Anekdote aus dem Leben einer Yoga-Schülerin

Wer meinem Blog schon längere Zeit folgt, weiß, dass ich auf unseren bayerischen Ministerpräsidenten – Herrn Markus Söder – nicht sonderlich gut zu sprechen bin. Mein „altes Ich“ hätte ihn an dieser Stelle als aufgeblasenen Lackaffen und Wendehals betitelt, aber das ist ein für alle Mal vorbei. Ich nenne ihn jetzt einfach Markus. Meine Welt hat sich nämlich grundlegend verändert und das ging so:

Auf dem Yoga-Retreat, an dem ich kürzlich teilgenommen habe, durfte ich eine sehr bekannte Meditationsmethode kennenlernen – Metta Bhavana ( deutsch: Mitgefühl / Entwicklung). Sie dient zur Entwicklung einer „mitfühlenden, altruistischen und ego-freien Geisteshaltung“, wie ich nachgelesen habe, ich will Euch ja keinen Blödsinn erzählen.

So weit schon die Theorie. Der Wortlaut der Meditation variiert, aber sinngemäß bedenkt man zuerst sich selbst mit folgenden Worten:

Möge ich geborgen sein.

Möge ich gesund sein.

Möge ich glücklich sein.

Möge ich in Frieden leben.

Also tatsächlich ein ganzes Bouquet bester Wünsche. Als nächstes visualisiert man einen Menschen, den man liebt oder sehr gerne hat und spricht für ihn im Geiste diese Worte.

Mögest Du geborgen sein.

Mögest du gesund sein.

Mögest du glücklich sein.

Mögest du in Frieden leben.

Das gelingt spielerisch und macht viel Freude. Als Drittes lässt man die guten Wünsche jemandem zuteilwerden, dem man nur flüchtig begegnet ist. Es fiel mir beim ersten Mal schwer, mich zwischen meinem Paket- Reinigungs-Mann und dem Schneider zu entscheiden, dem ich seit Jahren unsere Hosen zum Flicken bringe. Ich hoffte, der Segen würde trotzdem wirken, also halb, halb oder zumindest bei einem.

Als Letztes wartete die schwierigste Aufgabe. Man soll nämlich eine Person bedenken, die man hasst oder zumindest nicht ausstehen kann. Und hier, ihr könnt es euch denken, kam Markus ins Spiel. Er wurde mein Auserwählter, dem ich in bestmöglicher Aufrichtigkeit Geborgenheit, Gesundheit, Glück und Frieden wünschte. Und ich tat es am nächsten Tag wieder und es fühlte sich schon leichter an.

Und dann geschah das Unglaubliche. Nach etwa zwei Wochen und einigen Wiederholungen dieser Meditation der liebenden Güte, begegnete ich Markus des Nachts im Traum und, was soll ich sagen, wir hatten eine richtig gute Zeit zusammen. Es war witzig, wir haben herrlich viel und ausgelassen gelacht, fast so, als wäre er ein alter Freund aus Schulzeiten. Ich gebe zu, ich mochte ihn.

Wahnsinn, wie die Kraft der Gedanken alles verändern kann. Also, nicht, dass ich ihn jetzt im echten Leben treffen mag, dazu muss ich vermutlich noch ein Weilchen weitermeditieren, das passt schon, dass wir uns in unterschiedlichen Dunstkreisen bewegen, aber ich habe eine klitzekleine Ahnung davon bekommen, wie heilend es sein kann, seine Energie nicht an Missgunst und Ärger zu verschwenden. Seufz.

Vielleicht mögt ihr es auch mal ausprobieren. Und wenn nicht, kommen vielleicht trotzdem gelegentlich ein paar gute Wünsche bei euch an. Namastè!

Traurige Berühmtheit

Die meisten Menschen kennen Nürnberg ja aufgrund seines Christkindlesmarkt (war einmal), der Bratwürstchen (Drei im Weckla) oder seiner Vergangenheit als Nazihochburg (zum Glück schon lange her). Oder aber von der Verkündung der Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit in den Nachrichten. Vergesst das alles. Wir sind jetzt Corona Hotspot. Was die Nürnberger anders machen als beispielsweise die Bayreuther mit ihren erfreulich niedrigen Fallzahlen, ist mir allerdings ein Rätsel. Ich weiß jedenfalls nichts von heimlichen Raves in alten Bunkern oder finsteren Wäldern, aber ich bin da ja auch altersmäßig irgendwie raus.

Meine Strategie zu steigenden Fallzahlen: ich versuche das Thema, wo es mir möglich ist, auszublenden. Und stelle fest – es tut mir gut. Das erste Mal in meinem Leben kann ich Menschen verstehen, die ganz bewusst keine Nachrichten sehen. Nach monatelanger Informationsüberflutung glaube ich zu wissen, was es im Umgang mit Covid 19 zu beachten gibt. Dafür brauche ich kein tägliches Update, keine aktualisierten Todesfälle, Infektionszahlen und Inzidenzwerte. Wirklich wichtige Neuigkeiten erfahre ich sowieso, ich lebe schließlich nicht auf dem Mond. Es hilft mir jedenfalls, nicht zu viel über das Ganze nachdenken, das schlägt mir nämlich schon ein wenig auf den Magen, von der gebeutelten Psyche mal ganz abgesehen.

