Kraft tanken

Ich weiß nicht, wie es euch mit den großen Herausforderungen unserer Zeit geht, aber mir ist das in den letzten Monaten alles zu groß geworden. Die KI und ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt, die Gefahren, die ihre Anwendung mit sich bringt, der Klimawandel und seine nicht mehr zu übersehenden Auswirkungen. Zu viel Negatives, zu viele Informationen – ich war nicht mehr wirklich in meiner Mitte. Dabei ist das der Anfang von allem. Ich kann nur Liebe schenken, wenn ich mich selbst liebe. Meine Kinder können nur unbeschwert durchs Leben gehen, wenn ich für mich und meine Bedürfnisse sorge. Bei einem Flugzeugunglück muss ich mir selbst zuerst die Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor ich anderen helfe. (Danke für diesen treffenden Vergleich, liebe Sabine.) Meine hing zuletzt nur noch auf Halbmast. Der Nachhaltigkeitsforscher Professor Tobias Luthe empfiehlt gegen das Gefühl der Ohnmacht, sich auf das nahe Umfeld zu konzentrieren. Regional kann jede(r) wirksam sein und etwas bewegen. Und aus vielen kleinen Zellen kann dann wieder etwas Großes entstehen.

Mein lang ersehnter Aufenthalt zum Yoga und Wander Retreat kam jedenfalls genau zur rechten Zeit, um meine Batterien wieder aufzuladen. Menschen kennenzulernen, die versuchen, bestmöglich im Einklang mit der Natur zu leben, hat unendlich gutgetan. Uns alle hat die Liebe zu den Bergen verbunden, die Offenheit, uns aufeinander einzulassen und die Gabe unserer Yogalehrerin, und behutsam durch die Tage zu begleiten. Ich möchte eines ihrer Meditationsvideos mit euch teilen, das auch euch hoffentlich Kraft geben kann, wenn ihr durch den Wind seid – was für ein treffender und schöner Ausdruck eigentlich. Sucht euch am besten einen schönen Ort irgendwo draußen in der Natur in der Stille und nehmt eine Decke mit, auf der ihr es euch bequem machen könnt. Es dauert nur wenige Minuten. Ich habe vorher nie meditiert, aber ich finde, diese Meditation kann dich einige Zeit durch den Alltag tragen, wenn du dich darauf einlässt.

Kleine Kinder – kleine Sorgen. Große Kinder – große Sorgen

 

Ja, wir kennen sie alle, die klugen Sprüche und oft genug gehen sie uns ganz kräftig auf den Geist. Einen wahren Kern haben sie trotzdem leider oft. So wie auch dieser. Während sich Zahnungsprobleme, Blähungen und Schürfwunden bei Babys und Kleinkindern meist schnell diagnostizieren lassen und man sich umgehend der Problemlösung widmen kann, geht es bei älteren Kindern meist um weniger leicht zu behebende, geschweige denn überhaupt zu erkennende Probleme, deren Ursache oft in der Familie selbst liegen. Denn bei allem Wohlwollen, das werdende Eltern in ihre Familienplanung einbringen, nimmt doch jeder seine eigene Geschichte in die neue Familie mit. Und mitunter sogar die seiner Eltern und Großeltern. Man nennt das Transgenerationalität, die Übertragung unverarbeiteter Ereignisse auf nachfolgende Generationen. Aber mal von diesem Aspekt abgesehen, können wir schon unseren eigenen Erlebnissen als Kind, der Rolle, die wir in unserer Familie hatten und unseren Strategien, zu überleben, nicht entkommen. Und sie produzieren Erwartungen an unsere Kinder und Enttäuschung, wenn diese nicht erfüllt werden. Und dann passiert bei allem Wohlwollen das, was einem Kind große Probleme machen kann: es wird nicht gesehen. Vielleicht wird viel Aufheben um seine Leistungen gemacht, vielleicht wird es gut versorgt, sein Wesen aber wird nicht wahrgenommen. Und dagegen wird es sich wehren und Strategien suchen. Eine davon ist es, negativ aufzufallen. Denn es ist besser, unter diesem Vorzeichen wahrgenommen zu werden als gar nicht. Andere Kinder wählen den Weg der absoluten Angepasstheit und wieder andere entwickeln vielleicht ein selbstdestruktives Verhalten, um darauf aufmerksam zu machen, das etwas in ihrem System nicht stimmt. Und dann sitzt man da als liebende Eltern und wundert sich, was da schief gegangen ist und wie das passieren konnte. Eine Familienberatung, die sowohl Städte und Gemeinden, als auch Einrichtungen wie die Caritas oder andere Sozialverbände anbieten, kann in so einer Situation helfen, unguten Verhaltensmustern auf die Spur zu kommen und noch mal von vorne anzufangen. Quasi die Reset-Taste zu drücken und dem Kind eine neue Chance zu geben, anstatt es nur noch als Problem zu betrachten. Denn eigentlich wollen Kinder kooperieren und ihr Verhalten macht Probleme innerhalb der Familie sichtbar, die man sonst zu übersehen sucht. Wer etwas besser verstehen möchte, warum Kinder bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen, was sie bedeuten und warum es so wichtig ist, seinem Kind mit leuchtenden Augen zu begegnen, kann mal in Jesper Juuls „Dein kompetentes Kind“ hineinlesen. Eine andere Perspektive hilft auf jeden Fall oft, wieder klarer zu sehen und dann auch wieder nach vorne sehen zu können und neue Pfade einzuschlagen. Zwar gibt es kein Pflaster für große Sorgen, aber doch Mittel und Wege.

 

Buchtipp: Jeper Juul „Dein kompetentes Kind“Dein kompetentes Kind

  • ISBN-13: 9783499625336