust auf eine Pilzwanderung in und um Nürnberg hat, hier der Link: Pilzwanderung

Eure Ella

Anfang & Ende

Heute ist in Bayern der erste Schultag nach den Sommerferien. Spannung liegt bei den Kindern in der Luft. Wie die Lehrer*innen wohl sein werden? Neben wem sie sitzen werden? Aber auch Vorfreude, die Freunde wieder zu sehen. Und ich, ich freue mich auch. Auf den ein oder anderen Vormittag, an dem ich wieder ganz allein sein werde. Ein vielversprechender Neubeginn.

Gestern konnte ich das erste Mal meinen Morgenkaffee vor der Arbeit nicht mehr draußen auf dem Balkon trinken. Ich hätte natürlich können, aber ich wäre ich Dunkeln gesessen, anstatt wie in den vergangenen Monaten hingebungsvoll die Morgensonne zu genießen. Schade, dass diese Zeit vorbei ist. Jetzt heißt es wieder geduldig warten auf das nächste Frühjahr.

Anfang und Ende. Immer so nah beieinander.

Spätsommerfreuden

Langsam bin ich angekommen und erfreue mich der wärmenden Sonnenstrahlen dieses wunderschönen Spätsommers, der ja schon fast Herbst ist. Und dann kam am Wochenende die Lust auf einen noch warmen Pflaumenkuchen mit Sahne. Tja, den muss man dann ja doch selber backen. Treuer Begleiter das Kochbuch von meiner Mutter aus dem Jahre 1954. So sieht es auch aus.

Soul Food

MaroniIch gebe zu, dass ich dem nasskalten Herbst dieser Tage nicht allzu viel abgewinnen kann. Ein Rettungsanker in dieser trübsinnigen Zeit ist für mich, den Ofen anzuwerfen, gemeinsam mit der Familie oder Freunden am Küchentisch zu sitzen und was richtig Warmes, Leckeres zu essen. Dazu gehören auf jeden Fall Heiße Maroni, deren Genuss sich uns erst offenbarte, als wir sie das erste Mal selbst zubereiteten. Die Maroni müssen etwa eine Stunde in Wasser einweichen, bevor man sie kreuzweise mit einem scharfen Messer einritzt und etwa 6 Minuten in sprudelndem Salzwasser kochen lässt. Danach müssen sie noch etwa 25 Minuten bei 180°C auf einem Backblech in den vorgeheizten Ofen. Ab und an mit Wasser besprühen. Die Heißen Maroni herausnehmen und in einen mit einem feuchten Geschirrhandtuch ausgekleideten Topf geben. Es ist soweit, alle dürfen zulangen, die Schalen abpulen und die warmen, dampfenden Maroni genießen. Einfach was für alle Sinne. Dazu schmeckt ein lecker Rotwein und während man so vor sich hin pult, der Ofen eine wunderbare Wärme verbreitet und der Wein ganz sanft zu Kopf steigt, lässt es sich mit aller Zeit der Welt über all das reden, was jeder schon lange mal erzählen wollte.