Beispielsweise, dass die geltenden Corona Maßnahmen zugunsten des Konsums getroffen wurden, ist zwar unter wirtschaftlichen Aspekten durchaus verständlich (irgendeiner muss ja das Geld ranschaffen) und es freut mich vor allem für die kleinen Einzelhändler, aber auch ein Zeichen unserer (krankenden) Zeit. Konsum vor Kultur. Klar, es gibt Menschen, die Shoppen glücklich macht. Dieses Gefühl ist leider meist nicht sonderlich nachhaltig, sondern beschert nur ein kurzes High. Und man darf in Nürnberg ja auch nur noch mit triftigem Grund & zielgerichtet Weihnachtseinkäufe tätigen. Also nichts da, Bummeln und Glühwein. Das wäre ja auch schon wieder viel zu kommunikativ. Und davon können die Menschen ja nicht genug bekommen und schlagen dann gleich wieder über die Stränge (Knecht Markus, wo ist die Rute?). Ich kenne so einige Museen, die sich freuen würden, wenn über einen Tag verteilt so viele Besucher kämen, wie mir in 10 Minuten im Shoppingcenter über den Weg laufen. Das verstehe ich zum Beispiel nicht. Zum Glück sind sie ja wenigstens mit den Bibliotheken in Bayern wieder zurückgerudert. Das hat ja auch keiner verstanden, warum die wieder schließen sollten.

Und wo sind eigentlich die Auswertungen über Ansteckungswege? Muss man den Kindern und Jugendlichen wirklich die Möglichkeit nehmen, mit ihren Vereinen draußen Sport zu machen – unter Einhaltung von Abstandsregeln und mit Hygienekonzept? Das ist wirklich nicht gut, wenn ein testosterongesteuertes Pubertier kein Ventil für seine unbändige Energie hat. Wenn ich Bundeskanzlerin wäre, würde ich versuchen, von wenigstens 1000 der inzwischen über 1 Millionen Genesenen herauszufinden, wo sie sich angesteckt haben könnten, um zur Abwechslung auch mal Situationen ausschließen oder vernachlässigen zu können. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich in einem Restaurant mit neuer superteurer Luftfilteranlage und Hygienekonzept anzustecken? Könnte es für seine Bemühungen vielleicht eine Ausnahmegenehmigung bekommen? Ja, das Problem mit den Ausnahmen, dann wird alles so furchtbar kompliziert. Aber bei unserem Steuersystem stört das ja auch niemanden wirklich, zumindest wurde es nie nach Merzscher Bierdeckelart abgeändert (Ob er den Vorschlag nochmal als neuer CDU-Chef einbringen wird?). Vielleicht könnte man dann ein paar Maßnahmen besser nachvollziehen und frohen Herzens mittragen.

Das frohe Herz ist bei den meisten hier sowieso dahin, alle paar Tage eine neue Quarantänemaßnahme bei irgendeinem Schulkind- allein daran merkt man die höheren Fallzahlen, auch ohne jeglichen Faktencheck. Dass der Wohnsitz von uns Markus jetzt ein Corona Hotspot ist, könnte einen ja fast mit Schadenfreude erfüllen, wäre die Lage nicht so ernst. Aber es bleibt natürlich zu befürchten, dass der Klassenprimus sein Ungenügend wieder ausmerzen(!) möchte und sich in nächster Zeit noch mal ordentlich ins Zeug legt. Vielleicht sollte er es statt mit der Rute mal mit ein paar schlüssigeren Maßnahmen versuchen, dann klappt es vielleicht auch mit den lieben Mitbürgern und Mitbürgerinnen etwas harmonischer. Ist ja Weihnachtszeit, gell.

Kasperltheater

horstundmarkus2Ich fühle mich ja durchaus boarisch, auch wenn ich von Grund auf Fränkin bin und beides zeitgleich eigentlich nicht geht. Das ist wie Köln und Düsseldorf, entweder oder. Aber als Kind preußischer Eltern bin ich wohl doch zu kosmopolitisch erzogen, um das so genau zu nehmen. Mit was ich in Bayern aber echt nicht klar komme, sind seine Ministerpräsidenten. Da war dieser rotgesichtige Grantler Strauß, als ich zur Welt kam und der mir gleich völlig suspekt war. Zur Amtszeit Max Streibls war ich mit anderem beschäftigt, wunderte mich dann aber schwer über unseren nach Worten ringenden Edmund. Tja, der Günther hatte ja nur ein kurzes und eher blasses Gastspiel und dann kam schließlich uns Horst, der jede Woche mit Inbrunst Neues und Gegensätzliches verkündet und eigentlich besser schweigen sollte. Er trägt den Geist des königlichen Bayerns nach Berlin. Und jetzt kommt auch noch Markus daher und will mitspielen. Den habe ich ja schon ganz lieb. Ich habe letztens eine Karikatur über den Wahlkampf zwischen Hillu und Trump gesehen, die deren Wahl mit der zwischen Pest und Cholera verglich. So weit würde ich in diesem Fall vielleicht nicht gehen. Aber den Vergleich mit der Wahl zwischen Herpes und Fußpilz fände ich durchaus treffend.