Die Adventszeit war, wie vermutlich bei den meisten von euch, so auch bei uns mal wieder wenig besinnlich. Gut, ich habe es immerhin geschafft, einmal mit den Kindern Plätzchen zum Ausstechen zu backen und wir waren auf dem Romantischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis in Regensburg, der sein Eintrittsgeld wert ist, findet man sonst wohl kaum so dicht an dicht traditionelles Handwerk zum Anfassen und Kaufen. Ansonsten war ich froh, dass es zum Bildungsauftrag unserer Grundschule gehört, zu singen und zu musizieren. So trällert wenigstens das kleine Kind weihnachtliche Lieder, die es zu Hause nicht hört. Naja, vielleicht klappt es ja an Weihnachten mit der „Hausmusik“. Auf dem Weg zum Adventskonzerts des großen Kindes passte mich doch tatsächlich die Polizei ab, nachdem ich mit dem Fahrrad bei fast schon Grün ( aber doch noch Rot) schon mal über die Ampel gefahren war. Mist, 100,-€ und ein Punkt in Flensburg. Ich versuchte, es als großzügige Spende für die Stadt Nürnberg zu sehen, aber irgendwie hakte es etwas mit dem in Stimmung kommen. Der Glühwein versöhnte mich dann ein wenig mit meinem Unglück und es wurde noch ein vergnüglicher Abend. Das Lebkuchentasting mit Freunden am 3.Advent war eindeutig eines der Highlights dieser hektischen Wochen.( Es siegten übrigens die Elisenlebkuchen von Göllmann vor Düll. Wir haben aber auch nur sechs Sorten getestet, was für ein mehr als dezentes Völlegefühl aber auch völlig ausreichte.) Seit diesem Tag haben wir ein Friedenslicht, das der Sohn unserer Freunde vom Ökumenischen Gottesdienst in der Nürnberger Lorenzkirche mitgebracht hatte. Die Idee, ein Licht aus Bethlehem zu uns zu bringen, entstand schon in den Achtziger Jahren. Seit dem verteilt sich in der Adventszeit immer wieder eine Lichtspur durch große Teile Europas als weihnachtliches Symbol für den Frieden. Eine schöne Idee und durch den liebevollen Austausch zahlreicher Kerzen zwischen diversen Nachbarn brennt es tatsächlich noch immer. In diesem Jahr, wo sich das Klima in Gesellschaft und Politik so verschlechtert hat, machen solche Zeichen noch mal einen ganz anderen Sinn. Ich bin froh, dass, obwohl ich selbst nicht gläubig bin, zumindest Vertreter der Kirche in den letzten Monaten immer wieder an Humanität, Weltoffenheit und christliche Werte erinnert haben. In Zeiten von Attentaten unmittelbar in unserer Nähe fühlen sich Wünsche nach Frieden auf einmal nicht mehr so abstrakt und weit entfernt an, wie sie sich einmal angefühlt haben und ich wünsche mir sehr, dass unsere Gesellschaft stabil genug ist, rechtem Gedankengut, Hetze, Gewalt und Populismus Paroli zu bieten.
Zurück vom Großen ins Kleine. Es ist fast geschafft. Der letzte Arbeitstag, der letzte Einkauf, die letzte Überweisung, das Krippenspiel und dieser kleine Weihnachtsgruß an Euch. Ich wünsche Euch, dass ihr trotz aller To Do – Listen, Zeit für Freunde und Familie findet und sie auch genießen könnt. Und dass ihr auch mit euren Sorgen und Ängsten und eurer Traurigkeit nicht alleine bleibt. Alles Liebe, Ella.
Wer seinen ersten wahrhaftigen Elisenlebkuchen isst, dem widerfährt ähnliches wie beim Genuss des ersten richtig guten Kaffees: Man möchte nichts anderes mehr. Als Kind ahnte ich nichts von derlei Genüssen, kauften wir Lebkuchen nur im 8er Pack zu geschätzt 1,59DM im Discounter. Soviel wie ein einzelner Elisenlebkuchen in Euro kostet. Dieser stolze Preis macht schon klar, dass er sich nicht zum sinnlosen Verschlingen eignet, sondern zum Genuss mit allen Sinnen. Und ehrlich gesagt, ist er so reichhaltig, dass meist schon ein Halber glücklich macht. Einer meiner liebsten Lebkuchenbäcker ist die Lebküchnerei Woitinek, deren Waren auch über Nürnberg hinaus im Online-Shop erhältlich sind. Wer sich aber ein eigenes Urteil bilden möchte, sollte sich mal zum Lebkuchen Tasting treffen und das „famous gingerbread“ der achtzehn Mitgliedsbetriebe testen, die die geschützten original Nürnberger Lebkuchen herstellen dürfen. Ein guter Anlass, im Advent zusammen zu kommen, wie ich finde.

Ich fühle mich ja durchaus boarisch, auch wenn ich von Grund auf Fränkin bin und beides zeitgleich eigentlich nicht geht. Das ist wie Köln und Düsseldorf, entweder oder. Aber als Kind preußischer Eltern bin ich wohl doch zu kosmopolitisch erzogen, um das so genau zu nehmen. Mit was ich in Bayern aber echt nicht klar komme, sind seine Ministerpräsidenten. Da war dieser rotgesichtige Grantler Strauß, als ich zur Welt kam und der mir gleich völlig suspekt war. Zur Amtszeit Max Streibls war ich mit anderem beschäftigt, wunderte mich dann aber schwer über unseren nach Worten ringenden Edmund. Tja, der Günther hatte ja nur ein kurzes und eher blasses Gastspiel und dann kam schließlich uns Horst, der jede Woche mit Inbrunst Neues und Gegensätzliches verkündet und eigentlich besser schweigen sollte. Er trägt den Geist des königlichen Bayerns nach Berlin. Und jetzt kommt auch noch Markus daher und will mitspielen. Den habe ich ja schon ganz lieb. Ich habe letztens eine Karikatur über den Wahlkampf zwischen Hillu und Trump gesehen, die deren Wahl mit der zwischen Pest und Cholera verglich. So weit würde ich in diesem Fall vielleicht nicht gehen. Aber den Vergleich mit der Wahl zwischen Herpes und Fußpilz fände ich durchaus treffend.
Wenn im August die lauschigen Abende zusehends kürzer werden, beginne ich, um den sich ausschleichenden Sommer zu trauern und bange vor der langen, kalten Jahreszeit, die vor mir liegt. Jetzt ist gekommen, vor dem mir gegraut hat. Es ist morgens wieder dunkel und kalt – vorbei die Leichtigkeit warmer Sommertage. Doch gibt es da etwas, was mir Trost spendet – die Winterküche. Manches schmeckt eben nur, wenn es draußen pfeift und stürmt. Einfach superleckere Rezepte, wie beispielsweise für Maronencremesuppe mit Apfel-Nuss-Topping oder Kaspressknödel, finde ich in dem Buch „ DEFTIG VEGETARISCH“ von Anne-Kathrin Weber, mit wunderschönen Aufnahmen von Wolfgang Schardt. Das herzhafte Aroma, das man sonst nur von Gerichten mit viel Speck und Fleisch kennt, gibt es hier auch ganz ohne. Vegetarisches Knödelkoma sozusagen;-) Meine Art, der Kälte zu trotzen.
Für viele Menschen ist ja Fliegen heutzutage so selbstverständlich wie mit dem Auto zu fahren. Vielleicht sogar selbstverständlicher, nennen Großstädter Letzteres ja immer seltener ihr Eigen, da sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln meist wesentlich schneller ans Ziel gelangen. Beispielsweise zum Flughafen. Ich dagegen fliege weder beruflich noch privat regelmäßig, sondern nutze für weitere Reisen meist das Auto und, wo es mir möglich ist, ganz old fashioned, die Bahn, obwohl zugegebenermaßen jeder zweite Zug Verspätung hat oder gar ausfällt. Aber da bin ich irgendwie erstaunlich leidensfähig, glaube ich doch noch irgendwie an das Gute bei der DB. Manche jungen Kosmopolit(inn)en, die in der ganzen Welt arbeiten und Party machen, denken gar nicht mehr darüber nach, ob es irgendeinen Sinn macht, zu fliegen und wählen beispielsweise für ihre Reise von Berlin nach Nürnberg den Flieger nach München, um von dort nach Nürnberg weiterzufliegen – bei näherer Betrachtung ein absurdes Unterfangen, aber kritische Fragen zum Umweltschutz existieren in ihrer Welt nicht. Genauso wenig, wie sie die Sinnhaftigkeit hinterfragen, ein Shirt aus einem australischen Online Shop zu ordern, das einmal um die ganze Welt zu ihnen geflogen wird, am Besten innerhalb 48 Stunden. Die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, wieso also nicht nutzen. Aber dazu ein andermal mehr, zurück zu mir. Wenn sich nämlich so ein Greenhorn wie ich zu einem Flug aufmacht, erlebt es mit höchster Wahrscheinlichkeit erst mal sein Wunder. Es wird nämlich vermutlich nicht mit den anderen Passagieren abheben. Die meisten Airlines buchen inzwischen über, damit sie keine Verluste einfahren, das heißt, wer zuletzt und vielleicht auch noch am Schalter eincheckt, hat verloren. Und das sind natürlich nicht die mit allen Wassern gewaschenen Vielflieger, die selbstverständlich online einchecken und einen Riesenaufstand fabrizieren, wenn man ihnen erzählt, sie seien STAND BY und könnten eventuell nicht mitfliegen. Wer am lautesten schreit, kommt mit, den anderen wird ein späterer Flug und ein Reisegutschein angeboten. Wohl dem, der dann keinen Anschlussflug erreichen muss. Ich bin also wieder nach Hause gegangen und bin am nächsten Morgen geflogen – was