Der Schwindel mit dem „sauber sein“

Wenn die Kinder endlich sauber sind, endlich keine Windel mehr tragen und ihr Geschäft selbständig auf der Toilette verrichten, ist das ja meist Anlass zu großer Freude. Sie werden groß, man muss keine Windeln mehr wechseln und möglicherweise in direkten Kontakt mit großen Geschäften treten bzw. Klamotten auswaschen, wenn die Windel nicht alles halten konnte.

Es wird einem immer vermittelt, dass das ein erstrebenswerter Zustand wäre, dass dann alles besser ist. Eltern, deren Kinder schon früh sauber sind, geben gerne stolz damit an und bedauern die, deren Kinder immer noch in die Windeln machen. Die Kinder werden animiert und Bücher werden geschrieben, wie toll alles ist, wenn ihr Kleinen erst auf die Toilette gehen könnt.

Aber jetzt mal ehrlich, die neue Selbständigkeit dürfte doch als solche gar nicht bezeichnet werden. Das ist doch für uns keine Erleichterung. Wir Eltern sind doch jetzt oft noch viel mehr gefordert als vorher. Zuhause im gewohnten Tagesablauf mag das ja alles noch ganz gut funktionieren, aber nach dem ersten Urlaub mit meiner seit einem guten halben Jahr sauberen Tochter muss ich sagen, ich habe mir oft die Windelzeiten wieder zurückgewünscht.

Da steht man irgendwo mitten in einer fremden Stadt und plötzlich kommt das: „Ich muss Pipi – ganz dringend!“ Erschrocken sieht man sich nach einer Toilettenmöglichkeit um – hier gibt’s nichts. Da sagt man dem Kind so dumme Sprüche wie „jetzt nicht, drück fest zusammen“ in der Hoffnung, dass der Schließmuskel gut funktioniert und es vielleicht doch nicht ganz so dringend ist. Im schlechtesten Fall kommt dann „aber ich muss auch Kaka!!!“

In Panik irrt man mit dem Kind durch die Straßen bis man endlich irgendeine Kaffebar gefunden hat, stürmt da rein und findet dann eine Toilette vor, bei der bei mir der Harntrieb und auch ich selbst schnell wieder verschwunden wäre. (Und ich bin wirklich nicht besonders zimperlich.) Zudem fehlt die Klobrille! Da will man seine Tochter echt nicht draufsetzen. Möglichst ruhig erklärt man dem Kind, dass es bloß nichts anfassen soll und dass es sich mit den Füßen auf die Toilette stellen soll: „Ich halte dich, dann kannst du in der Hocke Pipi machen!“ Aber das Kind weint: „Nein, so kann ich nicht!“ Also sucht man verzweifelt die Desinfektionstücher in der Tasche, um das Klo wenigstens etwas sauber zu wischen. Die sind aber natürlich in der Eile unauffindbar und nach dem dritten „Ich muss aber wirklich gaaaaanz dringend!“ setzt man das Kind schließlich resignierend auf die eklige Schüssel.„Kaka“ war dann natürlich falscher Alarm, es kommt lediglich ein kleines Rinnsal hervor, das befürchten lässt, dass sich die ganze Tragöde in den nächsten zwei Stunde wiederholen wird. Am Ende trinkt man dann noch den x-ten Espresso, weil es einem peinlich ist, einfach so wieder aus der Bar zu verschwinden.

 Also, liebe Mütter, genießt die Zeit, in denen eure Kinder noch Windeln tragen, es wird nicht alles besser danach!

Urlaub an der Cote d’Azur (… mit Kindern)

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Wir fahren mit weit geöffneten Fenstern die Küstenstraße entlang. Über uns strahlt der Himmel in klarem Blau.

Links fliegen Villen, Pinien und Palmen an uns vorbei, rechts glitzert das weite Meer und rauscht in sanften Wellen an kleine sandige Buchten.

Der warme Wind weht durchs Haar. Man spürt die Sonne auf der Haut und kann das Meer auf den Lippen schmecken

und aus der Stereoanlage ertönt: Es tanzt ein Biba-Butze-Mann…

Urlaubsvorbereitung

Bei den Urlaubsvorbereitungen in diesem Jahr habe ich mich wehmütig an die Zeit zurückerinnert als ich noch alleine war. Am Abend vor Abreise anfangen zu packen, damit um ein oder zwei Uhr nachts fertig sein und müde aber voller Vorfreude ins Bett fallen – für eine kurze Nacht, aber egal, im Urlaub wird ja ausgeschlafen.

Jetzt, mit Mann und zwei Kindern, gehen dem heißersehnten Urlaub erstmal organisatorische und logistische Höchstleistungen voraus! Während ich früher zweimal waschen musste (einmal hell und einmal dunkel), wasche ich jetzt gefühlte 30 Mal bevor dann auch wirklich alles sauber ist, was wir brauchen. Was ich früher bei anderen immer abschätzig belächelt habe, habe ich diesmal tatsächlich selbst gemacht: Ich habe Listen geschrieben, was noch alles zu tun ist und was mitgenommen werden muss! Zuviel schwirrt mir im Kopf rum, dass ich tatsächlich, wenn mir wieder etwas Neues einfällt, das ich noch erledigen muss, die drei vorherigen Dinge schon wieder vergessen habe. Kofferpacken mit Kindern sieht dann so aus: Ich lege alles schön gefaltet und ordentlich in den Koffer – Kind muss alles rausziehen, wegbringen oder unbedingt jetzt die Badehose und den Sonnenhut anprobieren. Ich lege das Kuscheltier auf den Koffer und sage dem Kind eindringlich „Das muss jetzt hier liegen bleiben, sonst vergessen wir es noch!“ – Kind nickt verständig und trägt ungerührt das Tier weg, das wir am Ende dann natürlich vergessen haben. Dann packt der Mann seine Sachen und findet garantiert irgendwas nicht! Es ist einfach weg, verschwunden. Die Stimmung sinkt, ich sehe die Panik in seinen Augen und muss das, was ich gerade mache unterbrechen, um beim Suchen zu helfen. Warum können Männer eigentlich nie richtig hinsehen oder auch mal was hochheben oder zur Seite schieben, um auch mal drunter oder daneben zu suchen!!! Gut, da ist es doch wieder aufgetaucht, Mann ist beruhigt, aber ich langsam genervt.  Na, das um eins oder zwei ins Bett fallen ist immerhin geblieben. Und die Vorfreude kommt dann spätestens wenn wir im Auto sitzen wieder.