Schlagwort: Italien

Buchtipp: Alle, außer mir

Alle, außer mirWelche Assoziationen habt ihr zu „Italien“?

Bei mir sind das neben der aktuellen Politik noch immer Berlusconi, die Mafia und das gute alte Dolce Vita – Sonne, Strand, Vespa und Meer satt. Von einer ganz anderen, eher unbekannten Seite der italienischen Geschichte erzählt Francesca Melandri in ihrem Roman „ Alle, außer mir“. Eines Tages klingelt der junge Äthiopier Shimeta Ietmgeta Attilaprofeti an der Tür der Lehrerin Ilaria und behauptet, ihr Neffe zu sein. Da ihr Vater, Attilio Profeti, der inzwischen an Demenz leidet, bereits einen unehelichen Sohn hat und lange Zeit ein Doppelleben geführt hat, beginnt Ilaria zusammen mit ihrem Halbbruder in der Vergangenheit ihres Vaters zu recherchieren. Dieser war tatsächlich ab 1935 als Schwarzhemd während der Eroberung  durch die faschistischen Truppen Mussolinis und in den Jahren danach in Äthiopien und während Shimeta von seiner Fluchtgeschichte von Äthiopien nach Italien unter unmenschlichen Umständen, von Willkür und Ablehnung italienischer Behörden berichtet, wird immer wahrscheinlicher, dass dessen Behauptung über seine Herkunft wahr ist. Wir erfahren unterdes vom Wahnsinn der Kolonialisierung, vom Abschlachten, vom Sieg der Italiener durch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Senfgas, von Massenvergewaltigungen und Misshandlungen und all das mit der Rechtfertigung von Rassengesetzen, den minderwertigen Völkern die italienische Kultur zu schenken und das Sklaventum zu beenden. Denn in Äthiopien betrachteten die Amharen die Oromo als minderwertig und unterdrückten diese. „Sangue giusto“ heißt der italienische Titel des Buches und darum geht es in diesem Roman, das “richtige” Blut. Liest man im Jahr 2019 von diesen Gräueltaten, fragt man sich, wie man überhaupt jemals auf die Idee kommen konnte, einfach so in ein Land einzumarschieren und es zu erobern. Es erscheint so absurd. Aber auch diese Entwicklung hat natürlich ihren Ursprung weit vorher. Italien war bei der Eroberung von Kolonien spät dran und auch die Italiener wollten sich ihren Platz an der Sonne sichern. Attilio Profeti jedenfalls, dem als stattlichen, gut aussehenden Mann oft die Gunst der mächtigen Faschisten zu Teil wurde, gelingt es, auch in den Jahrzehnten danach seine Chancen zu nutzen und sich ungeschoren durch sein Leben zu lavieren, was eng mit der weiteren Entwicklung der italienischen Politik verbunden ist. Was mich wirklich erschreckt hat, ist, wie wenig ich von der Kolonialisierung durch die europäischen Staaten, Deutschland eingenommen, wusste und wie wenig sie allgemein thematisiert wird und somit auch die europäische Verantwortung für die Geschichte gerade vieler afrikanischen Länder klein gehalten wird. In „Alle, außer mir“, treffen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander. Es wird mal wieder klar, dass alles miteinander verwoben ist und wir nicht nur Bruchstücke betrachten können, um uns ein gesamtes Bild vor Augen zu rufen. Ein wirklich beeindruckender Roman.

Wer mehr erfahren möchte, findet hier ein Interview mit Franceca Melandri.

Und ebenfalls bei Deutschlandfunk mehr Hintergründe zur Eroberung Äthiopiens.

Francesca Melandri, “Alle, außer mir”

ISBN 9783803132963 Verlag Wagenbach

 

Küchenregeln Italien

Mit ihrem italienischen Vater bekommen unsere Kinder die essentiellen Regeln er italienischen Küche schon mit der Beikost beigebracht. Auch der interessierte Italienfan kennt sicher die meisten der kulinarischen Do`s & Don’ts, aber viele zeigen sich doch noch überrascht, wenn ich auf manche Dinge hinweise – vor allem, weil die italienischen Lokale in Deutschland meist so eingedeutscht sind, dass hier normal ist, was in Italien nie ginge. Deshalb hier also die wichtigsten Regeln, die mir auf Anhieb in den Sinn kommen:

  1. Auf Nudeln mit Fisch oder Meeresfrüchten darf kein Parmesan! Die Italiener lieben ja ihren Parmesan und würzen sogar schon den ersten Babybrei damit, aber zu Fischpasta ist parmigiano (oder grana padano) ein no go!
  2. Die echten Spaghetti Carbonara werden nicht mit einer Sahnes0ße gemacht! Die Soße ist aus Ei und das schmeckt auch richtig lecker.
  3. Lang servierte Nudeln bitte nie klein schneiden. Spaghetti, Bavette, Tagliatelle und co. wollen gewickelt gegessen werden und entfalten so auch am Besten ihr Aroma mit der jeweiligen Soße. Bestenfalls rollt man natürlich nur mit der Gabel. Wenn man einen Löffel dazu bestellt wird man zwar belächelt, aber klein schneiden geht gar nicht. (Für die Kleinsten kann man natürlich eine Ausnahme machen. Meine vierjährige Tochter übt sich aber auch schon fleißig im Spaghetti aufrollen mit der Gabel)
  4. Nach dem Essen wird Espresso (= in Italien caffè) getrunken, kein Cappuccino oder gar eine Latte macchiato. Eigentlich werden die Kaffeespezialitäten mit Milch überhaupt nur vormittags getrunken, weil Milch für die Italiener zum Frühstück gehört. Wenn man sich einen leckeren Cappuccino nachmittags im Cafè nicht verkneifen kann – ich kenn das von mir – geht das zur Not noch durch. Aber direkt nach Mittag- oder Abendessen geht wirklich nur Espresso!
  5. Gnocchi, die leckeren kleinen, meist aus Kartoffeln gemachten Klößchen, spricht man “Njocki” aus. Wenn da irgendwas rauskommt, was nach Knochen klingt, stellen sich bei mir echt die Nackenhaare auf.

In diesem Sinne wünsche ich BUON APPETITO!

Putzdienst auf Italienisch

Da kannst du aber mal froh sein, dass du nicht mit einem Italiener verheiratet bist!!!

Ich habe das immer ganz ähnlich gesehen wie du – für mich fällt Putzen auch in die Kategorie “Verlorene Lebenszeit” und wenn ich irgendwann mal Geld übrig habe, ist das erste, das ich mir anschaffe, auf jeden Fall eine Putzfrau!!

Und dann habe ich einen Italiener geheiratet. Und was mir keiner vorher gesagt hat ist, dass die alle vom Putzwahn besessen sind! Wer sich unter “italienische Familie” eine große gemütliche, lustig plaudernde und immer lecker essende Menschengruppe vorstellt, der täuscht sich aber ganz gewaltig!!! Gemütlich wird es bei denen nämlich erst, wenn alles blitzblank und klinisch sauber ist. Und nach dem Essen noch schön am Tisch sitzen geht nur, wenn die Geschirr- und Topfberge gewaschen, getrocknet, weggeräumt und Herd, Spüle und Boden poliert sind.

Und erzähl einem Italiener mal was von Putzen und verlorener Lebenszeit, da wirst du nur verständnisloses Kopfschütteln ernten.

Bei meiner Schwiegermutter wird tatsächlich JEDEN Tag einmal die KOMPLETTE Wohnung (inklusive Balkon) geputzt. Und zwar nicht nur oberflächlich – nein da kann man wirklich sprichwörtlich vom Boden essen, und zwar vom Boden unter dem Sofa!!!     Leider hat mein Mann diesen Sauberkeitswahn geerbt. Wenn die Küche nicht strahlend sauber und aufgeräumt ist, kann er nicht entspannen und fühlt sich unwohl! Das einzig Gute dabei ist, dass er das Putzen dann auch meist selbst übernimmt, weil ich in Spüle und Herd schrubben meist nicht den italienischen Ansprüchen genüge. Beim Rest der Wohnung konnte ich ihn mit viel Mühe auf einen Turnus von ein bis zweimal pro Woche runterhandeln.

Und so putze also auch ich jede Woche Regale, die eigentlich noch gar nicht schmutzig sind.

Allerdings bei mir zu Hause und nicht in der KiTa, von solchen Putzdiensten der Eltern habe ich hier in Köln auch noch nie gehört – zum Glück bleibt mir das also wenigstens erspart!!!