ich mit meinem Reisegutschein mache, weiß ich noch nicht. Von meinen drei beruflichen Inlandsflügen, die ich an diesem Tag antrat, hatte der zweite eineinhalb Stunden Verspätung und für die Strecke des Dritten hätte ich mit dem Auto zweieinhalb Stunden gebraucht. Das hat für mich alles nicht so recht Sinn gemacht. Aber meinen Horizont habe ich immerhin erweitert und weiß jetzt: immer online einchecken , das geht ganz leicht auf der Seite der Airline. Aber ob das noch so sein wird, wenn ich nächstes Mal fliege, das weiß ich nicht. Am Besten frage ich dann vorher jemanden, der sich damit auskennt und über meinen Erlebnisbericht gerade nur müde lächeln kann. Vielleicht hilft die kleine Episode aus meinem Leben irgendjemandem, planmäßig an seinem Reiseziel zu landen. Das würde mich freuen 🙂
Im Urlaub habe ich das Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells gelesen und es hat mich noch lange danach beschäftigt. Es erzählt davon, welch unterschiedliche Strategien drei Geschwister, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, entwickeln, um mit diesem tragischen Verlust fertig zu werden. Wirklich aufgearbeitet wird er eigentlich nie und so reichen seine Folgen weit in das Leben der inzwischen Erwachsenen hinein. Ich habe meine Mutter im Alter von zwölf Jahren verloren, nicht plötzlich, aber doch ziemlich unvorbereitet. Man möchte Kinder nicht belasten und spricht deshalb mit ihnen oft nicht über Krankheit und Tod, ganz nach dem Motto, was man nicht ausspricht, ist auch nicht da. Aber man kann Kinder nicht vor dem Schmerz bewahren, man kann sie höchstens mit ihm allein lassen. Lange Zeit nach dem Tod meiner Mutter habe ich in einer Buchhandlung ein Buch entdeckt ( dessen Titel ich leider nicht mehr kenne), in dem sich eine an Krebs erkrankte Mutter gemeinsam mit den Kindern auf ihren Tod vorbereitet und mit ihnen ein Erinnerungskästchen füllt, das sie nach ihrem Tod in die Hand nehmen können, wenn sie traurig sind und die Mutter vermissen. Etwas, das ihnen über den Tod hinaus bleibt, eine Verbindung und gemeinsame Erinnerung. Ich fand diesen Weg wunderschön und hätte mir auch so eine Vorbereitung und Hilfestellung gewünscht. Aber wer kennt sich schon aus mit dem Sterben? Der plötzliche Tod lässt sich natürlich überhaupt nicht vorbereiten, aber anders als bei Benedict Wells, kann man Kinder zumindest danach unterstützen, ihn aufzuarbeiten. Die drei Geschwister seines Romans kommen nach dem schweren Schicksalsschlag ins Internat und werden mit ihren Gefühlen fast völlig allein gelassen. Kinder sind nicht blöd, sie sind fühlig. Solltet ihr in eurer Familie mit Krankheit und Tod konfrontiert werden, gebt ihnen Antworten auf ihre Fragen, auch wenn ihr selber Angst habt vor dem, was da kommen mag. Natürlich altersgerecht und mit der Souveränität des Erwachsenen. Nehmt die Kinder mit auf diese Reise, soweit das möglich ist. Dann werden sie danach vielleicht leichter wieder ins Leben zurück finden.
Auf der kleinen dänischen Insel Samsö gibt es eine wunderbare Gepflogenheit: vor gefühlt jedem zweiten Haus steht ein kleines Holzregal, in dem die Menschen alles, was Garten und Acker hergeben, für umgerechnet ein, zwei Euro zum Verkauf anbieten. Das können Kartoffeln und Äpfel sein, aber auch Blumen oder Eingemachtes. Manchmal verkaufen die Samsöer auch ihre alten Lampen, Geschirr und Bücher oder verschenken sie. Eine alte festgeschraubte Geldkassette regelt die Finanztransaktion, der Preis steht auf Kisten und Tüten. Man sollte also immer ein paar Münzen in der Tasche haben und sich den Einkauf von Obst und Gemüse im Supermarkt sparen. Wie gut würde mir das auch in Deutschland gefallen. Was klagen die Gartenbesitzer oft im Sommer über die kaum zu bewältigende Verwertung ihrer Ernte. Wieso nicht einfach für kleines Geld verkaufen? Den Gartenlosen wird es freuen – frisches Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger und dazu in aller Regel noch ungespritzt. Und die/der fleißige Gärtner(in) kann mal die Beine hochlegen, anstatt das zigste Marmeladenglas befüllen zu müssen oder zum zehnten Mal in Folge Zucchini zu essen. Auch den Tauschhandel könnten solche Regale vereinfachen. Ob in der Großstadt allerdings nicht die ein oder andere Kasse geknackt würde, möchte ich nicht ausschließen. Vielleicht habt ihr ja einen Garten und euch gefällt die Idee? Ich würde auf jeden Fall kaufen.