Glücksbotschaft

Heute morgen- ich verstieß gegen meine Prinzipien für ein besseres Leben und hörte Radio- erreichte mich meine kleine persönliche Glücksmeldung: Im Pariser Zentrum müssen künftig SUVs 18,-€ pro Stunde Parkgebühr löhnen! Das Dreifache der bislang üblichen Gebühr. Per Volksentscheid. Herrlich. 

Ich pflege meine kleine persönliche Abneigung gegen diese Gefährte seit Anbeginn, also, seitdem ich nicht an Autos interessierter Mensch sie nicht mehr übersehen konnte, weil sie die Zufahrtswege zu unserem Kindergarten verstopften. Und das ist lange her! Die Anschaffung dieser überdimensionierten Gefährte symbolisierte für mich von Anfang an die Widersprüchlichkeit des Menschen, der zwar weiß, dass er für die Zukunft der eigenen Kinder weniger Abgase in die Luft pusten sollte, sich aber mehr als bereitwillig von seinem Sicherheitsbedürfnis nach einem Panzer und der Aussicht eines Kreuzfahrtkapitäns verführen lässt.

„Meins! Ich! Hier!“ Noch absurder wurde das Ganze, als die ersten Exemplare mit E-Motor auf den Markt kamen. Ist doch umweltfreundlich. Klar, doch. Und jetzt 18,-€, seufz. Dass Campingbusse auch schwere Fahrzeuge sind, ja, blöd. Aber das ist es mir wert.

Hier noch der echt schwer zu ertragende Sound zum Satz:

Das Wort zum Sonntag

Es ist mal wieder so weit. Mein Gesicht im Badezimmerspiegel blickt mich erstaunt an, während es in gleichmäßigem Takt seine Farbe von „hulkgrün“ zu „gelbsuchtgelb“, „dämonrot“, „akutem Übelkeitsviolett“ und „Horrorstreifen schwarz-weiß“ wechselt, um anschließend wieder bei „hulkgrün“ zu beginnen. Die Fernbedienung unserer supermodernen Badezimmerdeckenlampe hat sich zum wiederholten Male versteckt und vermutlich so verklemmt, dass die Farbwechsel in Dauerschleife laufen. Dabei würde es vollkommen ausreichen, wenn man diese Lampe von warmem zu kaltem Licht in unterschiedlicher Intensität dimmen könnte, wenn überhaupt. Wer braucht bitte grünes, rotes oder blaues Licht im Bad, ist ja keine Disco. Ich finde das doofe Ding schließlich in einem Korb zwischen Schnelltests und Masken und sorge per Knopfdruck wieder für etwas mehr Frische in meinem Gesicht, was beim fünften Anlauf tatsächlich gelingt.

Wir leben in dem paradoxen Zustand, elektrisch immer mehr aufzurüsten, während wir eigentlich Energie sparen wollen. Die gute alte Kerze hat schon lange ausgedient, ihr elektrischer Nachfolger ist jetzt über smart home mit einer Zeitschaltuhr verbunden, um vorzugaukeln, dass die Bewohner*innen zuhause sind, auch wenn sie gerade auf Malle überwintern. Soll ein effektives Mittel zur Einbrecherabschreckung sein. Wo mir früher eine einzige, kleine Wärmflasche gute Dienste leistete, kann ich heute zwischen elektrischem Fußwärmer oder einer ganzen Wärmematte wählen, die sich sogar aufladen lässt, so dass ich sie fernab jeder Steckdose auch outdoor nutzen kann. Wahnsinn.

Auch die klimabewusste Jugend kehr nicht vor der eigenen Haustür. Eine schlichte Tastatur und ein schwarzes Gehäuse für den PC waren gestern, heute blinken und leuchten sie wie der Disco Scooter auf dem Volksfest.  Die dazugehörige Software sorgt dafür, dass man je nach Stimmung und Geschmack beispielsweise zwischen dem Aufleuchten einzelner Tasten bei deren Anschlag oder der Laola im Stadion, bei der die Tastatur von links nach rechts oder umgekehrt in allen Regenbogenfarben aufblinkt, wählen kann. Dass all das Streamen und Gamen Unmengen an Energie verbraucht und die Anschaffung neuer Geräte, lasse ich mal beiseite.

Es wäre wirklich toll, wenn Klimaschutz, wie es uns ja, ganz vorne dabei, die Liberalen schmackhaft machen wollen, durch Innovation gelänge. Aber solange wir denken, dass ein SUV mit Elektroantrieb der große Wurf sei, wird das leider nicht funktionieren.

Schade eigentlich. Einen schönen Sonntag wünscht,

Eure Ella