Was uns Coronamaßnahmen über Klimaschutz lehren

Obwohl wir als Familie coronabedingt 2020 wesentlich weniger Einnahmen hatten als die Jahre zuvor, sind wir im vergangenen Jahr erstaunlich gut über die Runden gekommen. Das lag natürlich daran, dass wir auch wesentlich weniger Ausgaben hatten. Der Sommerurlaub war kürzer und wir verbrachten ihn in der schönen Uckermark. Das sparte Spritkosten und auch teure Fährverbindungen waren dorthin nicht nötig. Wir hatten trotzdem eine tolle Zeit. Auch viele andere kleine und große Ausflüge fielen flach oder beschränkten sich auf die nähere Umgebung. Nicht unbedingt notwendige Anschaffungen wurden zurückgestellt und beim Kauf von Klamotten waren wir eher zurückhaltend. Ist ja alles nicht so wichtig, wenn man den Großteil der Zeit zuhause verbringt. Und so ging es den meisten.

Nüchtern betrachtet war 2020 ein Jahr, das uns gezeigt hat, wie das Leben aussehen könnte, wenn wir es mit dem Klimaschutz wirklich ernst nehmen und wir das Ruder noch herumreißen wollen. Ohne eine klare Entscheidung für den Verzicht geht es nämlich nicht. Fernreisen sollten wieder etwas Besonderes sein, dem man einige Jahre entgegenfiebert und nicht ein Punkt auf der To-Do-Liste. Zu Fuß die Umgebung erwandern statt Städtereisen mit dem Flugzeug in völlig überlaufene Metropolen. Anstelle des Jahres Australien oder Neuseeland nach dem Abitur könnte das gute alte Interrail quer durch Europa wieder zum (Entschuldigung!) heißen Scheiß werden. Shoppen darf keine Freizeitbeschäftigung mehr sein, sondern die Anschaffung notwendiger Dinge und Extras mit Augenmaß. Reparieren statt Neuanschaffen und endlich wieder die Paketflut durch das Onlineshopping reduzieren, sobald die Geschäfte wieder geöffnet haben. Dass die Wirtschaft auf diese Weise nicht so weiter wachsen kann wie bisher ist auch klar, aber ständiges Wachstum und Klimaschutz passen nun mal nicht zusammen.

Ich bin jedenfalls gerne bereit, meinen Konsum auch nach Corona (falls es das gibt) einzuschränken und auf Dinge zu verzichten, Hauptsache, ich kann wieder unbekümmert und maßlos mit meinen Freund*innen und der Familie zusammen sein. Das ist übrigens auch weitaus klimaneutraler als das Streamen von Netflix Serien oder Fitnessvideos allein im stillen Kämmerlein. Diese Errungenschaft der Technik ist nämlich ein echter Energiefresser. Wenn ich also endlich wieder in mein Studio zum Tanzen gehen kann, spare ich Strom, vorausgesetzt natürlich ich fahre mit dem Fahrrad dorthin. Tja, habe ich gesagt, dass Klimaschutz mit Verzicht einhergehen muss? Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Kindermund: eine Frage des Charakters

Fragt der kleine Erik seine Mutter:

“ Was ist ein schlechter Charakter?“

Die Mutter erklärt:

„Wenn jemand nicht teilt, niemandem hilft, nur an sich denkt… (und vieles mehr).“
„Und was ist ein guter Charakter?“

Die Mutter zählt wieder auf:

„Wenn jemand mit anderen teilt, anderen Menschen hilft, auch an andere denkt…usw.“

Der kleine Erik denkt eine Weile nach. Dann sagt er:

“ Also, ich glaube, ich bin so ein mittlerer Charakter.“

Buchtipp: „Train Kids“

von Dirk Reinhardt

In den Nachrichten können wir gerade Bilder von einem gewaltigen Flüchtlingsstrom aus Honduras sehen, von Menschen, die in die USA wollen, getrieben von Armut, befeuert von der Hoffnung, Joe Biden würde mehr Verständnis für ihr Schicksal haben als sein Vorgänger.

Wie passend das Buch, das wir in den Weihnachtsferien gelesen haben und  in dem es genau um dieses Thema geht. Der etwa elfjährige Angel, Hauptperson Miguel (14), Jaz, die eigentlich ein Mädchen ist, Emilio und Fernando (16), die aus verschiedenen Ländern Südamerikas (unter anderem Honduras) stammen, lernen sich zufällig an der Südgrenze zu Mexico kennen und beschließen, die 2500 Kilometer lange, gefährliche Reise durch das Land gemeinsam durchzustehen. Fernando, der Älteste, hat es schon einige Male versucht und wertvolle Erfahrungen sammeln können, wo man auf der Strecke Verbündete bezahlen muss, an welchen Stellen man von den Güterzügen abspringen muss, um Polizeikontrollen zu entgehen und wo es hilft, sich von der Kälte mit dem Schnüffeln von Klebstoff abzulenken. Ständig prahlt er mit unglaublichen, oft brutalen Geschichten, bei denen die Jüngeren nie so genau wissen, ob sie wirklich stimmen können.

