Noch eine Woche…

Als ich kürzlich in Nürnberg aus der Bahn ausstieg, fiel mir sofort eine junge Frau auf, die zwei mächtige Koffer mit geschätzten 120cm Höhe und einen Kleineren den Bahnsteig entlangzuschieben versuchte. Kurzentschlossen bot ich meine Hilfe an und als klar war, dass sie dieselbe U-Bahn Richtung Flughafen nehmen wollte wie ich, rollten wir gemeinsam dort hin. 

Neugierig wie ich bin, fragte ich, was sie in diesen riesigen Koffern habe. 

Geschenke für die Familie. Sie besuche sie zum ersten Mal. Im Irak.

Was es denn in Deutschland gäbe, über das sich die Familie besonders freue?

Schokolade, erwiderte sie und strahlte mich an, während wir Slalom um Reisende und Gestrandete im Bahnhof liefen.

Auf die Ironie der Situation, machte mich mein Sohn zuhause aufmerksam, als ich ihm von der Begegnung erzählte: Eine Schokoladensüchtige auf Entzug mit einem Koffer voller Schokolade, analysierte er knapp und präzise. Ich musste schmunzeln. 

Wie recht er hat. Ich faste mal wieder, dieses Jahr Süßigkeiten. Die größte Challenge dabei ist der Verzicht auf Schokolade, ich stimme meinen Kindern vollends zu, die mir Suchtverhalten unterstellen. 

Deshalb freue mich wieder unbändig auf Ostern und das Fastenbrechen. Und dann wird alles nachgeholt:-)

Schöne Osterfeiertage!

Corona, die Pubertät & das Fasten

Während die coronabedingten Ausgangsbeschränkungen bei manchen Menschen zu kreativen Höhenflügen führen, die fleißig in den sozialen Medien und Messangern geteilt werden und die ich von Ferne staunend beobachte, schwanen mir düstere Vorahnungen, welch Herausforderungen das Leben als zwanghaft vereinte Familie in den nächsten Wochen noch so mit sich bringen wird.

Gab es in Woche 1 der Schulschließungen noch eine gewisse Neugier und Aufgeregtheit, wie das homeschooling so funktionieren wird, ist an deren Stelle reine Ernüchterung getreten. Montag Morgen der Woche 2 Verweigerung auf allen Fronten. Wieso Kind 1 morgens überhaupt aufstehen solle, dass Kind 2 überhaupt nichts für die Schule machen werde und überhaupt. Dass ein sich in der Pubertät befindliches, mit natürlichen Fluchtreflexen vor seinen Eltern ausgestattetes Kind dazu verdammt ist, mit eben diesen in ständiger Überwachung unter einem Dach zu leben, grenzt an Körperverletzung. Wo es doch gerade Zeit mit der Peer Group verbringen sollte und nicht mit seinen Eltern.

Und auch das Kind, das am liebsten den ganzen Tag mit Freunden draußen Fußball spielt und die Schule sowieso nicht ausstehen kann, und das jetzt brav neben Mama sitzen muss, um konzentriert zu arbeiten, obwohl es unter totalem Bewegungsmangel leidet, ist zu bedauern. (Und erst die Mama, die das ertragen muss.)

Dann wären da noch die Eltern, die eigentlich froh sind, mal ein bisschen Zeit füreinander zu haben, bisweilen dennoch Fluchtreflexe verspüren bei dieser hoch dosierten Familien Quality time. Die sie jetzt mal locker die nächsten Wochen unterdrücken müssen, wollen sie nicht den täglichen Spaziergang immer weiter ausdehnen bis sie schließlich morgens das Haus verlassen und bei Sonnenuntergang heimkehren. Geht aber ja auch nur, wenn sie Opfer der wirtschaftlichen Situation sind und nichts mehr zu arbeiten haben. Was natürlich zu weiteren Spannungen führt. Also entweder mentaler Stress wegen home office mit gleichzeitiger Kinderbeschulung und Bespaßung oder wegen Existenzsorgen mit gleichzeitiger Kinderbeschulung und Bespaßung.

Also, ich möchte nicht jammern und die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Maßnahmen keineswegs anzweifeln, ich weise nur darauf hin, dass die familiäre Quarantäne so allerlei Sprengstoff birgt. Neben den positiven Aspekten des Zusammenrückens der Gesellschaft, dem fleißigen Telefonieren mit Freundeskreis und Verwandtschaft, wird in dieser Zeit wohl auch ab und an mal eine Bombe hochgehen. Zumal Corona bei uns mitten in der Fastenzeit eingeschlagen hat. Der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol macht das Nervenkostüm nicht unbedingt stabiler. Vielleicht sollte man seine Vorsätze vorsichtshalber über Bord werfen, ich schätze das erhöht die Wahrscheinlichkeit, zumindest was das Familienleben angeht, unbeschadet aus dieser Krise zu kommen. In diesem Sinne, bleibt gesund und zu Hause!

Eure Ella