Und wieder schreit der Frieder

Die „Frieder“ – Bücher von Gudrun Mebs sind ja schon lange kein Geheimtipp mehr, trotzdem möchte ich sie gerne empfehlen, weil ich sie, ganz abgesehen davon, dass das Vorlesen viel Spaß macht, für eine wunderbare Erziehungshilfe halte. Das mag manch eine(r) unbegreiflich finden. Denn zunächst einmal verhält sich die Oma, die mit dem etwa sechsjährigen Frieder zusammen lebt, pädagogisch völlig daneben. „Ja, lässt Du mich gleich los, Rotzbub“ ist stets ihre erste Reaktion, wenn der Bub mal wieder was von ihr will. Ist ja auch mehr als verständlich, schließlich bügelt sie gerade, strickt, kocht oder erledigt, was sie eben so zu erledigen hat. Da will man eben nicht auf der Stelle Wüste spielen, Wände streichen oder als Roboter durch die Wohnung steuern. Doch dafür hat Frieder gar kein Verständnis und versucht mit allen Mitteln die Oma dazu zu bewegen, seinen Wünschen nachzugeben. Und das geht meistens nicht gut.
So folgt bald das obligatorische „Ja, bist Du denn vom wilden Watz gebissen!“ von der Oma. Lässt Frieder es doch aus Eimern regnen, um die Oma zum Heimgehen aus dem geliebten Schrebergarten zu bewegen, beschmiert Wände mit Marmelade, weil er sie gerne Rot haben möchte oder verläuft sich, weil er auf eigene Faust das Eis kaufen will, das ihm die Oma nicht sofort besorgt. Doch diese wunderbare Oma ist nicht etwa sauer, sondern läuft zur Hochform auf, um für ihren „Herzensbub“ eine unschlagbar kreative Lösung aus dem Schlamassel zu finden. Frieder weint Tränen der Reue und wird zumindest diesen Blödsinn nie wieder tun. Und so können die Beiden am Ende des Tages gemütlich Kakao trinken und Kekse essen und ihr Zusammensein genießen.
Schrecklich inkonsequent. Stimmt. Frieder bekommt am Ende meist genau das, was er haben wollte und die Oma nicht. Also eigentlich. Weil es lag ja eigentlich nur daran, dass sie gerade keine Zeit hatte. Und kennen wir das nicht alle? Die Wäsche stapelt sich, wir müssen noch eine E-Mail beantworten, gleich haben wir Zeit. Aber „gleich“ geht eben nicht immer. Manchmal muss es eben sofort sein. Und manchmal macht es einfach glücklich, nicht auf seinen Erziehungsprinzipien zu beharren, sondern sich auf die Welt des Kindes einzulassen. Und unkonventionelle Ideen sind dabei das Zaubermittel schlechthin. Kreativ sein gelingt zwar nicht immer, vor allem wenn man übermüdet und gestresst ist, aber wenn, dann macht es richtig viel Spaß. Und da ist Frieder`s Oma einfach eine fantastische Inspirationsquelle.

„Oma!“ schreit der Frieder ( eines von 4 Bänden)
ISBN 978-3-551-37103-4
Empfohlen ab 5 Jahren

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