Bald stellt sich heraus, dass sie ohne Fernando verloren wären, denn es dauert nicht lange, bis die ersten Gefahren auf sie lauern – korrupte Polizeibeamte, Banditen, Drogen- und Menschenhändler und nicht zuletzt unzählige Unfälle beim Auf- und Abspringen auf die Züge oder durch herabhängende Äste, Hitze und Kälte und vieles mehr. Und dennoch nehmen sie die gefährliche Reise auf sich. Sie fliehen vor der Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat, vor der Armut oder weil sie ihren Müttern nachreisen, die sie schon vor vielen Jahren nachholen wollten und es nie geschafft haben, als Illegale in den USA genug Geld zu verdienen. Im Lauf der Reise erfahren wir immer mehr von den Jugendlichen, sie kommen sich näher und knüpfen ein enges Band durch alles, was sie zusammen erleben. Dass die Wirklichkeit kein bisschen besser ist als die fantastischen Geschichten Fernandos, ist eine bittere Erkenntnis auf ihrem Weg.

Ihr wisst wahrscheinlich inzwischen, dass ich nicht gerne zu viel verrate von den Büchern, die ich vorstelle, ich möchte nur Lust zum Lesen machen. „Train Kids“ ist ein sehr spannendes, aber eben auch realistisches Buch, weshalb es an einigen Stellen auch wirklich grausam ist. Deshalb würde ich die Lektüre ab 13 Jahren empfehlen, auch wenn ich sie durchaus für zumutbar halte. Wir lesen schließlich nur darüber und sind nicht teil dieser gefährlichen Reise. Ich habe aber beim Vorlesen zugegebenermaßen ein paar Stellen ausgespart… “Train Kids“ ist eine tolle Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt, über Hoffnung und Träume und darüber, wie traumatische Erfahrungen Menschen verändern. Und sie sensibilisiert für Menschen, die unter so viel schwierigeren Bedingungen aufwachsen müssen als wir.

Dirk Reinhardt schreibt im Nachwort von seinen Recherchen und den Menschen, die er kennengelernt hat. 300000 Menschen passieren pro Jahr die Südgrenze Mexicos, um in die USA zu gelangen, die wenigsten schaffen es und versuchen es doch immer wieder.

„Train Kids“ von Dirk Reinhardt, Carlsen, ISBN 978-3-551-31614-1

Schulstart mit ???

Fast hätte nur noch ein „Tschakka, wir schaffen das!“ unter der Mail der Schulleiterin gefehlt. Sie seien gut vorbereitet, schreibt sie, das Programm der nächsten Wochen scheint ambitioniert. Dass noch 37 Endgeräte für Schüler*innen ohne fehlen, ist da nur ein unschönes, fasst zu vernachlässigendes Detail. Wir Eltern wollen so gerne daran glauben, dass diesmal alles besser läuft. Und dennoch bleibt ein ungutes Bauchgefühl. Bitte keine Wiederholung des Dezembers. Immerhin wird jetzt betont, die Teilnahme am Distanzunterricht sei verpflichtend, sie soll sogar per Rückmeldung bei der Lehrkraft überprüft werden. Welch simple, doch bestechend wirksame Idee (auf die „man“ zugegebenermaßen schon vor ein paar Monaten hätte kommen können, aber Schwamm drüber). Die sich selbst überlassenen älteren Schüler*innen ( insbesondere männlicher Natur) freuen sich jedenfalls wieder auf unbegrenztes Wlan, um weiter an ihrer Gamerkarriere feilen zu können. Die Argumente sind auf ihrer Seite. „ Du, wir haben gleich nochmal Onlineunterricht.“ und „Ich muss gleich nochmal was auf Mebis nachgucken.“. Wir Eltern stehen dem Ganzen hilflos gegenüber, wollen wir nicht den ganzen Tag neben dem Rechner der Zöglinge wachen. Oder wir sind schlichtweg gar nicht zuhause oder kennen uns null damit aus, wie wir das Wlan geräteabhängig und wirksam einschränken können. Naja, was soll`s, jeder hat so seinen ganz persönlichen Horror vorm Homeschooling. Ich versuche mich trotzdem im positiven Denken – und atme. Immer wieder ganz tief ein und aus. Bis in den Bauch – für das gute Gefühl. Vielleicht wird es diesmal ja ganz anders. Kann ja sein. Ich drücke Euch (und uns) allen die Daumen!