Was ist nur aus Ketchup & Mayo geworden?

Als wir, ein Arbeitsteam von Frauen zwischen zwanzig und fünfzig, kürzlich fast an der Bestellung des Mittagessens verzweifelten, überfordert von der üppigen Auswahl an Bowls, Salaten, dazugehörigen Dressings und Extrazutaten, kamen wir schnell überein, dass wir alle uns nach mehr Einfachheit sehnten. Wieso mussten Burger heute Ziegenpeter oder Trittbrettfahrer heißen und uns vor unlösbare Rätsel stellen? Und was ist eigentlich aus dem guten alten Rot-Weiß, dem unmissverständlichen und schlichten Ketchup und Mayo geworden? Und wieso kann mir ein Barkeeper heute nicht einfach einen mit billigem Fusel gemischten Gin Tonic vor die Nase stellen, anstatt mich mit seiner Auswahl von hunderten von Sorten zuzutexten, um mir dann 18,-€ für einen Gin abzuknöpfen, der nach Whiskey schmeckt und überhaupt nicht zu Tonic passt? Ach, wie einfach war das noch zu meiner Jugend. Currywurst statt beyond meat (sagt die Vegetarierin, die damals noch keine war), Stammtischparolen statt sorgsam bedachter Worte, Männlein oder Weiblein statt LGBTQIA+, das Leben ist komplex geworden und manchmal kommt man nicht mehr mit. Too much information auf viel zu vielen Kanälen.

Nachrichtenportale liefern ununterbrochen neue Headlines aus aller Welt, wir sehen schreckliche Dinge, großartige, ununterbrochen. Social Media überschwemmt uns mit Superlativen. Spotify kennt meinen Geschmack und streamt ein Lied, das klingt wie das andere, die Künstler selbst kenne ich kaum noch. Alles beliebig und austauschbar. Sich jahrelang auf ein neues Album zu freuen, klingt heute nahezu absurd. Und wieso noch selbst kreativ werden, wenn es wirklich schon alles gibt? Die KI imitiert gekonnt Künstler aller Genres, ob aus der Musik, der Malerei oder der Literatur. So wie heute über Nacht Karrieren ungeahnter Dimensionen über TikTok entstehen, so unmöglich erscheint inzwischen das klassische, jahrzehntelange Erarbeiten einer Künstlerkarriere, in der man sich und seinen Stil langsam entwickeln kann. Wo Ideen innerhalb kürzester Zeit verbreitet und nachgeahmt werden, sind diese Prozesse passé. Für junge Menschen vermutlich ein kleineres Problem, weil es für sie normal ist, dass ihre Welt so funktioniert. Andererseits hat auch die Gen Z inzwischen begriffen, was für ein paradiesisches Leben wir in den 80ern und 90ern hatten und nicht Wenige verehren diese Zeit, in der man noch ungehemmt feiern konnte, ohne Angst haben zu müssen, dass der Absturz in allen Details mit der Kamera dokumentiert und mit der Community geteilt werden würde. In der man den Moment leben konnte, ohne den Status zu ändern und sich dabei ins richtige Licht stellen zu müssen– die große Freiheit von Social Media.

Aber wie gehen wir damit um? Denn gesund ist diese ganze Informations- und Möglichkeiten Flut für unsere sensiblen Psychen nicht, fürchte ich. Vielleicht besonders für unsere Generation, die das Vorher noch kennt, aber nicht alt genug ist, um sich dem Nachher zu verwehren, die irgendwie mitkommen muss in dieser Schnelllebigkeit, in der nichts bleibt, wie es ist und die uns und unsere Aufmerksamkeit permanent fordert.

Ein Phänomen ist die Sehnsucht nach der Natur, die sich im rasant gestiegenen Tourismus in den Bergen samt Outdoorequipment zeigt. Aber auch daran, dass mehr Menschen als jemals zuvor, ihren Traum vom eigenen (Camping)Bus leben. Draußen sein in der Natur, an den schönsten Orten. Meistens klappt es zwar mit dem „draußen“, aber nicht mit dem „weg“, denn das Arbeiten und Posten von unterwegs verhindern den Digital Detox. Um die Verbindung zu kappen, bedarf es mehr. Dazu lassen sich manche Menschen tagelang in einsamen Wäldern aussetzen, um sich und „das echte Leben“ wieder zu spüren. Bin ich überlebensfähig fernab der digitalen Möglichkeiten, durch die ich mir 24/7 alles liefern lassen kann, was ich brauche? Eine berechtigte Frage. Vielleicht geht es aber auch kleiner. Öfter die Geräte weglegen und raus gehen, sich Auszeiten schaffen. Man kann Apps löschen, die allzu erfolgreich unsere Aufmerksamkeit einfordern oder zumindest Benachrichtigungen deaktivieren und Signaltöne ausschalten.

Ich versuche es gerade damit, meine täglichen Routinen ein wenig umzustellen. Morgens schalte ich nicht gleich das Radio an, um mit den ersten schlechten Nachrichten in den Tag zu starten und abends versuche ich, den Tag nicht mit den grausamen Bildern von Kriegen und Absurditäten des Politikgeschäfts zu beenden. Dazwischen bleibt immer noch eine Menge Zeit, um von allen möglichen Kanälen informiert zu werden. Yoga und gelegentliche Meditation helfen mir, besser bei mir zu bleiben und den täglichen Herausforderungen mit mehr Gelassenheit zu begegnen. Ich versuche, dankbar zu sein und genieße die Begegnungen mit Menschen, die mir etwas bedeuten, denn sie bereichern mein Leben. Ich denke, für unsere seelische Gesundheit wird es noch wichtiger werden, Beschäftigungen zu finden, die keinen anderen Nutzen haben, als uns gut tun, Dinge für sich selbst zu tun und nicht, um von außen Zuspruch und Anerkennung zu bekommen. Im Moment zu versinken, bei sich zu sein. Das ist, denke ich, die wirksamste Waffe, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren und „vom Metaverse verschlungen zu werden“. Und schön, wenn es euch nicht so geht und ihr es schafft, all das gelassen zu verarbeiten, was euch auf Messagern und Social Media, in E-Mails, Newslettern und dem Newsfeed tagtäglich erreicht.

Das klingt jetzt alles pathetisch und glaubt mir, ich scheitere ständig, aber ich begebe mich immer wieder auf die Suche nach einem guten Weg. Was die Essensbestellung angeht, fahre ich mit der Strategie ganz gut, einfach das erstbeste vegetarische Gericht zu nehmen, das angezeigt wird- ohne Extraschickschnack und weiteres Nachdenken. Ich werde mir hoffentlich merken, in einer Bar nie mehr Gin Tonic zu bestellen, obwohl die Gefahr besteht, dass ich es auf jeden Fall vergesse, wenn zwischen den Besuchen zu viel Zeit ins Land gehen sollte. Tja, die Welt wird sich noch krass verändern in den nächsten Jahren. Let`s stay tuned und lasst uns einander die Hände reichen, wenn sie sich für den einen oder die andere zu schnell dreht.

Home schooling und eine mögliche Verlängerung

So, die zweite Woche Home Schooling nähert sich dem Ende. Mein Großer wird heute erstmals online zwei Unterrichtsstunden haben, juhuu! Ansonsten ist mein Resümee: sollte es das gewesen sein, okay, das lässt sich irgendwie verkraften mit all seinen Improvisationen und Ungereimtheiten. Sollte das home schooling allerdings in die Verlängerung gehen, sollte es auch definitiv besser laufen:

Es muss einen einheitlichen Kanal geben.

Egal, ob die Aufgabenverteilung durch eine einzige (!) E-Mail des/r Klassenlehrers/in mit einem Wochenplan stattfindet oder ausschließlich durch Internet Plattformen wie Mebis. Klare Strukturen sind notwendig. Bitte keine E-Mails Flut mehr mit verschiedensten Infos und Anhängen und bitte auch kein E-Mail/Mebis Mix, das würde vieles erleichtern.

Feste Abgabetermine und Kontrollen durch die Lehrkräfte.

Wo bei jüngeren Kindern vielleicht noch die Autorität der Eltern greift, versuchen sich manche Pubertiere durchzumogeln, wo es geht. Wenn es dann keine festen Abgabetermine gibt und nicht kontrolliert wird, ob die Hausaufgabe überhaupt gemacht wurde, sind die Druckmittel zu Hause begrenzt. Die Lehrkräfte müssen gar nicht alles korrigieren, sie können später Lösungsblätter ausgeben, aber sie sollten definitiv die Abgabe der Hausaufgabe einfordern.

So, das wären meine bescheidenen Wünsche im Falle einer Verlängerung. Eigentlich wünsche ich mir aber natürlich, dass die Schule bald wieder weitergehen wird und wir komplett vom Homeschooling erlöst werden. Ich muss jetzt Schluß machen und mich um die Schule kümmern. Vielleicht trinke ich noch schnell einen Schnaps oder werfe Baldrian ein. Besser ist es…

Permanent Record

Als ich vor einiger Zeit mit Freundinnen in der Kneipe saß, kochten auf einmal die Emotionen hoch. Es ging um die Digitalisierung und deren Begleiterscheinungen. Das Empfinden darüber, was am Datensammeln gut und praktisch oder aber überwachend und bedrohlich zu sein scheint, geht meilenweit auseinander, allein schon deshalb, weil es für manche im Berufsleben inzwischen völlig selbstverständlich ist und daher gar nicht hinterfragt wird, während andere die Digitalisierung noch weitestgehend aus ihrem Leben herauszuhalten versuchen. Es gibt die hartnäckigen Verfechter der These, ihre Daten seien uninteressant, sie hätten nichts zu verbergen und überhaupt diene ihre Erfassung, wenn überhaupt, der Optimierung ihres Lebens. Die andere Seite fürchtet die Entwicklung von der Demokratie hin zum Überwachungsstaat, der mit Hilfe von Daten bewerten, kategorisieren und manipulieren kann.

Eine Fortführung dieser verhärteten Fronten beschreibt Bijan Moini in seinem Roman „Der Würfel“, den ich bereits vor einiger Zeit vorgestellt habe. Dort gibt es die „Offliner“, die isoliert in abgeschotteten Dorfgemeinschaften leben und sich dem Digitalen völlig verwehren. Die „Gaukler“ leben zwar innerhalb des Systems, versuchen aber es auszutricksen, in dem sie bewusst Dinge tun, die sie eigentlich nicht mögen und sonst nie tun würden, damit sie nicht einzuschätzen sind. Auch sie beziehen ein Grundeinkommen, aber die „Kubisten“, die so viel wie möglich von sich preisgeben, werden mit zusätzlichem Einkommen und Annehmlichkeiten belohnt. Je mehr Daten, umso mehr Vorteile im Leben. Moini hat sich seine Zukunftsversion der Welt sehr detailliert und schlüssig erdacht und leider wirkt sie eher wie eine mögliche Version von morgen als wie Science Fiction. Wer also mal lesen möchte, wie Leben in digitaler Überwachung aussehen könnte, kann hier einen Eindruck gewinnen.

Als sich Edward Snowden vor einigen Monaten anlässlich des Erscheinens seiner Biographie aus seinem russischen Exil zu Wort meldete, um erneut davor zu warnen, wie sich das Internet entwickelt hat und zu mahnen, dass es einer (technisch möglichen) Form bedürfe, die ohne das Datensammeln einiger weniger Monopolisten auskomme, hatte ich gehofft, dass es eine breite Diskussion auslöse. Aber seine Aufrufe verebbten weitgehend ungehört. Dabei wäre es so wichtig, heute das Internet so zu gestalten, dass es wieder dem Nutzer dient und nicht der Wirtschaft und den Regierungen. Die Möglichkeiten des Internets zu nutzen ohne sie zu missbrauchen, würde die Menschen wieder zusammenbringen, die sich jetzt so uneins sind über Fluch und Segen der Digitalisierung. Das Gelingen scheint mir momentan aber eine Utopie zu sein.

Edward Snowden hat sein Leben aufgegeben, um die Menschen über das illegale, massenhafte Datensammeln der Geheimdienste aufzuklären und er tat dies im felsenfesten Glauben an die amerikanische Verfassung und aus der Überzeugung, dass der Staat den Menschen dienen müsse und nicht umgekehrt. Seine Biographie beschreibt seinen Weg dorthin und lässt besser verstehen, warum er zum Whistlerblower wurde. Auch im Exil kämpft er weiter für eine bessere Welt und arbeitet nach wie vor beispielsweise am verschlüsselten Messanger Signal mit. Mit Hilfe zahlreicher Unterstützer kann er sein Wissen in Vorträgen weitergeben und sich für seine Mission einsetzen. Solange wir Nutzer aber so gleichgültig sind und zulassen, dass Amazon, Google, Facebook und Co. unsere Daten sammeln und weitergeben, spüren die Konzerne keinen Druck, etwas an ihren Geschäftspraktiken zu verändern.

Bildschirmfoto 2020-01-15 um 17.21.21Es bedarf natürlich weit mehr, nämlich einer entsprechenden Gesetzgebung, aber auch gutem Unterricht an den Schulen. Damit unsere Kinder technische Grundkenntnisse zum Schutz ihrer Daten erlernen, aber auch überhaupt erstmal ein Bewusstsein dafür zu bekommen, warum wir uns nicht daran gewöhnen sollten, gläsern zu werden. Warum die Face-ID des Handys zwar praktisch ist, aber auch die Hemmschwelle für eine generelle Gesichtserkennung heruntersetzt. Es bedarf weit mehr als der technischen Ausrüstung der Schulen.

Würden Edward Snowdens Vorstellungen vom Internet umgesetzt, müssten wir uns auf jeden Fall nicht mehr streiten. Das wäre fantastisch.

 

Permanent Records von Edward Snowden

Fischerverlag      ISBN    978-3-10-397482-9

 

Die gute alte Quelle

Meine Quelle.jpgVor einiger Zeit kam ich mit ein paar jungen Leuten am alten Quellegelände in Fürth vorbei. Irgendwann fragte jemand „Was ist eigentlich die Quelle?“. Die Quelle, tja, wie soll ich sagen, eines der Versandhäuser meiner Kindheit, bei der wir regelmäßig unsere Kleidung bestellt haben. Deren Kataloge ich neugierig gewälzt habe und aus dessen Modellen Kleiderpuppen entstanden sind. Später arbeitete ich viele Jahre als Freelancer bei eben diesen Fotoshootings, die sich dann in dem Katalog wiederfanden. Und dann kam 2009 die Insolvenz und nicht mal zehn Jahre später ist sie für die Youngster kein Begriff mehr. Schon verrückt, wie sich das Kaufverhalten inzwischen verändert hat. Für sie kaum mehr vorstellbar, dass man ausschließlich in Geschäften eingekauft hat oder eben in diesen zweimal im Jahr erschienenen mehrere hundert Seiten dicken Hauptkatalogen gewälzt hat, um sein persönliches „It-Piece“ zu finden. Kein Zalando, kein Dawanda, kein Amazon. Was hat dieser Wandel gebracht? Natürlich, ich kann besser genau das finden, was auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Deshalb sind aber auch meine Ansprüche gestiegen. Auch die Verführung, mehr zu kaufen, ist größer geworden, zum einen, weil es durch die globale Konkurrenz im Netz viel mehr Produkte mit ansprechenden Designs gibt, aber auch weil immer ausgeklügelteres Targeting im Internet dafür sorgt, dass mir genau das angeboten wird, was mir gefällt. Die ursprünglich zwei Modesaisons im Jahr sind zu zwei Haupt- und zwei Prècollections geworden mit andauernden Sale Aktionen, um den Kaufanreiz weiter zu erhöhen. Das macht manchmal ganz schön müde. Natürlich bestelle auch ich online, vor allem, wenn ich etwas ganz Bestimmtes brauche. Ich gehe aber auch immer noch gerne in Geschäfte, weil ich nach wie vor finde, dass ein noch so gut fotografiertes Bild weder die Haptik eines Stoffes ersetzen kann, noch zeigt, wie die Klamotte an mir aussieht mit meinen individuellen Maßen und Problemzönchen. Das mag ziemlich old school sein, aber es gibt ja noch das ein oder andere Argument, dass auch für Youngster von Interesse sein dürfte. Zum Beispiel, dass wir nicht alles machen müssen, nur weil wir es können. Weil es den CO2 Ausstoß wieder reduziert, wenn wir nicht andauernd Pakete um die halbe Welt jagen. Weil der Einzelhändler keine Daten sammelt, wenn wir eine Hose anprobieren. Und weil es eigentlich ganz schön ist, wenn wir auch weiterhin durch die Stadt bummeln können und auch dort ein bisschen Vielfalt finden. Die Quelle hat seinerzeit den Wandel ins Internetzeitalter verschlafen, obwohl die Strukturen für den Versandhandel längst geschaffen waren. Und so werden sich bald immer weniger Menschen an die gute alte Quelle erinnern. In Memoriam.

Das System Amazon

Dass bei so manchem Internet Riesen nicht immer alles arbeitsrechtlich und moralisch ganz korrekt läuft, ist nichts Neues. Wie weit diese unsauberen Methoden aber tatsächlich gehen und dass das so möglich ist, ist dann doch erschreckend. Höchste Zeit, gegenzusteuern und dieses Verhalten nicht durch gedankenloses Shoppen zu unterstützen. Eine beeindruckende Reportage aus der Reihe „Die Story“ im Ersten.

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Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing – und wo bleibe ich?

Während sich unsere Großeltern im Laufe ihres Älterwerdens nur daran gewöhnen mussten, dass Telefone zunächst keine Wählscheiben mehr hatten, dann keine Schnur und man sie schließlich überall mit hinnehmen konnte, mussten sich unsere Eltern der Herausforderung des Internets stellen, wollten sie nicht vorzeitig zum alten Eisen gehören. Mit welchen Herausforderungen wir einmal konfrontiert sein werden, mag ich mir gar nicht vorstellen, teilt sich doch bereits jetzt die Gesellschaft in die Gruppe der begeisterten Internetnutzer, die bei Facebook, Twitter oder Instagram zu Hause sind und in die „Verweigerer“, für die es das höchste Maß an Anpassungsbereitschaft ist, einen E-Mail Account zu haben. Die nicht wissen, was ein Blog ist und Angst davor haben, auf Facebook zu erscheinen, sollten sie auf ein falsches Feld klicken. Ursache für die weite Bandbreite an Nutzungsbereitschaft ist sicherlich oft der Beruf, denn der ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe jenseits der dreißig, sich mit Social Media und den ständig neuen Plattformen auseinandersetzen zu müssen – oder eben auch nicht. Wer im weitesten Sinne mit PR zu tun hat, kommt nicht um Social Media herum. Als kleiner Ein-Mann(Frau)-Betrieb kann man das Füttern der verschiedenen Netzwerke und Plattformen allerdings kaum mehr stemmen, auch wenn Posts inzwischen automatisch auf verschiedene Plattformen gestreut werden können. Größere Firmen haben heute fast alle zusätzliches Personal, das sich ausschließlich um zeitlich perfekt abgestimmte Posts, Tweets und Pins kümmert. Was vor gefühlt sieben Jahren massentauglich mit „like mich auf Facebook“ begann, sieht inzwischen aus wie eine Werkzeugpalette im Photoshop: Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing und jeden Monat ein neues Tool. Wer nicht muss, ist meist froh, nichts damit zu tun zu haben und hat oft wenig Ahnung, worum es dabei geht. Und so teilt sich die schöne, neue Welt, schon lange, bevor wir alt geworden sind. Fakt ist, dass technische Entwicklungen immer schneller fortschreiten und wer nicht mithält, ganz schnell draußen ist. Ältere Rechner funktionieren nicht mehr mit neuer Software, der ältere Drucker nicht mehr mit dem neuen Rechner. Ich selber bin schon lange nicht mehr in der Lage, Telefon- und Internetleitungen anzuschließen und ein funktionierendes System aus Rechnern und Festplatten einzurichten. Ich synchronisiere weder verschiedene Endgeräte, noch nutze ich die Cloud. Ich bin eben eine aus der Grauzone. Noch lange, bevor ich grau geworden bin. Wo ich in zwanzig Jahren sein werde, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft.